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Trau keiner Statistik …

… die du nicht selbst gefälscht hast. Es ist interessant, dass am selben Tag zwei Artikel zum Thema „Lebenserwartung“ erschienen sind:

  • Im Spiegel: Weltbevölkerung wächst und altert im Eiltempo

    2050 werden 9,2 Milliarden Menschen auf der Welt leben – 2,5 Milliarden mehr als heute. Das zeigt ein neuer Uno-Bericht, der die bisherigen Prognosen nach oben korrigiert. Grund: Die Lebenserwartung wächst rasant.

  • In der Telepolis: Die jetzt 50-Jährigen sind kränker als vorhergehende Generationen

    In den letzten Jahren wurden wir stets mit den Voraussagen konfrontiert, dass die Menschen immer älter werden. Seit Jahrzehnten die Lebenserwartung bei Männern und Frauen kontinuierlich an: bei 1963 geborenen Frauen lag sie bei 73 Jahren (Männer: 68), heute liegt sie bei 81,5 (75,9) Jahren. Zusammen mit der sinkenden Geburtenrate wird deshalb behauptet, dass allein die demographische Entwicklung die sozialen Sicherungssysteme zusammenbrechen lasse, weswegen sie umgebaut werden müssten. Nach einer von US-Wissenschaftlern könnten solche Hochrechnungen jedoch in die Irre gehen, da möglicherweise der Gipfel der Lebenserwartung bald erreicht oder überschritten werden und die nächste Generation der Alten schon weniger gesund sein könnte.

Liest man beide Artikel bis zum Ende, dann klärt sich der vermeintliche Widerspruch auf doppelte Weise:

  • Zum einen ist es nicht sicher, was die US-Studie tatsächlich gemessen hat. Wenn man tatsächlich auf den subjektiven Befindlichkeiten von zufällig ausgewählten Befragten aufbaut, dann zeigt die amerikanische Studie doch wohl vor allem eins: Die heutigen Probleme der US-Bevölkerung sind im Vergleich zu ihren Vorfahren Luxusprobleme. Jammern auf hohem Niveau. Oder noch anders: Eine ungewisse Zukunft (Warum nur liebt uns der Rest der Welt nicht mehr?) strahlt auf die Selbsteinschätzung aus.
  • Zum anderen zeigen die Ergebnisse der UN-Studie, wie groß die Unterschiede auf der Welt sind und welche großen Auswirkungen kleine Verbesserungen in der Dritten Welt haben.

Brisant ist die UN-Studie auch im Hinblick auf die aktuelle Klimadiskussion: Holen die Entwicklungsländer auch in Bezug Lebensstandard auf, der bisher eigentlich immer mit steigendem Ressourcenverbrauch gekoppelt ist, dann verschärfen sich auch die ökologischen Problem überproportional.

Aber – die 9,2 Milliarden Menschen um 2050 sind viel weniger als die 13 Milliarden, die noch um 1980 für die Mitte des 21. Jahrhunderts prognostiziert worden sind. Was hat wohl die Prognosen derart nach unten getrieben? Aids oder ein gewachsener Lebensstandard oder sexuelle Aufklärung oder etwas ganz anderes? Wahrscheinlich ein Mix aus sehr vielen Faktoren.

Kommentare

Gregor Keuschnig 03/14/2007 09:01:31 AM

Vor dem Hintergrund einer wie auch immer steigenden Weltbevölkerung wirkt die Debatte in Deutschland natürlich reichlich anachronistisch.

Ich glaube nicht, dass die Lebenserwartung in den westlichen Ländern so steigen wird, wie dies bspw. Schirrmacher vorhersagt. Der hiermit verbundene medizinische „Aufwand“ wird für breite Teile der Bevölkerung nicht mehr bezahlbar sein und die Solidarkassen werden irgendwann bestimmte Behandlungen nicht mehr durchführen.

Die Lebenserwartung in den sogenannten Entwicklungsländern wird sicherlich noch steigen. Die Auswirkungen, die sich hieraus ergeben, sind sfür uns gravierend.

Heinsohn hat übrigens in seinem Buch „Söhne und Weltmacht“ bemerkt, dass die Menschen immer eine gewisse Angst vor einer Überbevölkerung hatten; noch Anfang des 20. Jahrhunderts hielt man es für unmöglich, eine Weltbevölkerung von 4 Mrd. zu ernähren.

Im übrigen zeigt es, dass alarmistische Prognosen selten oder nie stimmen. Das Problem ist dann irgendwann, dass man dann nicht mehr bemerkt, wenn’s wirklich wichtig ist.

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