Cixin Liu und Stephen Hawking zum Fermi-Paradoxon

10. Mai 2018 Keine Kommentare

In der Wikipedia wird das Fermi-Paradoxon in einem Satz zusammengefasst:

Der weit verbreitete Glaube, es gebe in unserem Universum viele technisch fortschrittliche Zivilisationen, in Kombination mit unseren Beobachtungen, die das Gegenteil nahelegen, ist paradox und deutet darauf hin, dass entweder unser Verständnis oder unsere Beobachtungen fehlerhaft oder unvollständig sind.

Hinter dieser Aussage stecken ähnliche Überlegungen wie sie auch der Drake-Gleichung zugrunde liegen:

  • Es gibt sehr viele Sterne in unserer Galaxis, einige sollten sonnenähnlich sein.

  • Einige dieser Sonnen haben Planeten, auf denen ähnliche Bedingungen wie auf der Erde herrschen.

  • Auf einigen dieser Planeten sollte sich Leben entwickelt haben.

  • Auf einigen dieser belebten Planeten sollten sich intelligente Lebensformen entwickelt haben.

  • Einige dieser intelligenten Lebensformen sollten eine technologisch fortgeschrittene Entwicklungsstufe erreicht haben.

  • Einige dieser technologischen Zivilisationen sollten das Interesse an interstellarer Kommunikation entwickelt haben und auch genügend lange existieren.

Gegenüber den Überlegungen von Drake geht das Fermi-Paradoxon noch einen Schritt weiter und unterstellt diesen Zivilisationen zusätzlich, dass sie das Bestreben haben, sich in ihrer gesamten Galaxis zu verbreiten. Sie müssten also überall zu beobachten sein. Warum haben wir sie bis jetzt noch nicht gefunden?

In der Wikipedia werden eine ganze Reihe von Lösungsvorschlägen für das Paradoxon angeboten. Hier eine Auswahl:

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Peter ist weg

16. April 2018 1 Kommentar

Peter sah dem Kommissar hinterher, als dieser zur Tür ging und sie hinter sich zumachte. Er hörte auch das Herumdrehen des Schlüssels. Der zweite Polizist war sitzengeblieben. Die Befragung hatte ziemlich lange gedauert und Peter jedes Zeitgefühl verloren. Das Zimmer besaß kein Fenster, vielleicht war es draußen schon Nacht geworden? Auch der Polizist schien müde zu sein, er schloss seine Augen.

Peters Augen schweiften zuerst im Raum umher, dann kehrten sie zum Tisch zurück. Dort lag immer noch eine der Münzen, derentwegen die Polizei sein Zimmer gestürmt hatte und die er aus dem Stadtmuseum gestohlen haben sollte. Als Peters Blick auf die Münze traf, rutschte sie ein Stück auf dem Tisch weiter. Peter konzentrierte sich und tatsächlich gelang es ihm, die Münze an einer Seite anzuheben. Nach einiger Zeit hatte er es geschafft. Sie stand jetzt senkrecht auf ihrer schmalen Seite. Entweder wegen ihrer geriffelten Kante oder weil der Tisch genau waagerecht stand, rollte sie nicht vom Tisch. Der Polizist hatte nichts bemerkt und hielt weiter seine Augen geschlossen. Peter machte sich den Spaß und stieß die Münze an einer Seite an, jetzt drehte sie sich langsam.
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Antimaterie

19. Februar 2017 Keine Kommentare

Anfang Februar habe ich in der Telepolis einen Artikel über Antimaterie gelesen: Antimaterie: Mehr als nur Anti. Im ersten Teil des Artikels heißt es:

Zu jedem Teilchen, etwa Proton, Myon oder Elektron, gibt es so genannte Antiteilchen, in diesem Fall Anti-Proton, Anti-Myon oder Positron. Wenn beide sich treffen, zerstrahlen sie zu reiner Energie. Ansonsten unterscheiden sich Teilchen und Antiteilchen auf den ersten und zweiten Blick nicht.

Das ist erstens eines der großen Rätsel der Wissenschaft und zweitens der Grund, dass Sie diesen Artikel überhaupt lesen können. Denn beim Urknall müssten eigentlich gleich viele Teilchen und Antiteilchen entstanden sein. Wäre das der Fall, hätte sich das frühe All kurz nach seiner Entstehung in einer gigantischen Annihilation wieder aufgelöst.

Tatsächlich beobachten wir heute ein extremes Übergewicht normaler Materie. Es muss also beim Urknall irgendwie dazu gekommen sein, dass mehr Materie als Antimaterie entstand – dass es irgendwo im All noch ein rein aus Antimaterie bestehende Ecke gibt, können die Astronomen mit großer Sicherheit ausschließen.

Meiner Meinung nach stimmt eigentlich keiner der drei Absätze. Der erste wird bereits in den nächsten Sätzen des Artikels widerlegt. Dort wird auf die sogenannte CP-Verletzung Bezug genommen. Es scheint inzwischen experimentell bestätigt zu sein, dass ein Teilchen nicht das exakte Gegenteil seines Antiteilchens ist. Wenn das so ist, dann sollte das Zusammentreffen eines Teilchens mit seinem Antiteilchen nicht zur vollständigen Zerstrahlung der beiden Teilchen führen.

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Der weltweit älteste Aquarienfisch ist tot

8. Februar 2017 1 Kommentar

Heute früh war ich sehr traurig, denn Spiegel Online meldete, dass in Chicago der älteste Aquarienfisch der Welt gestorben ist. Aber eigentlich ist er gar nicht selbst gestorben, sondern er wurde gestorben. Sagt man nicht? Okay, er wurde eingeschläfert. Das ist aber auch eine komische Formulierung, denn „Einschlafen“ suggeriert, dass man irgendwann wieder aufwacht.


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Wider die digitale Demenz

29. Januar 2017 1 Kommentar

Im letzten Jahr ist es hier in meinem Blog viel ruhiger geworden, und wie es jetzt aussieht, wird das wohl auch so bleiben. Es gibt einfach im realen Leben viel zu tun und für das virtuelle bleibt deshalb weniger Zeit. Über den Jahreswechsel habe ich zwei Sachbücher gelesen, zuerst Nicholas Carr: „Wer bin ich, wenn ich online bin und was macht mein Gehirn solange?“ und Manfred Spitzer: „Digitale Demenz“. Beide zeigen in ihren Büchern anhand der Auswertung von Studien, wie sich unser Denken durch die Nutzung von Computern, Smartphones und anderen elektronischen Geräten und vor allem das Internet verändert. Gerade Spitzer wird im deutschsprachigen Raum in Rezensionen massiv kritisiert und fast schon angefeindet.
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Rizin, Metadaten und Snowden

5. November 2016 2 Kommentare

In der amerikanischen Fernsehserie Breaking Bad wird in mehreren Episoden auf Rizin als mögliches tödliches Gift Bezug genommen. Weil mich interessiert hat, was das für ein Stoff ist, habe ich die Wikipedia befragt:

Rizin oder Ricin ist ein äußerst giftiges Protein aus den Samenschalen des Wunderbaums (Ricinus communis) aus der Familie der Wolfsmilchgewächse. …

Gelangt das Gift in den menschlichen Organismus, so bringt es die kontaminierten Zellen zum Absterben. Für eine tödliche Vergiftung eines Menschen genügen (bei oraler Aufnahme) 0,3–20 Milligramm isoliertes Rizin pro Kilogramm Körpergewicht entsprechend etwa acht Samenkörnern, deren Größe und Gehalt jedoch stark schwankt. Bei Kindern kann, je nach Alter und Konstitution, schon ein halbes Samenkorn tödlich wirken. … Bei intravenöser, inhalativer oder subkutaner Aufnahme wirken wesentlich geringere Mengen letal, so bei subkutaner Gabe schon 43 μg/kg Körpergewicht.

Wahrscheinlich wird mir in Zukunft beim Anlick einer Flasche Rizinusöl mulmig zumute sein, denn es ist schon ein beunruhigender Gedanke, dass einzig und allein die Temperatur bei der Extraktion der Pflanzeninhaltsstoffe darüber entscheidet, ob eine vergleichweise harmlose Substanz oder ein äußerst wirksames Gift entsteht.

Rizin kann man auch auf synthetischem Weg in großen Mengen gewinnen, deshalb wird es in der Kriegswaffenliste des Kriegswaffenkontrollgesetzes aufgeführt. Vertieft man sich in den Wikipediaartikel, stößt man auf den Fall der amerikanischen Schauspielerin Shannon Guess Richardson. Ob „Breaking Bad“ sie inspiriert hat, weiß ich nicht, aber jedenfalls hat sie im Jahr 2013 versucht, zwei prominente Politiker zu ermorden. Die Fernsehserie lief von 2008 bis 2013.

Shannon Guess Richardson … wurde überregional bekannt, nachdem sie am 20. Mai 2013 mit dem Gift Rizin präparierte Drohbriefe an den US-Präsidenten Barack Obama, den Bürgermeister von New York Michael Bloomberg und einen Aktivisten für schärfere Waffengesetze verschickt hatte. … Nachdem Richardson im Dezember 2013 ein Geständnis abgelegt hatte, wurde sie im Juli 2014 zu 18 Jahren Haft und einer Entschädigungszahlung von 367.222 US-Dollar verurteilt.

Bemerkenswert an dem Artikel über sie ist der zweite Absatz:

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Terror (Film)

18. Oktober 2016 4 Kommentare

Gestern Abend wurde in der ARD der Film „Terror“ des Regisseurs Lars Krause gezeigt, der wiederum auf dem gleichnamigen Theaterstück von Ferdinand von Schirach beruht. Die Handlung ist schnell zusammengefasst:

Ein Passagierflugzeug wird in Deutschland von Terroristen gekapert und soll über dem Münchner Olympiastadion zum Absturz gebracht werden. Die Passagiermaschine wird von einem Kampfflugzeug abgeschossen und dessen Pilot wegen 164fachem Mord vor Gericht gestellt. Dieser handelte gegen den ausdrücklichen Befehl seiner Vorgesetzten, denn das Bundesverfassungsgericht hat seinerzeit das Gesetz, das einen Abschuss gesetzlich erlauben wollte, vor allem mit dem Verweis auf den Artikel 1 des Grundgesetzes, „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, gekippt. Im Theaterstück bzw. im Film wird die Gerichtsverhandlung gezeigt, am Ende dürfen die Zuschauer als virtuelle Schöffen über das Urteil für den Piloten abstimmen: „Schuldig“ oder „Nicht schuldig des Mordes“.

Damals nach der Theateraufführung und gestern nach dem Film fiel die Entscheidung der Zuschauer eindeutig aus: „Nicht schuldig“. Da der Film gleichzeitig sowohl in Österreich als auch in der Schweiz ausgestrahlt wurde, erfuhr man nach dem Film in der Diskussion bei Plasberg das Votum in allen drei Staaten: 86% sowohl in Deutschland als auch in Österreich und 84% in der Schweiz plädieren für den Freispruch. Nach dem Theaterstück war seinerzeit das Urteil nicht ganz so deutlich – die Zusammensetzung des Theaterpublikums war sicher eine andere als beim Fernsehen und die (gefühlte?) Bedrohung durch den Terrorismus hat vielleicht auch weiter zugenommen.

Sowohl der Autor Ferdinand von Schirach, der zugleich studierter Strafrechtler ist, als auch der Regisseur Lars Krause plädieren für „schuldig“. Die Mehrzahl der Zuschauer hingegen, „aus dem Bauch heraus“ oder moralisch, für „nicht schuldig“. Ich spüre diese Ambivalenz sogar in mir, also ein und derselben Person. Hätte ich als Zuschauer abgestimmt, dann für „nicht schuldig“, als Richter bzw. als Kenner der Rechtslage hätte ich selbstverständlich auf „schuldig“ befunden. Eine der vier Talkgäste von Plasberg, eine Theologin, die mit einem Verfassungsrechtler verheiratet ist, hat das gleich zu Beginn auf den Punkt gebracht: „Hier geht es nicht um eine Entscheidung zwischen ‚richtig‘ oder ‚falsch‘, sondern man mus sich bei zwei ‚falschen‘ Alternativen für die entscheiden, die man für ‚weniger falsch‘ hält.“

Im Film werden einige Klassiker aus ethischen Diskussionen zitiert:

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Das Rabenparadoxon

3. Oktober 2016 1 Kommentar

Im Urlaub habe ich das Buch „Paradoxien“ von Gary Hayden und Michael Picard gelesen. Eines der ersten Paradoxa im Buch ist Hempels Paradoxon, benannt nach dem Philosophen Carl Gustav Hempel, siehe Wikipedia. Besser bekannt ist es sicher unter dem Namen „Rabenparadoxon“. Im Buch liest man dazu:

Die Wissenschaftlerin Martha möchte die These „Alle Raben sind schwarz.“ untersuchen. Wann immer sie auf einen Raben trifft und er schwarz ist, fühlt sie sich bestärkt. Dies ist eine normale induktive Folgerung. Jede Sichtung eines schwarzen Raben ist eine Bestätigung von Marthas These. Je mehr Bestätigungen, umso wahrscheinlicher ist die Korrektheit ihrer Annahme.

Die Tücken induktiver Schlüsse (also von Einzelfällen auf die Allgemeinheit) sind hinreichend bekannt. Auch wenn bisher die Sonne jeden Tag aufgegangen ist, bietet das keine Garantie darauf, dass sie auch morgen wieder aufgehen wird. Im Gegenteil, wir wissen ja sicher, dass sie das eines Tages nicht mehr tun wird. Das einprägsamste Beispiel der Fehlbarkeit induktiver Schlüsse ist für mich der folgende Witz: „Springt ein Mann aus dem zehnten Stock eines Hochhauses. Als er am ersten Stock vorbeisaust, sagt er sich: ‚Ich weiß gar nicht, was die anderen nur wollen. Bisher ging doch alles gut!'“

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Caster Semenya

19. August 2016 Keine Kommentare

In einem Fernsehbeitrag von der Olympiade wurde auch über Caster Semenya berichtet. Im Unterschied zum hier verlinkten Wikipediabeitrag, der darüber nichts enthält, wurden im Fernsehen Details über den bei ihr wohl doch vorhandenen Hermaphroditismus gebracht. Semenya hat zwar eine Vagina, jedoch keine Gebärmutter und stattdessen im Körper liegende Hoden. Caster Semenya könnte über 800m aufgrund ihrer Besonderheiten die Goldmedaille gewinnen. Männer und Frauen unterscheiden sich im Mittel deutlich in der körperlichen Leistungsfähigkeit, nicht ohne Grund werden deshalb im Sport die Wettkämpfe nach Männern und Frauen getrennt durchgeführt. (Ob es auch Unterschiede in der geistigen Leistungsfähigkeit gibt, darüber lässt sich trefflich streiten, warum gibt es bei Schachwettkämpfen eine Geschlechtertrennung, wenn dem nicht so ist?)
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Patrick Lee: Die Pfortentrilogie

1. August 2016 Keine Kommentare

„Die Pforte“ ist der erste Band einer Trilogie von Patrick Lee, zu der noch die beiden Bücher „Dystopia“ und „Das Labyrinth der Zeit“ gehören. Ein zentrales Thema sind in allen drei Teilen verschiedene Möglichkeiten von Zeitreisen. Diese werden durch „Entitäten“ (Gegenstände) ermöglicht, die aus der „Pforte“, dem Eigang zu einer Art Tunnel, kommen, dessen Ursprung bis zum Ende der Trilogie offen bleibt.

Die erste Entität ist ein Projektor, der eine „Iris“ erzeugt, eine Öffnung. Steigt man durch diese, gelangt man am selben Ort ungefähr 70 Jahre in die Zukunft. „Ungefähr“, weil man in eine andere Jahres- und Tageszeit wechselt. Die Iris ist beidseitig nutzbar, man kann also auch wieder zurückklettern. Der zeitliche Abstand bleibt bei jeder Benutzung stets gleich. Den Projektor kann man mit sich nehmen, das vergrößert natürlich den Handlungsspielraum in der Zukunft. Bei seiner nächsten Benutzung zeigt die Iris dann automatisch in die entgegengesetzte Zeitrichtung, aber genau am Ort der neuen Benutzung.

Die Zukunft, in die man gelangt, ist die logische Fortsetzung der aktuellen Gegenwart. Kommt man mit neuen Erkenntnissen aus der Zukunft in die Gegenwart zurück und ändert diese, dann wird man beim nächsten Besuch der Zukunft eine andere vorfinden. Von diesem Effekt wird im Buch Gebrauch gemacht, die Auseinandersetzungen zwischen den „Guten“ und den „Bösen“, die über einen eigenen Projektor verfügen, werden abwechselnd oder gleichzeitig(!?) in Gegenwart und Zukunft durchgeführt. Da letztlich der „Oberböse“ in der Zukunft getötet wird, kann er seine Arbeit in der Gegenwart nicht mehr fortsetzen und die gezeigte dystopische Zukunft wird es so nicht mehr geben.
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