Visionen vs. Alternativlosigkeit

29. August 2015 Keine Kommentare

In „Hohe Luft“ 4/2014 gibt es einen Artikel mit dem Titel „Visionen“, der mir besonders in drei Passagen gefallen hat. In der Einleitung wird Helmut Schmidt kritisiert. (Ich verstehe sowieso nicht, wieso er in Teilen der deutschen Öffentlichkeit so geschätzt wird. Nach dem Ausscheiden aus allen Ämtern für jeden ersichtliche Wahrheiten offen auszusprechen, erfordert weder besonderen Mut noch Fähigkeiten zur Durchsetzung des von einem als richtig Erachteten.) Helmut Schmidt hat einmal gesagt, „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“ Das ist ziemlich dumm, denn wenn man die heutige Bedeutung des Begriffs „Vision“ zugrundelegt, dann besagt dieser Satz, dass man keine eigenen Ideen haben sollte, sondern immer nur auf die von anderen hervorgerufenen Geschehnisse reagieren muss.

Im Mittelteil des Artikels wird dann über Robert Musils bekanntestes Werk Der Mann ohne Eigenschaften berichtet. Es ist inzwischen frei zugänglich und zum Beispiel über das Projekt Gutenberg hier zu lesen. Im Roman wird zwischen einem „Wirklichkeitssinn“ und einem „Möglichkeitssinn“ philosophiert. Tatsächlich gelangt man, wenn man diese Begriffe in eine Suchmaschine eingibt, in Kapitel 5 (oder 4?) dieses Buches – „Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, muß es auch Möglichkeitssinn geben“:

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Verborgene Symmetrien, Symmetriebrüche

27. August 2015 Keine Kommentare

Bereits vor einigen Jahren bin ich, z.B. hier, auf das Thema der Symmetriebrüche gestoßen. Mein Text damals enthielt Vermutungen darüber, welche Zusammenhänge es zwischen Asymmetrien und Symmetriebrüchen auf verschiedenen Skalen, von der Quantenphysik, über die Chemie, die Biologie bis zu den neuronalen Strukturen geben könnte. Jetzt habe ich einen interessanten Artikel in der „Spektrum der Wissenschaft“-Novemberausgabe von 2014 gelesen, in der über „verborgene Symmetrien“ geschrieben wird. Bereits das einführende Beispiel fand ich faszinierend:

Wir und unsere Umwelt bestehen aus Atomen, die von der Anziehungskraft entgegengesetzter elektrischer Ladungen zusammengehalten werden. Das einfachste Atom, Wasserstoff, enthält nur ein positiv geladenes Proton und ein negatives Elektron. Deren elektrische Ladungen gleichen sich dabei so exakt aus, dass ein Atom aus der Ferne gesehen praktisch nur noch auf die Schwerkraft reagiert.

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Dieses perfekte Gleichgewicht der Ladungen kommt allerdings auf vollkommen asymmetrische Weise zu Stande. Nach allem, was wir heute wissen, ist das Elektron ein fundamentaler, nicht aus weiteren Elementen zusammengesetzter Baustein der Materie. Das Proton dagegen nicht: Es besteht aus drei Quarks. Ordnen wir dem Elektron die Ladung -1, zu, tragen die Quarks die Ladungen +2/3 und -1/3. So sind Kombinationen möglich, in denen sich die Ladung der drei Quarks in einem Proton zu +1 summiert und die der drei Quarks in einem Neutron zur Ladung null führen. Obwohl also Protonen komplex aufgebaut, Elektronen jedoch sehr einfache Objekte sind, entsprechen die Ladungen der Teilchen einander exakt so, dass das Atom insgesamt elektrisch neutral ist. Das deutet auf eine tiefere Symmetrie, die Elektronen und Quarks miteinander verbindet, auch wenn wir noch nicht wissen, um welche es sich handeln könnte.

Dass sich Quarks zu Protonen oder Neutronen zusammenschließen, sorgt auch für Merkwürdigkeiten bei der Addition der Massen. Damit ein Quark in dem winzigen Raum lokalisiert bleibt, den ein Proton bietet – dieses durchmisst gerade einmal 10-15 Meter -, muss seine Energie immens hoch sein; das ergibt sich aus der Unschärferelation der Quantenmechanik. Wie die berühmte Formel E=mc2 zeigt, wobei E die Energie, m die Masse und c die Lichtgeschwindigkeit ist, entspricht dieser Energie eine Masse. Die aufsummierten Quarkenergien verschaffen dem Proton so die nahezu 2000-fache Masse eines Elektrons. In jedem Atom sausen also schnelle Leichtgewichte um einen statischen und sehr schweren Kern herum, und trotz ihrer Unterschiedlichkeit schaffen es beide doch, die entgegengesetzte Ladung des jeweils anderen genau auszugleichen.

Mein persönlicher Favorit bei der Beantwortung wenigstens eines Teils dieses Rätsels ist die Annahme von Preonen. Der verlinkte Text über die Preonen enthält eine Abbildung, die die von Frank Close, dem Autor des SdW-Artikels, erwähnten Up- und Down-Quarks und das Elektron als Elemente der ersten Spalte des Standardmodells der Teilchenphysik zeigt.

Auch Frank Close zählt dann in seinem Artikel eine Reihe von verblüffenden Asymmetrien in der Natur auf:

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Karl Marx

23. August 2015 Keine Kommentare

Mit der Nummer 69 von Geo Epoche „Der Kapitalismus“ ist den Heftproduzenten wieder ein bemerkenswertes Heft gelungen. In Erinnerung werden mir sicherlich einige Kapitel bleiben:

Das Heft enthält auch einen sehr interessanten sechzehnseitigen Artikel über Karl Marx. Gegen Ende des Artikels liest man dort als Resümee:

… attestieren spätere Ökonomen Marx massive theoretische Versäumnisse. In mehreren Punkten wird das Marxsche Werk, obwohl durchaus anspruchsvoll konstruiert, in den folgenden Jahrzehnten wissenschaftlich widerlegt. So wird seine Einschätzung, dass sich der Wert und Preis einer Ware vor allem nach dem Maß der darin enthaltenen menschlichen Arbeit bemisst, verworfen zugunsten der Erkenntnis, dass sich ein Marktpreis vor allem durch die Nachfrage bildet.

Auch die für Marx zentrale Mehrwerttheorie stellen Ökonomen infrage. Sie gehört daher auch nicht zum wirtschaftswissenschaftlichen Kanon (wenngleich sie für viele Kapitalismuskritiker ein brauchbares Analysewerkzeug bleibt).

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Karl Olsberg: Schöpfung außer Kontrolle

20. August 2015 Keine Kommentare

Der Titel des Buchs ist ein wenig irreführend, denn es geht weder um Religion, noch sollen Zukunftsängste geschürt werden. Olsberg entwickelt in seinem Buch vor allem einige Gedanken weiter, die Richard Dawkins in „Das egoistische Gen“ geäußert hat, auch auf Ray Kurzweil nimmt er Bezug. Zunächst zeigt Olsberg, dass man einige Prinzipien der Evolutionstheorie vielleicht auch auf andere Prozesse in der Natur anwenden kann. Seine Erklärung zu den drei Grundmechanismen einer Evolution:

Wir haben gesehen, dass die Evolution eine Kraft ist, die auch auf unbelebte Dinge wie Gene, Viren und Moleküle in der Ursuppe wirkt. Sie kann also kein rein biologisches Phänomen sein. Aber was ist sie dann? Ganz einfach: Evolution ist eine mathematische Zwangsläufigkeit. Sie entsteht immer dann, wenn drei simple Mechanismen wirken: Reproduktion, Mutation und Selektion.

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  • Reproduktion sorgt dafür, dass aus einem Objekt mehrere gleichartige Kopien entstehen, wobei sämtliche Eigenschaften des Originalobjektes auf die Kopien übertragen (»vererbt«) werden.

  • Mutation bewirkt einzelne Abweichungen dieser Eigenschaften, so dass die Kopien ähnlich, aber nicht mehr dem Original gleichartig sind. Dies geschieht in aller Regel während, nicht nach der Reproduktion.

  • Bei der Selektion schließlich werden einzelne Kopien ausgewählt, von denen wiederum Kopien hergestellt werden, während andere nicht kopiert werden. Damit Evolution stattfindet, muss diese Selektion irgendwie durch die Eigenschaften der Objekte beeinflusst werden. Das heißt bestimmte Ausprägungen einer Eigenschaft müssen die Wahrscheinlichkeit erhöhen oder vermindern, dass das Objekt reproduziert wird. Selektion darf im Sinne der Evolution also nicht ausschließlich zufällig erfolgen.

Wenn Reproduktion, Mutation und Selektion wirken, dann folgt daraus logisch, dass sich von Generation zu Generation immer »bessere« Kopien entwickeln, deren Eigenschaften die Wahrscheinlichkeit, selektiert zu werden, gegenüber dem ursprünglichen Original erhöhen. Mathematisch ausgedrückt: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein beliebiger »Nachkomme« eines Replikators Eigenschaften aufweist, die seine Selektionschance gegenüber der des Originals erhöhen, nimmt im Zeitablauf zu.

In Lebewesen sind die Gene die Träger der Information, die dem evolutionären Prozess zugrundeliegen. Richard Dawkins Buchtitel „Das egoistische Gen“ ergibt sich aus dem Gedanken, dass (die meisten) Lebewesen sterblich sind, aber ihre Gene nahezu unverändert an die Nachkommen weitergegeben werden. Gewissermaßen benutzen die „egoistischen“ Gene die Lebewesen für ihre eigenen Zwecke. Diese Sichtweise ist, vorsichtig formuliert, sehr umstritten. Der Grund ist, dass „benutzen“ oder „Egoismus“ das Verfolgen von Zielen impliziert, und genau das tut Evolution nicht. Der Prozess der Verbesserung der Gene ist gerade nicht zielgerichtet, die Mutationen sind zufällig.

Dawkins hat weiterhin überlegt, welche anderen Formen von Replikatoren es außer den Genen noch geben könnte und den Begriff der Meme geprägt.

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Ray Kurzweil

17. August 2015 Keine Kommentare

Vor etwa zwei Wochen kam ich in einem Gespräch mit einem Kollegen auf das Thema Immortalismus. Interessanterweise gibt es dazu in der deutschsprachigen Wikipedia keinen Eintrag. Ich empfahl meinem Bekannten, einmal nach „Ray Kurzweil“ zu suchen, der zugleich Propagandist des Transhumanismus ist. Nach unserem spontanen Gespräch hatte ich dann das Bedürfnis, meine eigenen Erinnerungen über Ray Kurzweil aufzufrischen. Weil das Bild in der Wikipedia bereits 9 Jahre alt war, habe ich nach einem aktuelleren gesucht. 2008 ist das folgende entstanden:

Wie alt würde man Kurzweil anhand dieses Bildes schätzen? Wenn das Bild 2008 entstanden ist, dann ist er darauf im Alter von 60 zu sehen. Woran ich mich im Gespräch mit meinem Kollegen noch erinnern konnte, ist, dass Kurzweil jeden Tag ungefähr 100 Tabletten zu sich nimmt, um möglichst alt zu werden. Da hatte ich mich aber geirrt. Kurzweil schluckt jeden Tag zwischen 180 und 210 Tabletten, wie man in dem Artikel, aus dem ich das Bild kopiert habe, entnehmen kann. Auch das Bild mit den Tablettenbehältern für vormittags, nachmittags und abends habe ich von dort:

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KategorienEvolution, Skeptizismus, Visionen Tags:

Flüchtlinge

8. August 2015 3 Kommentare

Wenn man Texte über das Mittelalter liest, dann begegnet man dort unweigerlich Berichten über Leibeigene, die von Adligen für ihr eigenes gutes Leben ausgebeutet worden sind. Ähnliches lässt sich über die Sklaverei sagen, die ein wesentlicher Teil der Ökonomie der Antike war und eigentlich noch gar nicht so lange als Massenphänomen vorbei ist, wenn man an die Geschichte Amerikas denkt. Der erste Impuls heute ist immer, diese Praktiken als moralisch inakzeptabel zu verurteilen. Aber wie werden die Menschen in ein paar Jahrhunderten über uns urteilen, wenn sie ihrerseits die Berichte über unseren Umgang mit Flüchtlingen lesen werden?

Die folgenden Auszüge entstammen einem Artikel aus „Hohe Luft“ 6/2014, also vom Ende des letzten Jahres. In der Zwischenzeit ist es nicht besser geworden, im Gegenteil, die Flüchtlingszahlen werden immer größer.

Der richtige Umgang mit Immigranten ist für die westliche Welt eine der größten Herausforderungen dieses Jahrhunderts. Doch Einwanderung ist ein heikles politisches Thema. Kein seriöser Politiker fasst es gern an, weil man sich leicht die Finger verbrennt. Lediglich das Spiel mit der Angst bringt noch Wählerstimmen, wie die letzte Wahlkampagne der CSU gegen angebliche Sozialschmarotzer bewies. Doch das Thema ist zu wichtig, um es Populisten zu überlassen. Wir brauchen einen Diskurs über Einwanderung, der sich nicht von alltagspolitischem Kalkül verfälschen lässt und der sich nicht scheut, auch über die tieferliegenden moralischen Aspekte nachzudenken.

Nach diesen einleitenden Sätzen wird ein frappierender Vergleich hergestellt:

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KategorienEthik, Gesellschaft, Politik Tags:

Das Hutproblem

8. August 2015 Keine Kommentare

Vor ein paar Wochen habe ich aus dem Zeitschriftenladen ein „Spektrum Highlights“-Heft mitgenommen: „Mathematische Spiele und Strategien“. Einige der Aufgaben sind (für mich) so schwierig, dass sie sich nicht als Feierabend-Sofa-Lektüre eignen, ich habe sie inzwischen schon x-mal gelesen und verstehe sie immer noch nicht vollständig. Einige alte Bekannte habe ich auch gefunden und dann letztendlich auch die schöne neue Aufgabe, um die es weiter unten gehen soll, das „Hutproblem“. Vielleicht zunächst zu den drei „alten Bekannten“.

Der Klassiker schlechthin ist natürlich das Ziegenproblem, das Marilyn vos Savant berühmt gemacht hat. Wegen ihrer Lösung wurde sie seinerzeit auch von Mathematikern beschimpft, u.a. wurde ihr geraten, sie solle doch nochmals ein Mathematikbuch in die Hand nehmen und ihre Wissenslücken aufarbeiten. Selbst einer der besten Mathematiker des 20. Jahrhunderts, Paul Erdös, hat die Lösung zunächst nicht geglaubt und musste erst durch eine Computersimulation(!) von der Richtigkeit überzeugt werden. Mit meinen eigenen Worten:

In einer Rateshow verbergen sich hinter drei Türen zwei Ziegen und ein Auto. Wenn Sie eine Tür öffnen und dahinter befindet sich eine Ziege, haben Sie verloren. Wenn Sie eine Tür öffnen und dahinter steht das Auto, dürfen Sie es behalten. Zunächst wählen Sie eine der drei Türen aus ohne sie zu öffnen. Danach öffnet der Quizmaster eine der beiden anderen Türen und zeigt Ihnen eine Ziege. Sollen Sie danach bei Ihrer ursprünglichen Wahl der ersten Tür bleiben oder auf die dritte Tür wechseln?

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Operation Ewigkeit

6. August 2015 Keine Kommentare

Bei einem Artikel mit diesem Titel in „Hohe Luft“ 1/2015 habe ich mich an zwei verblüffende Gegenargumente in einer Diskussion erinnert, wieso wir uns heute eigentlich um die Probleme zukünftiger Generationen scheren sollen:

  1. Es entspricht gewiss mehr unserem Sinn für Gerechtigkeit, wenn wir fordern, dass der Reichere dem Ärmeren etwas abgibt, als wenn der Ärmere zugunsten des Reicheren auf etwas verzichten soll. Nun ist es aber so, dass es in der Tendenz der menschlichen Entwicklung liegt, dass der Reichtum im Laufe der Zeit ständig zunimmt. Die Menschen in der Zukunft sollten also reicher sein und über mehr Mittel und Möglichkeiten als wir verfügen. Warum sollen wir ihnen zuliebe heute auf etwas verzichten?

  2. Wenn wir heute gewaltigen Raubbau an allen Ressourcen betreiben, dann wird es vielleicht in Zukunft keine Menschen mehr auf der Erde geben. Da man einem Nichtexistenten keinen Schaden oder Leid zufügen kann, muss unser heutiges Verhalten keine Rücksicht auf eventuelles menschliches Leben in der Zukunft auf der Erde nehmen.

Es liegt in der Natur dieser Argumente, dass nur eins von beiden überhaupt zutreffen könnte. Entweder es gibt in der Zukunft noch Menschen, die dann reicher sein können als wir, oder es gibt keine mehr. Aber merkwürdig sind beide, denn sie widersprechen unserer Intuition. Genau dieses Thema wird in dem Artikel in „Hohe Luft“ aufgegriffen:

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Weshalb ist unser Leben so hektisch?

5. August 2015 Keine Kommentare

Ein Artikel aus der Geo Kompakt „Wege aus dem Stress“ hat mir besonders gut gefallen. In „Weshalb ist unser Leben so hektisch?“ findet man dort ein Interview mit dem Zeitforscher Hartmut Rosa. Er beginnt mit der simplen Feststellung, dass sich am Ablaufen der Zeit im Laufe der Geschichte nichts ändert, der Tag hat 24 Stunden, das Jahr 365 Tage. Trotzdem hat man das Gefühl, die Zeit würde immer knapper werden.

…die ganze Moderne ist eine einzige Geschichte des Zeitsparens und der Beschleunigung: Mit dem Auto kommen wir rascher voran als zu Fuß, mit dem Flugzeug schneller als mit dem Auto. Waschmaschinen, Staubsauger, Mikrowellen sparen Zeit, E-Mails erreichen ihren Adressaten in Sekundenschnelle. Fast jede Technik ist mit dem Versprechen verbunden, dass wir mit ihr Zeit gewinnen. Dennoch stellt sich kein Zeitreichtum ein, sondern Zeitknappheit.

Die Aufgabenmenge wächst so rasant, dass wir sie trotz des Zeitgewinns nicht abarbeiten können. Früher wechselten Menschen einmal in der Woche ihre Wäsche, heute machen wir das täglich. Statt zehn Briefe schreiben und lesen wir 30, 40 oder noch mehr E-Mails. Und mit dem Auto legen wir natürlich viel weitere Strecken zurück als Menschen vormals zu Fuß.

Es stellt sich die Frage, warum „die Aufgabenmenge“ größer wird. Weiter unten im Interview wird auch die kapitalistische Wachstumslogik als eine der Ursachen ausgemacht. Aber selbst wenn man diese zunächst außer Acht lässt und rein phänomenologisch analysiert, kommt man schon zu einer bemerkenswerten Erkenntnis:

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Newcombs Paradoxon

4. August 2015 Keine Kommentare

In „Hohe Luft“ 1/2015 habe ich einen alten Bekannten wiedergefunden: Newcombs Paradoxon. In dem Artikel wird es wie folgt beschrieben:

Nehmen wir einmal an, vor Ihnen stehen zwei Kisten. In Kiste A befinden sich 1000 Euro, in Kiste B eine Million Euro oder nichts. Stellen Sie sich nun außerdem vor, es gäbe ein Wesen, das die Fähigkeit besitzt, Entscheidungen vorauszusehen. Sie haben nun zwei Möglichkeiten: Entweder Sie wählen Kiste B oder beide Kisten. Wenn das Wesen voraussieht, dass Sie Kiste B wählen werden, so wird es eine Million Euro darin deponieren. Sieht es allerdings voraus, dass Sie beide Kisten wählen, wird das Wesen nichts in Kiste B legen. Das Wesen entscheidet nach seiner eigenen Vorhersage über den Inhalt von Kiste B. Nachdem das Wesen Kiste B gefüllt oder nicht gefüllt hat, dürfen Sie wählen. Was tun Sie?

ich habe mich bereits hier damit beschäftigt. Psychologen haben die Aufgabe vielen Menschen zur Entscheidung vorgelegt, es gibt zwei verschiedene Handlungsmöglichkeiten, so wie damals in meinem Artikel beschrieben. Folglich schließt sich jeder Mensch einer der beiden folgenden Gruppen an:

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