Urheberrrecht

12. Mai 2012 8 Kommentare

Ich bin wahrscheinlich nicht der Einzige, dem die jetzige Diskussion um das Urheberrecht etwas befremdlich vorkommt. Auf der einen Seite kann man so etwas lesen:

Wir müssen die Künstler schützen!

Ich kann Schriftsteller und Musiker gut verstehen, die momentan so vehement den Schutz ihres geistigen Eigentums auch im Internet einfordern. Die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, Iris Berben, hat kürzlich formuliert: “Ohne Urheberschutz geht im Kino das Licht aus.” Diesem Satz können wir nur zustimmen.

Quelle

Auf der anderen Seite findet man solche Argumente:

Aufgeblasener Protest

1500 Autoren protestieren. Aber diese 1500 Autoren protestieren nicht gegen die Verletzung der Menschenrechte in China. Diese 1500 Autoren protestieren nicht gegen die Demokratievernichtungsmaschine EU. Und diese 1500 Autoren protestieren auch nicht gegen eine Wirtschafts- und Wachstumspolitik, die die Welt in den Untergang treibt, wie es gerade der Club of Rome beschrieben hat.

Nein, wenn 1500 Autoren protestieren, dann denken sie an ihr eigenes Frühstück. Dagegen ist im Grunde nichts zu sagen. Die Frage ist nur, was das alles soll.

Denn an wen richtet sich dieser Aufruf, der mit einem Täterätä beginnt: “Wir sind die Urheber! Gegen den Diebstahl geistigen Eigentums”? Richtet er sich also an die Diebe, das wäre ja naheliegend. Aber die Diebe, die Diebe sind ja so schwer zu fassen, die Diebe sind du und ich, die Diebe will man auch nicht verschrecken, sie könnten ja am Ende doch mal ein Buch kaufen und nicht nur runterladen. Also richtet man sich lieber an die weite Welt, das große Nichts, ein ungefähres Gefühl.

Hier werden dann Die fünf größten Irrtümer im Urheberrechtsstreit aufgelistet:

  • Irrtum Nummer eins: Die Abschaffung des Urheberrechts steht bevor
  • Irrtum Nummer zwei: Die Piraten wissen, was sie tun
  • Irrtum Nummer drei: Das Geschäftsmodell von Charlotte Roche, Mario Adorf und Sven Regener ist durch Filesharing existentiell bedroht
  • Irrtum Nummer vier: In dem Konflikt stehen sich geizige Filesharer und missachtete Urheber gegenüber.
  • Irrtum Nummer fünf: Es ist derzeit unmöglich, gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet vorzugehen.

Ich sehe eigentlich einen noch größeren Irrtum in der Diskussion.
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Die Gottesspötter

6. Mai 2012 6 Kommentare

Anfang der Woche habe ich mir das zweite Heft von “Hohe Luft” gekauft, und diese neue Ausgabe gefällt mir genauso gut wie die erste – das neue Philosophieheft wird wohl mein nächstes Abo werden und den Stapel zu lesender Zeitschriften und Bücher noch weiter vergrößern. :-( Mehrere Artikel fand ich interessant, von dem einen hier nur der Teaser:

Es war ein erstaunlicher Fall, von dem der angesehene britische Psychiater Darian Leader vor ein paar Monaten in einem Vortrag in London erzählte: Eine Frau ging an ihrem 50. Geburtstag in eine Bank und verlangte 20000 Franken. Die Angestellten weigerten sich, ihr das Geld auszuzahlen. Verständlich, denn die Frau hatte weder ein Konto bei der Bank noch sonstige Geschäftsbeziehungen zu ihr. Doch sie bestand auf ihrer Forderung. So heftig, dass die Frau schließlich in die Psychiatrie eingeliefert wurde. Dort kam die Vorgeschichte ans Licht. An ihrem 20. Geburtstag hatte sie die Eingebung, dass ihr 20000 Franken zustünden, wenn sie 30 Jahre lang Jungfrau blieb. Sie hielt durch und wollte sich nun das Geld abholen.

In dem betreffenden Artikel werden eingangs dieses Beispiels solche Fragen diskutiert, wie viele Menschen mit unentdeckten Wahnvorstellungen unter uns leben, wie psychische Gesundheit überhaupt definiert werden kann und welchen (positiven) Beitrag zur Gesellschaft Menschen liefern, die mehr oder weniger von der Norm abweichen.

Ich weiß nicht genau, ob die Macher der Zeitschrift diesen Zusammenhang bemerkt oder gar beabsichtigt haben, aber etwa 40 Seiten später beschäftigt sich der Artikel “Die Gottesspötter” mit dem neuen (militanten) Atheismus, wie er z.B. von Richard Dawkins vertreten wird:
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Sprache und Denken III

22. März 2012 3 Kommentare

Ein Hinweis in einem Forum lässt mich auf eines meiner Lieblingsthemen zurückkommen, das ich zuletzt hier diskutiert hatte, den Zusammenhang zwischen Sprache und Denken. In der FAZ(.net) findet sich ein Artikel, in dem ein Zusammenhang zwischen dem Sparverhalten der Deutschen und Griechen auf der einen und Besonderheiten der Grammatiken des Deutschen und des Griechischen auf der anderen Seite hergestellt wird: Warum die Griechen mit Deutsch weniger Schulden hätten.

Bereits der Teaser ist ziemlich reißerisch:

Rehabilitation für die viel gescholtenen Griechen. Laut einer Yale-Studie lässt sich ihre Schuldenmentalität mit der gesprochenen Sprache erklären. Mit Deutsch als Landessprache wäre das anders.

Und im Artikel wird diese These dann so erklärt:

Unterscheidung zwischen Gegenwart und Zukunft
Der Ausgangsgedanke, auf der die Studie basiert, ist dabei sehr einfach. Und zwar ist die Grundlage die Tatsache, dass Sprachen grundsätzlich in zwei Gruppen eingeteilt werden können. Die eine Gruppe unterscheidet dabei deutlich zwischen Gegenwart und Zukunft, während bei der anderen Gruppe der Übergang fließender ist. So kann im Deutschen auch gesagt werden, „Morgen scheint die Sonne“, im Englischen wird dagegen in der Regel klar zwischen der Gegenwart („die Sonne scheint jetzt”) und der Zukunft (“Morgen wird die Sonne scheinen”) unterschieden.

Wer sprachlich weniger trennt, spart mehr
Angesichts dieser Unterschiede fragte sich Chen, ob die letztgenannte Sprachgruppe mit einer klaren Trennung zwischen Heute und Morgen unter wirtschaftlichen Aspekten nicht auch den kurzfristigen Ertrag höher gewichten als den langfristigen Ertrag. „Das war in höchstem Maße der Fall. Sprachmuster können die Denkmuster und die Handlungsmuster beeinflussen“, so Chen.

Chen ist deshalb davon überzeugt, dass Menschen mit einem mehr fließenden Gebrauch von Gegenwart und Zukunft mehr Sparen, weniger Rauchen, sportlich aktiver sind und sich allgemein aktiver auf die Zukunft vorbereiten. Wer umgekehrt agiere und etwa weniger spare, kommuniziere und denke dagegen vermutlich mit einer klaren sprachlichen Differenzierung zwischen Gegenwart und Zukunft.

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Du bist das Beste, was mir je passiert ist…

18. März 2012 Keine Kommentare

Gestern hatte ich auf einer kurzen Autofahrt doch einmal das Radio angemacht. Normalerweise tue ich das nicht, denn ich hasse diese Dauerwerbesendungen, die von kurzen Musikeinspielungen unterbrochen werden, und die mir das Gehirn zumüllen. Aber dieses Mal war es etwas anders, jedenfalls habe ich mich heute früh bei Youtube auf die Suche nach diesem einen Lied gemacht, das mir gestern so gut gefallen hat. Ich kannte es nicht und wusste so auch nicht die Gruppe, aber bei deutschen Texten ist die Chance doch recht gut, fündig zu werden:

Silbermond also.
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Wulff -> Gauck

18. März 2012 Keine Kommentare

Heute ist ja nun die Wahl, die keine ist. Ich bin mir weder sicher, ob Gauck der Richtige ist, noch ob wir überhaupt einen Bundespräsidenten brauchen. Aber Ein Resümee der beiden letzten Jahre deutscher Politik kann man ja mal ziehen. Wie wäre es damit:

Gut gefällt mir auch diese kleine Dokumentation:
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Denkfallen und Paradoxa

17. März 2012 2 Kommentare

Das folgende Rätsel hat mir ein Kollege zugemailt:

1.

Hier soll in der letzten Zeile die fehlende Zahl ergänzt werden. Als ergänzender Text war noch zu lesen:

Das folgende Rätsel können Vorschulkinder in 5-10 Minuten lösen, Informatiker in einer Stunde und Menschen mit höherem Bildungsabschluss brauchen angeblich noch länger.

Die Logik dieses Satzes ist etwas verquer. Haben Informatiker etwa keinen höheren Bildungsabschluss? Aber egal, wenn ich mich dieser Logik anschließe, dann habe ich das Niveau eines einjährigen Säuglings, denn ich brauchte etwa eine Minute, bis ich die richtige Idee hatte. Aber natürlich ist das nicht ganz fair, denn die Aufgabe erinnerte mich an eine andere, auf die ich vor zwei Jahren gestoßen war und die ich damals nicht lösen konnte:
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al GEBRA

13. März 2012 Keine Kommentare

Eine Flasche roten Weines und ein Büchlein mit Gedichten
Und die Hälfte eines Brotes, anderes wünsch ich mir mitnichten;
Dann nur irgendeine Wüste, um mit dir darin zu wohnen,
Und beneiden will ich fürder keinen Herrscher von Millionen.

Der Titel des Artikels und dessen Schreibweise und dieser Ausschnitt aus einem Gedicht haben vordergründig nichts miteinander zu tun. Derzeit lese ich gerade das Buch 50 Schlüsselideen Mathematik von Tony Crilly. Der Autor zitiert im 14. Kapitel “Algebra” aus einem Gedicht von Omar Khayyam, der im 11. Jahrhundert lebte. Bevor Omar diese Liebesgedichte schrieb (oder sammelte?), hatte er im Alter von 22 Jahren ein Buch veröffentlicht, dass sich u.a. mit der Lösung von kubischen Gleichungen beschäftigte.
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Peter Duecks Unpro-Prinzip

8. März 2012 1 Kommentar

Heute bin ich auf den sehr schönen neuen Artikel Das Unpro-Prinzip… von Peter Dueck gestoßen. Die meisten werden sicherlich das Peter-Prinzip kennen:

In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.

Oder anders ausgedrückt:

  1. Wenn jemand gut ist, dann wird er befördert.
  2. Wenn jemand nicht gut ist, wird er nicht befördert.
  3. Also werden alle solange befördert, bis sie an einer Stelle arbeiten, an der sie nicht mehr gut sind.

In der Wikipedia wird auch eine wesentliche Voraussetzung genannt: Es muss genügend viele Hierarchiestufen geben. Das Prinzip hat einen positiven Aspekt: Der Beförderte weiß wenigstens über seine Unterstellten gut Bescheid, weil er deren Tätigkeiten früher mit einigem Erfolg selbst ausgeübt hat.

Das Dilbert-Prinzip ist das genaue Gegenteil:

Beim Dilbert-Prinzip werden die ineffizientesten Arbeiter unverzüglich ins Management versetzt, wo sie den geringsten Schaden anrichten können. Dadurch verfügt die Person im Management weder über die notwendigen sozialen Eigenschaften eines Managers, noch über die fachlichen Kenntnisse bzgl. des von ihr gemanagten Bereiches.

Diese beiden “Beobachtungen” werden sicherlich nicht immer stimmen, aber auch eine gute Satire zeichnet sich ja dadurch aus, dass sie ein Körnchen Wahrheit enthält. Peter Dueck versucht sich in seinem Artikel an einer weiteren Modifikation dieser beiden Prinzipien. Den wahren Kern des Peter-Prinzips erläutert er an einem Beispiel:
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3+3=8

28. Februar 2012 Keine Kommentare

Lege ein Hölzchen so um, dass die Gleichung stimmt!

Das ist eine der Aufgaben aus der Streichholzschachtelaufgabenschachtel, die ich meinem Kollegen zum Geburtstag geschenkt habe. Wir schauen uns die Aufgaben jetzt in den Pausen gemeinsam an. Bei dieser Aufgabe brauchte ich etwas länger.

Dann hatten wir folgendes Gespräch:
Er: Und, hast du es raus?
Ich: Ja, 5+3=8.
Er: Es gibt übrigens zwei Lösungen.
Ich, nach kurzem Stutzen: Klar, 3+5=8.
Er: Irgendwie ist die zweite Lösung doch leichter, dafür hast du viel weniger Zeit gebraucht.
Ich: Stimmt. Aber trotzdem ist mir die erste Lösung zuerst eingefallen.

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Sorites-Probleme

26. Februar 2012 9 Kommentare

Vor etwa einer Woche bin ich erneut auf das Haufenparadoxon gestoßen. Ich kenne es seit über zwei Jahren, bei Sainsbury schien es mir seinerzeit eins von vielen weniger bedeutsamen Kuriosa zu sein. Vor ein paar Tagen habe ich aber diesen Artikel gefunden: Informationsimmune Unbestimmtheit. Ich weiß schon nicht mehr genau wo, vermutlich in irgendeinem anderen Blog.

In diesem Artikel wird unter anderem erklärt, warum dieses bereits 24 Jahrhunderte bekannte Problem auch heute noch die Philosophen beschäftigt. Es wird Eubulides zugeschrieben, auf der Diskussionsseite zum Haufenparadoxon findet sich ein Abschnitt, der sich wie eine Übersetzung des Originals aus dem Altgriechischen liest, obwohl es das sicher nicht ist:

“Ein Sandkorn ist doch gewiss kein Haufen?”
“Gewiss nicht!”
“Und Zwei Sandkörner sind auch kein Haufen?”
„Auf jeden Fall!”
“Und wenn ich zu einer Anzahl Sandkörner, die kein Haufen ist, ein einzelnes Sandkorn hinzugebe, kann sie dadurch ein Haufen werden? Denn Zwei ist ja auch die Hinzugabe von einem zu Einem?”
“Fürwahr, Eubulides, so scheint es!”
“Und dennoch gibt es einen Haufen, der Aus Sandkörnern und nichts als einzelnen Sandkörnern besteht, die eines zu anderen gegeben wurden!”
“Nun bin ich verblüfft, Eubulides, und sehe ein, dass Aristoteles in allem Unrecht, und du in allem Recht hast.”

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