Haiku LII

29. Juli 2015 Keine Kommentare

War das der Sommer?
Nur dreizehn Grad am Morgen
sind mir zu wenig.

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Haiku LI

28. Juli 2015 Keine Kommentare

Plötzliches Gewitter
Alle flüchten unters Dach
Sturm, Blitze, Regen

Ein Baum liegt im Hof
Das Haus hat er knapp verschont
Staunen am Fenster

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Mit Worten Wunder bewirken

23. Juli 2015 Keine Kommentare

In „Hohe Luft“ 1/2015 habe ich einen bemerkenswerten Artikel mit dem obigen Titel gefunden. In ihm geht es darum, in welchem Verhältnis Sprache zur Welt, zur äußeren, nicht menschlichen, und zu unserer eigenen, sozialen, steht. Ausgangspunkt des Artikels ist die Schilderung einer Beobachtung von John Langshaw Austin in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Sehr lange waren die Philosophen davon ausgegangen, dass Sprache lediglich eine abbildende Funktion bzgl. der Welt hat. Dann beschreiben Sätze entweder etwas, das beobachtet wurde, oder sie drücken Tatsachen aus, die entweder wahr oder falsch sein können.

Doch Gegenbeispiele lassen sich sehr einfach finden – wenn man denn, dank Austin, weiß, worum es geht: „Ich taufe dich auf den Namen ‚Johanna'“. Dieser Satz beschreibt nichts, er ist auch keine Tatsache, die wahr oder falsch sein kann, sondern er ändert etwas in der Welt. Vorher gab es ein ungetauftes Kind, jetzt gibt es ein getauftes.

Mit Sprache beschreiben Menschen nicht nur, sie tun auch viele andere Dinge. Sie taufen, versprechen, verurteilen, ernennen, heiraten und wetten. Sie erklären Kriege. Wie konnten die Philosophen das so lange übersehen? Sie hätten doch nur ans Ende mancher Sätze schauen müssen. Dort stehen deutlich sichtbare Fragezeichen und Ausrufezeichen, die Fragen und Aufforderungen kennzeichnen. Jeder Gymnasiast kann den Unterschied zwischen »Die Tür ist geschlossen«, »Ist die Tür geschlossen?« und »Schließ die Tür!« erklären. Eine Frage kann nicht wahr sein, nur ihre Antwort. Eine Aufforderung kann nicht falsch sein, allenfalls unpassend oder unmoralisch.

Austin bezeichnet sprachliche Äußerungen als „Sprechakte“. Ich hätte den Begriff „Sprechhandlung“ vorgezogen, aber er fasst mit seinem Begriff sowohl Feststellungen von Tatsachen als auch Äußerungen, die Änderungen in der Welt bewirken, zusammen, bei ersteren passt „Sprechhandlung“ nicht mehr so gut. Eine Feststellung (z.B. „die Wiese ist grün“) bezeichnet er als konstativen Sprechakt. Ein solcher Sprechakt kann wahr oder falsch sein. Die zweite Kategorie benennt er mit performativer Sprechakt. Dieser ist nicht wahr oder falsch, sondern er kann gelingen oder misslingen. Doch diese Unterscheidung reicht noch nicht:

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Haiku L

22. Juli 2015 Keine Kommentare

Brütende Hitze
löst sich in Gewitter auf.
Es blitzt und donnert.

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Griechenland

12. Juli 2015 Keine Kommentare

Wahrscheinlich ist es müßig, noch etwas über Griechenland schreiben zu wollen, es ist bereits alles (Kluges und Dummes) dazu gesagt worden. Aber noch nicht von jedem. Ich möchte es deshalb auch ganz kurz machen:

1. Die griechischen Schulden sind absolut seit 2011 trotz neuer Hilfspakete nicht gewachsen. Relativ sind sie leicht gestiegen, weil die Wirtschaftsleistung gesunken ist. Die Schlussfolgerung aus dieser Tatsache ist, dass sowohl die Politik in Europa gegenüber Griechenland als auch die griechische Innenpolitik nicht geeignet waren, das Schuldenproblem zu lösen. Der Einbruch 2011 war ein teilweiser Schuldenerlass für Griechenland – eine der Bedingungen, mit der öffentliche Geldgeber private Schulden aufgekauft haben.

Quelle

2. Die Schulden verteilen sich heute so:

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Helfen Regeln gegen Psychopathen?

12. Juli 2015 Keine Kommentare

In Gehirn & Geist 12/2014 hat Stefan Schleim einen interessanten Artikel über Psychopathen geschrieben. Sein einführendes Beispiel ist mir tagelang nicht aus dem Kopf gegangen, obwohl (oder weil?) es nur eine simple Alltagsbeobachtung ist:

An der Haltestelle für den Ersatzbus hatte sich bereits eine Traube Wartender gebildet. Als der Bus kam, bat uns der Fahrer, vorne einzusteigen, um den aussteigenden Fahrgästen hinten Platz zu lassen. Das ging so lange gut, bis die hintere Tür frei wurde. Nun brachen einige aus der Reihe aus, um dort einzusteigen. Sie wurden ein-, zweimal vom Fahrer zurückgerufen, doch als dieser nicht mehr hinschaute, probierten sie es erneut. Diesmal mit Erfolg! Dafür kamen andere Fahrgäste, die sich an die Regeln gehalten hatten, nicht mehr hinein. Ein anschauliches Beispiel für die »Weisheit der Psychopathen«, von der Dutton zuvor gesprochen hatte.

Stefan Schleim kam von einem Vortrag des britischen Psychologen Kevin Dutton zurück, als ihm dieses Erlebnis widerfuhr. Dieser hatte referiert über »was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann«. In den letzten Jahren haben zahlreiche psychologische Studien herausgefunden, dass es in Führungspositionen in Politik und Wirtschaft einen überproportional hohen Anteil an Menschen gibt, denen man psycho- und soziopathische Charakterzüge bescheinigen muss. Offenbar sind einige Auswahlkritierien in Politik und Wirtschaft so gestaltet, dass es Menschen mit abweichendem Sozialverhalten begünstigt. Viele Psychologen sehen das kritisch, Dutton vertritt einen entgegengesetzten Standpunkt. Stefan Schleim schreibt über ihn:

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Albert Camus

4. Juli 2015 4 Kommentare

Albert Camus ist der letzte Philosoph, dessen Artikel aus dem Philosophie-Buch ich hier zitieren möchte. 1957, mit 44 Jahren, erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Mir war er bis jetzt nicht als Schriftsteller, sondern nur als Philosoph bekannt, er gilt als einer der Hauptvertreter des Existenzialismus und war mit Jean-Paul Sartre bekannt bzw. befreundet. Die Grundidee Camus‘ zeigt am einfachsten die folgende Grafik aus dem Philosophie-Buch:

Die Grundidee des Existenzialismus, so wie ich sie verstanden habe: Wenn wir annehmen, dass es keinen Gott gibt, sind wir für alles selbst verantwortlich. Camus sieht da den in der Grafik gezeigten Widerspruch. Im Buch liest sich das so:

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Karl R. Popper

2. Juli 2015 Keine Kommentare

Im Philosophiebuch ist nach Wittgenstein eines der nächsten Kapitel Karl Reimund Popper gewidmet. Mit seinen Antworten auf drei großen Themen ist er ins „kollektive Gedächtnis der Menschheit“ aufgenommen worden. Das erste Thema sind seine politischen Ansichten, die er vor allem in seinem Buch Die offene Gesellschaft und ihre Feinde veröffentlicht hat. Das dritte Thema, die Drei-Welten-Theorie über das Leib-Seele-Problem, findet man in seinem Alterswerk „Das Ich und sein Gehirn“, an dem er zusammen mit John Eccles gearbeitet hat. Das hat mich seinerzeit stark beeindruckt und war fast meine erste Begegnung mit Philosophie. Im Philosophiebuch wird über das zweite Thema geschrieben, Karl Poppers Beitrag zur Wissenschaftstheorie. Weil es hier so schön passt und es heute so warm ist, zunächst ein Bonmot von Vince Ebert:

Wie unterscheidet man Wissenschaft, Religion und Esoterik?

  • Wenn jemand sagt, „Ich glaube im Kühlschrank ist Bier“, zum Kühlschrank hingeht und nachguckt, ob da welches drin ist, dann ist das Wissenschaft.

  • Wenn jemand sagt, „Ich glaube im Kühlschrank ist Bier“, nicht zum Kühlschrank hingeht und nachguckt, ob da welches drin ist, dann ist das Religion.

  • Wenn jemand sagt, „Ich glaube im Kühlschrank ist Bier“, zum Kühlschrank hingeht, nachguckt und keins findet, aber weiterhin glaubt, dass da Bier drin ist, das ist dann Esoterik.

Mit dem „Nachgucken“ ist das allerdings so ein Problem, denn wenn man zehnmal nachgesehen hat und es war immer Bier drin, kann man dann sicher sein, dass es auch beim elften Mal so sein wird? Üblicherweise wird das dahinter stehende Problem an anderen Beispielen gezeigt, z.B. an weißen Schwänen: Auch wenn wir noch so viele weiße Schwäne gesehen haben, können wir nicht schlussfolgern, dass alle Schwäne weiß sind. Der erste schwarze Schwan widerlegt unsere Annahme. Im Philosophiebuch wird stattdessen das Fallenlassen eines Balls diskutiert:

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Ludwig Wittgenstein

23. Juni 2015 Keine Kommentare

Natürlich enthält das Philosophie-Buch auch zwei Doppelseiten über Ludwig Wittgenstein. Wittgenstein hat nur zwei Hauptwerke veröffentlicht, das erste zu Lebzeiten (den Tractatus), das zweite (Philosophische Untersuchungen) erschien bereits posthum. Beide Bücher sind die Quelle zweier unterschiedlicher philosophischer Schulen geworden. Der Artikel im Philosophie-Buch beschäftigt sich mit dem ersten der beiden Bücher, dem Tractatus logico-philosophicus. Eine Kopie des Originaltextes findet man z.B. hier. Das Philosophie-Buch schreibt einleitend:

Wittgensteins Tractatus Logico-Philosophicus ist einer der abweisendsten Texte, den die Philosophiegeschichte des 20. Jahrhunderts aufzuweisen hat. Nur etwa 110 Seiten stark, besteht das Buch aus einer Folge dichter, karger, nach ihrer Bedeutung durch-nummerierter Sätze.

Wie sperrig das Buch ist, zeigen bereits die ersten Sätze:

1. Die Welt ist alles, was der Fall ist.

1.1 Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge.

1.11 Die Welt ist durch die Tatsachen bestimmt und dadurch, dass es alle Tatsachen sind.

1.12 Denn, die Gesamtheit der Tatsachen bestimmt, was der Fall ist und auch, was alles nicht der Fall ist.

1.13 Die Tatsachen im logischen Raum sind die Welt.

1.2 Die Welt zerfällt in Tatsachen.

1.21 Eines kann der Fall sein oder nicht der Fall sein und alles übrige gleich blieben.

2 Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten.

Mit sich allein gelassen, versteht man den Text und seine Intention wirklich nicht. Den Schlüssel bildet vielleicht der Satz 5.6 aus dem Tractatus „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“. Dazu heißt es im Buch:
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Ex machina

20. Juni 2015 Keine Kommentare

Anfang des Jahres hatten wir die Werbung für den Film „Ex machina“ gesehen und beschlossen, ihn uns unbedingt im Kino anzusehen. Als er dann in Deutschland lief, warteten wir Woche um Woche, wann er denn in unserem Kino endlich gezeigt werden würde. Irgendwann, als er in Deutschland schon fast durch war, fragten wir im Kino beim Besitzer nach. Er hatte sich auch schon gewundert, warum sein Verleiher ihn nicht geliefert hatte. (Kann ein Kinobesitzer in Deutschland nicht die Filme selbst aussuchen, die er zeigen will?)

Jedenfalls waren wir in der letzten Woche sehr froh, als er als „Besonderer Film“ an zwei Tagen gezeigt wurde. Außer uns war nur noch eine einzige weitere Person im Saal. Entweder hatte der Filmverleiher im Früjahr also die Verkaufschancen realistisch eingeschätzt und ihn deshalb nicht angeboten oder die damaligen Interessenten hatten ihn inzwischen in anderen Kinos größerer Städte gesehen. Nach dem Besuch wussten wir jedenfalls – es ist kein Mainstream- und kein Popcornfilm.

Die genaue Handlung kann man im Wikipediaartikel (Link) nachlesen. Hier nur kurz das Wesentliche: Der beste junge Programmierer (Caleb, im Bild links) gewinnt einen einwöchigen Besuch bei seinem Arbeitgeber (Nathan, im Bild rechts), der selbst seinerzeit mit 13 Jahren Programmierer der weltweit größten Suchmaschine war, die ihn zum Milliardär gemacht hat. Nathan lebt allein und völlig von der Außenwelt abgeschieden und beschäftigt sich mit der Vervollkommnung der Künstlichen Intelligenz, verkörpert in Androiden, die näherungsweise die Gestalt junger Frauen haben. Sein aktuelles Modell heißt Ava (ausgesprochen „Eva“, Bildmitte).
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