Die Grenzen von Raum und Zeit

29. Juni 2016 1 Kommentar

Spätestens mit der Relativitätstheorie hat sich unser Verständnis von Raum und Zeit grundlegend geändert. Newton – und zum Beispiel auch Kant – gingen davon aus, dass Raum und Zeit unabhängig von den Dingen sind, die es in der Welt gibt. Einstein hat gezeigt, dass es keinen Sinn hat, von Zeit zu sprechen, wenn es keine Uhr gibt, um sie zu messen. Genausowenig ist es müßig, einen Raum anzunehmen, ohne Maßstäbe zu verwenden. Uhren und Maßstäbe sind aber materielle Objekte, deshalb sind die Begriffe Raum und Zeit nur im Zusammenhang mit dem Vorhandensein von Materie von Bedeutung.

Wichtig ist sich klarzumachen, dass das Bestimmen von Längen oder Zeiten immer das Vergleichen von zwei Objekten bzw. Vorgängen ist. Man misst zum Beispiel die Zeit, indem man zählt, wie viele Takte (Perioden) der Uhr ein bestimmter Vorgang andauert. Einstein hat das insofern mit Materie (Masse, Energie) verknüpft, indem er gezeigt hat, dass die gemessenen Längen und Zeiten von der relativen Bewegung zwischen Uhr bzw. Maßstab und Messobjekt in der Speziellen Relativitätstheorie abhängig sind. Die allgemeine Relativitätstheorie zeigt dann grundlegender den Zusammenhang zwischen Masse, Beschleunigung, Raum und Zeit.

Spannend werden die Zusammenhänge zwischen Materie, Raum und Zeit, wenn man die Konsequenzen astronomischer Beobachtungen zum sogenannten Urknall überdenkt. Weil sich das Universum im Laufe der Zeit räumlich ausdehnt, gelangt man bei einer Extrapolation der Messdaten rückwärts in der Zeit zu einem Punkt, an dem alles auf einem einzigen Raumpunkt konzentriert war. Dieser Raum-Punkt korrespondiert mit einem Zeit-Punkt und der Annahme des Beginns von Raum und Zeit in diesem Punkt.
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Wie kann Neues im Universum entstehen?

27. April 2016 17 Kommentare

Eine der am besten untersuchten und experimentell bestätigten physikalischen Theorien ist die Quantenmechanik. Alle bisherigen Beobachtungen im Mikrokosmos werden von ihr mathematisch korrekt beschrieben und Ergebnisse richtig vorhergesagt. Im Gegensatz dazu wirft ihre philosophische Interpretation Fragen auf. Einige Teilcheneigenschaften haben vor einer Messung keinen festgelegten Wert. Man kann in Form der sogenannten Wellenfunktion nur eine Wahrscheinlichkeit für jeden möglichen Wert angeben. Bei einer Beobachtung wird genau ein Wert gemessen, die Wellenfunktion selbst wird irrelevant. Die heute am häufigsten vertretene Interpretation des Messvorgangs als eines „Kollaps der Wellenfunktion“ wird als „Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik“ bezeichnet.

Das dabei für eine philosophische Interpretation Merkwürdige ist die angenommene Bedeutung des Messvorgangs. Vor der Messung gibt es eine Vielzahl von möglichen Ergebnissen, bei der Messung wird nur ein einziger realisiert. Der Formalismus der Quantentheorie ist offenbar richtig, denn bei einer großen Zahl von Experimenten wurde gezeigt, dass es sich tatsächlich nicht um eine bloße Unkenntnis des Beobachters bzgl. des wahren Wertes handelt, der gemessene Wert existiert vor der Messung tatsächlich noch nicht.

Die Seltsamkeit der Quantentheorie rührt daher, dass man für eine messbare Eigenschaft annimmt, dass sie vor der Messung bereits existiert, aber keinen Wert hat. Überträgt man dieses Verhalten auf die Welt der uns mit unseren Sinnen unmittelbar zugänglichen Objekte, dann könnte man z.B. behaupten, ein Objekt hätte eine Farbe, aber diese sei vor ihrer Beobachtung (Messung) weder rot, noch grün oder blau oder …, sondern diese Farbe würde erst dann festgelegt, wenn jemand das erste Mal das betreffende Objekt anschaut.
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Zeit, Logik und Physik

27. November 2015 Keine Kommentare

Normalerweise benutze ich ja den Namen des Autors und seines Buches als Überschrift, wenn ich einige Gedanken und Zitate aus dem Werk wiedergebe, aber in diesem Fall habe ich nur die ersten 200 und die letzten 50 Seiten gelesen, sodass mir das nicht angemessen erscheint. Carl Friedrich von Weizsäckers Buch „Aufbau der Physik“ ist sehr sperrig, was sowohl den Inhalt als auch die Sprache betrifft. Ich habe mir beim Lesen schwer getan. Man merkt dem Text sein Alter an und dass das Buch mehr Vorlesungsscripte und nicht zusammenhängende Texte enthält, eine sorgfältige Überarbeitung hätte ihm gut getan. Das Buch war mir hier in einem Kommentar empfohlen worden, weil ich in meinem Text geschrieben hatte, dass ich der Meinung bin, Paradoxa häufig dann anzutreffen, wenn logische Schlüsse auf zeitliche Vorgänge angewendet werden. In diesem Punkt hat Weizsäckers Buch mich bestätigt, im Folgenden einige Gedanken daraus.

In der klassischen Physik, z.B. der Mechanik, gibt es eine Reihe von mathematisch formulierten Gesetzmäßigkeiten, die zeitinvariant sind. Der Parameter „Zeit“ kann dort positive oder negative Werte annehmen, ohne dass sich an der Gültigkeit der berechneten Ergebnisse etwas ändert. Trotzdem gibt uns unser Verstand im Alltag eine definierte Zeitrichtung vor. Weizsäcker verwendet als ein Beispiel die Fotografie eines Dachziegels, der vor einer Hauswand schwebt. Die Aufnahme hat diesen Moment eingefroren. Jedem Betrachter ist klar, dass der Ziegel dort nicht ruhen kann. Die Naturgesetze erlauben es, dass sich der Dachziegel von unten nach oben oder von oben nach unten bewegt. Aber alle Betrachter des Bildes werden instinktiv davon ausgehen, dass der Ziegel fallen wird.

In einem der ersten Kapitel leitet Weizsäcker aus den reversiblen Bewegungsgesetzen von Objekten die irreversiblen Gesetze der Thermodynamik her. Zwar bewegt sich jedes Molekül nach den newtonschen Gesetzen, trotzdem führt das Zusammentreffen einer heißen und einer kalten Menge praktisch immer dazu, dass sich eine mittlere Temperatur einstellt. Physikalisch werden solche Vorgänge mit der Entropie beschrieben, die im zeitlichen Verlauf immer zunimmt und damit eine eindeutige Zeitrichtung vorgibt. Nur kurz war ich über einen Abschnitt im Wikipediaartikel über den Zeitpfeil verblüfft:

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Kosmische Würfelspiele

14. November 2015 Keine Kommentare

Unter der oben genannten Überschrift ist in der Novemberausgabe 2015 von „Spektrum der Wissenschaften“ ein Artikel erschienen, der sich mit dem Verhältnis von Einstein zur Quantentheorie beschäftigt. Den meisten dürfte (in verkürzter Form) das folgende Zitat bekannt sein, mit dem der Beitrag in SdW beginnt:

„Die Quantenmechanik ist sehr achtunggebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, dass das noch nicht der wahre Jakob ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich davon überzeugt, dass der nicht würfelt.“

Aus dem Zusammenhang gerissen, scheint dieses Zitat zweierlei zu belegen: Erstens, dass Einstein religiös war. Zweitens, dass er der Quantentheorie skeptisch gegenüberstand. Der Diskussion des Letzteren ist der SdW-Artikel gewidmet. Der Autor George Musser zeigt, dass diese verbreitete Vorstellung nicht richtig sein kann, war Einstein doch gemeinsam mit Planck der Begründer der Quantentheorie.

Einstein, so die geläufige Annahme, weigerte sich anzuerkennen, dass manche Vorgänge nicht deterministisch sind und einfach geschehen – ohne die Möglichkeit herauszufinden, wann oder warum. Nahezu isoliert im Kreis seiner Fachkollegen klammerte er sich an das mechanistisch tickende Uhrwerkuniversum der klassischen Physik, in dem jeder Moment den nächsten bestimmt.

Doch im Lauf der Zeit haben viele Historiker, Philosophen und Physiker Zweifel an dieser Darstellung angemeldet. Setzt man sich nämlich damit auseinander, was Einstein tatsächlich gesagt und geschrieben hat, so zeigt sich seiner sehr viel nuanciertere Denkweise über den Indeterminismus der Quantenmechanik.

Howard und andere Geschichtswissenschaftler haben gezeigt, dass Einstein den unbestimmten Charakter der Quantenphysik akzeptierte – wenig überraschend, denn er selbst hatte ihn bei seinen Arbeiten schließlich mit entdeckt. Dagegen nahm er nicht hin, dass dieser Indeterminismus eine fundamentale Eigenschaft der Natur sein sollte. Er sah vielmehr Hinweise darauf, dass dieses Verhalten seine Ursache in einer tieferen Ebene der Realität hat, welche die bestehenden Theorien nicht erfassten. Seine Kritik war also keineswegs mystischer Natur, sondern sie war auf wissenschaftliche Probleme fokussiert, die bis heute ungelöst sind.

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Die vier Jahreszeiten

3. November 2015 Keine Kommentare

Blühling
Sonner
Sterbst
Winder

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Greogory Bassham, Eric Bronson (HG.): Der Herr der Ringe und die Philosophie II

1. November 2015 Keine Kommentare

Im ersten Artikel, in dem ich mich auf diese Anthologie bezogen habe, ging es um eine Allegorie zwischen den Ringen in Tolkiens Trilogie und neuen Technologien: Die Schicksalsklüfte: Tolkiens Ringe der Macht und die Bedrohung durch neue Technologien. In einem weiteren Kapitel wird über Sterblichkeit und Unsterblichkeit philosophiert – das Buch enthält einen Essay von Bill Davis „Den Tod wählen: Sterblichkeit als Gabe“.

Arwens Liebe zu Aragorn dagegen ist noch komplizierter. Der Film „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ zeigt die beiden während Aragorns Aufenthalt in Bruchtal im Gespräch über ihre Zukunft. Auf einer Brücke inmitten eines üppigen Gartens tauschen sie zärtliche Worte über ihre Liebe und tiefe Zusammengehörigkeit aus. Sie fragt ihn, ob er sich an ihr Versprechen erinnere. Er bejaht: »Du sagtest, du wolltest dich an mich binden und auf das unsterbliche Leben deines Volkes verzichten.« Sie antwortet unerschütterlich: »Und dazu stehe ich. Ich ziehe ein endliches Leben mit dir allen Zeitaltern dieser Welt ohne dich vor. Ich wähle ein sterbliches Leben.« Es wird sehr deutlich, dass sie ihn liebt, doch was hat der Tod mit ihrer Entscheidung zu tun? …

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Elben und Menschen sind zwar Verbündete im Kampf gegen Saurons Versuche, die Herrschaft über Mittelerde zu erringen, doch ihre Lebensläufe unterscheiden sich gravierend. Wie die Menschen in der realen Welt, so sind auch Tolkiens Menschen sowie die Hobbits sterblich. Sei es durch Alter, Krankheit oder Verletzung – es kommt eine Zeit, wenn ihre Körper nicht mehr fähig sind, die Lebensfunktionen aufrechtzuerhalten. Und wenn ihre Körper sterben, verlassen ihre Seelen Arda, die Erde. Elben haben ein anderes Schicksal. Ihre Körper können müde werden oder auch so verletzt sein, dass sie nicht weiterleben können. Doch selbst wenn die Körper sterben, bleiben die Seelen der Elben »im Kreislauf der Welt«. Die Menschen wissen nicht, was mit ihnen nach dem Tod geschieht. Elben wissen, dass – gleichgültig, was mit ihrem Körper geschieht – ihre Seelen einen aktiven Platz im Leben von Arda einnehmen werden.

Arwen muss zwischen diesen beiden Möglichkeiten wählen, denn sie ist, wie ihr Vater Elrond, Halb-Elbe. Halb-Elben sind sehr selten, sie müssen sich entscheiden, ob sie das Schicksal der Menschen oder das Schicksal der Elben teilen wollen. Arwen entscheidet sich dafür, Aragorns Schicksal zu teilen, was ihren eigenen Tod unvermeidlich macht.

Die drei Teile vom „Herrn der Ringe“ gab es 1954 / 1955 schon zu Tolkiens Lebzeiten. 1937 erschien „Der kleine Hobbit“, die Vorgeschichte zum Herrn der Ringe. Das Thema hat Tolkien aber sein ganzes Leben beschäftigt. Im „Silmarillion“ wird die Entstehung der Welt, in der der Hobbit und der HdR spielt, dargestellt. Dieses Buch hat Tolkien nicht mehr selbst fertig gestellt, sie wurden posthum von seinem Sohn stilistisch geglättet und heraus gegeben. Dort liest man zum Vergleich zwischen Elben und Menschen:

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Greogory Bassham, Eric Bronson (HG.): Der Herr der Ringe und die Philosophie I

31. Oktober 2015 Keine Kommentare

J. R. R. Tolkien hat mit dem Herrn der Ringe Maßstäbe in der Fantasy-Literatur gesetzt. Er selbst hat immer abgestritten, dass sein Werk oder Teile davon als Allegorie auf unsere Welt verstanden werden können. Ganz stimmt das natürlich nicht. Jeder Schriftsteller schreibt seine Texte aus den Gedanken heraus, die er in seinem Kopf hat. Aber wie kommen diese Gedanken in seinen Kopf hinein? Und wie interpretieren die Leser einen Text, wenn nicht mit Hilfe ihrer Gedankenwelt, für die dasselbe gilt wie für die des Schriftstellers.

Natürlich ist es Unsinn (oder wenigstens schlechter Stil), einen Schriftsteller, der über Kindesmissbrauch, Mord, Vergewaltigung, Drogenmissbrauch, ein ausschweifendes Sexualeben, etc., schreibt, in einer Lesung nach den autobiografischen Bezügen zu fragen. Aber sich darüber Gedanken machen wird sich wohl jeder Leser. In dem Buch, dessen Titel oben angegeben ist, haben verschiedene Philosophen über Tolkiens Fantasiewelt und über die Bezüge zu unserer Welt reflektiert.

Einer der Artikel stammt von Theodore Schick: „Die Schicksalsklüfte: Tolkiens Ringe der Macht und die Bedrohung durch neue Technologien“ Ein paar Zitate daraus passen gut zu meinem letzten Text über Andreas Eschbachs Buch Herr aller Dinge:

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Wolfsheim: Kein Zurück

31. Oktober 2015 Keine Kommentare

Normalerweise höre ich keine Musik, sie stört beim Lesen, beim Arbeiten und beim Nachdenken. Eine Ausnahme ist Autofahren. Der Chip wurde vor langer Zeit bespielt und steckt seitdem im Autoradio, aber dass sich darauf mehrere Wolfsheim-CDs befinden, wusste ich gar nicht. Ich muss das Lied also schon ein paar dutzendmal gehört haben. Doch vor einigen Tagen wurde ich während der Fahrt auf „Kein Zurück“ aufmerksam. Seitdem lässt mich das Lied nicht mehr los:

Der Liedtext (Quelle):


Es gibt keinen Weg zurück
Weißt du noch, wie's war
Kinderzeit, wunderbar
Die Welt ist bunt und schön
Bis du irgendwann begreifst,
Dass nicht jeder Abschied heißt
Es gibt auch ein Wiederseh'n.

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
Es gibt keinen Weg zurück
Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh'n
Die Zeit läuft uns davon
Was getan ist, ist getan
Was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh'n.

Es gibt keinen Weg zurück
Es gibt keinen Weg zurück

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Ein Wort zu viel im Zorn gesagt
Nen' Schritt zu weit nach vorn gewagt
Schon ist es vorbei
Was auch immer jetzt getan
Was ich gesagt hab, ist gesagt
Was wie ewig schien, ist schon Vergangenheit.

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
Es gibt keinen Weg zurück
Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh'n
Die Zeit läuft uns davon
Was getan ist, ist getan
Was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh'n.

Ach und könnt' ich doch nur ein einz'ges Mal
Die Uhren rückwärts dreh'n
Denn wie viel von dem, was ich heute weiß,
Hätt' ich lieber nie geseh'n.

Es gibt keinen Weg zurück
Es gibt keinen Weg zurück
Es gibt keinen Weg zurück

Dein Leben dreht sich nur im Kreis
So voll von weggeworfener Zeit
Deine Träume schiebst du endlos vor dir her
Du willst noch leben irgendwann
Doch wenn nicht heute, wann denn dann?
Denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her.

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
Es gibt keinen Weg zurück
Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh'n
Die Zeit läuft uns davon
Was getan ist, ist getan
Was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh'n.

Ach und könnt' ich doch nur ein einziges Mal
Die Uhren rückwärts dreh'n
Denn wie viel von dem, was ich heute weiß,
Hätt' ich lieber nie geseh'n.

Warum lässt mich das Lied nicht los? Über das Phänomen (oder das Mysterium?) der Zeit grüble ich recht häufig nach, am ehesten stimme ich Lee Smolin in seinem Buch Im Universum der Zeit zu. Während in der Relativitätstheorie Raum und Zeit zu etwas Ähnlichem verschmolzen werden, ist Smolin der Meinung, dass die Zeit etwas Fundamentaleres als der Raum sein muss. Um Veränderungen möglich zu machen, muss etwas existieren, in dem sich Veränderungen vollziehen können – die Zeit.

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Andreas Eschbach: Herr aller Dinge

27. Oktober 2015 Keine Kommentare

„Der Herr aller Dinge“ ist ein typisches Buch von Andreas Eschbach. Science Fiction, aber sorgfältig recherchiert, auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft aufbauend und eine denkbare Entwicklung in die Zukunft extrapolierend. Ich möchte hier keine Inhaltsangabe seines Buchs geben, sondern nur drei wesentliche Gedanken kommentieren. Die erste Idee beschäftigt sich mit der Zukunft der Arbeit, was Aufgabe der Technik ist und was Reichtum wirklich bedeutet:

Wenn wir von Reichtum reden, dam reden wir nicht von Geld, sondern von Arbeit. Würde Reichtum bedeuten, viel Geld zu haben, wäre es ja einfach, jeden reich zu machen: Man müsste nur genügend Geld drucken und es an alle verteilen. Das funktioniert nicht, weil Geld eben nur bedrucktes Papier ist. Es geht nicht um Geld – es geht um Arbeit. Reichtum heißt, imstande zu sein, andere für sich arbeiten zu lassen.

Hiroshi Kato, die Hauptfigur im Buch, stammt aus einem armen Elternhaus und erkennt diesen Zusammenhang sehr früh in der Kindheit. Sein Plan besteht darin, Maschinen zu bauen, die jedem Menschen die benötigten Güter zur Verfügung stellen. Dann wäre jeder reich, ohne dass andere für ihn arbeiten müssten. An der Uni diskutiert er mit einem Professor darüber:

»Ach ja? Nach Ihrer Logik wird es aber nach und nach immer weniger Jobs geben.«

»Es wird zunächst andere Jobs geben. Vor hundert Jahren war ein Drittel der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, heute sind es noch drei Prozent. Trotzdem haben wir nicht lauter arbeitslose Bauern.«

»Schönes Argument«, meinte DeLouche siegessicher. Er beugte sich leicht vor, wie immer, wenn er damit rechnete, seinem Kontrahenten demnächst den finalen Stoß zu versetzen. »Aber was hilft das dem Arbeiter, der durch einen Roboter ersetzt wurde, auf der Straße steht und Arbeit braucht?«

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Es war so mucksmäuschenstill, dass man die klinisch weißen Leuchtelemente an der Decke surren hörte. Und natürlich das Blech an der Luftzufuhr mit seinem unablässigen tak-a-tak-tak-a.

»Genau genommen«, sagte Hiroshi bedächtig, »braucht er nicht Arbeit. Er braucht Geld. Oder, allgemein gehalten, er muss seinen Lebensunterhalt sicherstellen. Das ist das eigentliche Problem.«

»Womit wir beim Sozialsystem wären«, erwiderte DeLouche. Er musterte Hiroshi über den Rand seiner Brille hinweg. »Können Sie sich eigentlich auch vorstellen, dass Menschen gerne arbeiten? Dass sie ihre Arbeit als identitätsstiftend empfinden? Und nicht nur als Mittel, um den Lebensunterhalt zu sichern?«

»Doch, bei Ihnen kann ich mir das vorstellen«, erwiderte Hiroshi mit ausdruckslosem Gesicht. »Aber meine Mutter zum Beispiel war Wäscherin. Sie hat jahrelang jeden Tag Dutzende von Handtüchern, Tischtüchern und Unmengen von Kleidung gewaschen, getrocknet und gebügelt. Und sie fand das kein bisschen identitätsstiftend. Als sie es nicht mehr tun musste, hat sie sofort gekündigt.«

Es ist eine ähnliche Diskussion, wie sie auch bei uns im Zusammenhang mit dem bedingungslosen Grundeinkommen geführt worden sind.

Hiroshi nickte. »Na also. Sie geben sich die Antwort damit selber. Die Maler werden auch in Zukunft weiter malen, aber die Müllmänner werden eher nicht mehr arbeiten.«

Ohne das an dieser Stelle noch weiter vertiefen zu wollen, ist völlig klar: Viele heutige Tätigkeiten sind nicht sinnstiftend, sie würden sofort nicht mehr gemacht werden, wenn die Betreffenden es nicht müssten – das erfüllt die Definition von Zwangsarbeit.

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Rolf Dobelli: Die Kunst des klugen Handelns

23. Oktober 2015 Keine Kommentare

Aus den beiden Büchern von Rolf Dobelli Die Kunst des klaren Denkens und „Die Kunst des klugen Handelns“ habe ich bereits mehrere Beispiele zitiert, z.B. hier, hier und hier. Im Folgenden noch vier weitere, die mir aus dem Buch über kluges Handeln im Gedächtnis geblieben sind. (Man kann sich darüber streiten, ob „Handeln“ im Buchtitel das richtige Wort gewesen ist, denn einige Abschnitte betreffen weniger Handlungen als vielmehr Denkweisen.)

Das erste Beispiel ist ein statistisches Phänomen, das mich an einen alten Gedanken zur Arbeitsteilung erinnert hat: Arbeitsteilung ist immer vorteilhaft, unabhängig von den Fähigkeiten derjenigen, die verschiedene Aufgaben untereinander aufteilen. Dobelli:

Will-Rogers-Phänomen

Angenommen, Sie sind Fernsehdirektor eines Unternehmens mit zwei Sendern. Kanal A hat hohe Einschaltquoten, Kanal B extrem niedrige. Der Aufsichtsrat fordert Sie auf, die Quote beider Sender zu steigern, und zwar innerhalb eines halben Jahrs. Schaffen Sie es, winkt ein Superbonus. Schaffen Sie es nicht, sind Sie Ihren Job los. Wie gehen Sie vor?

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Ganz einfach: Sie schieben eine Sendung, die die durchschnittliche Einschaltquote des Kanals A bisher leicht heruntergezogen hat, aber immer noch ganz gut läuft, zu Kanal B hinüber. Weil Kanal B miserable Einschaltquoten hat, erhöht die transferierte Sendung dessen Durchschnittsquote. Ohne eine einzige neue Sendung zu konzipieren, haben Sie die Quoten beider Fernsehsender gleichzeitig angehoben und sich damit den Superbonus gesichert.

Diesen Effekt nennt man Stage Migration oder Will-Rogers-Phänomen, benannt nach einem amerikanischen Komiker aus Oklahoma. Dieser soll gewitzelt haben, dass Einwohner von Oklahoma, die Oklahoma verlassen und nach Kalifornien ziehen, den durchschnittlichen IQ beider Bundesstaaten erhöhen. Das Will-Rogers-Phänomen ist nicht intuitiv verständlich. Um es im Gedächtnis zu verankern, muss man es einige Male in verschiedenen Settings durchexerzieren.

Das zweite Beispiel ist aus dem Bereich „Praktische Tipps für das eigene Leben“. Hier passt der Buchtitel recht gut:

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