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Prodigies‘ Oddities II

In einem Diskussionsforum habe ich das folgende Zitat von einem Mitglied der Prometheus Society gefunden, er schrieb darin über Untersuchungen an „Gifted People“:

Damals ergab sich, dass Kinder mit einem IQ von 146 ungefähr mit einem Jahr anfangen sinnvolle Sätze zu konstruieren, bei einem IQ von 160 ungefähr mit acht oder neun Monaten und bei 180+ mit sechs Monaten.

Es ist nicht ganz klar, was er mit sinnvollen Sätzen gemeint hat, zwei Wörter oder drei, welcher Grad an Grammatik? Und er weist auch darauf hin, dass die Datenbasis für diese Schätzungen sehr klein war: 146+: 42, 160+: 25, 190+: 9). Über die sprachliche Entwicklung eines durchschnittlich begabten Kindes jedenfalls ist bekannt, dass es mit etwa 18 Monaten die ersten Zwei-Wort-Sätze spricht. Aber das eigentlich Interessante an dem Posting war der Link The Outsiders:

His name was William James Sidis, and his IQ was estimated at between 250 and 300. At eighteen months he could read The New York Times, at two he taught himself Latin, at three he learned Greek. By the time he was an adult he could speak more than forty languages and dialects.


Die deutsche Wikipedia bleibt da wesentlich prosaischer, dort kann man über William James Sidis u.a. lesen:

Sidis war der Sohn der jüdischen und aufgrund von Pogromen aus Russland ausgewanderten Eltern Sarah (geb. Mandelbaum) und Boris Sidis. Er wurde von Anbeginn von seinen Eltern mit speziellen Lernmethoden aufgezogen, die darauf abzielten, ihn zu einem Genie zu erziehen. Schon im Alter von 18 Monaten konnte er lesen (Hyperlexie) und schrieb bis zu seinem achten Lebensjahr bereits vier Bücher. Sein Intelligenzquotient wurde auf über 250 taxiert, er nahm aber nie an einem Test teil.

Wie schon in meinem ersten Beitrag über Prodigies deutlich geworden ist, müssen solche extrem Begabten in ihrem Leben nicht besonders glücklich werden. Trotz sehr hoher Begabung bleibt jeder Mensch ein Tier mit sozialen Bedürfnissen – nur dass diese für die Extremen von der Umwelt kaum befriedigt werden können. Sidis weiteres Leben spricht darüber Bände:

He soon gave up his position as a professor, and for the rest of his life wandered from one menial job to another. His experiences as a child prodigy had proven so painful that he decided for the rest of his life to shun public exposure at all costs. Henceforth, he denied his gifts, refused to think about mathematics, and above all refused to perform as he had been made to do as a child. Instead, he devoted his intellect almost exclusively to the collection of streetcar transfers, and to the study of the history of his native Boston. He worked hard at becoming a normal human being, but never entirely succeeded. He found the concept of beauty, for example, to be completely incomprehensible, and the idea of sex repelled him. At fifteen he took a vow of celibacy, which he apparently kept for the remainder of his life, dying a virgin at the age of 46. He wore a vest summer and winter, and never learned to bathe regularly. A comment that Aldous Huxley once made about Sir Isaac Newton might equally have been said of Sidis.

For the price Newton had to pay for being a supreme intellect was that he was incapable of friendship, love, fatherhood, and many other desirable things. As a man he was a failure; as a monster he was superb.

Beim Googeln nach dem Autor des Postings stößt man auf den Blog Secret teachings, zu deutsch vielleicht „Geheimlehren“. Bereits das erste Video dort ist very amazing:

Es ist nicht ganz klar, ob der Mann im Video der Blogbetreiber ist. Bei einem älteren Video im selben Blog hoffe ich es nicht. Dort wird die Konstruktion einer „newman machine“ beschrieben, gelabelt ist das Video u.a. mit „free energy“.

Da schrillen bei mir alle Alarmglocken. Über die Newman-Maschine ist nämlich Folgendes bekannt: Der Newman Motor-Generator. Aber am Ende des Videos heißt es, dass der Motor-Generator 2 Monate ununterbrochen lief und konstant 6 Volt angezeigt wurden. Gibt es also tatsächlich eine free energy supression aller Regierungen der Welt?

Kommentare

bluerisk 12/08/2008 02:56:06 PM

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Menschen wirklich an ihrem Intellekt, oder an ihrer offensichtlich fehlgeschlagegenen Sozialisation gescheitert sind. Evtl. wäre es für sie besser gewesen, sie regulär auch zur Schule etc. zu schicken, um die Fähigkeit der sozialen Interaktion zu erlernen.
Ich denken man unterschätzt die Bedeutung der „formative years“.

Köppnick 12/08/2008 06:54:02 PM

Für die „normalen“ Hochbegabten, also etwa die zwischen 130 und 145 trifft das sicher zu. Hier plädiert auch eine Mehrheit der Mensaner (also genau diese IQ-Gruppe) dafür, den normalen Unterricht zu besuchen und den größeren Wissensdrang etc. außerschulisch zu befriedigen. Für noch Intelligentere funktioniert dieser Ansatz aber nicht mehr. Nimm einen 150er: Der hat mit 12 den Wissensstand eines 18jährigen, steckt aber im Körper eines 12jährigen. Es gibt kaum etwas worüber er sich mit Gleichaltrigen unterhalten könnte und die Älteren bestaunen ihn entweder als ein Wundertier oder betrachten ihn als ein Alien. Die sozialen Störungen sind eine Folge dieses Andersseins. Sidis hatte mit 8 bereits 4 Bücher geschrieben, was sollte der in einer Schule?

steppenhund 12/08/2008 05:02:17 PM

Bin also doch kein Genie! Habe erst mit 4 Jahren vollständige Sätze sprechen gelernt.
Außerdem bin ich ein Verfechter von Erhaltungssätzen. Also nichts mit Newman Generatoren.
Das Video erlaubt so viele Möglichkeiten der Manipulation, dass ich mich nur an einer Geschichte aufhänge. Warum musste der HV-Generator ausgerechnet bei E-Bay gekauft worden sein?
20kV, 10mA könnte mit der Göße des Generators konform gehen. mit 200 W kann man aber schon einiges erreichen.
Na gut. Bleibt noch die Prometheus-Gesellschaft. 99,997% Beziehungsweise nur 0,003% der Menschheit passen da hinein.
Also ich sicher nicht.
Die Triple-Nine tät ich noch schaffen. Ich habe mir den Titan-Test angesehen. 24 würde ich wohl schaffen, wenn es ein deutsches Äquivalent gibt. Die Sprachtests sind einsichtig, wenn mir auch nicht immer das passende Wort in Englisch dazu einfällt.
Die Vorstellungsaufgaben sind nett, die Reihen auch. Ich stelle nur fest, dass sie mich nicht mehr interessieren.
Was mich eher interessiert, ist der Umstand, dass für einen IQ von 190 nur mehr 60 Personen auf der Welt in Frage kommen. Schätzomativ sind es bei 195 nur mehr 6 und vielleicht kann es bei einem IQ von 200 nur halbe oder viertel-Genies mehr geben.
Das bedeutet für mich, dass ich den IQ von jemanden, der über einen IQ von 250 oder 300 schreibt, mit ca. 76 ansetzen. Ich glaube, dort fängt die Debilitätsgrenze an.

Es ist aber erfreulich, dass man bei oben genannten Test bereits mit einer gelösten Aufgabe bei 120 anfängt. Darf ich die relativ triviale Lösung zu Aufgabe 48 nennen?
Gesucht ist die Oberfäche der vierdimensionalen Einheitskugel. Das Integrieren überlasse ich dem Hausherrn:)

Köppnick 12/08/2008 07:33:33 PM

Zu Sidis Zeiten wurde der IQ noch als Relation zum Lebensalter eines durchschnittlichen Kindes berechnet. Wenn er mit 6 den intellektuellen Stand eines 15jährigen hatte, dann kam seinerzeit 250 heraus. Und auch heute noch kann ich mir vorstellen, dass man begabte Kinder die Tests älterer Jahrgänge machen lässt und dann die Werte hochrechnet.

Überhaupt gibt es bei Kindern mehr Ausreißer nach oben und unten, weil zur genetisch bedingten Komponente entweder einerseits eine Frühförderung oder andererseits eine Vernachlässigung durch Elternhaus und oder Schule kommen kann. Prof. Rost hatte oder hat in seiner Marburger Studie das Problem, dass ein Teil seiner Probandenkinder nach ein paar Jahren das 130er Niveau nicht mehr hatte. Damit seine Gruppe nicht immer kleiner wurde, hat er den Schwellwert gesenkt (auf, glaube ich, 125). Ähnliches dürfte auf viele Mensaner zutreffen, die aus gutem Elternhaus stammen und bereits in der Kindheit eingetreten sind. Stabilisieren dürften sich die Werte erst gegen Ende der Ausbildungszeit – und wenn man im Berufsleben seinen Kopf auch benutzen darf.

Der heute verwendete Mensatest soll besonders trennscharf zwischen 130 und 145 sein. Angeblich hat noch niemand alle Aufgaben richtig gelöst. Für eine ordentliche Kalibrierung wäre das aber eine Voraussetzung, denn null wird die Normalverteilung nie. An anderer Stelle habe ich gelesen, dass die statistischen Fehler ab 160 so groß sind, dass man es nicht mehr „Messung“ nennen kann.

Man darf die ganzen Zahlenspielereien sowieso nicht überbewerten. Eine interessante Seite ist diese hier: http://www.die-besten-nennen.de/ Leider ist die Verlinkung der Seite sehr merkwürdig, man muss eine Weile suchen, bis man zu den IQ-Vereinen folgende Aussagen findet: http://www.die-besten-nennen.de/index.htm?/sites/texte/text4.htm

Die Hoffnung, in IQ-Vereinigungen die feinsten Geister zusammenzubringen, die der Menschheit weiter helfen dürfte daran scheitern, dass die, die durch ihre Kompetenz eine hohe Leistungsfähigkeit in Beruf und Alltag ständig beweisen, viel gefordert sind und für derartige IQ-Vereinigungen keine freien Valenzen mehr haben.

Zusammenfassend ist anzunehmen, dass die IQ-Vereinigungen nur für einen Teil der hochintelligenten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen attraktiv sind. Sie können ihnen helfen, adäquate geistige Anforderungen als Hobby zu pflegen bzw. geistige Unterforderungen in Ausbildung, Beruf und Alltag zu kompensieren. Dies ist auch für die speziell Testintelligenten mit geminderter Durchhaltefähigkeit oder für die Dünnhäutigen im Alltag eine Chance, ihre Potenziale geistig zu entfalten.

Wegen ihrer sozialen Integrationsschwierigkeiten dürfte es vielen in den IQ-Vereinigungen genügen, unter sich zu sein und sich nicht für weitere Teile der Gesellschaft zu engagieren. Die IQ-Vereinigungen genügen demnach einem Selbstzweck. Dazu passt, wie zum 50. Bestehensjubiläum der Mensa im Jahr 1996 der damals 81-jährige Mitgründer, Dr. Ware, seiner Enttäuschung mit folgenden Worten Ausdruck verliehen haben soll: „I do get disappointed that so many members spend so much time solving puzzles“,…“It´s a form of mental masturbation.“

Die radikale Absetzung von Personen mit „normalem“ IQ zeigt schon den Wunsch zur Desintegration an. Durch die Konzentration auf Aktivitäten innerhalb einer IQ-Vereinigung verarmen Kontakte zu Menschen niedrigerer Begabungsniveaus. Deshalb werden Mitglieder auch kaum Erfahrung mit deren Eigenarten und Wünschen gewinnen und kaum verantwortlich für sie eintreten wollen oder können und dem von UltraHIQ formulierten Wunsch der Menschheit weiter zu helfen, weniger nachkommen als in die Gesellschaft integrierte Hochbegabte.

Da ist was dran, allerdings ist der ganze Schreibstil dieser Netzseite selbst für meinen Geschmack ziemlich von Arroganz geprägt.

steppenhund 12/08/2008 11:22:31 PM

Arroganz ja, Mensianer habe ich aber nie als arrogant kennengelernt, leider aber durchaus vereinsmeierisch:)
Die Definition Lebensalter/durchschn.LA kenne ich. Die geht natürlich nur für Kinder und ist mathematisch gesehen eigentlich schwer zu akzeptieren. Die Zunahme an Wissen müsste dann nämlich synchron mit der verstrichenen Zeit laufen, was ich für schwer realisierbar halte, weil die afferenten Stimuli, (von denen das Lernen wohl abhängig ist) nicht in gleichmäßiger Intensität daher kommen.
Ich weiß nicht mehr, was ich beim Mensatest erreicht habe. Allerdings hat man mir damals auch gesagt, dass für höhere Werte andere Tests angesetzt werden müssen, die anders auflösen.
Den von mir verlinkten Titantest halte ich allerdings nicht für sehr IQ-erkennungsfähig. Beispiel:
Frage 22:
22. LANGUAGE GAMES : LUDWIG :: PIANO CONCERTI FOR THE LEFT HAND : ?
Paul ist für mich ziemlich unmittelbar einsichtig. Es handelt sich aber um Wissen, nicht um Intelligenz. Wenn man klassische Musik mag, wenn man Klavier spielt, weiß man vielleicht, dass es fünf Klavierkonzerte für die linke Hand allein gibt. (Ravel ist z.B. besonders schön oder Franz Schmidt)
Wenn man in einem Haus von Franz-Schmidt-Liebhabern aufgewachsen ist, weiß man auch, dass Franz-Schmidt fast seine ganze Klaviermusik so geschrieben hat, dass sie mit der linken Hand allein spielbar ist. Paul Wittgenstein, der Pianist, hatte seinen rechten Arm im Weltkrieg verloren und ihn gebeten, etwas zu komponieren, was mit einer Hand spielbar wäre. Von Ludwig Wittgenstein sollte man schon etwas gehört haben, wenn man sich überhaupt an solche Tests heranmacht;)
Aber das ist für mich keine Testfrage für Intelligenz. Genauso könnte man fragen, was der erste Beatles-Song war, der berühmt wurde. Ich würde es nicht wissen, aber viele andere schon.
Und die nicht textlichen Fragen sind alle sehr mathematisch angehaucht. Hat jemand Mathematik oder Physik studiert, sollte er mit den Schnittproblemen nicht viel Schwierigkeiten haben, obwohl sie sehr schwierig sind. Oder die Wahrscheinlichkeitsaufgaben. Dafür gibt es sogar Formeln.
Den von dir zitierten Text finde ich sehr gut. Die Geschichte mit der Masturbation gefällt mir. Deswegen habe ich ja geschrieben, dass mich der Test an sich nicht mehr interessiert. Früher hätte ich an den Aufgaben nicht vorbei gehen können.
Und in Wirklichkeit müsste ich mir den Test nur Frage für Frage merken, und während ich in der U-Bahn sitze, tauchen dann vereinzelt die Antworten von selbst auf, weil es magerlt. Und da stimmt es, dass diese Tätigkeit, von den eigentlichen Problemen ablenkt.
Ich „reinige“ mich jetzt auf folgende Weise: beim Mittagessen liegt die Presse auf, dort gibt es immer ein Sudoku, schwer oder mittel, das löse ich bis die Bestellung kommt. Manchmal brauche ich länger, aber dann habe ich das Gefühl, ich brauche nicht mehr etwas zu trainieren.
Am Abend um 6 Uhr kommt meistens zwei Online-Sudokus im Standard. Die gönne ich mir als Belohnung, wenn ich mit der Arbeit fertig bin oder wenn ich sehr lange arbeite und eine Pause machen muss.
Ein Argument gibt es meiner Meinung nach wirklich für Vereine wie Mensa oder ähnliche. Man kann mit den Mitgliedern über Fragen sprechen und Lösungen überlegen, ohne als Angeber gesehen zu werden. Es geht dann auch nicht mehr, ob einer um 3 Punkte mehr als der andere hat.
Es gibt zwei Mensianer, die ich sehr geschätzt habe oder schätze. Der eine war N. C. Parkinson, der hat mir wirklich Eindruck gemacht. Der andere ist Tony Buzan. Der hat mir etwas gebracht. Und es überrascht mich, dass nicht alle intelligenten Personen etwas mit Mindmaps anfangen können.
Also scheint Denken und Gehirn doch nicht über einen Leisten zu scheren sein.

Köppnick 12/09/2008 10:02:21 PM

Der originale Ansatz von Terman mit dem Lebensalter war so schlecht nicht. Schließlich ging es zunächst um die Beurteilung der Schulfähigkeit von Kindern, dafür spielt der Unterschied zwischen Wissen und Intelligenz kaum eine Rolle. Heute muss man die ganze Testerei ziemlich kritisch sehen, weil die Reduktion eines Menschen auf eine Zahl schon ein gewaltiges, auch ethisches, Problem darstellt.

Sudoku-Phasen habe ich auch. Ich habe schon zweimal ein Heft mit 200 Aufgaben mit steigendem Schwierigkeitsgrad gekauft. Die ersten 120 löst man so einfach weg, dann komme ich in den Bereich, in dem es ab einer bestimmten Stelle mehrere Varianten gibt. Man musste sich das vermerken und mit Bleistift und Radiergummi arbeiten. Da verlässt mich dann die Lust, der Verstand schaltet sich ein und sagt: Zeitverschwendung, lass den Quark!

Die Außenwahrnehmung von Mensa und das Vereinsleben sind zwei vollkommen verschiedene Dinge. Lies dir mal das folgende Interview durch und die Leserkommentare dazu: http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/300/304276/text/ Karin Joder hat einfach nur ehrlich geantwortet, aber für den Arroganzvorwurf hat das schon gereicht.

steppenhund 12/09/2008 10:14:03 PM

Den Link habe ich mir bereits bei der ersten Erwähnung angesehen:)
Und die Postings sprechen Bände…

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