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Militärprognose für 2037

Briten fürchten Strahlen, Chips und Neomarxismus

lautet der Titel eines Spiegelartikels. Weiter heißt es:

Welche Kriege und Konflikte bedrohen die Welt in dreißig Jahren? Diese Frage stellte der britische Verteidigungsminister seinen Strategen. Überraschendes Ergebnis: Die Militärs fürchten sich vor Neomarxisten in der globalen Mittelklasse.

Im Artikel wird es dann noch konkreter:

Slums, Arbeitslosigkeit – und Antikapitalismus
„Eine düstere Vision der Zukunft“, überschrieb der „Guardian“ diesen Rundumschlag über ökonomische und politische, aber auch demografische und ökologische Trends. Die Autoren warnen: Im Jahr 2010 wird mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten leben, viele Menschen in Slums. 2035 könnten es bereits 60 Prozent sein, zusammen mit Not und Arbeitslosigkeit ein Treibsatz für soziale Unzufriedenheit.

Besonders in Afrika und dem Nahen Osten werde der Kampf der Menschen um immer knappere Ressourcen weiter zunehmen, fürchten die MoD-Forscher. Die geschätzte Weltbevölkerung von 8,5 Milliarden Menschen im Jahr 2035 würde zu 98 Prozent aus Bewohnern von Entwicklungsländern bestehen – bis dahin würde die Zahl der Menschen im subsaharischen Afrika um 80 Prozent, jene im Nahen Osten gar um über 130 Prozent wachsen. Am Beispiel Saudi Arabiens, dem größten Rüstungskunden britischer Hersteller, orakeln die Autoren düster: „Die Erwartungen einer wachsenden Zahl junger Menschen, viele von ihnen mit heimischer Arbeitslosigkeit konfrontiert, werden nur sehr unwahrscheinlich befriedigt werden“ – und das schaffe Zündstoff.

Wer wisse schon, was sich aus einem wachsenden globalen Widerstand gegen den Kapitalismus und das vorherrschende Wirtschaftssystem entwickeln könne? Die Autoren sprechen explizit vom Gedanken der „Umma“, der weltweiten islamischen Gemeinschaft. Aber nicht bloß von bärtigen Mullahs und ihrer Gefolgschaft könnte der Widerstand ausgehen.

Krieg der Staaten geht, Konflikt der Klassen kommt
„Die Mittelklassen könnten eine revolutionäre Klasse werden, und jene Rolle übernehmen, die Marx für das Proletariat vorgesehen hatte“, schreiben die MoD-Strategen nach Angaben des „Guardian“. Ihr Szenario: Aufgerieben zwischen wachsender sozialer Verelendung einerseits und dem schamlosen Leben der Superreichen andererseits verbünden sich die Leistungs- und Wissenseliten, die früher einmal Bildungsbürger und Facharbeiter genannt wurden, zu einem schlagkräftigen Interessenverbund. Dieser kämpft dann – politisch – für seine eigenen, grenzüberschreitenden Interessen.

Sehr erhellend, wenn man die von den Militärs definierten Feindbilder der „Neomarxistischen Bewegung“, also der „Leistungs- und Wissenseliten“ zusammenfasst:

  • Das schamlose Leben der Superreichen,
  • die wachsende soziale Verelendung und, nicht zu vergessen:
  • die Autoren der Studie, d.h. das Militär.

Mal abgesehen von der im Spiegelartikel sehr treffend gefundenen Analogie zu den Voraussagen des Nostradamus (Weltuntergang 2038), liebe Militärs, nach dieser luziden Analyse bitte noch ein paar Gründe nennen für:

  • Warum eine Gesellschaft, die derartige Probleme ignoriert, militärisch erhaltenswert ist und
  • warum die „Neomarxisten“ bis 2037 warten sollen, um die genannten Probleme anzugehen?

Da bin ich doch sehr gespannt, bin ich da.

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