Home > Filme, Philosophie, Videos > Kategorischer Imperativ und naturalistischer Fehlschluss

Kategorischer Imperativ und naturalistischer Fehlschluss

Vor etwa zwei Wochen wurde ich in eine Diskussion über den Kategorischen Imperativ hineingezogen, dem wichtigsten Bestandteil der Moralphilosophie von Immanuel Kant. Ausgangspunkt war die Frage, warum eigentlich immer in ethischen Diskussionen dieser Imperativ als Argument herangezogen wird. Kant hat ihn in verschiedenen Formen, jeweils für verschiedene Anwendungsbereiche und in verschiedenen Schriften definiert, die allgemeinste Formulierung ist wohl:

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Zur Einstimmung, welche Diskussionen hier gemeint sind, ohne weiteren Kommentar das folgende Video:


Recht schnell war man in der Diskussion dann bei der Erkenntnis:

Es geht beim KI nicht um rein subjektive Einschätzungen oder ein paar nette Tipps, sondern um das Vermeiden von Selbstwidersprüchen. Es geht also um eine logisch konsistente Handlungsanweisung, die der offensichtlichen Handlungsfreiheit bzw. der Möglichkeit, nach Gründen zu handeln, Tribut zollt. Man kann nicht sinnvoll (wohl begründet) behaupten, dass es sinnvoll wäre, unbegründet zu handeln (denn das wäre wiederum eine – wenn auch schlechte – Begründung). Also muss man sich der Vernunft beugen und kommt zur universellen (!) Forderung, nach guten Gründen zu handeln.

Der KI begründet eine deontologische Ethik, d.h. es kommt allein auf das gute Wollen an, nicht auf die Ergebnisse dieses Wollens. Deshalb ist der KI grundverschieden z.B. von der Goldenen Regel („Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“) und von Thit for that („Wie du mir, so ich dir“). Erstere begründet eine konsequentialistische Ethik, die sich also an den Folgen der eigenen Handlungen orientiert, letztere ist eigentlich überhaupt keine Ethik, sondern eine spieltheoretische Verhaltensstrategie als Reaktion auf Handlungen anderer.

Wenn man sich, wie in dem Zitat festgestellt, nicht in Selbstwidersprüche verwickeln darf, ist nach dem KI z.B. Diebstahl ausgeschlossen:

Der wichtigste und auf jeden Fall bewahrenswerte Schritt beim KI besteht aber meiner Meinung nach in der Vernachlässigung des Interesses an einer Handlung hin zur Frage nach der (Folge-)Richtigkeit. Um beim Dieb zu bleiben: Ein Dieb stiehlt einen Gegenstand, er übernimmt ihn also (ungefragt) aus einem fremden Besitz in seinen eigenen. Wenn aber alle immer stehlen (das meint Kant nämlich mit dem allgemeinen Gesetz) wird eine der Prämissen, nämlich das Eigentum, obsolet, es ergibt sich also ein Widerspruch, weshalb die Vernunft gebietet, nicht zu stehlen.

Ähnlich unangenehm sind die Schlussfolgerungen bezüglich des Lügens:

Aber gerade das Verbot der Lüge lässt sich beispielhaft aus dem KI begründen, weil sie sich selbst negiert. Eine Lüge ist eine bewusst formulierte Unwahrheit, die von jemand anderem geglaubt wird. Wenn aber alle immer lügen, kann man niemandem mehr glauben, womit sich das Lügen quasi „naturgemäß“ verbietet.

Es lassen sich sehr leicht Situationen angeben, in denen bzgl. Lügen die Anwendung des KI zu moralisch völlig inakzeptablen Konsequenzen führt. Angenommen, ich hätte im Dritten Reich Verfolgte in meinem Keller versteckt und würde von der Gestapo danach gefragt, ob ich jemanden verstecken würde, dann müsste ich das nach dem KI bejahen und die Betreffenden ausliefern. Ähnlich lässt sich mit dem KI das Verbot jedweder Selbsttötung oder Sterbehilfe begründen. Das kann einfach nicht richtig sein. Worin also besteht der Fehler Kants?

Kants KI steht und fällt damit, ob und wie weit man seinen Vorstellungen von „Vernunft“ und „Freiheit“ folgt. Er ignoriert hier vollständig, dass wir biologische Wesen sind und damit auch unvernünftig und unfrei. Man könnte nach Wittgenstein postulieren, dass der KI die Scheinlösung eines philosophischen Scheinproblems ist. Es entsteht doch erst durch Kants Definitionen von Begriffen wie „Verstand“ und „Lüge“. In typisch dualistischer Manier trennt er sie von ihren Substraten. Tatsächlich ist es doch aber so, dass „Verstand“ nur eine Abstraktion bestimmter Aspekte unserer Hirntätigkeit ist und Lügen erstens eine lange evolutionäre Vorgeschichte und zweitens wichtige Funktionen haben.

Bereits bei Insekten findet man Mimikry sehr häufig, Fressfeinde oder Opfer werden getäuscht. Oder warum erstarrt ein Hase, wenn man ihn beim Genick packt und auf den Rücken legt? Offenbar weil es sich in der Evolution als zweckmäßig erwiesen hat, sich tot zu stellen. Dann denkt der Räuber vielleicht, er hat sein Opfer bereits sicher, wird unaufmerksam und lässt manchen Hasen entkommen. Wäre das nicht manchmal erfolgreich, hätte die Evolution dieses Verhalten schon lange ausgemerzt, denn heftige Gegenwehr scheint auf den ersten Blick ja erfolgversprechender.

Wenn Täuschung im Tierreich eine (evolutionär) erfolgreiche (Kommunikations)Strategie ist und Sprache eine spezifisch menschliche Form der Kommunikation, dann haben Lügen für uns ebenfalls wichtige Aufgaben. Ein typisches Beispiel habe ich ja schon angeführt: Resistance, Verstecken von Regimegegnern. Außerdem gibt es die (evolutionsbiologisch) plausible These, dass wir einen erheblichen Teil unseres Verstandes dem intellektuellen Wettrüsten zwischen immer perfekteren Lügnern und Lügenaufdeckern zu verdanken haben.

Definiert man „Lüge“ als bewusste Täuschung eines Gegenübers, dann lügen Menschen praktisch ununterbrochen. Wie ist es zum Beispiel mit dem Schminken einer Frau? Sie weiß, dass sie sich damit jünger macht, was ihr einen (evolutionären) Vorteil gegenüber Konkurrentinnen verspricht, und manche Männer bemerken diese Aufhübschung nicht – Definition einer Lüge erfüllt, gegen den KI verstoßen.

Ähnlich lässt sich aus evolutionsbiologischer Sicht eine klare Abgrenzung zwischen einer deontologischen und einer konsequentialistischen Ethik nicht halten. Auch Gedanken sind Handlungen, weil sie messbare Änderungen an den Neuronen (also Materie) verursachen, während umgekehrt beobachtete Handlungen ebenfalls messbar Gedanken und damit neuronale Veränderungen verursachen. Exemplarisch kann man das an der Funktionsweise der Spiegelneuronen zeigen. Deren Feuern ist praktisch identisch, egal ob man sich eine Handlung vorstellt, ob man sie selbst ausführt oder bei anderen beobachtet.

Gestoßen bin ich auf diese Gedanken bei der Diskussion über den naturalistischen Fehlschluss, der unmittelbar über den moralistischen Fehlschluss mit dem KI zusammenhängt: „Aus dem Sein folgt kein Sollen.“ Das klingt plausibel, wenn man zur Illustration zum Beispiel feststellt, dass aus der Entdeckung der Kernspaltung weder folgt, dass man Atombomben bauen muss, noch dass man es nicht tun muss. (Natur)wissenschaftliche Erkenntnisse erscheinen zunächst also als moralisch wertfrei. Nur aus was sonst wenn nicht aus dem „Sein“, also aus der Natur, soll man seine moralischen Prämissen nehmen, wenn man keine dualistische Weltsicht hat, wenn nicht aus der Erkenntnis der Natur? Im Falle der Kernspaltung ist es ziemlich leicht: Radioaktive Strahlung erzeugt Leid, folglich sind Atombomben abzulehnen. Die Folgen radioaktiver Strahlung sind aber „Sein“, folglich ist auch der naturalistische Fehlschluss eine häufig fehlerhafte Abstraktion – und damit ebenfalls die Scheinlösung eines philosophischen Scheinproblems.

Ich hatte hier bereits einen Film über Kant verlinkt. Mit derselben Hauptdarstellerin „Sophie“ gibt es einen weiteren, ausschließlich zum Thema „Kategorischer Imperativ“. Auch hier wieder ist das Thema in eine Rahmenhandlung eingebettet, Sophie hat sich in einen verheirateten Mann verliebt, und auch hier taucht Kant als handelnde Person selbst auf und auch hier werden Zitate aus seinen Werken verwendet.

Im letzten Teil fragt Sophie ihren Freund, wie sie sich denn entscheiden soll, denn natürlich ist Fremdgehen als allgemeines Gesetz, dass von allen befolgt werden sollte, ungeeignet. Der Rat ihres Freundes: „Nach Kant muss sich die Liebe der Vernunft unterordnen, weil sie eine Neigung ist. Nach meiner Meinung ist die Liebe nicht unvernünftig. Sie steht außerhalb der Vernunft…. Irgendeine Entscheidung wirst du treffen müssen. Mensch sein heißt Handeln müssen. Was wirst du tun?“ Sophie: „Ich werde ihn treffen und dann werden wir sehen.“

  1. Trevor
    26. Mai 2013, 15:10 | #1

    Leider machst du grobe Fehler.
    1. Kant hat nicht ignoriert, dass wir auch biologische, unvernünftige Wesen, in seinen Worten: Sinnenwesen/Naturwesen, sind. Er sagt, dass auch für uns als bedürftige Wesen notwendig ist, nach unserer eigenen Glückseligkeit zu streben. Es geht hier aber um die Begründung des moralisch Richtigen, welches a priori erkannt wird. Die Evolutionsbiologie hat in diesem Gebiete nichts verloren, sie basiert auf Empirie und ist daher nicht tauglich zu bestimmen, was das Moralische ist, sie beschreibt nur was sich in der Natur abspielt. Die eingeworfene Materialismusthese ist plump.
    2. „Das klingt plausibel, wenn man zur Illustration zum Beispiel feststellt, dass aus der Entdeckung der Kernspaltung weder folgt, dass man Atombomben bauen muss, noch dass man es nicht tun muss.“
    Die Thematik des naturalistischen Fehlschlusses hast du nicht ganz verstanden. Es nicht einfach dieser Satz so anwendbar. Du solltest Moore lesen. Es geht nämlich nicht darum, dass aus jedem beliebigen Sein ein Sollen (positiv) folgen müsste, sondern gerade um die Verneinung der Möglichkeit, dass aus Sein ein Sollen folgt. (Dies ist jedoch auch nur die normative Lesart des naturalistischen Fehlschlusses und viel eher „Humes Gesetz“ zuzuordnen.)
    3. „Im Falle der Kernspaltung ist es ziemlich leicht: Radioaktive Strahlung erzeugt Leid, folglich sind Atombomben abzulehnen.“ Das ist eine utilitaristische These. Der Utilitarismus macht sich seinerseits aber selbst des naturalistischen Fehlschlusses schuldig. Deine Konklusion, der naturalistische Fehlschluss sei falsch, weil du den Utilitarismus halt für richtig befindest, ist damit eine petitio principii.

  2. 27. Mai 2013, 12:36 | #2

    @Trevor
    Meine beiden Haupteinwände sowohl gegen den KI, als auch gegen den naturalistischen Fehlschluss hatte ich ja bereits im Text formuliert, daran möchte ich auch nichts ändern:

    1. Eine Regel für „moralisch Richtiges“, für die sich (ohne großes Nachdenken) Beispiele finden lassen, in denen ihre Befolgung zu völlig inakzeptablen Konsequenzen führt, ist sinnlos. Wenn sich in ihrer Ableitung keine logischen Fehler finden lassen, dann muss etwas an den Prämissen falsch sein. Im Falle des KI mMn in dem „a priori“. Man kann eben nicht von unseren (evolutions)biologischen Wurzeln beim Denken abstrahieren und glauben, dass dann noch etwas Sinnvolles herauskommt.

    2. Für den naturalistischen Fehlschluss gilt Ähnliches. Ich hatte ja nicht geschrieben, dass aus dem Sein ein Sollen folgen muss, nur das Gegenteil ist mit (noch größerer) Sicherheit falsch: Woraus sonst, wenn nicht aus der von uns beobachteten Wirklichkeit, sollen den vernünftige Vorschläge für unsere Handlungen folgen? Auch unser Denken ist nicht voraussetzungslos, sondern, siehe 1., an unsere biologischen Grundlagen gebunden. Sowohl was unsere Denkmöglichkeiten, als auch unsere Lösungsmöglichkeiten betrifft. Insofern halte ich tatsächlich die Natur- und Sozialwissenschaften (d.h. Empirie) und Erkenntnisse über die menschliche Natur für die wichtigsten Impulsgeber für moralische Regeln.

    Und in der Tat halte ich utilitaristische und konsequentialistische Vorstellungen für zweckmäßiger.

  3. Trevor
    27. Mai 2013, 23:49 | #3

    Zu 1. Kant begründet jedoch sehr gut, warum ein unbedingtes Sollen, ein moralisches Gesetz a priori sein muss. Wenn man Kant glaubt, und Freiheit im transzendentalen Sinn wahr ist, wir wirklich Noumenon, Dinge an sich, sind, dann ist es schlichtweg falsch hier mit der Evolutionsbiologie aufzuwarten. D.h. man kann Kant nicht mit dem Argument angreifen, es ginge nicht wegen (!) unserer Biologie, man kann lediglich leugnen, dass unser Wille frei ist und behaupten, wir wären reine Naturwesen und das ist, wie schon gesagt, sehr plump. Andere Alternativen in Hinsicht auf die Freiheit des menschlichen Willens halsen der Möglichkeit Ethik zu betreiben übrigens eine ganze Reihe schwerer Probleme auf.
    Man muss sich auch fragen, warum man denn bestimmte Konsequenzen für inakzeptabel hält. Vielleicht weil man an einen anderen Begriff des Guten (hier eben einen utilitaristischen) dabei vor Augen hat. Diese reine Intuition ist aber noch kein stichhaltiges Argument gegen Kant, sonst müsste man behaupten, moralische Intuitionen seinen immer richtig. Kontingente Ursachen können hineinspielen: Erziehung, Gefühl.. Aber was sollte diesen Autorität verleihen, wenn man sieht dass die Theorie richtig ist? Es gälte doch eher die Intuitionen als falsch zu erkennen.

    Zu 2. Ja woher sonst.. Aus dem moralischen Gesetz in uns. Vernünftige Vorschläge natürlich aus der Vernunft 😉
    Aber es wäre ein moralistischer Fehlschluss zu meinen, es müsste zwangsläufig eine Antwort auf diese Frage geben. Wenn Normatitvität eben nicht aus dem Sein folgen kann und man nichts anderes gelten lässt, dann scheint es eben gar keine Normativität zu geben. Dann bleibt es halt beim Egoismus der intelligenten Affen, wo wir gerade bei biologischen Grundlagen sind.

  4. 28. Mai 2013, 09:35 | #4

    @Trevor
    Ich glaube, ich beginne jetzt zu verstehen, worin unser Dissens besteht. Die Begriffe „Naturwesen“ und „Wille“ haben mich darauf gebracht und auch „plumper Materialismus“. Wenn man „Naturwesen“ in einen Gegensatz mit „Vernunft“, „Wille“ u.ä. bringt, definiert man einen Dualismus mit allen Schwierigkeiten, die eine solche Position mit sich bringt. Man muss dann nämlich einige Dinge a priori voraussetzen und Schlüsse daraus ableiten. Was aber soll diese zweite Sphäre sein, die die Vernunft enthält? Nichtnatur, Übernatur?

    Die extreme Gegenposition dazu ist ein Reduktionismus, den sie als plumpen Materialismus bezeichnet haben, und der derzeit vor allem in den Neurowissenschaften gern vertreten wird. Einen freien Willen kann es dort dann nicht mehr geben. Meiner Meinung nach begehen die Reduktionisten aber einen simplen Kategorienfehler, denn natürlich hat der Begriff des freien Willens in der Physik der Atome oder in der Biologie der Zellen nichts zu suchen.

    Ich halte eine dritte Möglichkeit für plausibler. Natürlich sind wir nur und vollständig Naturwesen, denn für mich enthält der Begriff der Natur alles, was ist. Alles, was uns durch Beobachtung der äußeren Welt zugänglich ist, und alles, was wir durch Introspektion (Bewusstsein) über uns erfahren können. Aber bestimmte Tatsachen, die wir so erfahren haben, wie Vernunft, freier Wille, etc., sind emergent bzgl. der Phänomene, die die Naturwissenschaften uns erklären können. Sie sind deswegen aber nicht weniger real oder natürlich. Die einzige Voraussetzung, die diese Position benötigt, ist die Annahme, dass alle Phänomene, die wir beobachten können, ein und derselben Wirklichkeit angehören.

    Ich wüsste nicht, warum sich eine Ethik, die sich auf unsere Beobachtungen dieser Art von Natur stützt, in Widersprüche verwickeln sollte. Meiner Meinung nach können wir eine brauchbare Ethik auf nur zwei Annahmen, die durch Beobachtungen gestützt sind, entwickeln: Es gibt leidensfähige Wesen, denen darf man ohne gute Gründe kein zusätzliches Leid zufügen. Es gibt kognitiv begabte Wesen, diese können z.B. ihren Tod antizipieren. Diese darf man ohne gute Gründe nicht töten. Natürlich gibt es auch in einem Utilitarismus auf dieser Grundlage Widersprüche, aber diese sind rein praktischer Art, keine theoretischen, weil die Interessen verschiedener Wesen aufgrund begrenzter natürlicher Ressourcen und der Endlichkeit des Lebens miteinander kollidieren. Das spricht der Terminus „ohne gute Gründe“ an. Unsere Ethik sollte uns in Konfliktfällen helfen, die negativen Konsequenzen der Lösung dieser Widersprüche zu minimieren.

  5. Trevor
    8. Juni 2013, 15:47 | #5

    Es handelt sich bei Kant um keinen richtigen Dualismus, weil Kant transzendentaler Idealist ist. Er unterscheidet von den Dingen an sich und den Erscheinungen. Sicher sind es die Erscheinungen der Dinge an sich, aber eben als Schein, so wie sie für uns sind, nicht als Sein. Zeit und Raum (die Anschauungsformen), sowie Kausalität gelten nur für Erscheinungen, sie sind keine Dinge an sich selbst.
    Das kannst du aber alles in der Kritik der reinen Vernunft nachlesen. Ich wollte ja eigentlich nur auf deinen Kategorienfehler hinweisen.
    Du legst hier die Erscheinungen zu Grunde (als Empirismus) und meinst, da könnte noch etwas supervenieren. So kannst du Kant nicht verstehen. Das was da erscheint (was beobachtbar ist), muss die Erscheinung von etwas sein, meint Kant. Es liegt also umgekehrt das Ding an sich (welches kein physikalischer Gegenstand ist) der Erscheinung (der Natur) zu Grunde und letztere superveniert über ersterem, wenn man das denn so nennen will.

    Zur Ethik:
    „Meiner Meinung nach können wir eine brauchbare Ethik auf nur zwei Annahmen, die durch Beobachtungen gestützt sind, entwickeln: Es gibt leidensfähige Wesen, denen darf man ohne gute Gründe kein zusätzliches Leid zufügen.“
    Ja aber die Frage ist doch gerade: warum? Das scheint doch so eine willkürliche Setzung zu sein. Genauso könnte man setzen: Es gibt leidensfähige Wesen, und deswegen sollen sie leiden! Dieser Satz ist gleichermaßen auf Beobachtungen gestützt.
    Die Normativität ist es doch, wo es hagt. Wo kommt es her, dass etwas so sein soll, das man etwas darf oder nicht darf. Dies folgt einfach nicht aus empirischen Tatsachen, wo wir wieder beim naturalistischen Fehlschluss wären.
    Kant fängt beim kategorisch Gesollten erst an und begründet es, nicht beim Guten, das dann keine normative Autorität besäße. Das ist gerade seine Stärke.

  6. 11. Juni 2013, 12:50 | #6

    @Trevor
    Mit einigen dieser Unterscheidungen (des transzendentalen Idealismus) kann auch ein heutiger Physikalist leben, mit anderen aber sicher nicht. Raum, Zeit und Kausalität als „Erscheinungen“ grundlegenderer Dinge zu betrachten, ist vermutlich unbestritten. Mit Kants „Ding an sich“ sieht es aber schon anders aus. Für einen Physikalisten ist es sinnlos, eine Welt hinter der Welt des Beobachtbaren zu postulieren: Entweder etwas existiert, weil es beobachtbar ist, oder es existiert nicht. Ich sehe es ein bisschen differenzierter, weil die Zurückführung auf physikalische „Materie“ eine Reduktion von Informationen bedeutet – bei der zwangsläufig zusätzliches Wissen wegfällt. Wenn man auf der Ebene der Elementarteilchen „beobachtet“, dann impliziert diese Methode auch, dass man Bestimmtes nicht beobachten kann – weil es auf diesem Niveau nicht existiert.

    Ja aber die Frage ist doch gerade: warum? Das scheint doch so eine willkürliche Setzung zu sein. Genauso könnte man setzen: Es gibt leidensfähige Wesen, und deswegen sollen sie leiden! Dieser Satz ist gleichermaßen auf Beobachtungen gestützt. … Wo kommt es her, dass etwas so sein soll, das man etwas darf oder nicht darf. Dies folgt einfach nicht aus empirischen Tatsachen, wo wir wieder beim naturalistischen Fehlschluss wären.

    Das Ziel der Vermeidung von Leid ist mMn keine willkürliche Setzung, es ist nur das konsequentialistische Gegenstück von Kants Deontologie: Wenn alle sich darum sorgen, Leid zu minimieren, dann wird jedem Einzelnen im Durchschnitt auch weniger Leid zugefügt. Und dass wir leiden können und das schlecht ist, weil Lebewesen nicht leiden wollen, weiß jeder von sich selbst sehr gut und kann es (natürlich nur mit einer empirischen Begründung) auch von anderen annehmen. Allgemeiner Verstand erscheint gegenüber privater Leidensfähigkeit zwar scheinbar a priori, aber beide sind uns über dieselbe Evolution des Lebens zugekommen.

    Meiner Meinung nach sind Handlungen wichtiger als Absichten, weil Handlungen immer Auswirkungen haben, die andere betreffen, Absichten aber nicht. Wenn man aus den falschen Gründen etwas Richtiges tut, dann bleibt das Getane trotzdem richtig. Wenn man aus richtigen (ehrenwerten) Gründen etwas Falsches tut, dann hat das aber immer unerwünschte Folgen.

  7. Trevor
    11. Juni 2013, 16:25 | #7

    „Raum, Zeit und Kausalität als “Erscheinungen” grundlegenderer Dinge zu betrachten, ist vermutlich unbestritten. Mit Kants “Ding an sich” sieht es aber schon anders aus. Für einen Physikalisten ist es sinnlos, eine Welt hinter der Welt des Beobachtbaren zu postulieren“
    Verstehe ich nicht. Wenn die grundlegenderen Dinge, welche auch Physikalisten annehmen, auf denen die Erscheinungen basieren, selbst keine Erscheinungen sind, dann sind sie nicht beobachtbar. Sind sie doch Erscheinungen, dann können sie nicht Bedingung der Möglichkeit zur Erscheinung sein. Also widerspricht es sich, dass Physikalisten grundlegendere Dinge annähmen, aber keine Welt hinter dem Beobachtbaren postulieren.

    „Und dass wir leiden können und das schlecht ist, weil Lebewesen nicht leiden wollen, weiß jeder von sich selbst sehr gut und kann es (natürlich nur mit einer empirischen Begründung) auch von anderen annehmen.“
    Hier wird aber das Sollen schon wieder übergangen. Wir halten fest: Leiden ist für den Leidenden schlecht, weil er nicht leiden will. Warum darf ich nun Anderen kein Leid zufügen? Wie transformiert sich des Anderen Wollen in ein Sollen für mich? Man kann doch hier sagen: ja ich sehe, dass der Andere das will, aber es interessiert mich gar nicht. Nur sofern es mich interessiert, dann sollte ich am besten (sei es mir geraten). Ein hypothetischer Imperativ. Es bleibt also der Willkür des Subjekts überlassen, was es soll.

  8. 12. Juni 2013, 12:15 | #8

    Verstehe ich nicht. Wenn die grundlegenderen Dinge, welche auch Physikalisten annehmen, auf denen die Erscheinungen basieren, selbst keine Erscheinungen sind, dann sind sie nicht beobachtbar. Sind sie doch Erscheinungen, dann können sie nicht Bedingung der Möglichkeit zur Erscheinung sein. Also widerspricht es sich, dass Physikalisten grundlegendere Dinge annähmen, aber keine Welt hinter dem Beobachtbaren postulieren.

    Vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt. Meiner Meinung nach führt genau die Dichotomie zwischen „Wesen“ und „Erscheinung“ zu diesen Problemen. Am Beispiel von Materie, Raum und Zeit: Zu Newtons Zeiten, das dürfte auch der Wissensstand Kants gewesen sein, bildeten Raum und Zeit eine unveränderliche Bühne, auf der alles Geschehen abläuft. Einstein hat dann gezeigt, dass Raum und Zeit durch Materie verändert werden. Die Stringtheorie geht heute noch einen Schritt weiter und behauptet, dass auch Raum und Zeit auf eine von uns noch nicht ganz verstandene Weise von den Strings erzeugt werden. Wir verwenden heute alle diese Konzepte von Raum und Zeit parallel und je nach Kontext unterschiedlich: Unveränderlich als Bühne oder veränderlich oder selbst als eine Eigenschaft anderer Dinge. Es hat keinen Sinn, Raum oder Zeit entweder „Wesen“ oder „Erscheinung“ zuzuordnen, weil sie entweder als eigenständige Dinge oder aber als Eigenschaften von etwas anderem betrachtet werden. Es hängt jeweils ganz konkret vom dem Kontext ab, in dem die Begriffe verwendet werden.

    Die unterschiedlichen Kontexte werden dadurch definiert, was aktuell gemessen wird. Messe ich in der klassischen Physik auf der Erde Längen und Zeiten, dann verwende ich Raum und Zeit im Newtonschen Sinn. In der Astrophysik wiederum ist die Einsteinsche Sichtweise besser. In der Quantenphysik spürt man der dritten Deutung, der der Stringtheorie, nach. Messen heißt, Phänomene zu beobachten und zu quantifizieren, das kann man gern auch als „Erscheinungen“ bezeichnen, es gibt aber dahinter kein separates „Wesen“. Was man nicht beobachten (messen) kann, existiert nicht. Und es hängt lediglich vom Kontext ab, ob man das Ergebnis einer Messung als ein Ding oder die Eigenschaft eines Dinges betrachtet. „Raum“ ist dafür ein gutes Beispiel.

    Ein anderes Beispiel für eine Dichotomie, die für unendliche Verwirrung gesorgt hat, ist das Verhältnis zwischen Körper und Geist im Dualismus. Man beobachtet bestimmte Eigenschaften von Lebewesen. Erst die kategoriale Unterscheidung zwischen „Körper“ und „Geist“ erzeugt das Problem, wie denn die beiden miteinander wechselwirken. Das ist kein Problem der Natur, sondern unserer Verwendung dieser Begriffe in der Sprache.

    Meine explizite Erwähnung der Physikalisten in meinen vorherigen Postings war der Tatsache geschuldet, dass ich deren Standpunkt für falsch halte. Zwar bin ich wie die Physikalisten der Meinung, dass wir nur eine Natur haben, alles über sie durch Beobachtung herausfinden können und hinter den Beobachtungen, den „Erscheinungen“, nichts ist, also kein separates „Wesen“ existiert. Aber im Unterschied zu den Physikalisten glaube ich nicht, dass jedwede Erscheinung letztlich auf „Materie“ zurückführbar ist. Das liegt hier aber nur daran, dass die Physikalisten in ihrem Sprachgebrauch „Materie“ nur als eine Ansammlung und Interaktion von Atomen verstehen. Bei der Zerlegung komplexer Dinge wie Menschen in Atome gehen aber wesentliche Eigenschaften wie „Bewusstsein“ oder „freier Wille“ verloren. Ich bin Emergentist und der Ansicht, dass man Eigenschaften komplexer Dinge nur an diesen komplexen Dingen beobachten und beschreiben kann, nicht durch Beobachtung der Einzelteile, in die diese Dinge zerlegt werden können. Bei einem Wechsel des Kontextrahmens verlieren einige Begriffe philosophisch gesehen ihren Sinn, d.h. Phänomene können naturwissenschaftlich gesehen nicht mehr beobachtet (gemessen) werden.

    Hier wird aber das Sollen schon wieder übergangen. Wir halten fest: Leiden ist für den Leidenden schlecht, weil er nicht leiden will. Warum darf ich nun Anderen kein Leid zufügen? Wie transformiert sich des Anderen Wollen in ein Sollen für mich? Man kann doch hier sagen: ja ich sehe, dass der Andere das will, aber es interessiert mich gar nicht. Nur sofern es mich interessiert, dann sollte ich am besten (sei es mir geraten). Ein hypothetischer Imperativ. Es bleibt also der Willkür des Subjekts überlassen, was es soll.

    Auch hier möchte ich mit einer Dichotomie beginnen, mit der zwischen a priori Wissen und Lernen. Wie kann man etwas lernen, ohne a priori zu wissen, wie man lernt? Diesen Widerspruch erklärt die Evolutionäre Erkenntnistheorie (Konrad Lorenz, Gerhard Vollmer). Was zunächst (bei Kant) als mysteriöses vorausgesetztes a priori Wissen erscheint, ist mit Hilfe der Evolution leicht erklärbar. Für den Einzelnen sind manche Konzepte a priori, wie Raum, Zeit, Vernunft. Seiner Spezies aber wurden sie peu a peu im Verlauf ihrer Entwicklung eingeprägt, weil sie für das Überleben sinnvoll sind – wer sie bereits bei Geburt besitzt, hat einen Überlebensvorteil.

    Angewendet auf die Ethik: Es ist uns einfach einprogrammiert, bei uns selbst als Individuen Leid zu vermeiden, das abgestuft auch bei anderen Individuen unserer Spezies anzustreben und noch weiter abgestuft auch bei anderen Spezies. Dass uns das (bei Kant) über die Vernunft kommt, ist ein Epiphänomen, weil sowohl Leidvermeidungstrieb als auch Arterhaltungsstreben und Vernunft evolutionär „programmiert“ sind.

    Aus dem „Sein“ folgt selbstverständlich ein „Sollen“, weil eine Spezies, die sich zu sich selbst anders verhielte, nicht überleben würde. Unsere (uns über die Evolution erzeugte) Vernunft führt uns also mit Notwendigkeit zu genau den richtigen Schlussfolgerungen. Der Fehler, den ich bei Kant und dem KI sehe, besteht darin, so etwas wie „Vernunft“ losgelöst und a priori von unseren anderen Eigenschaften als Menschen zu sehen.

  9. Trevor
    12. Juni 2013, 23:36 | #9

    Es war wohl nur das Missverständniss über den Begriff des „transzendentalen Idealismus“. Nach meinem Verständnis gehört dazu, Zeit und Raum als Bedingungen der Möglichkeit zu jeglicher Erscheinung (Beobachtbarem) zu haben. Ein Physikalist, welcher annimmt, dass es nichts außer dem Beobachtbaren gibt und Zeit/Raum nicht als absolut betrachtet, könnte daher kein transzendentaler Idealist sein. Andere Unterscheidungen die Zeit und den Raum betreffend, gehören nicht mehr zum transzendentalen Idealismus. Der Fehler der Kant dem Physikalisten vorwerfen würde, ist es ja gerade die Unterscheidung zwischen Erscheinung und Wesen nicht zu treffen und stattdessen die Erscheinung zu behandeln, als wäre sie das Wesen selbst (über das man gar nichts wissen kann) .
    Aber recht gleich ob wir über den Physikalismus oder Emergentismus reden, wenn du die Unterscheidung zwischen Erscheinung und Wesen auch nicht triffst, denn meine Ursprüngliche Kritik war ja, dass es nicht legitim ist, Kant auf Unterlage einer nichtkantischen Ontologie ad absurdum zu führen bzw. zu behaupten Kants Schlüsse in der Moralphilosophie seien falsch, weil er die Evolutionsbiologie nicht berücksichtig hat (welche in seiner Ontologie aber dafür keine Rolle spielt). Aber ich glaube, das hast du schon verstanden.
    Über den Emergentismus weiß ich nicht viel, kann mir aber nicht wirklich vorstellen wie da ein substantieller Begriff des freien Willens möglich sein soll. D.h. wie können die Teile determiniert sein, aber das Ganze dann die gegenteilige Eigenschaft, Freiheit, haben?

    „Angewendet auf die Ethik: Es ist uns einfach einprogrammiert, bei uns selbst als Individuen Leid zu vermeiden, das abgestuft auch bei anderen Individuen unserer Spezies anzustreben und noch weiter abgestuft auch bei anderen Spezies. Dass uns das (bei Kant) über die Vernunft kommt, ist ein Epiphänomen, weil sowohl Leidvermeidungstrieb als auch Arterhaltungsstreben und Vernunft evolutionär “programmiert” sind.

    Es wird hier also moralisches Verhalten (bzw. speziell Leidvermeidung bei Allen) als ein menschlicher Trieb charakterisiert. Mal davon abgesehen, dass der Begriff der Vernunft hier herabgewürdigt wird und diesen Namen nicht mehr verdienen würde, hat das was du beschreibst aber auch nichts mehr mit Kants Vernunft gemein, da diese nicht Leidvermeidung zum Ziel hat.
    Was sage ich denn nun dem Amoralisten der mir Schlechtes tut? „Warum funktioniert deine Programmierung nicht?“ „Du handelst falsch weil…?!“ Welche normative Autorität kann ich ihm denn noch entgegenbringen? Daran sieht man ja schon, dass es sich um gar kein Sollen mehr handelt, wenn man Moral als „evolutionäres Wollen“ charakterisiert.
    Zusätzlich bleibt das Phänomen des Amoralismus in dieser Theorie vollkommen unerklärt.

    „Aus dem “Sein” folgt selbstverständlich ein “Sollen”, weil eine Spezies, die sich zu sich selbst anders verhielte, nicht überleben würde. Unsere (uns über die Evolution erzeugte) Vernunft führt uns also mit Notwendigkeit zu genau den richtigen Schlussfolgerungen.“

    Eben nicht! Unsere Vernunft führt uns nicht zu dem Schluss, dass wir moralisch sind um der Arterhaltung willen. Ich habe noch nie einen Menschen sagen hören: Ja ich verhalte mich moralisch, weil ich will, dass meine Art nicht ausstirbt. Angenommen deine Sichtweise wäre richtig, dann täuscht uns die Vernunft doch viel eher, anzunehmen, Moral sei an sich richtig, kategorisch gesollt. Täte sie dies nicht, könnte sich das Individuum bewusst dafür entscheiden, dass ihm Arterhaltung unwichtig ist und moralische Gebote wären damit nichtig für es. Daher sind moralische Urteile aus dieser Sicht nicht Wahrheitsfähig. Es handelt sich um einen Emotivismus. Die Rede vom Sollen ist hier funktional, und anders angewandt vollkommen unsinnig. Es ist hier nicht wahr, dass der Mensch etwas soll. Es ist ein „evolutionäres Wollen“ des Menschen selbst.
    Der naturalistische Fehlschluss hat hier gar keine Bewandniss, da er sich auf kognitivistische Theorien bezieht, auf wirkliches Sollen, das wahr genannt werden kann. Über ein unwirkliches, vom evolutionär getäuschten Menschen angenommenes, funktionales „Sollen“ sagt er gar nichts aus.

  10. 13. Juni 2013, 14:21 | #10

    Es war wohl nur das Missverständniss über den Begriff des “transzendentalen Idealismus”. Nach meinem Verständnis gehört dazu, Zeit und Raum als Bedingungen der Möglichkeit zu jeglicher Erscheinung (Beobachtbarem) zu haben. Ein Physikalist, welcher annimmt, dass es nichts außer dem Beobachtbaren gibt und Zeit/Raum nicht als absolut betrachtet, könnte daher kein transzendentaler Idealist sein. Andere Unterscheidungen die Zeit und den Raum betreffend, gehören nicht mehr zum transzendentalen Idealismus. Der Fehler der Kant dem Physikalisten vorwerfen würde, ist es ja gerade die Unterscheidung zwischen Erscheinung und Wesen nicht zu treffen und stattdessen die Erscheinung zu behandeln, als wäre sie das Wesen selbst (über das man gar nichts wissen kann).

    Mit diesem Naturverständnis fällt man aber hinter den Erkenntnisstand der aktuellen Naturwissenschaften zurück und setzt seine Philosophie dem Vorwurf aus, nicht mehr nützlich zu sein. Nützlich in dem Sinne, als dass Philosophie eine integrierende und reflektierende Wissenschaft des jeweils aktuellen Wissens sein sollte. Welchen Sinn soll es haben, ein Wesen der Dinge anzunehmen, dass man prinzipiell nicht beobachten (erforschen) kann? Das ist nach dem Sparsamkeitsprinzip für die Wissenschaft so überflüssig wie Gott oder Bertrand Russels Teekännchen. Nicht dass wir uns hier missverstehen: Natürlich ist ein Glaube an Gott oder an das unbeobachtbare Wesen der Dinge zulässig, wenn es einem in der Lebensbewältigung hilft, aber als Erklärungsversuch der Welt taugt es halt nichts.

    Über den Emergentismus weiß ich nicht viel, kann mir aber nicht wirklich vorstellen wie da ein substantieller Begriff des freien Willens möglich sein soll. D.h. wie können die Teile determiniert sein, aber das Ganze dann die gegenteilige Eigenschaft, Freiheit, haben?

    Über den Begriff der Emergenz liest man auch viel Unsinn, z.B. über starke und schwache Emergenz u.ä. Mein Ansatz ist eigentlich recht simpel: Die Teile eines Systems können aufeinander einwirken. Besteht ein System aus den Teilen T1 und T2, dann kann T1 auf T1 und T2, T2 ebenfalls auf T1 und T2 wirken. Es gibt also vier Möglichkeiten. Gleiches gilt für ein zweites System aus T3 und T4, dass in sich die Möglichkeiten T3->T3, T3->T4, T4->T3 und T4->T4 bietet. In der Summe sind das für die beiden Systeme acht Möglichkeiten. Setzt man die beiden Teilsysteme T1T2 und T3T4 zu einem gemeinsamen System zusammen, dann gibt es zusätzlich acht weitere Möglichkeiten, die bei den beiden Teilsystemen für sich nicht beobachtet werden konnten, z.B. T1->T3, insgesamt also 16. Die Summe der Möglichkeiten steigt mit dem Quadrat der Summe der Teile. In der Physik wird diesem Zusammenhang mit dem Begriff der Entropie Rechnung getragen. Die Entropie ist ein Maß für die Anzahl der Mikrozustände eines System. Und dieses Maß steigt quadratisch mit der Masse eines Systems an.

    In den Wissenschaften wird versucht, die Komplexität durch Reduktion auf einfachere Systeme zu bewältigen. Dabei werden Teilsysteme untersucht, wodurch Wechselwirkungen der ursprünglich komplexeren Systeme verloren gehen. In der Physik z.B. werden Atome untersucht. Nur warum können dieselben Atome auf der einen Seite einen Stuhl, auf der anderen Seite ein Tier oder einen Menschen bilden? Dafür verantwortlich sind offenbar Wechselwirkungen, die nicht mehr vorhanden sind, wenn man einen Tisch, ein Tier oder einen Menschen in seine Atome zerlegt.

    Deshalb folgt aus der Aussage, dass Atome oder Neuronen keinen freien Willen haben, für den Menschen überhaupt nichts. Es ist schlicht ein Kategorienfehler, ihn dort zu suchen. Ein freier Wille ist eine Eigenschaft eines lebenden Menschen, der über ein intaktes Bewusstsein verfügt. Man kann einen Menschen nicht auf seine Neuronen oder Atome reduzieren. Die grundlegenderen Naturwissenschaften können lediglich einschränkende Bedingungen formulieren. Die Physik z.B., dass die Atome eines Menschen, der über einen freien Willen verfügen soll, eine bestimmte Bewegungsenergie haben müssen, makroskopisch also eine bestimmte Temperatur. Oder vulgo: Ein eingefrorener oder gekochter Mensch kann aus physikalischen Gründen keinen freien Willen besitzen. Aber ob er den bei 37°C Körpertemperatur hat, weiß die Physik nicht.

    Unsere Vernunft führt uns nicht zu dem Schluss, dass wir moralisch sind um der Arterhaltung willen. Ich habe noch nie einen Menschen sagen hören: Ja ich verhalte mich moralisch, weil ich will, dass meine Art nicht ausstirbt. Angenommen deine Sichtweise wäre richtig, dann täuscht uns die Vernunft doch viel eher, anzunehmen, Moral sei an sich richtig, kategorisch gesollt. Täte sie dies nicht, könnte sich das Individuum bewusst dafür entscheiden, dass ihm Arterhaltung unwichtig ist und moralische Gebote wären damit nichtig für es. Daher sind moralische Urteile aus dieser Sicht nicht Wahrheitsfähig. Es handelt sich um einen Emotivismus. Die Rede vom Sollen ist hier funktional, und anders angewandt vollkommen unsinnig. Es ist hier nicht wahr, dass der Mensch etwas soll. Es ist ein “evolutionäres Wollen” des Menschen selbst.
    Der naturalistische Fehlschluss hat hier gar keine Bewandniss, da er sich auf kognitivistische Theorien bezieht, auf wirkliches Sollen, das wahr genannt werden kann. Über ein unwirkliches, vom evolutionär getäuschten Menschen angenommenes, funktionales “Sollen” sagt er gar nichts aus.

    Ethik ist eines der wenigen Gebiete, das die Philosophie nicht an die Naturwissenschaften abgetreten hat und in der sie ein Gegengewicht zum Anspruch der Theologie bilden sollte. Ich möchte hier gern gut begründete Anworten auf praktische Fragen: Darf man abtreiben und wenn ja, bis wann? Was darf Präimplantationsdiagnostik? Dürfen wir Tiere töten? Unter welchen Umständen ist Sterbehilfe legitim? Das sind für mich keine Fragen, die man mit einem abstrakten Vernunftbegriff lösen kann, sondern durch die philosophische Aufarbeitung der Ergebnisse der Naturwissenschaften über das Mensch-Sein. Da es hier immer Widersprüche gegensätzlicher Prinzipien gibt, brauchen wir Methoden, wie man diese gegeneinander abwägt und dann Entscheidungen trifft. Ich erwarte keine absoluten und ewig gültigen Antworten, sondern bloß dem aktuellen Wissensstand angepasste.

  11. Trevor
    13. Juni 2013, 19:45 | #11

    „Mit diesem Naturverständnis fällt man aber hinter den Erkenntnisstand der aktuellen Naturwissenschaften zurück und setzt seine Philosophie dem Vorwurf aus, nicht mehr nützlich zu sein. Nützlich in dem Sinne, als dass Philosophie eine integrierende und reflektierende Wissenschaft des jeweils aktuellen Wissens sein sollte. “

    Nun, was den Zweck und die erstrebte Verfahrensweise der Philosophie betrifft, bin ich gänzlich anderer Ansicht. Ich würde es einfach grundlegend bezweifeln, dass der „Erkenntnisstand“ der aktuellen Naturwissenschaften der älteren Philosophie irgendetwas voraus hat. Methoden und Voraussetzungen der Naturwissenschaften sind auch nur Dogmen. Man hält es dann für großes Glück zu beobachten unter welchen Umständen die Messwerte einer Rakete anders waren, oder einen neuen Wurm entdeckt zu haben. Aber das Elementarste der Welt erklären? Sagen wo Bewegung herkommt? Das können sie nicht und flüchten dann in schon fast metaphysikartige Gebilde wie die Stringtheorie.
    Wurden die Philosophen widerlegt? Wurde die Metaphysik widerlegt? Wurde Gott widerlegt? Nein, man hat sich nur davon abgewendet und das geschah nunmal nicht aus Einsicht und Wahrheit sondern druch Gesellschaftsumstände und Zeitgeist.
    Die letztendliche Wahrheit ist, denke ich, nur in der Vollendung der Philosophie zu finden, und zwar nicht als Krücke der Naturwissenschaften.

    Das zum Emergentismus ist sehr interessant, aber ehrlich gesagt bin ich beim dortigen freien Willen so klug als wie zuvor. Wie kann denn aus irgendwelchen Wechselwirkungen (!) die nun nicht messbar sind, wenn man sich nur die Teile anschaut, etwas freies entstehen? Das Bewusstsein ist doch dann auch nur Wechselwirkung und nicht Ursache, mithin auch nur erwirkt, determiniert, nicht frei.

    „Ich erwarte keine absoluten und ewig gültigen Antworten, sondern bloß dem aktuellen Wissensstand angepasste.“

    Und was man konsequenterweise auf diesem Standpunkt urteilen müsste, aber aus irgend einem Grund abzuwehren versucht: es ist egal! Es wird keine Naturteleologie angenommen, die Evolution ist zufällig, die Welt hat keinen Sinn und kein Gebot. Wer abtreiben will, tut das, wer nicht, tut es nicht. Es ist sinnlos etwas begründen zu wollen, was nicht wahrheitsfähig ist. Es gilt nur das egoistische Klugheitskalkül und im Zwischenmenschlichen das „Recht der Stärkeren“.
    Man vergisst da gerne, dass Ethik, genauer Moralphilosophie, in erster Line einschränkend ist, nicht Hilfeleistend und das Individuum im Amoralismus (bzw. im Parasitentum) meist besser wegkommt.
    Eine substantielle Moral hat in einem naturwissenschaftlichen Weltbild keine Existenzberechtigung und es wäre nur konsequent diese Inkonsistenz im Weltbild gar nicht zuzulassen, anstatt der Ethik doch noch einen abgeschirmten Raum zuzubilligen.
    Das heißt nicht, dass Gesellschaftsordnungen zusammenbrechen müssten, denn Staaten basieren auf Herrschaftsverhältnissen und der friedliche Umgang von Menschen untereinander basiert auch auf Eigennutz (und von mir aus auch auf irgendwelchen evolutionären Mechanismen). Aber das heißt sehr wohl, dass man sich über solche Scheinprobleme wie die Abtreibungsfrage erheben könnte, anerkennen das solche Debatten lustige Schauspiele sind, welche schon ihren funktionalen Zweck erfüllen, in aller Ehrlichkeit sich aber eingestehen, dass es keine Rolle spielt, weil nichts davon wirklichen Wert hat.

    Eigentlich schade, dass du bezüglich der Ethik nur deinen Standpunkt wiederholt hast und nicht auf meine Argumente bezüglich des fehlenden Sollens eingegangen bist.

  12. 14. Juni 2013, 12:17 | #12

    @Trevor
    Meiner Meinung nach hat das 20. Jahrhundert sowohl in den Naturwissenschaften als auch der Philosophie ganz wesentliche Fortschritte gebracht. Ich zähle hier nur die für mich wesentlichsten Dinge auf:

    Albert Einstein hat gezeigt, dass Raum und Zeit nicht unabhängig von Materie sind. Sie verändern sich in Anwesenheit von Materie.
    Nach Kurt Gödel lässt sich Widerspruchsfreiheit nicht mal in der Mathematik herstellen. Diesen Grundzweifel erben alle Naturwissenschaften, die Mathematik anwenden.
    Schwer zu verstehende Ergebnisse hat die Quantenphysik geliefert, wichtige Namen sind hier Bohr, Heisenberg, Schrödinger, Pauli uvam. Das hat unser Verständnis von der Realität stärker verändert als die 2000 Jahre zuvor.
    Karl Popper hat den Glauben beerdigt, man könne in den Naturwissenschaften Wahrheit beweisen. Man kann nur Falschheit feststellen.
    Pierre Duhem und Willard Van Orman Quine haben dem noch eins draufgesetzt, in dem sie gezeigt haben, dass sich einzelne Theorien niemals empirisch verifizieren oder falsifizieren lassen.
    Ludwig Wittgenstein hat erkannt, dass viele Probleme der Philosophie Scheinprobleme sind (z.B. Körper – Geist), weil wir die natürliche Sprache unsauber verwenden.
    John Rawls und Amartya Sen haben Theorien der Gerechtigkeit aufgestellt.

    In den aktuellen Naturwissenschaften lassen sich einzelne Personen schwerer ausmachen, weil z.B. in der modernen Physik viele Tausend Menschen zusammen an den großen Problemen arbeiten, siehe CERN. Aber unser kosmologisches Weltbild wurde ja bereits im 20. Jahrhundert komplett auf den Kopf gestellt. Anstelle eines statischen und ewig existierenden Universums haben wir jetzt eins, das sich, beginnend von einem festen Punkt, beschleunigt ausdehnt und von dem wir nicht wissen, ob, wann und wie es enden wird.

    Im Ansatz der Naturwissenschaften kann ich kein Dogma erkennen. Man hat sich von dem Glauben gelöst, Warum-Fragen beantworten zu können, und macht das, was empirische Forschung kann: Wie-Fragen beantworten. Natürlich vergessen das einzelne Wissenschaftler gern und glauben, ihr Fachgebiet hätte gerade zu ihrer Zeit die oder die Frage einer Letztbegründung zugeführt. Was Gott betrifft: Hier sind Beweise oder Widerlegungen aufgrund der postulierten Eigenschaften dieser Entität nicht zu erwarten, aber das ist inzwischen ein alter Hut und geht doch gerade auf Kant zurück!?

    Das zum Emergentismus ist sehr interessant, aber ehrlich gesagt bin ich beim dortigen freien Willen so klug als wie zuvor. Wie kann denn aus irgendwelchen Wechselwirkungen (!) die nun nicht messbar sind, wenn man sich nur die Teile anschaut, etwas freies entstehen? Das Bewusstsein ist doch dann auch nur Wechselwirkung und nicht Ursache, mithin auch nur erwirkt, determiniert, nicht frei.

    Mein emergentistischer Ansatz erklärt zunächst nur, warum ich Physiker und Neurowissenschaftler in dieser Frage für nicht zuständig halte. Die richtigen Antworten bzgl. des freien Willens haben zum Beispiel Geert Keil und Michael Pauen geliefert, siehe z.B. hier und hier:

    Willensfreiheit liegt vor, wenn:
    Wir müssen eine Handlung zweifelsfrei einer Person zuschreiben können (Urheberschaft).
    Die Person muss die Wahl zwischen verschiedenen Alternativen gehabt haben (Autonomie).

    Der Emergentismus schimmert hier durch, weil das Substrat der Person (Atome, Neuronen) völlig irrelevant ist, Willensfreiheit ist eine Eigenschaft der gesamten Person, nicht ihrer Teile. Wenn wir dereinst bewusste Maschinen haben werden oder Außerirdischen begegnen, die sich wie menschliche Personen verhalten, dann müssen wir nicht ihre Struktur verstehen, sondern wir *wissen* aufgrund ihres personalen Verhaltens, dass sie ebenfalls so wie wir willensfrei sind.

    Eine substantielle Moral hat in einem naturwissenschaftlichen Weltbild keine Existenzberechtigung und es wäre nur konsequent diese Inkonsistenz im Weltbild gar nicht zuzulassen, anstatt der Ethik doch noch einen abgeschirmten Raum zuzubilligen.

    Eigentlich schade, dass du bezüglich der Ethik nur deinen Standpunkt wiederholt hast und nicht auf meine Argumente bezüglich des fehlenden Sollens eingegangen bist.

    Genau das sehe ich eben nicht so. Zum Beispiel beantwortet für mich der Präferenzutilitarismus von Peter Singer ganz wesentliche Fragen zufriedenstellend. Und die Fortschritte in den Naturwissenschaften seit Kant gehen einher damit, dass unser Umgang miteinander viel friedlicher und zivilisierter geworden ist, siehe z.B. die Aussagen von Steven Pinker. Wir müssen einfach zur Kenntnis nehmen, dass es keine Letztbegründungen von irgend etwas geben kann, weil das ein unlösbares logisch-strukturelles Problem ist.

    Mit hat unsere Diskussion bisher einiges gegeben. Ich habe vor zwei Jahren im Sommer innerhalb von nur zwei Tagen im Urlaub anlässlich des Umzugs meines Blogs erstmalig versucht, meine Gedanken zu ordnen: Sapere aude! Dort findet man auch etwas zu Teleologie und Glauben. Ich habe jetzt in der Diskussion gemerkt, dass ich dort einiges präzisieren und ändern muss, ganz abgesehen von der lausigen sprachlichen Qualität.

  13. Trevor
    21. Juni 2013, 16:27 | #13

    Es wimmelt in den Naturwissenschaften doch geradezu von Dogmen. Die Behauptung, dass es hinter den Erscheinungen kein Wesen gäbe z.B. Und aus deiner Liste lassen sich doch noch so viel mehr ziehen. Das Induktionsproblem zu ignorieren und dennoch anzunehmen, es gäbe so etwas wie Naturgesetze.
    Einen Quineschen Holismus anzunehmen und dann zu sagen, Kant hätte bewiesen, dass man über Gott nichts aussagen könnte, bei gleichzeitiger Ablehnung des ganzen Systems von Kant. Dieser Satz darf doch gar nicht als einzelner herausgezogen werden, wenn man an den Holismus glaubt. Den Satz vom Widerspruch als Grundlage zu nehmen und bei Ergebnissen, wie denen der Quantenmechanik dann zu meinen, die Logik nachträglich zugunsten dieser Ergebnisse verändern zu müssen und zu können, wenn man es denn nicht auf die Falschheit der Relativitätstheorie (Lichtgeschwindigkeit) oder des Determinismus abwälzen will. Die Quantenmechanik hat nichts mit einem besseren Verständis von Realität zu tun, sondern ist eher ein „ich verstehs nicht, also bieg‘ ich mir die Theorie zurecht“-Zirkus.
    Es driftet immer mehr in den Relativismus und die Beliebigkeit. Geradezu bezeichnend, dass du hier den Holismus, dem nichts fest ist, als einen Fortschritt der Philosophie bezeichnet hast. Das sind alles keine Fortschritte, sondern Dogmen, die sich wie gezeigt nicht einmal alle untereinander vertragen.

    Zur Ethik:
    Kann ich mich nur wiederholen. Peter Singer beantwortet Fragen für Leute, die in der Erfüllung der größtmöglichen Gesamtmenge von Präferenzen das Gute sehen, hat kein Argument für seinen Universalismus, mithin keines, warum man nach diesen Maßstäben handeln sollte. Er begründet somit keinerlei Verbindlichkeit, sondern führt nur eine Deduktion von Richtlinien vor, für Rezipienten, die sowieso schon Utilitaristen sind, sich sein Prinzip also schon zu eigen gemacht haben. Das Sollen kommt zu kurz, basiert nur auf dem eigenen (kontingenten) Wollen des Handelnden. Damit ist ein wesentliches Merkmal der Moralsprache, die Vorschrift, bei Peter Singer grundsätzlich verfehlt.

    „Wir müssen einfach zur Kenntnis nehmen, dass es keine Letztbegründungen von irgend etwas geben kann, weil das ein unlösbares logisch-strukturelles Problem ist.“

    Dann bauen wir auf Sand.

  1. 26. Juni 2013, 16:53 | #1