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Die Unlösbarkeit der Probleme der Finanzkrise 2

Das zweite Video in dem Artikel Die Unlösbarkeit der Probleme der Finanzkrise wurde auch an anderer Stelle diskutiert. Daraufhin wurde u.a. kritisiert, dass ja das BIP eine „Flussgröße“ sei, eine Art jährlicher Zuwachs, während das Geldvermögen eine „Bestandsgröße“ ist.

Ich schrieb dort als Entgegnung:

Nach etwas drögem Beginn kommt es in dem Video zu der Aussage, dass das Geldvermögen (das man natürlicherweise in Geld beziffert) in den letzten Jahrzehnten stärker als das Bruttoinlandsprodukt (ebenfalls in Geld gemessen) gewachsen ist. Beides hat vermutlich nichts mit der umlaufenden Geldmenge zu tun.

Aber wenn man jetzt davon ausgeht, dass der Sinn von Geldvermögen darin besteht, etwas dafür zu kaufen (Waren und Dienstleistungen), dann müssen beide Seiten, also Geldvermögen und Warenwert im gleichen Maßstab steigen. Tun sie das nicht, dann wird von Zeit zu Zeit Geldvermögen vernichtet (muss vernichtet werden). Das kann über Inflation passieren, über Kursstürze an der Börse oder über einen Schuldenschnitt bzw. Staatsbankrott. In allen Fällen wird Geldvermögen relativ zu Warenwerten vernichtet.

Und dann habe ich noch ein Open-Calc-Sheet zur Demonstration angefertigt, Ergebnisse siehe unten. Zur Erklärung:

  • Dargestellt wird die Entwicklung über 50 Jahre, ich habe 2000-2050 genommen, ist aber egal.
  • Gestartet wird (auch egal) mit einem BIP von 1000 € und einem Geldvermögen von 1000 €.
  • Das BIP wächst jährlich mit 4%, im ersten Jahr also von 1000 auf 1040€. Hier habe ich 2% Inflation und 2% Wachstum angenommen.
  • Das Geldvermögen wächst jährlich mit 8%, im ersten Jahr von 1000 auf 1080€.
  • Die Spalte Akkumulation enthält den Zins des Geldvermögens. Dieser wird natürlich in jedem Folgejahr auf das Geldvermögen aufgeschlagen.
  • Dieser Zins wird dem BIP entzogen, die Spalte Konsumtion enthält die Differenz aus BIP und Akkumulation.
  • Die Spalte Konsum% enthält den Quotienten aus Konsumtion und BIP.

ich habe die Spalten Konsumtion und Akkumulation genannt, man hätte auch Einkünfte aus Arbeit bzw. Einkünfte aus Kapital nehmen können, denn es sind ja genau diese Effekte, die hier dargestellt werden.

Schlussfolgerungen:

  • Wenn das Geldvermögen stärker wächst als das BIP, wird prozentual jedes Jahr mehr für die Akkumulation der Geldvermögen aufgewendet, die Konsumtionsquote sinkt.
  • Dieser Prozess kann nur verhindert werden, wenn man den prozentualen Zuwachs der Vermögen auf einen Wert herunterzwingt, der gleich dem Wachstum des BIP ist. Das kann erfolgen durch Besteuerung des Bestandes (Vermögenssteuer) und/oder durch Besteuerung des Zuwachses (Einkommenssteuer, Kapitalertragssteuer, Aktienkursgewinnsteuer, etc.).
  • Eine Staatspleite bzw. ein Schuldenschnitt ist etwas Ähnliches wie eine drastische einmalige Vermögenssteuer. Es ist ja egal, ob ein Staat erklärt, seine Schulden seien Null und den Vermögenden dadurch ihr Geld entzieht oder ob er sich das Geld als Steuern von ihnen holt und dadurch seine Schulden nullt. Es ist ein juristischer aber kein fiskalischer Unterschied.

Man muss davon ausgehen, dass zumindest die verantwortlichen Finanzpolitiker und Banker diese Zusammenhänge kennen und aktiv die Konkursverschleppung Girechenlands betreiben. Denn es ist ja offensichtlich, dass Griechenland seine Schulden niemals wird bezahlen können. – Die griechische Staatsverschuldung wird übrigens in diesem Jahr trotz Sparmaßnahmen höher sein als im letzten Jahr – weil jetzt dieses von der EU aufgezwungene Sparen auch noch den Rest der griechischen Wirtschaft zerstört. Nutznießer sind einzig und allein die privaten Banken, die Zeit gewonnen haben, um ihre Papiere an die EZB verkaufen und damit die Schulden den europäischen Steuerzahlern überantworten.

Aufschlussreich ist auch dieser Zusammenschnitt einer Sendung von Anne Will. Richard Sulik, slowakischer Parlamentspräsident, spricht da Klartext – und das zudem noch in ziemlich gutem Deutsch:

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