Home > Reiseberichte > Die chilenische Schweiz

Die chilenische Schweiz

Unser nächstes Etappenziel war die Stadt Pucón, die etwa in der Mitte Chiles liegt. Das Klima ist gemäßigt, vielleicht etwas wärmer als in Deutschland. Die Wanderführer und Reiseleiter, die in dieser Gegend leben, verdienen sich ihr Geld im Winter zwar als Skilehrer, aber dazu muss man etwas höher in die Berge gehen.

Solche Holzhäuser sind typisch für kleinere Städte und Ortschaften im Umland. Die ganze Gegend wird als „chilenische Schweiz“ bezeichnet, weil es hier tatsächlich ähnlich wie bei uns in den Mittelgebirgen aussieht – allerdings mit Vulkanen im Hintergrund. Ein zweiter Grund für die Benennung war vielleicht auch, dass es hier vergleichsweise viele Einwohner gibt, die deutschsprachige Vorfahren haben.

Das erste Bild ist nicht in Pucón, sondern in Puerto Varas aufgenommen. Es zeigt das „Deutsche Haus“ in dieser Stadt. Das nächste Bild hingegen zeigt die Beschriftung des Brots in der Bäckerei / Konditorei „Rostock“ in Pucón.

Für den darauffolgenden Tag hatten wir mit der Besteigung des Hausbergs von Pucón, dem Vulkan Villarica, geliebäugelt. Wir haben uns dann aber kurzfristig doch anders entschieden und sind mit der gesamten Gruppe in den Nationalpark Huerquehue gefahren.

Eine Besteigung des Vulkans an dem Tag, der für uns in Frage gekommen war, wäre wegen des schlechten Wetters sowieso nicht möglich gewesen. Welchen Ausblick man bei gutem Wetter gehabt hätte, zeigt das folgende Video, das am Kraterrand aufgenommen worden ist:

Der Villarica ist einer der aktivsten Vulkane weltweit, fast unmittelbar nach unserer Rückkehr nach Deutschland kam es am 3. März dort zu einem größeren Ausbruch, 3600 Menschen, die in der Nähe leben, mussten evakuiert werden.

Nun wird es wohl für längere Zeit nichts mehr mit einer Besteigung dieses Berges. Vermessungen aus dem Weltraum zeigen, dass sich das Bergmassiv insgesamt verschoben hat.

Die folgenden beiden Bilder sind während der Wanderung im Nationalpark Huerquehue aufgenommen worden:

Eines der Highlights dieser Wanderung war die Begegnung mit den chilenischen Araukarien. Von weitem hält man sie für normale Nadelbäume. Die Norfolktanne, eine nahe Verwandte, wird manchmal bei uns als Weihnachtsbaum angeboten. Aber Araukarien sind Koniferengewächse, Angehörige einer sehr alten Pflanzenordnung.

Die neuseeländischen Kauri-Bäume gehören ebenfalls zur Familie der Araukarien. Wenn in der Wikipedia zu lesen ist, dass die Araukarien „heute ein disjunktes Gebiet besiedeln“, dann ist damit gemeint, dass sich ihre gemeinsame Abstammung daraus erklärt, dass die heute getrennten Kontinente Nord- und Südamerika, Afrika, Antarktis, Australien und Neuseeland früher Teile eines zusammenhängenden Kontinents waren.

Die Bezeichnungen der früheren Superkontinente sind genauso fließend wie ihre Grenzen, siehe z.B. unter Pangaea und Gondwana. Gondwana bezeichnet mehr den südlichen Teil, der sich vergleichsweise früh von Laurasia getrennt hat, dem Nordkontinent, der die Grundlage des heutigen Europa und Asien bildet.

Das Video zeigt die Bewegung der Kontinente rückwärts, also von der Gegenwart in die Vergangenheit. Die Kontinentalverschiebung ist immer noch in vollem Gange. Ein Name für den nächsten Superkontinent, der sich nach heutigen Berechnungen in etwa 300 Millionen Jahren bilden wird, steht heute bereits fest: Pangaea ultima. ich bin schon sehr gespannt, ob sich in 300 Millionen Jahren noch jemand daran erinnern wird. 😉

KategorienReiseberichte Tags: