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Der Goldsensor oder das Geheimnis des vierten Zäpfchens

Science oder Fiction?

Im menschlichen Auge gibt es zwei verschiedene Rezeptoren. Die Zäpfchen sind für das Farbensehen zuständig, die Stäbchen für das Schwarzweißsehen. Die Zäpfchen sind lichtunempfindlicher als die Stäbchen, deshalb sehen wir im Halbdunkel nicht mehr farbig sondern nur noch schwarzweiß. Die Evolution hat den gewöhnlichen Menschen mit drei verschiedenen Zäpfchen für die Grundfarben Rot, Grün und Blau ausgestattet.

Der folgende Text soll die Aufmerksamkeit auf diejenigen Mitmenschen lenken, die über vier verschiedene Zäpfchentypen verfügen.

Zunächst ist dazu ein kurzer Exkurs in Physik und Physiologie notwendig: Jedes Photon, d.h. jedes Lichtteilchen, das das Auge erreicht, hat seine eigene Wellenlänge. Trifft es auf ein Zäpfchen, dass für diese Wellenlänge empfindlich ist, dann wird ein entsprechender Reiz ausgelöst, den unser Gehirn als Farbe empfindet. Die einzelnen Grundfarben entsprechen dabei unterschiedlichen Wellenlängenbereichen, Blau hat die niedrigsten Wellenlängen, Rot die größten, Grün liegt zwischen den beiden. Sind die Wellenlängen noch länger als die des roten Lichts, dann spricht man vom infraroten Bereich der Wärmestrahlung. Wellenlängen kürzer als blaues Licht ergeben ultraviolette Strahlung. Sowohl Infrarot als auch Ultraviolett können wir nicht mehr mit unseren Augen wahrnehmen. Die Reihenfolge der Wellenlängen der Grundfarben ist also Ultraviolett – Blau – Grün – Rot – Infrarot.

Von einigen Ausnahmen abgesehen (z.B. Regenbogen) empfängt unser Auge ein Gemisch aus Photonen verschiedener Wellenlängen, daraus bildet unser Gehirn einen Gesamtfarbeindruck. Z.B. empfinden wir Farben zwischen Blau und Grün als Türkis. Eine gängige Bezeichnung für die Farbe, die sich aus einem Gemisch von Rot und Blau zusammensetzt ist Purpur. Sonnenlicht ist mehr oder weniger weiß, weil es sich aus einem Gemisch aller möglichen Farben zusammen setzt. Von der Sonne beleuchtete Pflanzen absorbieren den blauen und den roten Anteil des Sonnenlichts. Deshalb erscheinen sie uns grün.

Interessant ist die Mischung von Rot und Grün. Hier täuscht uns unser Gehirn eine neue Grundfarbe vor, nämlich Gelb. Wir haben jedoch überhaupt keine Zäpfchen für Gelb, aber die gleichzeitige Reizung der roten und grünen Rezeptoren erzeugt in uns einen Farbeindruck, der in nichts mehr an Rot oder Grün erinnert. Der Betrug durch unser Gehirn geht sogar soweit, dass wir durch Mischen von Gelb und Blau die Farbe Grün erzeugen können, eine tolle Täuschung unserer Sinne! Für die weiteren Betrachtungen erweitern wir deshalb die Palette der Grundfarben um Gelb: Ultraviolett – Blau – Grün – Gelb – Rot – Infrarot.

Jetzt können wir uns endlich den besonderen Menschen mit vier verschiedenen Zäpfchentypen zuwenden. Bei der überwiegenden Mehrzahl handelt es sich um Frauen. Bei ihnen können zwei verschiedene „rote” Zäpfchentypen nachgewiesen werden, grüne und blaue Zäpfchen bleiben dagegen weitgehend unverändert. Einer der beiden roten Typen ist dabei in Richtung Infrarot verschoben, der andere in Richtung Gelb, Goldgelb.

Da sich das Vier-Zäpfchen-Sehen aus dem Drei-Zäpfchen-Sehen entwickelt hat, können wir davon ausgehen, dass die Träger des vierten Zäpfchens gegenüber uns Normalsterblichen (überwiegend Männern) eine evolutionäre Weiterentwicklung darstellen. Im Weiteren sollen sie deshalb als „höher entwickelte Wesen”, oder kurz HEW bezeichnet werden.

In der Evolution ist es schon häufig so gewesen, dass eine höher entwickelte Spezies eine niedriger entwickelte verdrängt und zum Aussterben verurteilt hat. Für uns normalsterbliche Drei-Zäpfchen-Seher ist es deshalb von überlebenswichtiger Bedeutung, die HEW’s zu erkennen und mit größtem Respekt zu behandeln, um uns ihr Wohlwollen zu sichern. Damit können wir vielleicht den Zeitpunkt unseres unvermeidlichen Aussterbens ein wenig hinauszögern.

Wie können wir ein HEW zweifelsfrei erkennen? Zunächst mal ist einer der roten Sensoren in Richtung Infrarot verschoben. Wo wir Normalsterbliche nur lästige Wärme empfinden, sieht das HEW unter Umständen schon Licht. Wenn wir also ein HEW bei uns zu Hause haben, dann sollten wir ruhig die Heizung etwas weiter aufdrehen, als wir es selbst für notwendig halten. Das HEW empfindet es dann einfach ein wenig heller im Raum.

Als zweites ist das HEW durch seine zwei Sensoren im roten Bereich viel besser in der Lage, verschiedene Farben voneinander zu unterscheiden. Diese Eigenschaft fällt vor allem beim Einkauf neuer Bekleidung auf. Für uns mögen all die roten Bekleidungsstücke vollkommen gleich aussehen, für das HEW tun sie das keinesfalls. Werden wir also nicht ungeduldig, wenn sich das Anprobieren etwas länger hinzieht und tragen wir alle Neuerwerbungen nach dem Einkauf ohne Murren nach Hause. Auf diesem Gebiet sind wir einfach vollständig inkompetent.

Das wahrscheinlich eindeutigste Merkmal eines HEW ist sein Goldsensor. Das zweite Rotzäpfchen ist ja in Richtung der gelben Farbe verschoben und deshalb ist die Sensibilität gegenüber goldenen Gegenständen drastisch gesteigert. Wenn wir also einem Wesen begegnen, das beim Betrachten der Goldauslagen eines Juweliers glänzende Augen bekommt, dann ist das ein absolut untrügliches Zeichen. Einem solchen HEW machen wir eine große Freude, wenn wir ihm von Zeit zu Zeit ein goldenes Schmuckstück zum Geschenk machen.

Die weniger Betuchten unter uns können es mit einem Strauß Blumen versuchen, vorzugsweise kommen hier verschieden rot gefärbte Rosen in Frage, um uns die weitere Zuneigung der HEW’s auch in Zukunft zu sichern. Auf Nachfrage anderer Drei-Zäpfchen-Seher sollten wir natürlich den eigentlichen Zweck unseres Tuns energisch leugnen und behaupten, dass wir das alles ausschließlich für uns selbst tun, was ja in gewisser Weise tatsächlich stimmt.

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  1. Biologe
    2. März 2014, 20:36 | #1

    Es gibt keine Zäpfchen im Auge, sondern Zapfen. So wie es keine Stäbe, sondern Stäbchen gibt.

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