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Chile: Torres del Paine

Patagonien ist der südlichste Teil von Südamerika, zwei Länder teilen sich diese Landspitze an der Küste des Antarktischen Ozeans, der Amerika von der Antarktis trennt. Wie das Bild zeigt, erinnert die Landschaft an die Tundra im Norden von Eurasien, wobei es in Patagonien auch einige hohe Bergmassive gibt. Sehr bekannt ist z.B. der Fitz Roy im Nationalpark Los Glaciares in Argentinien. Das chilenische Pendant sind die Torres del Paine, die im gleichnamigen Nationalpark liegen.

Auch wer wenig über Patagonien weiß, dem ist sicher bekannt, dass es dort extrem stürmisch ist. In Puerto Natales ist diese Tatsache sogar in einem Kunstwerk in Strandnähe thematisiert. Wenn man sich eine Weltkarte ansieht, dann findet man auch schnell eine der Ursachen für die häufigen Starkwinde. Patagonien ist die einzige Landmasse, die sich den im Antarktischen Ozean zirkulierenden Winden entgegenstellt. Es ist der südlichste Zipfel der bewohnten Welt.

Wenn man in einer so stürmischen Gegend wohnt, verschieben sich die eigenen Maßstäbe. Ein Deutscher, der schon seit vielen Jahren dort lebt, hat uns erzählt, dass die Einheimischen erst ab etwa 100 km/h Windgeschwindigkeit – Windstärke 10, was bei uns als „schwerer Sturm“ gilt – davon sprechen, dass es „windig“ ist. In den Straßen sind an den Bürgersteigen Vorrichtungen vorhanden, an denen man Seile befestigen kann, die Fußgängern zum Festhalten beim Gehen dienen können.

Auch diese halb zerfetzte Fahne ist ein Opfer des starken Windes. Sie zeigt eine Art inoffizielle Flagge Patagoniens. Das Blau steht für den Himmel, das Gelb für die Berge, die mit einer weißen Zickzacklinie als schneebedeckt charakterisiert werden. Die weißen Sterne stellen das Kreuz des Südens dar.

Am Tag unserer Ankunft im Nationalpark haben wir auf einer Exkursion diese Strauße gesehen. Strauße? Es sind wohl eher Nandus, die nur fälschlicherweise als „Strauße“ bezeichnet werden, mit denen sie aber nicht verwandt sind.

Auf diesem Bild sieht man Guanakos, die es im Nationalpark in sehr großer Zahl gibt. Sie sind nahe Verwandte der Vikunjas, die man so weit im Süden wahrscheinlich nicht mehr antrifft. Im Norden haben wir sie noch gesehen und vor allem im Hochland von Peru sind sie sehr häufig, siehe unseren Urlaub 2012 dort. Aus diesen natürlich vorkommenden Arten wurden die Alpakas gezüchtet. Im Wikipediaartikel über die Lamas wird über molekulargenetische Untersuchungen der verschiedenen Arten berichtet, wodurch einige der Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Arten in letzter Zeit neu geordnet werden mussten.

Eine andere Tierart, den Puma, haben wir leider (oder gottseidank?) nicht leibhaftig gesehen, wohl aber die Reste seines Wirkens. Sie lagen überall und auch unmittelbar am Wegesrand, was auf ein häufiges Vorkommen des Puma schließen lässt. Die Anwesenheit von Menschen (am Tage) scheint ihn nicht zu stören.

Am zweiten Tag unseres Aufenthalts im Nationalpark haben wir eine Ganztageswanderung zu den „Torres del Paine“ unternommen, die dem Gebiet seinen Namen gegeben haben. Mit dem Wetter hatten wir außerordentliches Glück, es war warm und sonnig und mit geschätzen 30-40 km/h Windgeschwindigkeit für patagonische Verhältnisse fast windstill. So haben wir auch den See am Fuß der Torres erreicht. Unsere Reiseführerin hat uns erzählt, dass schon viele ihrer Gruppen bei Starkwinden, strömendem Regen oder Schneefällen vorzeitig umkehren mussten. Deshalb war das mögliche Ziel unserer Wanderung auch nicht in den Reiseunterlagen beschrieben – niemand sollte enttäuscht sein, wenn es nicht klappt.

Die Kulisse am See vor den Torres ist einzigartig. Das Motiv ist so berühmt, dass es auch den Eintausend-Peso-Schein (etwa 1,50€) ziert. Der Blickwinkel auf dem Geldschein ist von etwas weiter links als bei unserem Besuch. Beim Aufstieg zum See kommt man an eine Stelle, wo ein alter Weg gesperrt ist und eine neue Wegführung vorgeschrieben wird. Offenbar hat es in der letzten Zeit einen Bergsturz gegeben und der Zugang zum See musste geändert werden.

Einer der zahlreichen Seen des Nationalparks am späten Nachmittag, traumhaft schön.

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