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Achtsamkeit

Wege aus dem Stress… Das Thema hat mich bereits hier beschäftigt und wird wohl lange aktuell bleiben. Ein weiterer Artikel über eine Untersuchung an Kindern: Smartphone läuft Fernsehen als Leitmedium Rang ab. Bemerkenswert an dieser Studie ist das Alter der Probanden, 8 bis 14 Jahre. Eine zweite Studie hatte vor allem junge Erwachsene im Fokus: Generation Wisch und Klick. Täglich drei Stunden am Tag sind 17 bis 24Jährige mit dem Smartphone online.

Einen verblüffenden Gedanken habe ich bei Rolf Dobelli in seinem Buch „Die Kunst des klugen Handelns gefunden:

Nehmen Sie die Terroranschläge in Mumbai im Jahr 2008. Terroristen töteten in einem Akt kühler Geltungssucht 200 Menschen. Stellen Sie sich vor, dass eine Milliarde Menschen durchschnittlich eine Stunde ihrer Aufmerksamkeit auf die Tragödie in Mumbai verwendeten: Sie haben die News verfolgt und sich das Geplapper irgendwelcher »Experten« und »Kommentatoren« im Fernsehen angeschaut. Eine durchaus realistische Schätzung, denn Indien allein hat mehr als eine Milliarde Einwohner. Doch rechnen wir konservativ. Eine Milliarde Menschen mal eine Stunde Ablenkung ergibt eine Milliarde Stunden Ablenkung. Umgerechnet: Durch News-Konsum wurden also an die 2.000 Menschenleben vernichtet – zehnmal mehr als durch das Attentat.

Ich glaube zwar nicht, dass so viele Menschen so viel Zeit mit diesem Ereignis verbracht haben, aber hochgerechnet auf alle News stimmt es. An anderer Stelle schreibt Dobelli:

Sie dürften in den letzten zwölf Monaten etwa 10.000 Kurznachrichten verschlungen haben – ca. 30 Meldungen pro Tag. Seien Sie ganz ehrlich: Nennen Sie eine davon, die es Ihnen erlaubt hat, eine bessere Entscheidung – für Ihr Leben, Ihre Karriere, Ihr Geschäft – zu treffen, als wenn Sie diese News nicht gehabt hätten. Niemand, dem ich diese Frage gestellt habe, konnte mehr als zwei Nachrichten angeben -aus 10.000. Eine miserable Relevanzquote. Nachrichtenorganisationen wollen Sie glauben machen, dass sie Ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Viele fallen darauf hinein. In Wirklichkeit ist der News-Konsum kein Wettbewerbsvorteil, sondern ein Wettbewerbsnachteil. Falls News-Konsum Menschen tatsächlich weiterbringen würde, stünden die Journalisten an der Spitze der Einkommenspyramide. Tun sie aber nicht, im Gegenteil.

Ebenfalls simpel ist die Überlegung, dass, wenn man drei Stunden am Tag online oder mit dem Smartphone verbringt, drei Stunden weniger für andere Tätigkeiten verbleiben. Nun helfen einem die Geräte sicherlich auf einigen Gebieten, aber drei Stunden Ersparnis bei anderen Dingen werden es sicher nicht sein.

In vielen Artikeln, die sich mit den Suchtgefahren durch moderne Medien beschäftigen, wird der Begriff der Achtsamkeit gebraucht. Ich habe überlegt, welcher Zusammenhang zwischen Entspannungstechniken wie Yoga, QiGong, Meditation, progressiver Muskelrelaxation und vielen anderen besteht. Das Gemeinsame aller dieser Methoden scheint zu sein, dass man sich auf sich selbst konzentriert und versucht, seinen eigenen Körper wieder mehr wahr-zu-nehmen.

Von einem guten Freund bin ich auf einen Artikel mit Achtsamkeitsübungen aufmerksam gemacht worden: Fünf gute Übungen für Gestresste.

Kleiner Test: Wissen Sie noch, wie der Kaffee heute Morgen geschmeckt hat? Nein? Dann sind Sie damit vermutlich nicht allein. Denn bei den meisten geht morgens schon der Autopilot an, erklärt Achtsamkeitstrainer Günter Hudasch aus Berlin. Dadurch sind sie oft nicht bei dem, was gerade passiert. „Wenn sie unter der Dusche stehen, kochen sie in Gedanken Kaffee, wenn sie den Kaffee trinken, denken sie „Ich muss los“, und so weiter“, …

Meine aktuelle Lieblingsmethode ist der folgenden Beschreibung ähnlich:

Beim sogenannten Body Scan geht es darum, den eigenen Körper von unten bis oben zu erspüren. Auf diese Weise trainieren Sie, Ihre Aufmerksamkeit zu lenken, Ihre Wahrnehmung für sich zu vertiefen und sich so mehr mit sich selbst zu verbinden. Dabei gibt es manches zu entdecken – denn einige Punkte haben Sie sicher noch nie bewusst wahrgenommen. Und einige Punkte spüren Sie vielleicht zunächst gar nicht, aber das macht nichts. Versuchen Sie einmal, Ihren kleinen Zeh am linken Fuß zu spüren. Dann gehen Sie Stück für Stück den Körper nach oben durch, bis Sie am Scheitel angekommen sind. Am besten geht es im Liegen auf dem Rücken mit geschlossenen Augen.

Wenn ich nachts aufwache, die Gedanken zum nächsten Tag springen und ich nicht wieder einschlafen kann, dann versuche ich Folgendes: Ich wandere in Gedanken durch meinen Körper. Wie liegen die Beine, parallel, gebeugt, verdreht? Wo berührt die Bettdecke den Körper, glatt, in Falten? Ist der Rumpf verdreht? Was ist mit dem Kopf? Wo befinden sich die Arme, die Hände, wo sind die Finger? Sind sie mehr gespreizt, berühren sich die Hände, sind sie auf oder unter der Bettdecke, usw.

PS: Skurril an dem Artikel mit den Achtsamkeitsübungen, aber irgendwie typisch für ein Manager Magazin, fand ich die folgende Anzeige am Ende des Artikels:

Entspannt euch, aber bitte dalli, dalli!

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