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Wolfsheim: Kein Zurück

Normalerweise höre ich keine Musik, sie stört beim Lesen, beim Arbeiten und beim Nachdenken. Eine Ausnahme ist Autofahren. Der Chip wurde vor langer Zeit bespielt und steckt seitdem im Autoradio, aber dass sich darauf mehrere Wolfsheim-CDs befinden, wusste ich gar nicht. Ich muss das Lied also schon ein paar dutzendmal gehört haben. Doch vor einigen Tagen wurde ich während der Fahrt auf „Kein Zurück“ aufmerksam. Seitdem lässt mich das Lied nicht mehr los:

Der Liedtext (Quelle):


Es gibt keinen Weg zurück
Weißt du noch, wie's war
Kinderzeit, wunderbar
Die Welt ist bunt und schön
Bis du irgendwann begreifst,
Dass nicht jeder Abschied heißt
Es gibt auch ein Wiederseh'n.

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
Es gibt keinen Weg zurück
Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh'n
Die Zeit läuft uns davon
Was getan ist, ist getan
Was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh'n.

Es gibt keinen Weg zurück
Es gibt keinen Weg zurück

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Ein Wort zu viel im Zorn gesagt
Nen' Schritt zu weit nach vorn gewagt
Schon ist es vorbei
Was auch immer jetzt getan
Was ich gesagt hab, ist gesagt
Was wie ewig schien, ist schon Vergangenheit.

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
Es gibt keinen Weg zurück
Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh'n
Die Zeit läuft uns davon
Was getan ist, ist getan
Was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh'n.

Ach und könnt' ich doch nur ein einz'ges Mal
Die Uhren rückwärts dreh'n
Denn wie viel von dem, was ich heute weiß,
Hätt' ich lieber nie geseh'n.

Es gibt keinen Weg zurück
Es gibt keinen Weg zurück
Es gibt keinen Weg zurück

Dein Leben dreht sich nur im Kreis
So voll von weggeworfener Zeit
Deine Träume schiebst du endlos vor dir her
Du willst noch leben irgendwann
Doch wenn nicht heute, wann denn dann?
Denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her.

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
Es gibt keinen Weg zurück
Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh'n
Die Zeit läuft uns davon
Was getan ist, ist getan
Was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh'n.

Ach und könnt' ich doch nur ein einziges Mal
Die Uhren rückwärts dreh'n
Denn wie viel von dem, was ich heute weiß,
Hätt' ich lieber nie geseh'n.

Warum lässt mich das Lied nicht los? Über das Phänomen (oder das Mysterium?) der Zeit grüble ich recht häufig nach, am ehesten stimme ich Lee Smolin in seinem Buch Im Universum der Zeit zu. Während in der Relativitätstheorie Raum und Zeit zu etwas Ähnlichem verschmolzen werden, ist Smolin der Meinung, dass die Zeit etwas Fundamentaleres als der Raum sein muss. Um Veränderungen möglich zu machen, muss etwas existieren, in dem sich Veränderungen vollziehen können – die Zeit.

In der Relativitätstheorie verschmelzen Materie, Raum und Zeit auf eine interessante Weise. Am einfachsten lässt sich der damit verbundene Gedanke wie folgt ausdrücken: Zeit hat nur dann eine Bedeutung, wenn man sie messen kann. Zum Messen der Zeit benötigt man Uhren. Uhren bestehen aus Materie. –> Ohne Materie gibt es keine Zeit. Eine analoge Überlegung gilt auch für den Raum: Um Längen (Flächen, Räume) zu messen, benötigt man Maßstäbe. Maßstäbe bestehen aus Materie. –> Ohne Materie gibt es keinen Raum.

Das Gedankenexperiment, das aus der Relativitätstheorie folgt, man könne materiefreie Bereiche denken, in denen dann weder Zeit noch Raum existieren, wird durch die Erkenntnisse der Quantentheorie ad absurdum geführt: Auch in vermeintlich materiefreien Gebieten (Vakuum) wimmelt es von virtuellen Teilchen, die sehr reelle Phänomene bewirken. Und diese vermeintlich materiefreien Bereiche sind sowieso dadurch definiert, dass sie von Materie umgeben sind, z.B. von den Wänden der Vakuumkammern o.ä.

Smolin ist nicht unumstritten, denn andere Physiker (z.B. Hawking) glauben die Widersprüche des Urknalls (eine Veränderung vor oder als Beginn der Zeit) dadurch aufgelöst zu haben, dass sich dort Raum und Zeit in sich gekrümmt haben: Geht man in der Zeit rückwärts bis zu diesem Punkt unendlich starker Materiedichte, dann führen Quanteneffekte dazu, dass man sich plötzlich wieder vorwärts in der Zeit bewegt. Mich überzeugt das wenig, denn man kann sich zwar mathematisch, in den Gleichungen, rückwärts in der Zeit bewegen, aber nicht real. Im Raum ist das anders, hier sind alle Richtungen gleichwertig.

Zurück zu Wolfsheim: Was das Berührende an dem Lied ausmacht, ist das Empfinden der Einzigartigkeit jedes einzelnen Augenblicks. Er kommt nicht mehr zurück. Schade, dass sich die Musiker von Wolfsheim getrennt haben. Ich hätte sie jetzt gern mal in einem Konzert besucht. Aber die Band kommt nicht mehr zurück. Zuletzt hat man sich vor Gericht gestritten, keine gute Basis für ein Revival.

KategorienMusik, Physik Tags:
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