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Wider die digitale Demenz

Im letzten Jahr ist es hier in meinem Blog viel ruhiger geworden, und wie es jetzt aussieht, wird das wohl auch so bleiben. Es gibt einfach im realen Leben viel zu tun und für das virtuelle bleibt deshalb weniger Zeit. Über den Jahreswechsel habe ich zwei Sachbücher gelesen, zuerst Nicholas Carr: „Wer bin ich, wenn ich online bin und was macht mein Gehirn solange?“ und Manfred Spitzer: „Digitale Demenz“. Beide zeigen in ihren Büchern anhand der Auswertung von Studien, wie sich unser Denken durch die Nutzung von Computern, Smartphones und anderen elektronischen Geräten und vor allem das Internet verändert. Gerade Spitzer wird im deutschsprachigen Raum in Rezensionen massiv kritisiert und fast schon angefeindet.

Mir haben beide Bücher sehr zu denken gegeben. Was kommt denn sonst als Ursache zum Beispiel für ADHS in Frage als eine andere Gestaltung der Kindheit als in der Vergangenheit? Was passiert mit Kleinkindern, wenn man sich nicht mehr mit ihnen beschäftigt, sondern sie vor Lehr-DVDs oder dem Fernseher parkt? Was macht es mit unserem Gedächtnis, wenn wir uns Fakten nicht mehr merken wollen, sondern glauben, sie bei Notwendigkeit „googeln“ zu können? Können die Befürworter der Nutzung digitaler Medien im Unterricht oder von Laptop-Klassen o.ä. inzwischen nach mehrjähriger Erfahrung damit einen realen Mehrwert nachweisen?

Die Verringerung der Aufmerksamkeitsspannen nach langjähriger Internetnutzung ist mir bei mir selbst schon aufgefallen. Es fällt (fiel!) mir immer schwerer, mehrere Seiten in einem Buch am Stück hintereinander zu lesen, ohne zwischendurch aufzustehen, umherzulaufen, mal kurz im Internet etwas nachzuschauen, usw. Nimmt man das ernst, will man es nicht so einfach hinnehmen und akzeptiert Carrs und Spitzers Analyse, muss man sein Verhalten ändern. Im letzten Jahr ist es hier in meinem Blog viel ruhiger geworden, und wie es jetzt aussieht, wird das wohl auch so bleiben.

KategorienPsychologie, Rezensionen Tags:
  1. 29. Januar 2017, 21:03 | #1

    Ich versuchen meinen Netzkonsum zu reduzieren, und das obwohl ich sowohl bei Twitter wie auch bei Facebook noch angemeldet bin. Ich merke allerdings, dass mich der Alarmismus dieser Medien zunehmend physisch belastet und es mir besser geht, wenn ich einen Tag nicht bei Twitter vorbeigeschaut habe. Daher habe ich auch mein seit Jahren defektes WLAN nicht reparieren lassen. So muss ich jedesmal, wenn ich ins Netz möchte, ein paar Treppen in die obere Etage gehen. Mein Smartphone-Konto beträgt nur 200 MB/Monat, was für kurze Wikipedia-Suchen reicht. Langfristig wird das Netz sich selber kannibalisieren (wie beispielsweise das Fernsehen). Welchen Ersatz es geben wird, vermag ich nicht zu sagen.