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Ursel und Traudel

Vor einer knappen Woche sind Ursel und Traudel bei mir eingezogen. Es war gar nicht so einfach, das Zuhause ihren Bedürfnissen entsprechend herzurichten. Die meisten hatten mir sogar davon abgeraten, sie überhaupt in meine Wohnung aufzunehmen. Dazu war es aber schon zu spät. Jedenfalls habe ich extra für sie eine Fußbodenheizung eingebaut, eine Höhensonne habe ich auch besorgt, die beiden sind ziemlich anspruchsvoll.

In der letzten Woche habe ich sie nicht viel zu Gesicht bekommen. Wenn ich früh aus dem Haus ging, schliefen sie noch. Wenn ich abends kam, kriegte ich sie meistens auch nicht zu Gesicht. Am Wochenende habe ich ihr Verhalten genauer studiert. Halb neun war es taghell, die Heizung hatte ich voll aufgedreht, damit es schön warm ist. Um elf ließ sich Traudel das erste Mal sehen, bei Ursel musste ich bis halb eins warten, bis sie sich aus ihrem Lager schälte. Jedenfalls war ich mit meinem Mittagessen schon lange fertig, als sie endlich ihr Frühstück zu sich nahmen. Aus meinem Mittagsschläfchen wurde nichts, die beiden haben einen Krach gemacht, dass es fast nicht zum Aushalten war.

Man hat mir eingeschärft, dass sie Vegetarierinnen sind, ich halte mich daran. Besonders wählerisch scheinen sie nicht zu sein, bis jetzt haben sie alles in sich hineingestopft, was ich ihnen vorgesetzt habe. Aber mit diesen Miniportionen käme ich nicht zurecht – obwohl, wenn ich fast den ganzen Tag schlafen würde, würden meine Mahlzeiten wahrscheinlich auch etwas kleiner ausfallen.

Ursel und Traudel sind natürlich nur die Spitznamen, die ich mir ausgedacht habe. Es gibt eine CD, auf der zwei Reinemachfrauen ihre Weltsicht erläutern. Meinen beiden habe ich davon nichts erzählt. In ihren Papieren steht ganz was anderes drin.

Kommentare

bluerisk 10/03/2006 03:46:22 AM

Schildkröten?

Köppnick 10/03/2006 04:20:42 PM

Volle Punktzahl.
Meine Schwester hat vor einigen Jahren vier kleine Landschildkröten gekauft, jetzt hat sie mir zwei abgegeben. Ich bin hin und her gerissen. Heutzutage wird von einer reinen Terrarienhaltung abgeraten, die Tiere sind im Sommer im Freien viel besser untergebracht. Früher waren Schildkröten spottbillig, entsprechend viele wurden gekauft und mehr oder weniger schnell zu Tode gepflegt. Jetzt ist klar, dass sie mit zu den am schwierigsten zu haltenden Reptilien gehören, weil sie eben ein so stark schwankendes Temperaturprofil im Jahresverlauf benötigen und so einen hohen Platzbedarf haben.

Mehr als ein knapp anderthalb Quadratmeter großes Terrarium kann ich nicht bieten, dazu viel (UV-)Licht und für den Winter einen großen Kühlschrank. Ich hoffe nicht, dass ich damit für die „Profis“, die sich vehement gegen eine Terrarienhaltung aussprechen, schon ein Tierquäler bin.

Gregor Keuschnig 10/06/2006 03:03:12 PM

Legt man Schildkröten tatsächlich irgendwann in den Kühlschrank? Ich meine, wenn sie lebendig sind und es bleiben sollen…

Köppnick 10/06/2006 06:33:36 PM

Die optimale Überwinterungstemperatur liegt zwischen 0 und 10°C. Das bekommt man in normalen Kellern nicht mehr hin. Bei diesen Temperaturen fahren die wechselwarmen Tiere ihren Stoffwechsel fast auf null herunter. Wenn das Substrat, in das sie sich eingegraben haben, etwas feucht ist, verlieren sie in dem reichlichen Vierteljahr auch kaum an Gewicht.

Im normalen Familienkühlschrank ist für zwei Schildkröten zu wenig Platz, man braucht einen zusätzlichen, der dann halt nur im Winter betrieben wird. Natürlich muss man für ausreichend Frischluftzufuhr sorgen. Ich werde entweder ein Stück Isolierung aus der Türdichtung herausschneiden oder in die Tür selbst ein Loch bohren.

Wenn man einige Vorkehrungen trifft, kann man die Schildkröten sogar im Freien überwintern: Ein stabiles, dichtes Häuschen, darin sehr viel Laub, und eine sorgfältige Kontrolle, dass sich die Tiere auch alle im Haus eingraben und nicht irgendwoanders im Freigehege. Strengen Frost vertragen sie nämlich nicht.

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