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Tetrachromaten

Seit ein paar Tagen geht die Nachricht um die Welt, dass die britische Wissenschaftlerin Gabriele Jordan endlich eine menschliche Tetrachromatin gefunden hat, hier ein englischsprachiger, hier ein deutschsprachiger Artikel. Mich verblüfft weniger die Nachricht als die Tatsache, dass das eine Neuigkeit sein soll, meiner Meinung nach ist deren Existenz seit vielen Jahren bekannt. 2003 hatte ich davon erfahren und das in einer kleinen Geschichte verarbeitet: Der Goldsensor oder das Geheimnis des vierten Zäpchens.

Es ist keinesfalls selbstverständlich, dass das Farbsehen dreikanalig ist, es gibt Tiere, die nur Schwarzweiß sehen, andere haben zwei Farbkanäle (z.B. Hunde), andere vier. Hier ein netter Artikel aus der „Kinder-Uni“. Tatsächlich haben wohl auch einige (oder alle?) Vögel einen vierten Sensortyp für Ultraviolett – bei einigen Arten, bei denen für uns Männchen und Weibchen gleich aussehen, findet man deutliche Geschlechtsunterschiede, wenn man die Tiere ultraviolett bestrahlt und diese Bilder auswertet.

Beim Menschen ist es so, dass viele Proteine, die für das Farbensehen benötigt werden, auf dem X-Chromosom kodiert werden. Da Männer davon nur eins besitzen, sind die verschiedenen Formen der Farbenblindheit bei ihnen viel häufiger. Andererseits haben Frauen zwei X-Chromosomen, sodass es durchaus wahrscheinlich ist, dass sich nach Mutationen verschiedene Varianten der Seh-Proteine bei ihnen finden – und damit auch Tetrachromaten viel wahrscheinlicher unter Frauen zu finden sein müssen. Ganz ausgeschlossen ist das bei Männern aber auch nicht, denn wichtige Proteine sind stets mehrfach auf den Chromosomen kodiert. Ein bisschen Redundanz muss schon sein.

Die Evolution des Farbensehens der Säugetiere ist ein Thema für sich. Die Vorfahren der heutigen Säugetiere mussten in der Welt der Raubsaurier leben. Deshalb waren sie überwiegend nachtaktiv – was Warmblütigkeit und wegen des geringen Lichts auch die fehlende Farbsichtigkeit erklärt. Nach dem Aussterben der Saurier wurde der Tag erobert und das Farbensehen wurde sinnvoll – eine reife von einer unreifen Frucht zu unterscheiden bedeutet wegen des höheren Kaloriengehalts einen Überlebensvorteil. Entsprechende Mutationen sollten sich also durchsetzen. Ob aber in unserer heutigen (Menschen)Umwelt Tetrachromatie aber einen Vorteil bedeutet und sich durchsetzen wird?

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