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Artikel Tagged ‘Wittgenstein’

Ludwig Wittgenstein

23. Juni 2015 Keine Kommentare

Natürlich enthält das Philosophie-Buch auch zwei Doppelseiten über Ludwig Wittgenstein. Wittgenstein hat nur zwei Hauptwerke veröffentlicht, das erste zu Lebzeiten (den Tractatus), das zweite (Philosophische Untersuchungen) erschien bereits posthum. Beide Bücher sind die Quelle zweier unterschiedlicher philosophischer Schulen geworden. Der Artikel im Philosophie-Buch beschäftigt sich mit dem ersten der beiden Bücher, dem Tractatus logico-philosophicus. Eine Kopie des Originaltextes findet man z.B. hier. Das Philosophie-Buch schreibt einleitend:

Wittgensteins Tractatus Logico-Philosophicus ist einer der abweisendsten Texte, den die Philosophiegeschichte des 20. Jahrhunderts aufzuweisen hat. Nur etwa 110 Seiten stark, besteht das Buch aus einer Folge dichter, karger, nach ihrer Bedeutung durch-nummerierter Sätze.

Wie sperrig das Buch ist, zeigen bereits die ersten Sätze:

1. Die Welt ist alles, was der Fall ist.

1.1 Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge.

1.11 Die Welt ist durch die Tatsachen bestimmt und dadurch, dass es alle Tatsachen sind.

1.12 Denn, die Gesamtheit der Tatsachen bestimmt, was der Fall ist und auch, was alles nicht der Fall ist.

1.13 Die Tatsachen im logischen Raum sind die Welt.

1.2 Die Welt zerfällt in Tatsachen.

1.21 Eines kann der Fall sein oder nicht der Fall sein und alles übrige gleich blieben.

2 Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten.

Mit sich allein gelassen, versteht man den Text und seine Intention wirklich nicht. Den Schlüssel bildet vielleicht der Satz 5.6 aus dem Tractatus „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“. Dazu heißt es im Buch:
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Philosophie

28. April 2011 Keine Kommentare

In den Sommerferien von der elften zur zwölften Klasse wollte ich Kants „Kritik der reinen Vernunft“ lesen. Das war damals gerade en vogue, wie auch die Schwärmerei für Hermann Hesse. Eine Woche im Garten meiner Eltern wollte ich mir dafür nehmen. Natürlich bin ich mit meinem Vorhaben gescheitert, und selbst wenn ich heute sehr viel mehr von Philosophie weiß, würde ich doch einen solchen Versuch kein zweites Mal unternehmen. Beim Stöbern im Netz bin ich auf eine zehnteilige Serie des Bayrischen Rundfunks gestoßen, „Kant für Anfänger“. Jeder Teil ist reichlich sieben Minuten lang. Der erste Teil:


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Karl R. Popper: Ausgangspunkte

13. Februar 2010 Keine Kommentare

Als ich einem Bekannten davon berichtete, dass ich gerade Poppers Buch lese, antwortete er mir:

[Habe ich] leider, leider auch getan und mir dabei mein positives Popperbild zerstört: Wie unerträglich selbstüberhöhend er da über die Entstehung seiner bedeutenden Gedanken berichtet ist schon abstossend. Was Gutes er für auch immer für die Wissenschaftstheorie leistete, im naturwissenschaftlichen hatte er seine Hände nicht immer an den Eiern Platons (wenn diese Wendung gestattet ist) … Nicht, dass ich Popper nicht mögen würde.

Ich bin da offenbar duldsamer und habe das gewisse Maß an Selbstbeweihräucherung besser überlesen können. Viele Arbeitsschwerpunkte Poppers kannte ich schon, von der „Offenen Gesellschaft“ über die „Logik der Forschung“ bis zu „Das Ich und sein Gehirn“. Einiges aber war mir neu, zum Beispiel seine Diskussionen mit berühmten Physikern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die er alle persönlich kennenlernen durfte: Bohr, Einstein, Schrödinger, Heisenberg. Und natürlich fehlt auch eine Schilderung seines einzigen Aufeinandertreffens mit Wittgenstein nicht.
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Rudolf Taschner: Musil, Gödel, Wittgenstein und das Unendliche

5. November 2009 Keine Kommentare

Es ist nur ein schmales Büchlein, kleiner als A5 und mit weniger als 50 Seiten Umfang. Es ist der Nachdruck eines Vortrags des Autors im Rathaus von Wien. (Die Personen im Titel sind alle gebürtige Österreicher.) Man kann das Buch bequem an einem Abend lesen. Rudolf Taschner hat inzwischen weitere Werke veröffentlicht, die sich alle irgendwie mit der Mengenlehre und dem Unendlichen beschäftigen.

Im vorliegenden Buch ist der Einstieg eine Szene, die Robert Musil geschrieben hat:

»Da war ich dann also wirklich im Allerheiligsten der Bibliothek«, schildert der General und fährt fort: »Ich kann dir sagen, ich habe die Empfindung gehabt, in das Innere eines Schädels eingedrungen zu sein; rings herum nichts wie diese Regale mit ihren Bücherzellen, und überall Leitern zum Herumsteigen, und auf den Gestellen und den Tischen nichts wie Kataloge und Bibliographien, so der ganze Succus des Wissens, und nirgends ein vernünftiges Buch zum Lesen, sondern nur Bücher über Bücher: Es hat ordentlich nach Gehirnphosphor gerochen, und ich bilde mir nichts ein, wenn ich sage, dass ich den Eindruck hatte, etwas erreicht zu haben!

Aber natürlich war mir, wie der Mann« – gemeint ist der dem General hilfreich zur Seite stehende Bibliothekar – »mich allein lassen will, auch ganz sonderbar zumute, ich möchte sagen, unheimlich; andächtig und unheimlich. Er fährt wie ein Affe eine Leiter hinauf und auf einen Band los, förmlich von unten gezielt, gerade auf diesen einen, holt ihn herunter, sagt: >Herr General, hier habe ich für Sie eine Bibliographie der Bibliographien< – du weißt, was das ist? – also das alphabetische Verzeichnis der alphabetischen Verzeichnisse der Titel jener Bücher und Arbeiten, die sich in den letzten fünf Jahren mit den Fortschritten der ethischen Fragen, ausschließlich der Moraltheologie und der schönen Literatur, beschäftigt haben – oder so ähnlich erklärt er es mir…

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Wittgenstein und Hitler

19. April 2009 Keine Kommentare

Wenn man sich über Wittgenstein informiert und liest, dass dieser in Linz zur Schule ging, dann geht (zumindest bei mir) im Kopf ein kleines Warnlämpchen an. Und tatsächlich findet man in der Wikipedia im Artikel über Ludwig Wittgenstein den folgenden Satz:

Wittgensteins intellektuelle Erziehung begann mit häuslichem Privatunterricht in Wien, ab 1903 erhielt er Unterricht in der Realschule in Linz, welche auch Adolf Hitler zur gleichen Zeit in einer anderen Klasse besuchte.

Kannten sich die beiden? In der Telepolis beginnt ein Artikel zu dieser Frage mit dem Verweis auf ein Buch:

Vor zehn Jahren erschien in Deutschland das Buch eines australischen Autors, das sofort bei seinem Erscheinen zunächst von der Kritik nieder gewürgt und dann von den Kulturmedien totgeschwiegen wurde. Es handelt sich um das Buch „Der Jude aus Linz“, erschienen im Ullstein Verlag.

Der Autor, Kimberley Cornish, im Hauptfach Physiker, hatte sich dabei in die Gefilde der Historiker gewagt, und war von der zuständigen Zunft in Deutschland und Österreich, aber auch anderswo, arg gerüffelt worden. Als ein Wirrkopf, eine Art von Däniken der Geschichtsschreibung, wurde er abgekanzelt. Und er vertrat in der Tat die recht abenteuerliche These, dass Hitler und Wittgenstein in der Jugendzeit miteinander bekannt – wenn nicht eng befreundet oder gar in einem homoerotischen Liebesverhältnis stehend – und nachher tief verfeindet waren. Und dass die Initialzündung für Hitlers Judenhass auf seinen Hass gegen Wittgenstein zurückzuführen sei. Heute, zehn Jahre später, kann man das Buch, möglicherweise etwas weniger verkrampft, erneut einer kritischen Würdigung unterziehen.

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Karl Raimund Popper

1. April 2009 Keine Kommentare

Heute bin ich über die Aufzeichnung einer Sendung mit Karl Popper gestolpert, die im Mai 1990 ausgestrahlt wurde. Zum Zeitpunkt des im Film gezeigten Interviews war Karl Popper 87 Jahre alt.


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