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Artikel Tagged ‘Tipler’

Carl Sagan: Contact

2. Januar 2009 Keine Kommentare

Das Buch hatte ich schon eine ganze Weile gesucht und die Hoffnung auf ein deutschsprachiges Exemplar schon fast aufgegeben, obwohl es eine deutsche Ausgabe gibt. Kurz vor Weihnachten hat es dann geklappt. Auf meinem Exemplar steht „Preisred. Mängel-Exemplar“, ich konnte nicht herausfinden, worin der Mangel bestehen soll. An anderer Stelle aber habe ich gelesen, dass es aufgrund der Buchpreisbindung in Deutschland Buchhandlungen nicht möglich ist, neue Bücher unter dem offiziellen Preis zu verkaufen. Der Mängelstempel löst dieses Problem in der Art einer self-fulfilling prophecy. Der Stempelabdruck ist selbst der Mangel, wegen dem die Buchhandlung ein Buch, auf dem sie sonst sitzen bleiben würde, billiger verkaufen kann. Nur bei Carl Sagans Buch sollte dieser marktwirtschaftliche Trick nicht nötig sein.

Das Buch ist mit Jodie Foster in der Hauptrolle verfilmt worden, zur Geschichte sowohl des Buchs als auch des Films siehe die Wikipedia. Der rote Faden ist schnell skizziert: Auf der Erde wird durch Radioteleskope eine Botschaft empfangen, die sich als das Signal einer außerirdischen Zivilisation entpuppt. Es gelingt, die Botschaft zu entschlüsseln. Sie enthält detaillierte Pläne für den Bau einer Maschine. Nach heftigen Diskussionen wird mit dem Bau der Maschine begonnen, obwohl ihr Zweck nicht klar ist und obwohl die dafür benötigten Ressourcen gewaltig sind – es ist eine Zusammenarbeit aller Staaten der Erde notwendig (das Buch wurde 1985 geschrieben, damals existierte die Sowjetunion noch). Und nach der Fertigstellung der Maschine kommt es zum „Contact“ mit einer / mehreren / allen fortgeschrittenen Zivilisationen unserer Galaxis / des gesamten Universums.
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Frank Tipler: Die Physik der Unsterblichkeit

17. Februar 2008 Keine Kommentare

Ich kannte die Omegapunkttheorie Tiplers schon lange vom Hörensagen, hatte sein Buch bisher aber noch nicht gelesen. Seine Theorie in Kurzform (meine Kritikpunkte anhand der Nummerierungen im Text, siehe weiter unten):

Genauso wie das Universum in der Vergangenheit durch einen Bing Bang entstanden ist, wird es in einer fernen Zukunft in einem Big Crunch wieder zusammenstürzen (1). Leben und insbesonders Intelligenz kann diesen Vorgang physikalisch nicht überstehen. Aber Tipler schlägt vor, den Schrumpfungsprozess aktiv zu steuern und dabei den Unterschied zwischen der objektiven physikalischen und der subjektiv erlebten Zeit zu nutzen. Das Universum soll nicht in allen Raumrichtung gleich implodieren, sondern in den verschiedenen Raumrichtungen unterschiedlich schnell. Das schafft Temperaturunterschiede zwischen den Richtungen, die als Energiequelle genutzt werden können. (In dieser fernen Zukunft sind alle Sterne ausgebrannt.)

Natürlich existiert zu dieser Zeit kein biologisches Leben mehr, so wie wir es heute kennen. Leben bzw. Intelligenz interpretiert er deshalb im Sinne Moravecs, der Transhumanisten bzw. der starken KI als „Informationsverarbeitung“. Die Wesen, die in dieser Zeit existieren werden, sind vollkommen anders als wir aufgebaut. Beim Prozess des Zusammenstürzens wird im Sinne des Newtonschen Graviationsgesetzes bei r->0 unendlich viel potenzielle Energie in kinetische Energie umgesetzt, die sich in den unterschiedlichen Impulsen der dann noch existierenden Teilchen äußert (2).
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Eine alte Notiz

8. August 2007 Keine Kommentare

Heute ist mir eine alte Notiz mit Gedanken in die Hände gefallen, die mir seit meiner Bekanntschaft mit der Omega-Theorie Tiplers ab und zu durch den Kopf geistern, der ja als bekennender Teleologe und Deist gilt.

Wie kann man vereinbaren, dass es Menschen gibt, die an Gott glauben, solche, die nicht an Gott glauben, und unter letzteren diejenigen (Neurowissenschaftler), die Gott in spezifischen neuronalen Mustern verorten wollen:

  • Man stelle sich auf einen streng funktionalistischen Standpunkt. Gott existiert, sobald man an ihn denkt (der Begriff / das Konzept). Etwas anderes kann man funktionalistisch nicht annehmen, weil seine objektive Existenz nicht beweisbar ist.
  • Gott wirkt auf die Welt ein, weil Menschen, die an ihn denken (genauer an das Konzept), anders handeln als wenn sie nicht an ihn denken würden. Die Eigenschaften Gottes ergeben sich dann aus den Handlungsunterschieden zwischen Menschen, die an Gott denken und denen, die nicht an Gott denken. Witzigerweise sind dadurch auch Atheisten einbezogen, weil eine Ablehnung eines Konzeptes dessen Kenntnis erfordert, man kann nicht nicht an etwas denken. Atheisten, die nicht an Gott glauben, handeln anders, als Menschen, die das Konzept „Gott“ nicht kennen. Daraus ergeben sich dann seine All-Eigenschaften, weil das Konzept quasi alle in ihrem Denken und Handeln beeinflusst.
  • Wenn wir voraussetzen, dass sich andere denkende Wesen ebenfalls Gedanken über erste Ursachen etc. machen, dann existiert Gott mindestens solange, solange es denkende Wesen gibt.
  • Wissenschaftler, die neuronale Strukturen nachweisen, mit denen Gott gedacht wird, verorten quasi einen Teil Gottes. Aber nicht den ganzen, weil man nicht jedes denkende Wesen an jedem Ort und zu jeder Zeit untersuchen kann, All-Beweise sind formallogisch nicht möglich.

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Hans Küng: Der Anfang aller Dinge

3. April 2007 1 Kommentar

Besser als durch den Titel des Buches wird der Inhalt durch den Untertitel beschrieben: „Naturwissenschaft und Religion“. Hans Küng ist emeritierter Professor für Theologie und katholischer Priester. Bekannt geworden ist er durch seine Trilogie über die großen Weltreligionen, die Stiftung Weltethos und seinen Streit mit der katholischen Kirche auf mehreren Gebieten: Unfehlbarkeit des Papstes, Frauenordination, Empfängnisverhütung, Abtreibung und Zölibat. Dem Wikipedia-Artikel über ihn kann man entnehmen, dass er Josef Ratzinger seit langem kennt, sie sich später überworfen haben, es aber 2005 zu einem Treffen zwischen ihnen beiden kam (als Josef Ratzinger bereits zum Papst Benedikt XVI. gewählt wurde). Vielleicht deutet das ja darauf hin, dass manche Ansichten der katholischen Kirche nicht für immer in Stein gemeißelt sind?

Ich wollte schon seit langem etwas von ihm lesen. Das vorliegende Buch hat den Vorteil, dass es ein mich sehr stark interessierendes Themenspektrum umfasst – die Vereinbarkeit von Religion und Wissenschaft in unserer Zeit, Aspekte der Kosmologie, Evolutionstheorie und der Hirnforschung. Die Wikipedia schreibt über dieses Buch:
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