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Artikel Tagged ‘Teleologie’

Freier Wille und Teleologie

31. Dezember 2009 Keine Kommentare

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Eine weitere interessante Frage besteht darin, ob es in der Natur einen Plan gibt bzw. ob die Natur einem Plan folgt. Bis zum Mittelalter wurde Wissenschaft vor allem in Klöstern und von Klerikern vorangetrieben. Es war selbstverständlich, dass man durch die Untersuchung der Natur etwas über die Pläne Gottes erfahren kann. Mit der Aufklärung emanzipierten sich die Naturwissenschaften von der Theologie. Im allgemeinen wird heute eine Teleologie (Zielgerichtetheit) in der Natur abgelehnt. Viele Wissenschaftler stoßen sich bereits am schwachen anthropischen Prinzip: „Das Universum muss genau die lebensfreundlichen Eigenschaften aufweisen, die es hat, denn sonst gäbe es uns (also bewusstes Leben) nicht.“ Natürlich ist das zirkelschlüssig, aber diesem Zirkel kann man nicht entkommen.

Mir macht es in solchen Diskussionen immer viel Spaß, Reduktionisten mit dem folgenden Trilemma zu konfrontieren:

  1. Die Natur verfolgt keine Ziele.

  2. Der Mensch ist Teil der Natur.

  3. Menschen verfolgen Ziele.

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Christopher Langan: CTMU

16. Januar 2009 Keine Kommentare

Vor dreieinhalb Wochen war ich mir nach dem Studium von Christopher Langans Theorie der Theorien nicht sicher, ob ich sein Hauptwerk, „The Cognitive-Theoretic Model of the Universe“ (CTMU) so bald lesen würde, aber inzwischen habe ich es getan. Ich möchte nicht behaupten, dass ich alles verstanden habe, aber einige der Hauptgedanken werden wohl richtig bei mir angekommen sein.

Ich bin ich mir nicht sicher, ob der Name seiner Theorie optimal ist, ich hätte nicht von einem Modell des Universums, sondern von einer Realitätstheorie gesprochen, so wie er selbst das an einigen Stellen schreibt. Ein Mitglied der Prometheus Society hat sich in einem Diskussionsforum zu Langans Theorie geäußert: „Sie ist ein wenig tautologisch, aber wir alle bewundern die Tiefe seiner Gedanken.“ Tatsächlich verwendet Langan selbst das Wort „tautologisch“ und an einigen Stellen sogar „supertautologisch“. Dazu muss man wissen, dass dieses Wort doppeldeutig ist. Im Alltagsgebrauch hat es eine eher negative Konnotation im Sinne von „überflüssige Wiederholung, Binsenweisheit“. In der Logik hingegen kennzeichnet es den Wahrheitswert einer Aussage.

Anforderungen an eine Realitätstheorie hat in den späten 70er Jahren John Wheeler formuliert, von dem auch das rechts stehende Bild stammt. Das „U“ steht für das Universum, der schmale Ast für den informationellen Aspekt, das Auge für die bewussten Beobachter innerhalb des Universums, also für den kognitiven Aspekt. „Das Universum beobachtet sich selbst und denkt über sich nach, es muss bewusst sein“, könnte man das Bild interpretieren. Als eine Kurzzusammenfassung der Forderungen Wheelers an eine Realitätstheorie kann man die 5 Fragen ansehen, die man im Wikipediaartikel über John Wheeler findet.
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Christopher Langan: Die Theorie der Theorien

20. Dezember 2008 3 Kommentare

Ich weiß nicht mehr genau, wie ich vor einer reichlichen Woche auf Christopher Langan und sein Cognitive-Theoretic Model of the Universe, kurz CTMU, gestoßen bin. Die deutsche Wikipedia kennt seinen Namen nicht, aber in der englischen Version wird man fündig. Seine Biografie ist sehr ungewöhnlich. Er arbeitete lange als Türsteher, schafft beim Bankdrücken im Fitnesscenter 250 Kilogramm und wohnt jetzt auf seiner eigenen Pferderanch. Das wäre noch nichts Besonderes, wenn da nicht sein IQ von rund 200 wäre. Der Psychologe, der ihn seinerzeit begutachtet hat und auf Fälle extremer Intelligenz spezialisiert ist, hat hinterher gesagt, dass ihm in seiner über 25jährigen Berufslaufbahn noch niemals ein solch intelligenter Mensch begegnet ist. Langan verdingte sich knapp zwanzig Jahre als Bauarbeiter, Cowboy, Feuerwehrmann, Farmarbeiter und Türsteher, ist jetzt mit einer Professorin für klinische Neuropsychologie verheiratet und arbeitet in seiner Freizeit an seiner eigenen Theorie des Universums. In einem Interview mit ihm habe ich gelesen, dass er als Türsteher öfter ein blaues Auge und eine blutige Nase bekam und sich das erst besserte, als er berühmt wurde – nach seiner Teilnahme an einer Fernsehshow, in der er 250.000$ gewann.
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Eine alte Notiz

8. August 2007 Keine Kommentare

Heute ist mir eine alte Notiz mit Gedanken in die Hände gefallen, die mir seit meiner Bekanntschaft mit der Omega-Theorie Tiplers ab und zu durch den Kopf geistern, der ja als bekennender Teleologe und Deist gilt.

Wie kann man vereinbaren, dass es Menschen gibt, die an Gott glauben, solche, die nicht an Gott glauben, und unter letzteren diejenigen (Neurowissenschaftler), die Gott in spezifischen neuronalen Mustern verorten wollen:

  • Man stelle sich auf einen streng funktionalistischen Standpunkt. Gott existiert, sobald man an ihn denkt (der Begriff / das Konzept). Etwas anderes kann man funktionalistisch nicht annehmen, weil seine objektive Existenz nicht beweisbar ist.
  • Gott wirkt auf die Welt ein, weil Menschen, die an ihn denken (genauer an das Konzept), anders handeln als wenn sie nicht an ihn denken würden. Die Eigenschaften Gottes ergeben sich dann aus den Handlungsunterschieden zwischen Menschen, die an Gott denken und denen, die nicht an Gott denken. Witzigerweise sind dadurch auch Atheisten einbezogen, weil eine Ablehnung eines Konzeptes dessen Kenntnis erfordert, man kann nicht nicht an etwas denken. Atheisten, die nicht an Gott glauben, handeln anders, als Menschen, die das Konzept „Gott“ nicht kennen. Daraus ergeben sich dann seine All-Eigenschaften, weil das Konzept quasi alle in ihrem Denken und Handeln beeinflusst.
  • Wenn wir voraussetzen, dass sich andere denkende Wesen ebenfalls Gedanken über erste Ursachen etc. machen, dann existiert Gott mindestens solange, solange es denkende Wesen gibt.
  • Wissenschaftler, die neuronale Strukturen nachweisen, mit denen Gott gedacht wird, verorten quasi einen Teil Gottes. Aber nicht den ganzen, weil man nicht jedes denkende Wesen an jedem Ort und zu jeder Zeit untersuchen kann, All-Beweise sind formallogisch nicht möglich.

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