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Artikel Tagged ‘Speziesismus’

Gerechtigkeit und Menschenrechte

19. Juli 2011 Keine Kommentare

In Spektrum der Wissenschaft gibt es seit einigen Ausgaben eine mehrteilige Artikelserie über aktuelle Probleme der Philosophie. In der Juliausgabe konnte man zwei Artikel lesen. Der erste, geschrieben von Julian Nida-Rümelin, befasste sich mit „Gerechtigkeit“, der zweite von Wilfried Hinsch hatte die Überschrift „Menschenrechte“. Das Thema „Gerechtigkeit“ ist seit Jahrtausenden aktuell, es spielt immer dann eine Rolle, wenn darüber nachgedacht wird, auf welche Grundlage man das Zusammenleben vieler Menschen stellen soll.
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Ethikpreis an Paola Cavalieri und Peter Singer

4. Juni 2011 7 Kommentare

Gestern haben die italienische Philosophin Paola Cavalieri und der australische Philosoph Peter Singer den diesjährigen Ethikpreis der Giordano-Bruno-Stiftung für ihre Initiierung des Great Ape Project erhalten. Ziel dieses Projektes ist es, den großen Menschenaffen (Bonobos, Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans) weitergehende Rechte als bisher zu gewähren, u.a. das Recht auf Leben, den Schutz der individuellen Freiheit, das Verbot von Folter. Das impliziert eine Reihe weiterer Dinge, zum Beispiel das Verbot von Versuchen mit ihnen, die ihnen Leiden zufügen oder ihnen unnatürliche Lebensbedingungen zumuten.

Um die Positionen von Peter Singer gibt es seit langem Streit, eine kurze Einführung gibt es hier: Humanist oder Tötungsphilosoph? In dem Telepolisartikel wird auf einen älteren Artikel verwiesen: Schonung der Tiere, Euthanasie für schwer behinderte Kinder? Dort findet man u.a.:

Warum also gibt es Probleme mit ihm? Sie rühren vor allem daher, daß Singer die Meinung vertritt, auch schwerstbehinderte Neugeborene dürften unter strengen Einschränkungen zu ihrem eigenen Wohl getötet werden.

Diese Aufhebung des Tötungsverbotes wird durch die Infragestellung des Unterschieds zwischen einer passiven und aktiven Tötung begründet, denn vom Standpunkt des Konsequentialismus sind die Folgen der Einstellung von lebensverlängernden Maßnahmen und die einer schmerzlosen Tötung dieselben. Infragegestellt wird durch seinen Ansatz auch, warum es erlaubt sein soll, Föten bis kurz vor der Geburt abzutreiben, wenn sich eine schwere Behinderung etwa durch einen Gentest nachweisen läßt, und warum es verboten ist, Neugeborene zu töten, die entweder als Frühgeburt oder bis zu einem Lebensalter von einem Monat sich nicht von Föten unterscheiden.

Wenn man Abtreibung befürwortet, dann wird für ihn die Grenzziehung zwischen Fötus und Neugeborenem willkürlich. Deswegen will Singer nur das personale Leben als heilig anerkennen, was aber dann auch Folgen für die Rechte von Tieren hat (Vergleiche hierzu das Buch von Peter Singer „Befreiung der Tiere“).

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Tierversuche und Ethik

28. November 2010 Keine Kommentare

Manchmal stapeln sich bei mir die Zeitschriften, wenn ich zwischendurch ein Buch lese. Dann kann es vorkommen, dass ich Ausgaben derselben Zeitschrift in umgekehrter Reihenfolge zur Kenntnis nehme. Im vorliegenden Fall habe ich also zuerst den Artikel „Bonobos bauen keine Kathedralen“ in „Gehirn und Geist“ 12/2010 gelesen. In diesem Artikel streiten zwei Wissenschaftler über die Zulässigkeit von Tierversuchen.

Der Philosoph Klaus Peter Rippe von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe stellt die gängige Praxis der Tierversuche radikal in Frage: Ihm zufolge gibt es zwischen Mensch und Tier ethisch betrachtet keinen grundlegenden Unterschied. Der Mediziner Wolf Singer vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main hält Laborexperimente mit Tieren dagegen für gerechtfertigt – ja für unverzichtbar.

Die aktuellen Probleme rühren daher, dass die Wissenschaft, eben auch durch Tierversuche, festgestellt hat, dass die Unterschiede zwischen Menschen und Tieren viel kleiner sind, als man früher angenommen hat.

Die Positionen der beiden Wissenschaftler sind letztlich unvereinbar.

Wenn er aber jetzt unscharf geworden ist [der Unterschied zwischen Menschen und Tieren] – wie rechtfertigen Sie Tierversuche dann? Singer: Für mich reduziert sich das Problem auf die Beurteilung der Leidensfähigkeit. Hier besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen Mensch und Tier. Zum Beispiel sind Tiere nicht in der Lage, ihren eigenen Tod zu antizipieren, weil ihnen bestimmte Frontalhirnstrukturen fehlen. Sie begreifen ihr Leben nicht als endlich. Dazu kommt ein sozialer Aspekt: Die speziell für Laborversuche gezüchteten Tiere wachsen in Forschungsinstituten auf – ihnen fehlt die Sozialisierung in einem Rudel oder einer Herde. Wenn solch ein Tier stirbt, gibt es in der Zuchtkolonie keine Trauer. Deshalb glaube ich: Wenn ich das Leben einer Ratte opfere, erzeuge ich weniger Leid, als wenn ich die Suche nach den Ursachen bislang unheilbarer Krankheiten einfach unterlassen würde. Wir müssen einen Kompromiss finden, bei dem Kosten und Nutzen in einem möglichst ausgewogenen Verhältnis stehen.

Herr Rippe, darf man zur Minimierung von menschlichem Leid an Tieren forschen? Rippe: Die Argumente, die eindeutig dafür sprechen, gelten heute nicht mehr. Wir Menschen haben keine moralische Sonderstellung, etwa weil wir Gottes Ebenbild wären – oder weil wir durch unsere Vernunft einen absoluten Wert besäßen. Da sich Mensch und Tier nicht kategorial unterscheiden, sind Kosten-Nutzen-Abwägungen ethisch nicht haltbar. Nur in einer echten Dilemma-Situation sind Güterabwägungen unvermeidlich: Entweder stirbt das eine Lebewesen oder das andere – es besteht keine Chance, beide zu retten. Oft instrumentalisieren wir Lebewesen aber nach dem Motto: Ich füge einer Kreatur Leid zu, um aus meiner Sicht möglicherweise ein positives Ziel zu erreichen.

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Sind nur Menschen Personen?

3. Juni 2008 Keine Kommentare

In der Telepolis findet sich der interessante Artikel Sind nur Menschen Personen? Aufhänger dieses Beitrags ist der Fall des Schimpansen Hiasl in Österreich, für den vor Gericht ein gesetzlicher Vormund erstritten werden soll. Die Richter tun sich damit recht schwer:

Nachdem auch dar Oberste Gerichtshof den Antrag aus formellen Gründen abgewiesen hat, zogen die Tierschützer mit ihrer Beschwerde vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Ob das Gericht die Klage annimmt, ist noch unbekannt.

Tatsächlich ist die Situation verzwickt. Höhere Primaten, wie es Schimpansen sind, haben in etwa das intellektuelle Niveau eines Vierjährigen, nur dass sie im Gegensatz zu Kindern Zeit ihres Lebens auf diesem Niveau stehen bleiben. Aber es gibt auch behinderte Menschen, denen vorbedingungslos Menschenrechte gewährt werden. Vielleicht drücken sich die Richter um eine Entscheidung, weil diese Präzedenzcharakter hätte, zum Beispiel auch für die Genehmigung von Tierversuchen und die Massentierhaltung. Ganz offensichtlich ist in der Rechtssprechung die fundamentale Aussage der Evolutionstheorie noch nicht angenommen worden, nämlich dass sich unsere Spezies nahtlos ins Tierreich einreiht. Die Bevorzugung des Menschen gegenüber Tieren wird in einigen Artikeln als Speziesismus bezeichnet, es könnte aber auch eine (nichtkonfessionelle) religiöse Grundeinstellung ausdrücken.
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