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Artikel Tagged ‘Popper’

Dystopien, Islamismus

1. Mai 2013 Keine Kommentare

Im Verlauf der Menschheitsgeschichte sind die Menschen immer älter geworden, einen ersten diesbezüglichen Überblick kann man sich in der Wikipedia verschaffen. Es ist sicher plausibel, dass eine gestiegene Lebenserwartung nicht bloß kleinere Wahrscheinlichkeiten natürlicher, sondern auch sinkende Raten gewaltsamer Todesursachen impliziert. Der Zusammenhang ist recht leicht hergestellt: Wenn das Leben insgesamt schwieriger ist, stirbt man entweder eher eines natürlichen Todes oder greift häufiger zu Gewalt. Das ist auch das Ergebnis von Untersuchungen von Steven Pinker in seinem Buch Eine neue Geschichte der Menschheit.

Auf der anderen Seite ist unsere alltägliche Wahrnehmung eine ganz andere. Klimawandel, Umweltverschmutzung, Wirtschaftskrise, Kriminalität,… Die Welt wird immer schlechter!? (Oder aphoristisch: Früher war selbst die Zukunft besser.) Zum einen steckt da ein Informationsbias dahinter. Es wird berichtet: „Auf der A7 hat sich ein Unfall ereignet“, aber nicht: „Auf der …, A6, A8,… hat sich kein Unfall ereignet“. Oder auch: „In Deutschland sind 2012 1000 Kinder Opfer sexueller Übergriffe geworden.“ aber nicht „In Deutschland sind 2012 10 Millionen Kinder keine Opfer sexueller Übergriffe geworden.“

Ein Mehr an Katastrophenmeldungen bedeutet nicht, dass es mehr Katastrophen gibt, sondern nur, dass wir uns mehr Sorgen darüber machen, was die Zukunft bringen wird. Der Fachbegriff für in Theorien oder in Literatur gepresste negative Zukunftserwartungen ist Dystopie. Eine gewisse Überbetonung negativer Tendenzen und eine besondere Wachsamkeit sind dabei durchaus sinnvoll, denn eine einzige Katastrophe kann einem das Leben nehmen, während eine lange Folge von Glück oder wenigstens Nicht-Katastrophen Unglücke in der Zukunft nicht ausschließen können.
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Republik Koryo

7. April 2013 4 Kommentare

Die Nachrichten sind derzeit voll mit Berichten über Nordkorea. Einer der Artikel vom Dienstag hat mich besonders beschäftigt: Korea-Konflikt: „Kim verfolgt ein klares Ziel“. Im Vorspann heißt es:

Ostasien-Experte Rüdiger Frank attestiert dem Machthaber ein rationales Verhalten und schließt eine militärische Auseinandersetzung nicht aus.

Äh, wie jetzt? Im weiteren Text antwortet Rüdiger Frank auf die Frage „Wie berechenbar ist Kim Jong Un?“:

Ich sehe überhaupt keinen Grund, ihm die Rationalität abzusprechen. Zumindest hat er sich bislang noch nicht besonders irrational verhalten – er hat möglicherweise einige Fehler gemacht, aber er verfolgt offenbar ein klares Ziel: Es geht ihm um die Verbesserung des Lebensstandards der nordkoreanischen Bevölkerung. Dafür hat er folgerichtige Schritte vorgenommen, etwa in Form von Joint Ventures und einer Reihe von neuen Wirtschaftsprojekten. Selbst die fatalen Raketen- und Atomwaffentests passen in das Gesamtbild hinein, das in Richtung einer größeren Wirtschaftsreform zu laufen scheint.

Rüdiger Frank hat sich hier offenbar der Logik Nordkoreas angeschlossen, von der man in einem weiteren Artikel (Wirtschaftsreformen in Nordkorea: Aufschwung durch Atombomben) erfährt: Atomwaffen sind billiger als konventionelle Aufrüstung. Das stimmt sogar, diese Erkenntnis stammt bereits aus den 50er Jahren, nachzulesen zum Beispiel hier:
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Thomas S. Kuhn: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen

21. Februar 2010 Keine Kommentare

Wenn man sich für die Frage interessiert, wie Wissenschaft funktioniert und von Wissenschaftlern betrieben wird, stößt man vor allem auf zwei Namen: Karl Popper und Thomas Kuhn. Über Karl Poppers Überlegungen zu diesem Thema hatte ich bereits hier etwas geschrieben.

Die Ideen von Kuhn zur Wissenschaftstheorie sind zu einem späteren Zeitpunkt als die von Popper entstanden, Kuhn vertritt einen vollkommen anderen Ansatz als Popper. Über Poppers Auffassung schreibt Kuhn:

Eine ganz andere Art, dieses Netz von Problemen anzugehen, hat Karl R. Popper entwickelt, der die Existenz irgendwelcher Verifikationsverfahren überhaupt bestreitet. Er betont dafür die Bedeutung der Falsifikation, d. h. einer Prüfung, die aufgrund des negativen Ergebnisses die Ablehnung einer etablierten Theorie erforderlich macht. Zweifellos ist die der Falsifikation damit zugesprochene Rolle derjenigen sehr ähnlich, welche dieser Essay den anomalen Erfahrungen beimißt, also jenen Erfahrungen, die eine Krise hervorrufen und dadurch den Weg für eine neue Theorie bereiten. Trotzdem dürfen anomale Erfahrungen nicht mit falsifizierenden gleichgestellt werden. Ich glaube sogar, daß es letztere überhaupt nicht gibt.

Wie schon wiederholt hervorgehoben worden ist, löst keine Theorie jemals alle Rätsel, mit denen sie zu einem bestimmten Zeitpunkt konfrontiert ist, auch sind die bereits erzielten Lösungen oft nicht vollkommen. Im Gegenteil, gerade die Unvollständigkeit und Unvollkommenheit der jeweiligen Übereinstimmung von Daten und Theorien definieren viele der Rätsel, welche die normale Wissenschaft charakterisieren. Wenn jede einzelne Nichtübereinstimmung ein Grund für die Ablehnung einer Theorie wäre, müßten alle Theorien allezeit abgelehnt werden.

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Karl R. Popper: Ausgangspunkte

13. Februar 2010 Keine Kommentare

Als ich einem Bekannten davon berichtete, dass ich gerade Poppers Buch lese, antwortete er mir:

[Habe ich] leider, leider auch getan und mir dabei mein positives Popperbild zerstört: Wie unerträglich selbstüberhöhend er da über die Entstehung seiner bedeutenden Gedanken berichtet ist schon abstossend. Was Gutes er für auch immer für die Wissenschaftstheorie leistete, im naturwissenschaftlichen hatte er seine Hände nicht immer an den Eiern Platons (wenn diese Wendung gestattet ist) … Nicht, dass ich Popper nicht mögen würde.

Ich bin da offenbar duldsamer und habe das gewisse Maß an Selbstbeweihräucherung besser überlesen können. Viele Arbeitsschwerpunkte Poppers kannte ich schon, von der „Offenen Gesellschaft“ über die „Logik der Forschung“ bis zu „Das Ich und sein Gehirn“. Einiges aber war mir neu, zum Beispiel seine Diskussionen mit berühmten Physikern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die er alle persönlich kennenlernen durfte: Bohr, Einstein, Schrödinger, Heisenberg. Und natürlich fehlt auch eine Schilderung seines einzigen Aufeinandertreffens mit Wittgenstein nicht.
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Paul Davies: Prinzip Chaos

25. Oktober 2009 Keine Kommentare

Als ich das Buch bei einem Bekannten sah, erinnerte ich mich dunkel an den Namen des Autors und borgte mir das Buch aus. Paul Davies ist Professor für Theoretische Physik und hat es 1988 geschrieben. Inzwischen ist er Verfasser von einer ganzen Reihe weiterer populärwissenschaftlicher Bücher. Im Vorwort heißt es:

Gewöhnlich stellt man sich unter der Erschaffung des Universums ein weit zurückliegendes plötzliches Ereignis vor. Diese Vorstellung wird von der Religion, aber auch von der Wissenschaft bestätigt, die Anhaltspunkte für einen »Urknall« besitzt. Doch durch diese schlichte Vorstellung wird verdeckt, daß die Erschaffung des Universums nie aufgehört hat.

Nach Ansicht der Kosmologen befand sich das Universum unmittelbar nach dem Urknall in einem vollkommen gestaltlosen Zustand, und erst später entstanden all die Strukturen und die Mannigfaltigkeit, die wir heute beobachten. Es gibt offenbar physikalische Vorgänge, die aus dein Nichts oder doch beinahe aus dem Nichts Sterne, Planeten, Kristalle, Wolken und Menschen entstehen lassen.

Woher kommt diese erstaunliche Schöpfungskraft? Kann die fortdauernde Kreativität der Natur mit den uns bekannten physikalischen Vorgängen erklärt werden, oder sind darüber hinaus Gestaltungsprinzipien wirksam, die der Materie und der Energie Form geben und sie zu immer höheren Zuständen der Ordnung und der Komplexität führen?

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Karl Raimund Popper

1. April 2009 Keine Kommentare

Heute bin ich über die Aufzeichnung einer Sendung mit Karl Popper gestolpert, die im Mai 1990 ausgestrahlt wurde. Zum Zeitpunkt des im Film gezeigten Interviews war Karl Popper 87 Jahre alt.


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Abschied vom Materialismus

23. November 2003 Keine Kommentare

Bei Nensch nimmt man im Laufe der Zeit eine ganze Menge Leseanregungen mit, eine davon war Karl R. Popper, John C. Eccles: „Das Ich und sein Gehirn”. Für eine Rezension fühle ich mich intellektuell außer Stande, dazu ist das Buch viel zu gehaltvoll, aber ein kurzer Tagebucheintrag muss einfach sein.

Wie ist das denn nun mit dem freien Willen, sind wir wirklich Sklaven der Elementarteilchen, der Atome, aus denen sich unser Gehirn zusammensetzt? Wenn der Satz des Pythagoras nicht er- sondern gefunden wurde, wo war er dann, bevor er gefunden wurde? Zwei Beispiele für Fragen, die einen wahnsinnig machen können, weil sie so einfach zu stellen und so schwer zu beantworten sind.

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