Archiv

Artikel Tagged ‘Milgram’

Milgram, deutsche Einheit, Heiligendamm, Stuttgart 21

6. Oktober 2010 Keine Kommentare

Vor fast genau 50 Jahren führte Stanley Milgram sein inzwischen berühmtes Experiment durch, siehe Wikipedia oder auch Reto U. Schneiders Buch der verrückten Experimente:

Der Sozialpsychologe Stanley Milgram führt mit 500 Probanden das folgende Experiment durch, angeblich „um eine wissenschaftliche Untersuchung über Gedächtnisleistung und Lernvermögen“ zu machen, man wolle „den Einfluss von Strafen auf den Lernerfolg messen“: Jeweils ein Versuchsteilnehmer sollte einen zweiten überwachen. Wenn dieser eine Frage falsch beantwortet hatte, sollte ihm der erste einen elektrischen Schlag versetzen, für jede falsche Antwort 15 Volt mehr – bis zu einem Endwert von 450 Volt. Was die erste Versuchsperson nicht wusste, dass der zweite, der die elektrischen Schläge erhielt, ein Schauspieler war, der nur zum Schein jammerte, stöhnte, schrie und manchmal am Schluss verstummte.

Die Versuchsperson wurde in der Ausführung der Stromschläge vom Versuchsleiter bestärkt, wenn leise Zweifel an der Richtigkeit der eigenen Handlung aufkamen. Zwei Drittel aller Teilnehmer gingen bis zur Endspannung von 450 Volt. Tatsächlich war das Versuchsziel die Untersuchung der Wirksamkeit von „Gruppendruck“, und das Ergebnis hat seinerzeit viele überrascht. Milgram hat es seine Karriere gekostet, weil man solche Experimente nicht durchführen darf. Paradoxerweise waren ihm viele der Teilnehmer hinterher sehr dankbar, weil er ihnen Seiten ihrer Persönlichkeit gezeigt hat, die sie niemals für möglich gehalten hatten.
Mehr…

KategorienEthik, Politik Tags: ,

Christian Klar

22. Dezember 2008 Keine Kommentare

Am 19.12. wurde Christian Klar aus der Haft entlassen, gegenüber dem angekündigten Termin im Januar etwas vorzeitig, noch vor Weihnachten. Christian Klar war Mitglied der RAF und wurde wegen gemeinschaftlich begangenen neunfachen Mordes und vieler weiterer Mordversuche zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Mindesthaftdauer legte ein Gericht mit 26 Jahren fest, diese Zeit war im November abgelaufen, denn die Untersuchungshaft zählt ja mit. Bundespräsident Köhler hatte vor einem Jahr noch ein Gnadengesuch Klars abgelehnt.

Eine Reihe Prominenter hat die Freilassung Klars kritisiert. Verständlich ist das bei Angehörigen von Opfern bzw. (indirekten) Opfern der RAF selbst, wie z.B. Jürgen Vietor, seinerzeit Kopilot der Landshut. Aber auch eine Reihe Konservativer hat sich dementsprechend geäußert, wie Westerwelle, Beckstein und Söder, weil „Klar keine Reue zeige und sich bis heute nicht entschuldigt habe“. Offenbar ist das Verständnis der Funktion von Strafe bei verschiedenen Menschen unterschiedlich. Gerechtigkeit herstellen kann Strafe jedenfalls nicht, denn wirklich gerecht wäre nur das Ungeschehen Machen der Taten, und das können Menschen nicht. Die Hauptfunktion von Strafe sollte es sein, die Wahrscheinlichkeiten gleichartiger Taten in der Zukunft zu verringern und die Allgemeinheit bestmöglich davor zu schützen. Eine Strafe wirkt so gleichermaßen auf den Täter und potenzielle Nachahmer.
Mehr…

KategorienEthik, Politik Tags: ,

Lauren Slater: Von Menschen und Ratten

21. August 2008 Keine Kommentare

Ein zunächst ziemlich merkwürdiger Titel für ein Buch über psychologische Experimente, der sich durch die Auswahl der zehn im Buch vorgestellten Experimente mit Menschen als Probanden und eben auch mit Ratten erklärt. Einige davon sind ziemlich bekannt, z.B. das Milgram-Experiment, andere weniger, z.B. das von Bruce Alexander mit Ratten durchgeführte zur süchtig machenden Wirkung von Opiaten. Zu drei von den zehn Experimenten, die im Buch vorgestellt werden:

Das Milgram-Experiment schildert sie aus der Sicht eines Probanden. Auf eine Anzeige hin melden sich Personen, um in einem Versuch über das Lernverhalten teilzunehmen. Scheinbar bilden jeweils zwei von ihnen eine Gruppe, einer als „Lernender“, der zweite als dessen „Ausbilder“. Der Ausbilder hat die Aufgabe, dem anderen Wörter vorzusprechen, die sich dieser merken und in der richtigen Reihenfolge aufsagen soll. Als „Motivation“ gibt es Stromstöße: 15, 30, …, 330 Volt. Was die Versuchspersonen nicht wissen, ist, dass der Lernende ein Schauspieler ist, dessen Schmerzensschreie nur gespielt sind.
Mehr…

Reto U. Schneider: Das Buch der verrückten Experimente (Fortsetzung)

24. August 2006 Keine Kommentare

Dieser Text ist die Fortsetzung von Reto U. Schneider: Das Buch der verrückten Experimente.

1961, Milgrams Elektroschockexperiment
Der Sozialpsychologe Stanley Milgram führt mit 500 Probanden das folgende Experiment durch, angeblich „um eine wissenschaftliche Untersuchung über Gedächtnisleistung und Lernvermögen“ zu machen, man wolle „den Einfluss von Strafen auf den Lernerfolg messen“: Jeweils ein Versuchsteilnehmer sollte einen zweiten überwachen. Wenn dieser eine Frage falsch beantwortet hatte, sollte ihm der erste einen elektrischen Schlag versetzen, für jede falsche Antwort 15 Volt mehr – bis zu einem Endwert von 450 Volt. Was die erste Versuchsperson nicht wusste, dass der zweite, der die elektrischen Schläge erhielt, ein Schauspieler war, der nur zum Schein jammerte, stöhnte, schrie und manchmal am Schluss verstummte.
Mehr…