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Artikel Tagged ‘Matrix’

Wie viele Engel können auf der Spitze einer Nadel tanzen?

29. November 2012 6 Kommentare

Die Diskussion begann mit der Frage, welche Pille man nehmen würde, was Bezug nahm auf den Film Matrix. Dort wird der Hauptheld Neo vor die Wahl gestellt: Entweder nimmt er die rote Pille, dann wird ihm die Wahrheit über die Welt offenbart, die er sonst nie erfahren würde, jedoch wird er dann nie wieder in sein altes Leben zurückkehren können. Oder er nimmt die blaue Pille, dann bleibt alles wie gehabt, aber er wird dann nie die Wahrheit über die Welt erfahren. Und weiter wurde in der Diskussion gefragt, ob das nicht gleichbedeutend mit der Frage sei, ob man leben oder sterben wolle.

Mir war zwar nicht ganz klar, welche Pille hier zu welcher Entscheidung gehören sollte, aber die Diskussion nahm danach trotzdem Fahrt auf. Man kann es nämlich so oder so interpretieren, denn wenn es ein Leben nach dem Tode geben sollte, dann würde das der roten Pille entsprechen, anderenfalls wäre es vielleicht genau umgekehrt.

Recht schnell war man sich dann einig, dass man sich mit dem Ableben vielleicht nicht so beeilen solle, denn das Leben nach dem Tod ist ja mehr als unsicher. Offenbar fühlte sich der eine beim Gedanken an ein Nichtweiterleben nach dem Tode so unbehaglich, wenn „die Signale erlöschen, alle Zellen sterben und der Körper verrottet“, dass er einwarf, dass ihm so betrachtet der Kannibalismus sympathischer erscheine, da wisse man wenigstens, wer einen bekomme und lande nicht bei den Würmern.

Bei der Verknüpfung zwischen Tod und Kannibalismus fielen mir zwei alte Themen wieder ein, die die Scholastiker im frühen Mittelalter schwer beschäftigt haben und über die man damals sogar promovieren konnte:
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Leben wir in einer Matrix II?

11. Oktober 2009 Keine Kommentare

Ich hatte darüber schon einmal etwas geschrieben: Leben wir in einer Matrix?. Das war eine Reflexion auf einen Artikel von Nick Bostrom zu diesem Thema. Heute nun habe ich gelesen, dass diese Frage nach der Realität der Realität schon viel älter ist und nach Meinung des Philosophen Olaf L. Müller von der Humboldt-Universität bereits vor über 20 Jahren von Hilary Putnam beantwortet wurde. Das Folgende entstammt dem Artikel Wirklichkeit ohne Illusionen oder Der Abschied vom Skeptizismus von Olaf L. Müller.

In dem Artikel wird zunächst in die Vorstellung, man wäre ein Gehirn im Tank, eingeführt. Dazu wird man im Schlaf entführt, das Gehirn entnommen und an einen Computer angeschlossen, der ab diesem Zeitpunkt alle Interaktionen des Gehirns mit seiner Umwelt realisiert:

Die Chirurgen verloren keine Zeit. Sie sägten Ihren Schädel auf, um an Ihr Gehirn heranzukommen, das sie behutsam aus seiner Schale lösten und in eine Nährlösung gleiten ließen, damit es nicht abstirbt. Dann begann die Fummelarbeit. Die Ärzte identifizierten jede einzelne Nervenbahn, durch die Ihr Gehirn bis gestern mit Ihrem Restkörper Informationen ausgetauscht hatte: Sehnerven, Nerven für akustische Reize aus dem Gehör, aber auch Nerven, durch die das Hirn Steuersignale zur Bewegung seines Ex-Körpers gesandt hatte.
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Leben wir in einer Matrix?

22. Oktober 2008 1 Kommentar

Der Film Die Matrix hat einige interessante Ideen in ein massentaugliches Format gepresst, aber tatsächlich ist die Frage nach der Realität der Realität uralt, schon lange ein Dauerthema der Philosophie und seit einiger Zeit auch in den Neurowissenschaften en vogue. Nick Bostrom ist der Meinung, dass wir sehr wahrscheinlich in einer Matrix leben und hat diesen Gedanken im letzten Jahr ausführlich in der Telepolis erläutert: Warum eine Matrix bauen?

Das Vorhandensein unnötigen Elends ist eines der schlagendsten Argumente gegen die Ansicht, dass die Welt von einem allmächtigen, allwissenden und gänzlich gütigen Gott erschaffen wurde. Über Jahrhunderte haben Theologen versucht, eine Antwort darauf zu finden – mit sehr fragwürdigem Erfolg. Aber das Problem des Elends ist nur dann ein Problem, wenn man annimmt, dass die Welt von einem allmächtigen und gänzlich gütigen Wesen erschaffen wurde. Geht man hingegen davon aus, dass der Schöpfer nicht gänzlich gütig und möglicherweise noch nicht einmal allmächtig war, wäre es weitaus einfacher, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass unsere Welt mit ihren scheinbar offensichtlichen ethischen Mängeln erschaffen worden ist.
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