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Artikel Tagged ‘Kirche’

Überraschungen

16. März 2013 Keine Kommentare

Fast hätte ich in der Überschrift „Unerwartete Überraschungen“ geschrieben, was einen hübchen Pleonasmus darstellt, denn wäre es denn noch eine Überraschung, wenn das betreffende Ereignis nicht unerwartet einträfe?

Egal. Ich weiß nicht mehr genau, wie überrascht ich vor acht Jahren war, als wir alle Papst wurden. Sicher aber war ich damals erleichtert, dass wir nicht alle zusammen in den Petersdom einziehen mussten. Der ist zwar schon recht groß, aber wiederum nicht sooo groß. Auf jeden Fall aber war ich vor einigen Wochen doch sehr überrascht, als Benedikt der XVI. das ihm von seinen Kardinalskollegen zugedachte Karōshi verweigerte und auf einer Rente mit 86 bestand.


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Welche Maßstäbe muss man zugrundelegen?

29. Mai 2011 Keine Kommentare

Eine Bekannte von mir hat gerade das Violettbuch gelesen, eine Analyse der Kirchenfinanzierung in Deutschland. Sie war ziemlich entrüstet darüber, dass für viele Einrichtungen, die von der Kirche betrieben werden, in erheblichem Maße Staatsgelder verwendet werden. Staatsgelder sind Steuergelder, sie werden also auch von Menschen aufgebracht, die keine Mitglieder oder Anhänger der Kirchen sind.

Ich antwortete ihr trocken, dass sich da doch die Kirchen nicht anders verhalten als Konzerne und andere Institutionen auch. Das brachte meine Bekannte noch mehr auf. „Aber die tun immer so moralisch überlegen.“ Auch das überzeugte mich nicht. „Schau dir mal Werbung im Fernsehen an. Auch da wird versucht einem weiszumachen, dass man sich nicht entgehen lassen sollte, genau dieses Produkt XYZ, das Beste von allen zu nehmen.“ „Aber das kann man doch nicht vergleichen“, antwortete sie, „die Kirchen würden sich selbst nie als schnöde Wirtschaftsunternehmen bezeichnen!“

Ich antwortete: „Sie sich wahrscheinlich nicht, aber du musst dich für eine von zwei Positionen entscheiden. Entweder du betrachtest rein atheistisch eine Kirche als ein Unternehmen, das ein bestimmtes Produkt herstellt und an den Mann zu bringen versucht, und dabei alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel einsetzt, eben auch Subventionen. Oder du billigst – religiös argumentierend – Kirchen eine Sonderstellung zu.“
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Neale Donald Walsch: Gespräche mit Gott

19. März 2011 Keine Kommentare

Ich habe eine junge Bekannte, die sich auf einer Sinn-Suche befindet. Sie hat vergangenen Herbst nach einem sozialen Jahr begonnen zu studieren. Neugierig auf andere Menschen, inzwischen Veganerin und wie gesagt auf der Sinnsuche. Klarträumen hat sie im Gegensatz zu meinem eher theoretischen Interesse schon praktisch ausprobiert, den Film What the bleep do we know haben wir unabhängig voneinander gefunden, auf Waking life habe ich sie aufmerksam gemacht. Jetzt hat sie sich gewissermaßen mit dem Buch von Walsch revanchiert.

Sie stammt aus einem nichtkonfessionellen Elternhaus. (Anstelle von „nichtkonfessionell“ habe ich nach einem alternativen Wort gesucht. „Heidnisch“ trifft es nicht, denn auch das ist eine Art Religion. „Atheistisch“ passt auch nicht, denn das wäre eine bewusste, verstandesmäßig getroffene Entscheidung, die ich überhaupt nur einer kleinen Anzahl Menschen zutraue. Wer dem Gedankengang eines der klarsichtigsten Atheisten aller Zeiten folgen möchte, der lese Bertrand Russells Text Warum ich kein Christ bin.) Aber genauso wie man in manchen Gegenden des Westens qua Geburt katholisch oder evangelisch wurde, war es im Osten Deutschland eben die staatlich verordnete Konfessionslosigkeit. Religion als Opium des Volkes, sagte Marx, und seine Statthalter haben das konsequent exekutiert, auch in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes.
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Vatikan ist das kriminellste Land der Welt

19. Januar 2011 Keine Kommentare

Ein Bekannter brach anlässlich dieser Meldung

Vatikan ist das kriminellste Land der Welt
Der Vatikanstaat hat weltweit die höchste Kriminalitätsrate, alleine im vergangenen Jahr musste sich die Justiz mit 1.126 Zivil- und 171 Strafverfahren befassen, wie der Staatsanwalt des Vatikanstaates, Nicola Picardi, bei der Eröffnung des Gerichtsjahres 2011 am Samstag betonte. Die Täter sollen aber meist keine Bürger des Staates sein. Die 492 Vatikanbürger seien kaum an den unzähligen Straftaten beteiligt, vielmehr gehen die kriminellen Handlungen von den mehr als 18 Millionen Pilgern und Besuchern von Petersplatz, Petersdom und Vatikanischen Museen aus, stellte Picardi klar.

Meist handle es sich um Handtaschendiebstähle und andere Formen von Kleinkriminalität. 90 Prozent der Diebstähle bleiben unbestraft, da die Täter nach Italien flüchten, sagte Picardi. Die Kriminalitätsrate errechnet sich aus dem Verhältnis der Straftaten zur Anzahl der Bürger.

einen interessanten Thread vom Zaun:
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Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn

11. April 2010 Keine Kommentare

In einem Diskussionforum wurde unlängst die Frage gestellt:

Was wäre wenn: „Nach neuen Quellenanalysen findet ein internationales Archäologen-Team in Palästina ein unangetastet Grab. Bei genauer Untersuchung der erstaunlich gut erhaltenen Leiche verdichten sich die Anzeichen: Hier liegt der historische Jesus begraben. Kreuzigungsmale, Abdrücke der Dornenkrone, Wunde an der Flanke. Über neuartige Analysen mit radioaktiven Markern kann ferner – neben einer exakten Datierung – der ungefähre Lebensweg festgestellt werden, wo der Tote aufgewachsen ist, etc. All diese Fakten stimmen exakt mit den Schilderungen der Bibel überein.“

Was passiert jetzt? Welche Auswirkungen hat das auf die christlichen Konfessionen, wie groß ist der Verlust an Gläubigen, ist dieser in den verschiedenen Konfessionen gleich hoch?

Welche Auswirkungen hat dies auf andere Religionen? Profitieren sie (z.B. der Islam) durch Konvertiten (denn die „Entdeckung“ berührt ja nicht so stark Jesus Stellung als ein Prophet), oder leiden auch sie durch ein allgemein größeres Misstrauen in Religionen?

Hätte dies über die Religionsgemeinschaften hinaus Auswirkungen auf unsere Gesellschaft? Welche?

Die Frage ist nicht neu, über dieses Thema gibt es schon einige Bücher und Filme:

  • Das Jesus-Video von Andreas Eschbach wurde als bester deutscher Roman des Jahres 1998 bezeichnet.
  • Das Buch war die Vorlage für einen vom Roman stark abweichenden Film (Das Jesus-Video).
  • Eine weiterer Film über dieses Thema ist The Body.

Als diese Diskussion begann, las ich gerade das Buch von Karlheinz Deschner Abermals krähte der Hahn. Eine kritische Kirchengeschichte. Ich schrieb als einen Kommentar:
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Rücktritt von Bischöfin Käßmann

27. Februar 2010 Keine Kommentare

Es wird ja immer wieder von Atheisten betont, wie entbehrlich Religion ist. Nun habe ich den folgenden Satz gelesen, den Margot Käßmann in ihrer Rücktrittsrede verwendet hat:

Ich weiß aus vorangegangenen Krisen, du kannst nie tiefer fallen, als in Gottes Hand.

Man kann in das Bewusstsein eines anderen Menschen nicht hineinschauen, aber bei einer Bischöfin vermute ich, dass sie „Gott“ nicht im übertragenen, sondern im wörtlichen Sinn verwendet hat. Im Übrigen ist diese Gewissheit, die sie da äußert, eine sinngleiche Version eines Ausspruchs von Aurelius Augustinus, der im 4. Jahrhundert Bischof und einer der bekanntesten Gelehrten seiner Zeit war:

Aus Gottes Hand empfing ich mein Leben,
unter Gottes Hand gestalte ich mein Leben,
in Gottes Hand gebe ich mein Leben zurück.

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Die Päpstin

26. Oktober 2009 Keine Kommentare

Gestern habe ich mir „Die Päpstin“ zusammen mit einem guten Freund angesehen. Normalerweise werde ich in solchen Filmen immer von seiner Frau begleitet, da er mehr auf Action steht. Dieses Mal aber haben ihr wahrscheinlich die Kritiken nicht so gut gefallen, sie wollte sich deshalb die Bilder in ihrem Kopf, die sie sich nach dem Lesen des Buches gemalt hatte, nicht verderben lassen. Ich hatte zuvor zwar die Mäkelei in der Telepolis gelesen, wollte den Film aber trotzdem sehen und fand ihn recht gut.

Immer wenn ich ein solches außerordentlich begabtes Kind sehe und dann die Umstände, unter denen es mehr leidet als lebt, frage ich mich, wie viele Talente in der Menschheitsgeschichte schon vergeudet worden sind. Johannes Johanna Angelicus ist da ein typisches Beispiel und hat bei aller Tragik trotzdem noch Glück, denn sie vollbringt letztendlich ja Außerordentliches. Die Schulszene, in der sie als Mädchen zuerst von einem Beauftragten des Bischofs gelobt und dafür dann von ihren Mitschülern auf Geheiß des Lehrers mit Tinte übergossen wird, tat mir schon fast körperlich weh.
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Lilith und die apokryphen Schriften

6. Februar 2009 Keine Kommentare

In den letzten zwei Wochen habe ich zwei Bücher gelesen, die sich mit theologischen Überlieferungen beschäftigen, die nicht in der Bibel stehen, mit Lilith, der ersten Frau Adams, und mit den apokryphen Schriften, also Texten, die aus verschiedenen Gründen nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen wurden. Eine Bekannte hatte sich diese beiden Bücher bei Ebay ersteigert. Einer der Vorbesitzer des zweiten Buches muss ein wahrer Bibelforscher gewesen sein, vielleicht ein Theologiestudent oder gar ein Zeuge Jehovas, denn nahezu jede zweite Zeile ist unterstrichen, wobei ich in den Unterstreichungen keinerlei Systematik erkennen kann. Vielleicht ist das ja das überzeugendste Merkmal wahren Glaubens, die Absenz jeglicher Logik?

Ich bin in einem ziemlich atheistischen Umfeld aufgewachsen, von Adam wusste ich nur, dass er der erste Mensch gewesen sein soll, der zunächst im Paradies lebte und später daraus vertrieben wurde, gemeinsam mit Eva, die angeblich aus seiner Rippe geschaffen wurde. Ein Märchen halt wie das vom Rotkäppchen oder von Hänsel und Gretel. Umso verblüffter war ich, als mir meine Bekannte die Geschichte von Lilith erzählt hat. Eva sei gar nicht Adams erste Frau gewesen, zuvor sei er mit Lilith zusammen gewesen. Lilith hätte sich bei Gott beschwert, weil sie „auch mal oben liegen wolle“, und Adam seinerseits bei Gott über Lilith, dass diese ihm nicht unterlegen sei. Ehekrach im Paradies! Gott hätte dann Lilith aus dem Paradies vertrieben und Adam eine neue und folgsamere Frau beschafft. Das Buch von Vera Zingsem, einer studierten Theologin, enthält eine Reihe von Essays über dieses Thema. In einem der Artikel liest sich das dann so:
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Die Akte Galilei

14. März 2008 Keine Kommentare


Wie hier berichtet wurde, plant die Katholische Kirche, eine Büste von Galileo Galilei aufzustellen. Nach diesem Blogeintrag gab es einen kleinen Disput über das Verhältnis von Galilei zur Kirche und der Kirche zur Wissenschaft. Ich konnte mich in dieser Diskussion undeutlich daran erinnern, dass die neuere Forschung einige Änderungen zutage gefördert hat.

Wie der Zufall so will, fiel mein Blick heute in der Buchhandlung auf das neue Geo-Kompakt-Heft (Nr. 14). Titel dieses Heftes ist „Die 100 größten Forscher aller Zeiten“. Beim Blättern im Heft stellte ich fest, dass mir viele Namen darin noch unbekannt sind, und kaufte es. Natürlich gehört auch Galilei in die Reihe der größten Wissenschaftler. Das ganze Heft habe ich bis jetzt nur flüchtig überflogen, nur den Artikel über Galilei, mit 6 Seiten einen der längsten, in Gänze gelesen. Für Interessierte im Folgenden einige Passagen:
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Michael Schmidt-Salomon: „Wo bitte geht’s zu Gott?“ und „Die Kirche im Kopf“

10. Februar 2008 Keine Kommentare

Von MMarheinecke aufmerksam gemacht („Bangemachen gilt nicht!“ – oder: Kinderbibel für Skeptiker) habe ich mir gleich zwei Bücher von Michael Schmidt-Salomon besorgt. Das erste Buch ist Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel, für das Ursula von der Leyen einen Inidizierungsantrag gestellt hat. Man kann Schmidt-Salomon als eine Art deutschen Richard Dawkins bezeichnen, jedenfalls stellt er den Gläubigen ähnliche Fragen wie dieser, allerdings sind seine Bücher kürzer und volkstümlicher. Das bereits erwähnte Kinderbuch ist meiner Meinung nach für Kinder kritisch denkender Eltern etwa ab einem Alter von 7 Jahren geeignet. Das Buch ist reich illustriert, als Erwachsener ist man in etwa 10 Minuten durch, hat den Text gelesen, die Illustrationen genossen und sich köstlich amüsiert. Erzählt wird die Geschichte eines Igels und eines Ferkelchens, die eines Tages durch ein Plakat aufgeschreckt werden:

“Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!“, stand darauf geschrieben. Das kleine Ferkel las es dem kleinen Igel vor, denn der hatte in der Schule nicht so gut aufgepasst. „Ferkel kennst du Gott?“, fragte der Igel. „Nee“, sagte das Ferkel. „Ich auch nicht!“, meinte der Igel. Darüber erschraken die beiden sehr. Sie hatten ja gar nicht geahnt, dass ihnen etwas fehlte!

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