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Artikel Tagged ‘KI’

Das chinesische Zimmer

12. September 2009 Keine Kommentare

Ich hatte meinen Artikel zum freien Willen noch in einem Diskussionsforum gepostet, einer der Kommentatoren dort war Martin Dresler. Ich kannte ihn bereits aus einer anderen Diskussion zu Klarträumen, er arbeitet am Max-Planck-Institut für Psychiatrie an diesem Thema. In einem seiner Kommentare wies er auf ein neues Buch von ihm hin: Künstliche Intelligenz, Bewusstsein und Sprache. Derzeit ist er einer der Organisatoren der diesjährigen MinD-Akademie „Freiheit und Grenzen“.

Für die 130 Seiten seines neuen Buchs habe ich fünf Abende gebraucht, ich glaube nicht, dass ich alles verstanden habe. Das Niveau ist sehr hoch, ich würde sagen, dass man es, wenn er es noch ein wenig „aufbrezelt“, als Dissertation auf dem Gebiet der Philosophie des Geistes anerkennen könnte. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er eigentlich auf einem ganz anderen Gebiet arbeitet.

Der Untertitel des Buchs verrät Genaueres über den Inhalt: „Das Gedankenexperiment des Chinesischen Zimmers“. Die Philosophie des Geistes beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen den geistigen bzw. mentalen Zuständen, die aus der Erste-Person-Perspektive erlebt werden, und den körperlichen Zuständen, die einer objektivierbaren Messung zugänglich sind, also kurz mit dem Leib-Seele-Problem.
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Thomas Metzinger: Postbiotisches Bewusstsein

13. April 2009 Keine Kommentare

Gibt man in Google die Stichworte „Thomas Metzinger Postbiotisches Bewusstsein“ ein, dann wird man gleich mehrfach zu Seiten verlinkt, auf denen man den Text eines Vortrags findet, den er zum Thema „Postbiotisches Bewusstsein: Wie man ein künstliches Subjekt baut – und warum wir es nicht tun sollten“ gehalten hat. Eingangs seines Vortrags sagt er, dass der Turing-Test seiner Meinung nach nicht geeignet ist, ein bewusstes Wesen von einer einfachen, aufs Antworten programmierten Maschine zu unterscheiden. Er schlägt den „Metzinger-Test“ vor:

Ein wesentlich stärkerer und deshalb vielleicht besserer Test für phänomenales Bewusstsein ist der Metzinger-Test: Wir sollten ein System spätestens dann als bewusstes Objekt behandeln, wenn es uns gegenüber auf überzeugende Weise demonstriert, dass die philosophische Frage nach dem Bewusstsein für es selbst ein Problem geworden ist, zum Beispiel wenn es eine eigene Theorie des Bewusstseins vertritt, d.h., wenn es mit eigenen Argumenten in die Diskussion um künstliches Bewusstsein einzugreifen beginnt.

Bei diesem Test fallen 99.99% aller Menschen durch. 99% haben sich noch nie mit Fragen des Bewusstseins beschäftigt, und vom verbleibenden Prozent haben (mindestens) 99% keine eigene Theorie über das Bewusstsein aufgestellt, die sie gegenüber einem Theoretischen Philosophen wie Metzinger glaubwürdig vertreten könnten.
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Computer entdeckt selbständig Naturgesetze

5. April 2009 Keine Kommentare

Einen bemerkenswerten Artikel habe ich in dieser Woche im Spiegel gefunden: Computer entdeckt selbständig Naturgesetze. Der Ansatz ist leicht verständlich: Naturgesetze beschreiben Vorgänge so, dass man unter ähnlichen Voraussetzungen mit demselben oder wenigstens ähnlichem Verhalten anderer Systeme rechnen kann. Denkt man etwas darüber nach, dann ist eine Maschine, die aus Beobachtungen Gesetze extrahieren kann, keineswegs ungewöhnlich.

Jedes mustererkennende System sollte in der Lage sein, nach der Beobachtung und Analyse mehrerer Vorgänge oder Dinge nach gewissen algorithmischen Regeln die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu finden. Und die Gemeinsamkeiten sind dann entweder gemeinsame Eigenschaften von Dingen oder Konstanten oder eben Naturgesetze, im Artikel als die „Invarianten“ bezeichnet. Kreativ ist also lediglich, diesen Ansatz auf die Konstruktion einer Maschine anzuwenden, die bestimmte physikalische Vorgänge beobachtet und analysiert. Der letzte Abschnitt des Artikels hingegen stimmt nicht:
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KategorienIntelligenz, Visionen Tags:

Der dritte Replikator

21. Januar 2009 Keine Kommentare

Beim Lesen von Susan Blackmores Buch Die Macht der Meme war für mich eine Idee mehr als nahe liegend, die sie aber im Buch nicht selbst geäußert hatte:

Gene und Meme sind die zwei uns heute bekannten Replikatoren, also zwei Ausprägungen eines evolutionären Prinzips. Gibt es weitere Replikatoren? Was passiert, wenn wir Roboter geschaffen haben, die a) sich selbst replizieren können und b) über von ihnen weitergegebbare Gedanken (=Meme) verfügen? Die Meme könnten zur Erkenntnis gelangen (ohne dabei selbst intentional oder bewusst zu sein), dass die Existenz von Genen für ihre eigene Existenz dann nicht mehr notwendig ist, weil die neuen Replikationsmaschinen für sie effektiver sind (mehr Speicher, schneller, weniger anfällig).

In diesem Spiegelartikel, der eine Übersetzung aus der Internetzeitung Edge ist, äußert sie sich nun selbst zu dieser Idee. Sie schlägt für die neuen Replikatoren (die vorhandenen sind die Gene und die Meme) alternativ die Begriffe Teme (technische Meme) oder Treme (tertiäre Meme) vor. Und sie hat offenbar Angst vor den Maschinen und deren Evolution:
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Bernd Vowinkel: Maschinen mit Bewusstsein

13. April 2008 Keine Kommentare

Zu Beginn des Buches war ich etwas ärgerlich. Das werde ich immer, wenn Schätzungen der Rechenkapazität aus der Zahl der Nervenzellen, der Anzahl der zwischen ihnen bestehenden synaptischen Verbindungen und der Geschwindigkeit der Reizleitung in unserem Gehirn dazu verwendet werden, um den Zeitpunkt zu bestimmen, wann die Leistung von Maschinen diejenige unseres Gehirns übersteigen wird. (Einen solchen unangebrachten formalen Vergleich findet man übrigens sogar in der Wikipedia im Artikel Gehirn.)

Diese Vergleiche führen in die Irre, weil sie wesentliche Unterschiede zwischen den beiden Systemgruppen ignorieren. Gehirne sind analog arbeitende Systeme, die dort ablaufenden Prozesse führen zu ständigen Änderungen der Strukturen, chemische (hormonelle) Prozesse spielen eine große Rolle, die Funktionen des Körpers dürfen nicht vernachlässigt werden, usw. Wir wissen nicht, welche Menge an digitalen Informationen und was man sonst noch alles benötigt, um solche Prozesse in Rechnern zu emulieren (=vollständig zu simulieren). Ich habe trotzdem weiter gelesen, weil mir die folgenden Absätze Hoffnungen auf ein spannendes Buch gemacht haben:
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Mensch und Maschine

6. Dezember 2006 Keine Kommentare

Anlässlich des gerade zu Ende gegangenen Wettkampfs zwischen dem Schachweltmeister Wladimir Kramnik und dem PC-Schachprogramm Fritz, den Kramnik mit 2:4 verloren hat, wurde wieder einmal die sogenannte „künstliche Intelligenz” beschworen. Der Glaube, Schachspiel hätte irgend etwas mit Intelligenz zu tun, hält sich immer noch hartnäckig. Im Falle des Computerschachs seit den 50er Jahren, als Alan Turing den nach ihm benannten Turing-Test auf (künstliche) Intelligenz definierte und selbst ein Schachprogramm kreierte (allerdings mangels Hardware nur auf Papier). Dabei hat Schach weder bei Menschen noch bei Maschinen etwas mit Intelligenz zu tun, jedenfalls nicht, wenn man Intelligenz als die Fähigkeit zum Lösen neuartiger Aufgaben definiert.

Man hat Schachgroßmeister in Computertomographen gesteckt und ihnen dort beim Schachspielen zugesehen. Aktiv waren nicht die Gehirnregionen für das logische Denken, sondern die für das Erinnern von Bildern. Die plausibelste Hypothese ist, dass sie eine Vielzahl von sogenannten Chunks gespeichert haben, d.h. charakteristische Stellungsmerkmale, Beziehungen zwischen den Figuren auf dem Brett. Man vermutet die Existenz von etwa 50.000 solcher Chunks, was in etwa der Anzahl der Wörter in einer Sprache entsprechen würde.
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KategorienGehirn & Geist, Schach Tags:

Hydra gegen Michael Adams 5,5:0,5

28. Juni 2005 Keine Kommentare

Hydra ist ein 64-Prozessorrechner, der zusätzlich mit 64 Schachplatinen ausgerüstet wurde. Er steht in Abu Dhabi. Das Projekt zur Entwicklung dieses Superrechners wird von Dr. Christian Donninger („Chrilly”) geleitet [1].

Michael Adams ist britischer Supergroßmeister und die aktuelle Nummer 7 der Schachweltrangliste. Zwischen Hydra und Adams wurde vom 21. bis 27.6. ein Wettkampf durchgeführt, den der Rechner mit 5 Siegen und einem Remis aus 6 Partien für sich entscheiden konnte.
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KategorienSchach Tags:

Künstliche Intelligenz

4. November 2003 Keine Kommentare

Hongkong, 22. März 2102
Die Arbeiten am HighTower-Hotel wurden vor einigen Wochen endlich abgeschlossen und die letzte Anlage, die Anbindung des Reservierungssystems ans Internet, in Betrieb genommen. Jetzt konnte man sich von überall auf der Welt in das System einloggen und seine Reservierungen online vornehmen. Unerklärlicherweise häuften sich seit dieser Zeit die Pannen in einem unvertretbaren Ausmaß. Zwar war man es seit vielen Jahren gewöhnt, dass das Einfahren eines neuen Systems nicht reibungsfrei verlief, dieses Mal war es aber eindeutig zu viel.
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KategorienFiktion Tags:

Brutus in Lippstadt

18. August 2003 Keine Kommentare

Nein, es geht hier nicht um den antiken Kaisermeuchler, sondern um einen Rechner, der mit einem Schachprogramm und etwas Spezialhardware zur Bewertung von Stellungen ausgestattet, in den vergangenen zwei Wochen am Großmeisterturnier in Lippstadt teilnehmen durfte. Wie der Name „Großmeisterturnier” schon sagt, waren 11 ziemlich starke Spieler eingeladen und ihr Feld durch Brutus komplettiert worden. Brutus gewann das Turnier mit 7 Siegen und 4 Unentschieden. Der beste menschliche Spieler kam auf 3 Siege und 8 Unentschieden.

In Lippstadt war zwar nicht die Top-Elite versammelt, mehr so „kleine” Großmeister – oder falls sie sich nicht mit dem Großmeister-Titel schmücken dürfen – große Kleinmeister, aber bemerkenswert bleibt es trotzdem, wie deutlich Brutus die Konkurrenz dominierte.
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KategorienSchach Tags: