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Artikel Tagged ‘Kapitalismus’

7 Fragen an den Kapitalismus

30. August 2009 Keine Kommentare

Als ich in der letzten Woche „Die Zeit“ gekauft habe, war das eigentlich nicht wegen dem Atomenergieartikel von Christiane Grefe, sondern wegen den auf der Titelseite angekündigten „7 Fragen an den Kapitalismus“. Jede der sieben Fragen wird von einem anderen Autor gestellt (und versucht zu beantworten). Gleich die erste Frage Gibt es den Kapitalismus überhaupt? von Jens Jessen ist interessant.

Er zeichnet darin den Weg nach, den der Begriff „Kapitalismus“ in den letzten Jahrzehnten genommen hat. Am Anfang war es ein negativ konnotierter Begriff:

Wer in den sechziger, siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vom Kapitalismus sprach, handelte sich fast automatisch seine Ausdehnung auf alle Lebensbereiche ein. Ein ganzes Rudel von Theorien, das sich im Laufe der Zeit an den Begriff angelagert hatte, war in der Lage, jede beliebige Verbindung herzustellen. Da war zunächst der Faschismus, der als natürliche Konsequenz des Kapitalismus galt.

Dann galt aber auch die parlamentarische Demokratie nur als Maske, die das Herrschen des Kapitals verschleierte. Jede Diktatur in der Dritten Welt, die Unterdrückung der Frau, der schlechte Sex, alles war vom Kapitalismus herbeigeführt.

Und so weiter, bis in jedes Alltagsdetail und individuelle Schicksal hinab. Geschah etwas Unschönes, und sei es ein Verkehrsunfall oder ein Verbrechen, musste es mit dem Teufel zugehen, wenn es nicht gelang, darin zumindest eine Spätfolge oder Nebenfolge des Kapitalismus zu sehen.

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Wo man keine Atombombe kaufen kann, gibt es keinen freien Markt

22. April 2006 Keine Kommentare

Eigentlich wollte ich den Telepolis-Artikel Erfolgreiche Staaten sind selbstgerecht und unbeweglich geworden gleich wieder verlassen, als meine Aufmerksamkeit von einem Kommentar gefesselt wurde. (Der Artikel selbst ist in dem für viele Beiträge über internationale Politik so charakteristischen Gedankenspagatstil verfasst. Für diesen Stil ist typisch, dass sich jeder politisch denkende Mensch nach dem Lesen in seiner Meinung bestätigt fühlt. Ich habe bis jetzt noch nicht hundertprozentig verstanden, wie man so etwas macht, das ist jedoch ein ganz anderes Thema.) Mehr…

KategorienGesellschaft, Politik Tags:

Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie

17. April 2006 Keine Kommentare

Im Jahr 2003 veranstaltete das ZDF eine Umfrage mit dem Titel Unsere Besten. Solche Umfragen vermitteln naturgemäß immer nur einen sehr subjektiven Eindruck, aber man kann wenigstens davon ausgehen, dass dort an führender Stelle vorkommende historische Personen auch zu anderen Zeiten und Gelegenheiten genannt werden würden. Platz 1 belegte Konrad Adenauer, Platz 2 Martin Luther und Platz 3 Karl Marx, vor den Geschwistern Scholl, Willi Brandt, Johann Sebastian Bach und Wolfgang von Goethe.

Ehrlich gesagt, hat mich dieser vordere Platz von Marx doch ziemlich verblüfft, könnte man doch annehmen, dass viele ihn mit dem gescheiterten „Realsozialismus“ in Verbindung bringen. Vielleicht hat aber zu seinem guten Platz beigetragen, dass viele bei Marx ihr Unbehagen über Missstände in der heutigen Welt gut aufgehoben fühlen. Beide Standpunkte werden dem historischen Marx aber nicht gerecht, weder seine undifferenzierte Ablehnung durch das Bürgertum noch eine diffuse Art von Gefühlssozialismus.
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Kapitalanlage- versus Umlageverfahren

20. März 2006 Keine Kommentare

Als Ausweg aus der vor allem demografisch verursachten Krise der Sozialsysteme wird der Übergang von umlage- auf kapitalfinanzierte Verfahren propagiert. Von den Befürwortern werden vor allem die höheren Renditen der kapitalanlegenden Verfahren hervorgehoben. Nun weiß man aber, dass höhere Renditen stets mit höheren Risiken oder anderen Nachteilen verbunden sind. Wo liegen sie in diesem Fall?
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Fritz Reheis: Die Kreativität der Langsamkeit

26. Februar 2006 Keine Kommentare

Die zweite Auflage dieses Buches ist 1998 erschienen. Genau wie Karlheinz Geißler beschäftigt Fritz Reheis das Verhältnis des Menschen zur Zeit. Während sich Geißler mit seinem Konzept der „Postmoderne“ vor allem mit individuellen Lösungen beschäftigt hat, interessiert sich Reheis mehr für die politischen und ökonomischen Ursachen der Beschleunigung in der heutigen Zeit und Lösungsmöglichkeiten für die resultierenden Probleme. Er teilt zunächst, ähnlich wie Geißler, die Welt in Sphären auf: die des Menschen, der Gesellschaft und die der Natur. Da sich weder die Biologie des Menschen noch die sich außerhalb der Gesellschaft befindliche Natur verändert haben, sind die Ursachen der Beschleunigung folglich in der Gesellschaft zu suchen.
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