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Artikel Tagged ‘Grundeinkommen’

Zweifel am Bedingungslosen Grundeinkommen

15. Juni 2014 2 Kommentare

Bereits vor einigen Jahren bin ich auf die Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) gestoßen. Am stringensten hat für mich Götz Werner diese Idee in seinem Buch Einkommen für alle dargestellt. Erinnert wurde ich jetzt an dieses Thema, weil ich in Seelenlachen ein Interview mit Arfst Wagner gelesen habe: Link.

Inzwischen bin ich dieser Idee gegenüber etwas skeptischer geworden. Nicht wegen dem prinzipiellen Zweifel, den man äußert, wenn man sagt, dass die Natur des Menschen nicht so ist, dass er ohne einen gewissen Zwang gar nichts mehr tun würde. Meistens steckt dahinter die unausgesprochene Prämisse: „Ich selbst würde mich natürlich nicht auf die faule Haut legen, aber viele andere wahrscheinlich schon.“ Der hier zutage tretende Bias kommt sicher aus zweierlei Gründen zustande: Erstens hat jeder Mensch im Mittel eine bessere Meinung von sich als von anderen – weil er die Beweggründe für sein eigenes Handeln besser kennt. Zweitens hält jeder die eigene Arbeit im Mittel für interessanter als die von anderen. Ich vermute jedoch, dass die Höhe eines BGE so niedrig sein würde, dass es, genau wie heute, einen gewissen Druck gegen Entgeld zu arbeiten auf alle ausüben würde, die etwas mehr als Nahrung und Kleidung vom Leben haben wollen.

Ein BGE würde nach dem Willen seiner Befürworter eine ganze Reihe von heutigen Sozialleistungen ersetzen. Dazu würden vermutlich steuerfreies Existenzminimum, Kindergeld oder Steuerfreibetrag, Krankengeld oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und Rente zählen. Ein kurzer Kommentar zu diesen Sozialleistungen:

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Spiegeleier

14. September 2009 Keine Kommentare

Am Wochenende hatte ich Zeit, einige ältere Zeitschriften zu lesen. Zum Beispiel im Spiegel 33/2009 vom 10.8. einen sehr freundlichen Artikel über Dieter Althaus. Das war kurz vor der Landtagswahl und man kann es durchaus als eine Art Wahlhilfe verstehen. Die Bildzeitung, die in dem Artikel erwähnt wird, hat das ja auch gemacht. Spiegel und Bild an einem Strang ziehend. Genützt hat es der CDU wenig.

Ich war erst sehr wütend, aber nüchtern gesehen, kann ich keinen objektiven Vergleich darüber anstellen, ob der Spiegel früher mehr ein Nachrichten- und weniger ein Boulevard- und Meinungsmachermagazin war. Ich weiß auch nicht, welche Vorgaben für die Redakteure gelten, wer über was schreiben darf und wer letztlich die Entscheidung trifft, was ins Heft kommt und was nicht.

Mit der Zeit habe ich mir ein paar Sprachdetektoren zugelegt, um das Verhältnis eines Autors zu seinem Gegenstand bereits bewerten zu können, ohne die Fakten selbst zu analysieren. Heißt es zum Beispiel „Parteichef“, dann steht der Autor dem Betreffenden eher kritisch gegenüber, ist es der „Parteivorsitzende“, dann ist er vom selben Lager. Naja, wenigstens hat sich der Teaser des Artikels über Althaus als Fehleinschätzung herausgestellt:

Sieben Monate nach seinem schweren Skiunfall in Österreich steht Dieter Althaus politisch deutlich besser da als vor dem Unglück. Von seiner Schuld am Tod einer Frau ist im thüringischen Landtagswahlkampf kaum noch die Rede. Von Wiebke Hollersen

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Netzwerk Grundeinkommen

25. Juni 2009 Keine Kommentare

Auf der Seite http://www.grundeinkommen.de/ findet man neben wenig Substanz enthaltenden und sehr euphorischen Artikeln auch einige, die inhaltlich etwas tiefer gehen. Zum Beispiel wird auf die eher kritische Antwort des SPD-Bundestagsabgeordneten Axel Berg auf eine Anfrage verlinkt. Dieser war zu seiner Stellung zu einer Petition von Susanne West befragt worden.

Inhaltlich vertrete ich zum Thema Grundeinkommen noch keine abgeschlossene Position: Wir erleben derzeit einen Wandel der Arbeitswelt: Arbeit ist heute immer seltener eine organisatorisch und inhaltlich fixe Größe. Die Anforderungsprofile sind ständiger Veränderung unterworfen. Wissen und Produktionsanlagen müssen sich einem zunehmend globalen und schärfer werdenden Wettbewerb stellen. Arbeit mit fest umrissener Tätigkeitsbeschreibung tritt zugunsten flexibler Projektarbeit immer häufiger in den Hintergrund. Die Zahl klassischer Arbeitsverhältnisse ist daher rückläufig. Betriebe verkleinern ihre Kernbelegschaft und arbeiten verstärkt mit externen Zulieferern, Agenturen und Projektteams. Unbefristete Vollzeitbeschäftigungen weichen sogenannten „atypischen“ Beschäftigungsformen. Arbeit bekommt damit zukünftig einen fundamental anderen, flexibleren und selbständigeren Charakter als bisher.
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Bedingungsloses Grundeinkommen: Idee, Finanzierbarkeit und Auswirkungen

13. Juni 2009 Keine Kommentare

Bei Makulatur findet man den Artikel Bedingungsloses Grundeinkommen: Idee, Finanzierbarkeit und Auswirkungen und eine interessante Diskussion darüber:

Will man ein Vorhaben umsetzen, und damit seine Praxistauglichkeit unter Beweis zu stellen, hat das Konsequenzen, die man zuvor bedenken sollte. In Demokratien ist dafür die parlamentarische und die öffentliche Diskussion zuständig. Sie sollte im Prozess der Meinungsbildung bestimmte Lösungsstrategien aussondern und andere präferieren, über deren Tauglichkeit letztlich in einem Abstimmungsverfahren befunden wird.

Die Idee hinter dem bedingungslosen Grundeinkommen ist ein Rechtsanspruch auf personenbezogene Existenzsicherung, unabhängig davon, ob man einer Erwerbsarbeit nachgeht oder nicht, was ermöglichen soll, sich anderen Tätigkeiten als vornehmlich existenzsichernden zu widmen; Luxus oder über grundlegende Dinge hinausgehende Annehmlichkeiten müssen – je nach Modell bzw. Höhe der Zahlung -, aber wie bisher durch Erwerbsarbeit eingebracht werden – das Muss hängt damit von den persönlichen Ansprüchen ab. Begleitet wird dieser Grundgedanke von der Möglichkeit die Versorgung aller Bürger entwickelter Staaten mit grundlegenden Gütern (weitgehend automatisiert) gewährleisten zu können.

Wir könnten auch anders

5. Juni 2009 Keine Kommentare

Die „Zeit“ veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 20. Mai einen mehrseitigen, großformatigen Artikel „Wir könnten auch anders“ von Wolfgang Uchatius, der auch in der Onlineausgabe der „Zeit“ zu lesen ist, hier als PDF. In diesem Beitrag sind einige der Mechanismen der heutigen Wirtschaftskrise in eine leicht verständliche Form gebracht, ohne volkswirtschaftliches Neusprech. Zwei Personen(gruppen) stehen im Mittelpunkt, der Durchschnittsdeutsche in Form der Familie Meyer und ein durchschnittlicher Manager:

Heike Meyer ist 35 Jahre alt, ihr Mann Martin ist zwei Jahre älter, sie sind verheiratet und haben einen Sohn, den sechsjährigen Max. Die Meyers leben in einem Vorortreihenhaus auf 130 Quadratmetern, sie besitzen unter anderem: ein Auto, einen Fernseher, einen DVD-Spieler, einen digitalen Fotoapparat, einen PC, eine Geschirrspülmaschine und eine Mikrowelle.

Die Meyers sind ein Produkt des Statistischen Bundesamtes, zusammengesetzt aus Tausenden von Daten. Sie sind die typische deutsche Familie. Ihr Auto ist ein Mittelklassewagen, etwa von der Größe eines Opel Astra. Der Astra hat 100 PS, er beschleunigt in elf Sekunden von null auf hundert, schafft eine Höchstgeschwindigkeit von 190 Kilometern in der Stunde und verfügt über elektrische Fensterheber.

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Alice Schwarzer und Thea Dorn vs. Eva Herman

15. August 2008 Keine Kommentare

Alice Schwarzer: Die Antwort – Das Buch war ein Fehlkauf. Ich hatte ein Buch haben wollen, in dem konkret auf Eva Hermans „Eva-Prinzip“ geantwortet wird. Alice Schwarzers Buch ist zwar zeitlich danach geschrieben worden, aber sie geht nur an wenigen Stellen auf Eva Herman ein:

Und auch die späte Mutter vom Dienst, Eva Herman, 48, verbat sich in höchsten Tönen mehr Krippenplätze (die sie ja auch nicht nötig hatte).

Meiner Erinnerung nach hat Eva Herman das nicht geschrieben (in ihrem Buch „Das Eva-Prinzip“, andere kenne ich nicht), es ist also eine Lüge (euphemistisch kann man auch „Polemik“ dazu sagen). Ich habe das Buch von Alice Schwarzer nicht bis zu Ende gelesen, will aber trotzdem hier ein paar Anmerkungen machen, die sich mir aufgedrängt haben. Alice Schwarzer polarisiert, nicht nur Männer, auch Frauen. Ein Zitat:

Wenn mich eines nervt, und zwar schon lange, lange vor der Frauenbewegung, dann ist es die Art, wie diese Weibchen über Männer reden. Als seien sie Marionetten, bei denen eine echte Frau nur an der richtigen Strippe ziehen muss. Ist es den Männern solcher Frauen eigentlich klar, dass ihr Preis dieser Spott der Sklavinnenseelen hinter dem Rücken des Herrn ist?

Es kostet natürlich Zeit und Nerven, sich mit einem Mann wirklich auseinanderzusetzen. Und schlaue Männer haben längst vielfältige Techniken entwickelt, den Frauen irgendwo, irgendwie recht zu geben – und ihnen dann doch wieder durch die Machen zu schlüpfen. Es ist mit ihnen wie mit dem Hasen und dem Igel: Die Männer sind immer schon da – während die Frauen noch rennen.

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Die Feminisierung des Journalismus trifft auf dessen Niedergang

28. Juni 2008 Keine Kommentare

Die Feminisierung des Journalismus trifft auf dessen Niedergang, so lautet die These des Artikels Rapunzel-Diät statt Macht-Kontrolle von Rudolf Stumberger in der Telepolis. Der Autor ist selbst Journalist und arbeitet als Dozent an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. In dem Artikel kommentiert er eine Umfrage, die unter Leitung des Journalistikprofessors Michael Haller aus Leipzig durchgeführt wurde. Diese Umfrage unter Journalisten ergab u.a., dass

  • sich der Anteil der weiblichen Journalisten ständig erhöht und
  • sich die Themen, mit denen sich Journalisten befassen, ebenfalls ändern.

In der Studie liest man dazu:

Die Befragten Journalisten sind sich weitgehend einig, dass Themen aus dem Bereich der Unterhaltung und des Infotainments, aber insbesondere auch Lebenshilfe- und Ratgeberthemen in Zukunft deutlich zunehmen werden. Wird es aber nur noch Infotainment geben? Sicherlich nicht.

Bildungsthemen, sowie Kritik und Kontrolle werden in der Berichterstattung nicht abnehmen, sondern weitgehend konstant bleiben werden. Auch in Zukunft wird der Leser nicht auf den klassischen Leitartikel verzichten müssen. Die grundsätzliche Frage, ob es noch eine Nachfrage nach klassischem Journalismus geben wird, scheint in der Tendenz beantwortet.

Gleichwohl sehen die Journalisten ihr eigenes Handwerk nicht gefährdet. Vielmehr untermauert die Studie, dass die Anpassungsleistungen der Journalisten größer werden. Zum einen müssen sie ein thematisch-inhaltlich vielfältigeres Angebot liefern, zum anderen einer ausgeweiteten Formatvielfalt im Rahmen des technisch Möglichen Rechnung tragen. Dazu gehört auch, dass sich die Tageszeitungen vermehrt nach den Erwartungen der Leser richten müssen.

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Katja Kipping vs. Michael Friedman

3. Mai 2008 Keine Kommentare

Bei Heise findet man einen Hinweis darauf, dass jetzt auch Bundestagsfraktion von DIE LINKE ein Portal bei Youtube eröffnet hat und dort wöchentlich neue Kurzfilme mit Informationen einstellt. Von dieser Seite gelangt man nach ein paar Klicks zu einem Zusammenschnitt einer Diskussion von Katja Kipping und Michael Friedman zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen.

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Götz W. Werner: Einkommen für alle

25. September 2007 Keine Kommentare

Die Idee des bedingungslosen Einkommens wird inzwischen von sehr vielen Personen und Institutionen propagiert, der wahrscheinlich bekannteste Vertreter in Deutschland ist Götz W. Werner, Chef und Besitzer der Drogeriekette DM. In seinem Buch „Einkommen für alle“ stellt er seine Grundideen ausführlich dar. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass die Arbeitslosigkeit in allen entwickelten Staaten ständig ansteigt. Die Ursache besteht darin, dass man zur Produktion der lebensnotwendigen Güter und Dienstleistungen immer weniger Arbeitszeit benötigt, weil die Produktivität stärker als die Produktionsmenge steigt.

Werner unterscheidet zwischen „Arbeit an der Natur“ und „Arbeit am Menschen“. Die Arbeit an der Natur ist diejenige, die der Produktion von Gütern dient, und eigentlich ist es nur sie, die der ständigen Produktivitätssteigerung unterliegt. Demgegenüber gibt es bei der Arbeit am Menschen kaum Beschleunigungspotenzial. Folgerichtig finden sich die schlechter bezahlten Tätigkeiten im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen und die überhaupt nicht bezahlte Arbeit im Ehrenamt und der Familie.
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Carsten Schneiders Kritik am Bedingungslosen Bürgereinkommen

22. April 2007 Keine Kommentare

Die Idee vom bedingungslosen Bürgereinkommen ist in den Niederungen (den Sümpfen) der Parteipolitik angekommen. Zwar ist mir bereits das Eintreten von Dieter Althaus, CDU, für das Bürgereinkommen äußerst suspekt gewesen, aber was nun Carsten Schneider, der haushaltpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion im Spiegel schreibt, zieht einem die Schuhe aus. Hier meine ich nicht das übliche parteipolitische Blabla, sondern die eklatanten Rechenfehler.

Ganz ausdrücklich geht es Althaus darum, mit dem „Bürgergeld“ Kernprinzipien des Sozialstaats auszuhebeln. Bisher gilt: Sozialleistungen werden überwiegend zielgenau auf die tatsächlich Bedürftigen zugeschnitten. Starke Schultern sorgen für sich selbst und tragen mehr zur Finanzierung des Sozialstaats bei als schwache. Ginge es nach Althaus, würden auch diejenigen Bürger zu Transferempfängern, die das Geld überhaupt nicht benötigen. Gleichzeitig entfiele mit der progressiven Einkommensteuer ein zentrales Umverteilungsinstrument. Diese Logik widerspricht zu Recht dem Gerechtigkeitsempfinden der meisten Menschen in Deutschland. Das hat nicht zuletzt der Bundestagswahlkampf 2005 gezeigt, als Professor Paul Kirchhof mit seiner Flat Tax scheiterte.

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