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Artikel Tagged ‘Gott’

Glauben und Ethik

31. Dezember 2009 Keine Kommentare

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Unstrittig ist, dass es weiter entwickelte Wesen als uns im Universum geben kann. Weiter entwickelt heißt, diese hätten eine bessere Kenntnis der Gesetze der Realität, und so wie wir in Teilen (der Kultur) in der Lage sind, Gesetze auch zu ändern, wären diese Wesen zu Taten in der Lage, die uns als Wunder erscheinen müssten. Die Frage ist aber, ob es auch eine Entität gibt, die die gesamte Realität steuert? Es ist inzwischen common sense, dass es keine Gottesbeweise, aber auch keine Widerlegungen geben kann. Auch das ist aus informationstheoretischer Sicht klar: Ein kleiner Teil eines größeren Systems kann auch nicht annähernd die Informationen erfassen, mit denen das Gesamtsystem operiert.

Wenn das so ist, dann ist die Beschäftigung mit dieser Frage – die nach dem ontologischen Status dieser möglichen Entität – sinnlos. Aber einige andere Fragen bleiben trotzdem bestehen:

Kann es sinnvoll sein, an eine solche Entität trotz ihrer Unbeweisbarkeit zu glauben (hat es Vorteile für das Wesen, das glaubt)?
Um diese Frage tobt ein heftiger Streit. Theisten denken, evolutionäre Vorteile für die Gläubigen ausgemacht zu haben: Höhere Kinderzahl, größere Lebenszufriedenheit, längere Lebenserwartung. Atheisten kontern mit den Schäden, die durch den Glauben angerichtet werden: Glaubenskriege, Fundamentalismus, Unterdrückung von Andersgläubigen und Frauen. Ich vermute, dass religiöser Glauben in unseren biologischen Denkstrukturen verankert ist und einen evolutionären Vorteil bietet. Dawkins bestreitet das und hält Religiosität für ein Nebenprodukt von etwas anderem – aber eine plausible Erklärung von was konkret kann er nicht geben.
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Reformationstag

31. Oktober 2009 Keine Kommentare

hexe

Das Bild ist selbsterklärend. Kein weiterer Text notwendig.

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Gottesbeweise/Widerlegungen und ein Elefant

11. Oktober 2009 Keine Kommentare

Ich habe heute neben vielem anderen auch in einem Thread über Gottesbeweise bzw. -widerlegungen geschmökert. Natürlich findet man dort alles Mögliche außer gültigen Beweisen oder Widerlegungen, das geht ja bekanntlich nicht. Zunächst ein Klassiker:

Wenn Gott allmächtig ist, müsste er doch in der Lage sein, einen Stein zu erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn nicht heben kann. Wenn er ihn aber nicht heben kann, ist er nicht allmächtig..

Darauf kam die Antwort:

Das ist gelinde gesagt Käse: „Allmacht“ kann sich natürlich nur auf in sich widerspruchsfreie Taten beziehen. Gott kann sich weder selbst töten noch der Kreiszahl den Wert drei geben noch den vielzitierten Stein erschaffen. Wenn Gott gegen die Regeln der Logik verstoßen könnte, wäre jede weitere Diskussion sinnlos, weil damit jede Argumentation sowohl der theistischen wie der atheistischen Seite zusammenbrechen würde, denn aus einer einzigen inkonsistenten Aussage kann buchstäblich alles geschlussfolgert werden.

Hm, das leuchtet nun wiederum mir nicht ein, denn wenn Gott den Regeln der Logik unterworfen ist, wer schuf dann die Regeln der Logik? Also der nächste Bekehrungsversuch:
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Absurditäten des amerikanischen Rechtssystems

17. Oktober 2008 Keine Kommentare

Heute konnte man u.a. bei SPON lesen, dass in den USA die Klage des Ex-Senators Ernie Chambers gegen Gott abgewiesen wurde:

Chambers hatte 2007 geklagt, weil Gott ihm und den Bewohnern Nebraskas Angst gemacht und „unter Abermillionen Erdbewohnern Tod, Zerstörung und Terror“ verursacht habe.

Richter Marlon Polk begründete seine Ablehnung des Prozesses damit, dass ein Beschuldigter die Möglichkeit haben müsse, die Anklageschrift zu lesen und das sei ohne Zustelladresse nicht möglich.

Damit wird sich Chambers wahrscheinlich nicht abfinden, und in der Telepolis erfährt man auch warum:

Der Religionskritiker Chambers geht allerdings davon aus, dass das Gericht die Existenz von Gott anerkannt hat. Dann aber sei darin auch die Allwissenheit von diesem begriffen. Seine schöne Schlussfolgerung: „Da Gott allwissend ist, muss er auch Kenntnis von dieser Klage haben.“

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Glauben Atheisten nicht an die Existenz Gottes oder glauben sie an die Nicht-Existenz Gottes?

19. August 2008 Keine Kommentare

Vor ein paar Wochen wurde in einem Diskussionsforum die Frage gestellt:

Glauben Atheisten nicht an die Existenz Gottes oder glauben sie an die Nicht-Existenz Gottes?

Obwohl der Sinn der Frage erklärt wurde,

Wenn ich von mir behaupte, „ich glaube nicht, dass Gott existiert“, dann ist das eine Aussage darüber, was ich nicht glaube. Über das, was ich glaube, mache ich lediglich die Aussage, dass der Glaube an Gottes Existenz wohl nicht dazu gehört. Wenn ich dagegen behaupte, „ich glaube, dass Gott nicht existiert“, dann ist das dagegen eine Aussage darüber, was ich glaube.

hielt ich das trotzdem für eine Sophisterei und antwortete:

Das ist sehr spitzfindig, ich befürchte, man scheitert hier schnell an den Unzulänglichkeiten der menschlichen Sprache, mit der sich ja noch viele andere logische Paradoxa formulieren lassen. Auf jeden Fall setzt A-Theismus Theismus voraus, d.h. den Glauben an Gott. Das spricht dann für deinen ersten Halbsatz. Aber wenn ich mich recht an einige „Beweis“ideen für Gott erinnere, basiert auch einer darauf, dass man kein Wort (Gott) erdenken könne, wenn es das Ding dazu nicht gibt.

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Michael Schmidt-Salomon: „Wo bitte geht’s zu Gott?“ und „Die Kirche im Kopf“

10. Februar 2008 Keine Kommentare

Von MMarheinecke aufmerksam gemacht („Bangemachen gilt nicht!“ – oder: Kinderbibel für Skeptiker) habe ich mir gleich zwei Bücher von Michael Schmidt-Salomon besorgt. Das erste Buch ist Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel, für das Ursula von der Leyen einen Inidizierungsantrag gestellt hat. Man kann Schmidt-Salomon als eine Art deutschen Richard Dawkins bezeichnen, jedenfalls stellt er den Gläubigen ähnliche Fragen wie dieser, allerdings sind seine Bücher kürzer und volkstümlicher. Das bereits erwähnte Kinderbuch ist meiner Meinung nach für Kinder kritisch denkender Eltern etwa ab einem Alter von 7 Jahren geeignet. Das Buch ist reich illustriert, als Erwachsener ist man in etwa 10 Minuten durch, hat den Text gelesen, die Illustrationen genossen und sich köstlich amüsiert. Erzählt wird die Geschichte eines Igels und eines Ferkelchens, die eines Tages durch ein Plakat aufgeschreckt werden:

“Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!“, stand darauf geschrieben. Das kleine Ferkel las es dem kleinen Igel vor, denn der hatte in der Schule nicht so gut aufgepasst. „Ferkel kennst du Gott?“, fragte der Igel. „Nee“, sagte das Ferkel. „Ich auch nicht!“, meinte der Igel. Darüber erschraken die beiden sehr. Sie hatten ja gar nicht geahnt, dass ihnen etwas fehlte!

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Richard Dawkins: Der Gotteswahn

11. November 2007 Keine Kommentare

Es gibt schon eine Reihe von Meinungen über das neue Buch von Richard Dawkins, unter anderem findet man eine Rezension bei Gregor Keuschnig , der mir auch sein Buchexemplar freundlicherweise geliehen hat. Mein wichtigster Eindruck zuerst: Nein, Dawkins ist kein Fundamentalist in dem Sinne, wie es religiöse Fanatiker sind. Diese verweisen als Letztbegründungen immer auf ihren Glauben, wonach jede Diskussion mit ihnen sinnlos wird. Dawkins hingegen liefert Begründungen für seine Meinungen – und macht sich damit im Gegensatz zu den Religiösen diskursiv angreifbar, wenn man seinen Schlüssen oder Argumenten nicht zustimmt.

In seinem Buch stellt er eine Skala auf, um der Religiosität eines Menschen einen Zahlenwert zuzuweisen. Diese Skala beginnt mit 1 und endet mit 7:

  1. Stark theistisch. Gotteswahrscheinlichkeit 100 Prozent. Oder in den Worten von C. G. Jung: „Ich glaube nicht, ich weiß.“
  2. Sehr hohe Wahrscheinlichkeit knapp unter 100 Prozent. De facto theistisch. „Ich kann es nicht sicher wissen, aber ich glaube fest an Gott und führe mein Leben unter der Annahme, dass es ihn gibt.“
  3. Höher als 50 Prozent, aber nicht besonders hoch. Fachsprachlich: agnostisch mit Neigung zum Theismus. „Ich bin unsicher, aber ich neige dazu, an Gott zu glauben.“
  4. Genau 50 Prozent. Völlig unparteiischer Agnositzismus. „Gottes Existenz und Nichtexistenz sind genau gleich wahrscheinlich.“
  5. Unter 50 Prozent, aber nicht sehr niedrig. Fachsprachlich: agnostisch mit Neigung zum Atheismus. „Ich weiß nicht, ob Gott existiert, aber ich bin eher skeptisch.“
  6. Sehr geringe Wahrscheinlichkeit, knapp über null. De facto atheistisch. „Ich kann es nicht sicher wissen, aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Gott existiert, und führe mein Leben unter der Annahme, dass es ihn nicht gibt.“
  7. Stark atheistisch. „Ich weiß, dass es keinen Gott gibt, und ich bin davon überzeugt, wie Jung ‚weiß‘, dass es ihn nicht gibt.“

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Hans Küng: Der Anfang aller Dinge

3. April 2007 1 Kommentar

Besser als durch den Titel des Buches wird der Inhalt durch den Untertitel beschrieben: „Naturwissenschaft und Religion“. Hans Küng ist emeritierter Professor für Theologie und katholischer Priester. Bekannt geworden ist er durch seine Trilogie über die großen Weltreligionen, die Stiftung Weltethos und seinen Streit mit der katholischen Kirche auf mehreren Gebieten: Unfehlbarkeit des Papstes, Frauenordination, Empfängnisverhütung, Abtreibung und Zölibat. Dem Wikipedia-Artikel über ihn kann man entnehmen, dass er Josef Ratzinger seit langem kennt, sie sich später überworfen haben, es aber 2005 zu einem Treffen zwischen ihnen beiden kam (als Josef Ratzinger bereits zum Papst Benedikt XVI. gewählt wurde). Vielleicht deutet das ja darauf hin, dass manche Ansichten der katholischen Kirche nicht für immer in Stein gemeißelt sind?

Ich wollte schon seit langem etwas von ihm lesen. Das vorliegende Buch hat den Vorteil, dass es ein mich sehr stark interessierendes Themenspektrum umfasst – die Vereinbarkeit von Religion und Wissenschaft in unserer Zeit, Aspekte der Kosmologie, Evolutionstheorie und der Hirnforschung. Die Wikipedia schreibt über dieses Buch:
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