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Artikel Tagged ‘Freier Wille’

Ist Leben irrational?

25. April 2014 2 Kommentare

Die Diskussion begann mit einer merkwürdigen Eingangsfrage:

Angenommen, es gäbe eine Art Spock, der durch und durch rational und logisch wäre. Z.B. einen Computer mit Bewusstsein.

Kann dieses Wesen keine irrationalen oder nicht rational begründeten Wünsche und Ziele haben? Ich denke nein. Irgendwann muss man zu einer irrationalen Letztbegründung kommen. Diese kann nur „Ich will“ sein. Z.B. in der Form „Ich will leben.“ Ich würde sogar weiter gehen und fragen, ob nicht das Bewusstsein impliziert, irrational zu sein. Löst sich nicht nur ein Gott, sondern auch so ein Wesen in einem Logikwölkchen auf?

In einer der ersten Antworten wurde der Begriff der Letztbegründung durch den des Axioms ersetzt:

Jedes selbstmotivierte Wesen hat irgendwo unten einen Satz von Axiomen, der einfach da ist, denn sonst würde es sich einfach der Entropie überlassen; die gewinnt am Ende ja sowieso. Dieses „ich will“ oder „ich muss“ ist natürlich nicht rational, aber das sind Axiome nie. Der weitere Aufbau kann dann völlig logisch sein.

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Stephen Hawking: Einsteins Traum

12. November 2012 6 Kommentare

Wer sich ein bisschen mit zeitgenössischer Physik beschäftigt hat und einige der heute berühmten Physiker kennt, kann sicher auch das folgende Bild deuten:

Es zeigt Stephen Hawking in seinem Rollstuhl, beide geformt aus Lego-Steinen.

In Stephen Hawkings Buch „Einsteins Traum“ sind eine Reihe von Artikeln vereinigt, die er zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Stellen veröffentlicht hat. Zu seinen physikalischen Theorien, die auch im Buch diskutiert werden, will ich hier nichts schreiben. Seine Beiträge zur Theorie schwarzer Löcher sind inzwischen gut bekannt und an vielen anderen Stellen bereits ausführlich diskutiert und kommentiert worden. Im Weiteren soll es nur um einige seiner philosophischen Überlegungen gehen, vor allem zur Physik selbst, zu Schlussfolgerungen, die er daraus z.B. zum „freien Willen“ gezogen hat, und über seine Einstellung zu Gott.
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Freiheit

10. Juni 2012 1 Kommentar

Vor ein paar Wochen machten die Ergebnisse einer Studie zweier amerikanischer Wissenschaftler von sich reden. Diese hatten untersucht, was die Ursachen dafür sind, dass einige Gesellschaften prosperieren und einige trotz guter Bedingungen nicht so recht auf die Beine kommen. Ich finde jetzt zwar auf die Schnelle die entsprechenden Artikel nicht mehr, aber die in der Studie gefundenen Ursachen habe ich mir gemerkt: Die Funktionsfähigkeit demokratischer Strukturen macht den Unterschied. Autoritär verfasste Gesellschaften sind auf Dauer nicht so lebensfähig wie demokratische.

Oberflächlich betrachtet ist der Unterschied zwischen einer demokratischen und einer autoritären Gesellschaft der Grad an Freiheit, der dem Einzelnen zugestanden wird. Aber ganz so einfach ist es wahrscheinlich nicht, denn tritt man etwas näher heran, dann bedeutet die Existenz von Institutionen in Demokratien ja ebenfalls die Einschränkung von Freiheitsrechten, während in einem zerfallenden Gemeinwesen die Einzelnen scheinbar viele Freiheiten genießen (einschließlich derer, zu morden oder ermordet zu werden). In Hohe Luft Nr. 3 gibt es ab Seite 18 einen Artikel zum Freiheitsbegriff, dort heißt es einleitend:
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Freier Wille und Teleologie

31. Dezember 2009 Keine Kommentare

⇐ Reduktionismus und Emergentismus ⇑ Sapere aude! ⇑ Glauben und Ethik ⇒

Eine weitere interessante Frage besteht darin, ob es in der Natur einen Plan gibt bzw. ob die Natur einem Plan folgt. Bis zum Mittelalter wurde Wissenschaft vor allem in Klöstern und von Klerikern vorangetrieben. Es war selbstverständlich, dass man durch die Untersuchung der Natur etwas über die Pläne Gottes erfahren kann. Mit der Aufklärung emanzipierten sich die Naturwissenschaften von der Theologie. Im allgemeinen wird heute eine Teleologie (Zielgerichtetheit) in der Natur abgelehnt. Viele Wissenschaftler stoßen sich bereits am schwachen anthropischen Prinzip: „Das Universum muss genau die lebensfreundlichen Eigenschaften aufweisen, die es hat, denn sonst gäbe es uns (also bewusstes Leben) nicht.“ Natürlich ist das zirkelschlüssig, aber diesem Zirkel kann man nicht entkommen.

Mir macht es in solchen Diskussionen immer viel Spaß, Reduktionisten mit dem folgenden Trilemma zu konfrontieren:

  1. Die Natur verfolgt keine Ziele.

  2. Der Mensch ist Teil der Natur.

  3. Menschen verfolgen Ziele.

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Paul Davies: Prinzip Chaos

25. Oktober 2009 Keine Kommentare

Als ich das Buch bei einem Bekannten sah, erinnerte ich mich dunkel an den Namen des Autors und borgte mir das Buch aus. Paul Davies ist Professor für Theoretische Physik und hat es 1988 geschrieben. Inzwischen ist er Verfasser von einer ganzen Reihe weiterer populärwissenschaftlicher Bücher. Im Vorwort heißt es:

Gewöhnlich stellt man sich unter der Erschaffung des Universums ein weit zurückliegendes plötzliches Ereignis vor. Diese Vorstellung wird von der Religion, aber auch von der Wissenschaft bestätigt, die Anhaltspunkte für einen »Urknall« besitzt. Doch durch diese schlichte Vorstellung wird verdeckt, daß die Erschaffung des Universums nie aufgehört hat.

Nach Ansicht der Kosmologen befand sich das Universum unmittelbar nach dem Urknall in einem vollkommen gestaltlosen Zustand, und erst später entstanden all die Strukturen und die Mannigfaltigkeit, die wir heute beobachten. Es gibt offenbar physikalische Vorgänge, die aus dein Nichts oder doch beinahe aus dem Nichts Sterne, Planeten, Kristalle, Wolken und Menschen entstehen lassen.

Woher kommt diese erstaunliche Schöpfungskraft? Kann die fortdauernde Kreativität der Natur mit den uns bekannten physikalischen Vorgängen erklärt werden, oder sind darüber hinaus Gestaltungsprinzipien wirksam, die der Materie und der Energie Form geben und sie zu immer höheren Zuständen der Ordnung und der Komplexität führen?

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Das chinesische Zimmer

12. September 2009 Keine Kommentare

Ich hatte meinen Artikel zum freien Willen noch in einem Diskussionsforum gepostet, einer der Kommentatoren dort war Martin Dresler. Ich kannte ihn bereits aus einer anderen Diskussion zu Klarträumen, er arbeitet am Max-Planck-Institut für Psychiatrie an diesem Thema. In einem seiner Kommentare wies er auf ein neues Buch von ihm hin: Künstliche Intelligenz, Bewusstsein und Sprache. Derzeit ist er einer der Organisatoren der diesjährigen MinD-Akademie „Freiheit und Grenzen“.

Für die 130 Seiten seines neuen Buchs habe ich fünf Abende gebraucht, ich glaube nicht, dass ich alles verstanden habe. Das Niveau ist sehr hoch, ich würde sagen, dass man es, wenn er es noch ein wenig „aufbrezelt“, als Dissertation auf dem Gebiet der Philosophie des Geistes anerkennen könnte. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er eigentlich auf einem ganz anderen Gebiet arbeitet.

Der Untertitel des Buchs verrät Genaueres über den Inhalt: „Das Gedankenexperiment des Chinesischen Zimmers“. Die Philosophie des Geistes beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen den geistigen bzw. mentalen Zuständen, die aus der Erste-Person-Perspektive erlebt werden, und den körperlichen Zuständen, die einer objektivierbaren Messung zugänglich sind, also kurz mit dem Leib-Seele-Problem.
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Freier Wille

22. August 2009 Keine Kommentare

Ich habe mich in den letzten Jahren wiederholt mit diesem Thema beschäftigt und mir in dieser Zeit eine inzwischen hoffentlich konsistente Meinung gebildet. Der folgende Beitrag entstand anlässlich der Diskussion in einem Forum und stellt eine Zusammenfassung meiner Überlegungen dar:

Die zwei größten Rätsel der Realität sind die nach der Existenz der Welt und der Natur unseres Bewusstseins. (Es gibt einige große Denker, die der Meinung sind, diese beiden Fragen seien nicht voneinander zu trennen (z.B. John Wheeler), aber das führt zu weit weg und zu tief in die Metaphysik und soll deshalb hier nicht weiter thematisiert werden.)

Das Leib-Seele-Problem ist die zentrale Frage der Philosophie des Geistes. Da heutzutage der Begriff der Seele wegen seiner religiösen Konnotation etwas aus der Mode gekommen ist, findet man häufig auch etwas andere Bezeichnungen, aber am Kern des Problem ändert das nichts: Welcher Zusammenhang besteht zwischen unserem phänomenalen Erleben (dem Erleben von Phänomenen) und den auch von Außenstehenden beobachtbaren physikalischen, chemischen und biologischen Vorgängen?
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Geert Keil: Willensfreiheit

2. November 2008 2 Kommentare

In der Einleitung zeigt Keil zunächst, wie verschieden der Begriff der Freiheit verwendet werden kann. Diese Klarstellung ist auch notwendig, um den Begriff der Willensfreiheit davon zu separieren, denn dieser ist im Unterschied zur „normalen“ Freiheit ein rein philosophischer Begriff. Später im Buch erweist sich der naive Umgang mit diesen Begriffen im Alltag zutreffender als in manchen Auffassungen („Doktrinen“) der Philosophie (und in den Neurowissenschaften):

Um die verschieden Arten und vielleicht auch Begriffe der Freiheit zu sortieren, empfiehlt es sich zu fragen, wer oder was jeweils frei genannt wird, wovon jemand frei ist und wozu. Wer oder was ist frei? Im Falle der Willensfreiheit wird der Wille einer Person „frei“ genannt, im Fall der Handlungsfreiheit ihr Handeln. Alternativ und vielleicht angemessener lässt sich die Person selbst als wollende oder handelnde als das Subjekt der Freiheit auffassen. Wovon ist die Person frei und wozu? Diese Doppelfrage verweist auf die Unterscheidung ziwschen negativer und positiver Freiheit. Als negative Freiheit wird die Freiheit von etwas bezeichnet. Straffreiheit, Steuerfreiheit, Sorgenfreiheit oder Schmerzfreiheit sind negative Freiheiten. Positive Freiheiten sind Freiheiten zu etwas. Politische Freiheiten wie Reisefreiheit, Niederlassungsfreiheit, Versammlungsfreiheit sind Beispiele dafür. … Auf den zweiten Blick ist der Unterschied weniger klar als die „von“- und „zu“-Redeweisen nahelegen. Ist die Pressefreiheit die Freiheit, zu drucken, was man will, oder die Freiheit von Zensur? Offenbar drückt die von/zu-Unterscheidung eher eine Perspektivendifferenz aus als zwei wohlunterschiedene Arten von Freiheit. An einer Handlung lassen sich sowohl ihr positives Ziel als auch die abwesende Hinderung hervorheben.

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Josef Fritzl, Willensfreiheit und Menschenwürde

25. Mai 2008 Keine Kommentare

Im Spiegel Nr.19 vom 5.5. finden sich ein Artikel über Josef Fritzl und im Anschluss ein weiterer mit dem Titel „Von Menschen und Monstern“. Darin wird u.a. über den aktuellen Stand der Neurowissenschaften zum „freien Willen“ berichtet. (Haben Täter überhaupt die Möglichkeit, sich anders zu entscheiden, als sie es getan haben, oder wurden sie von ihrem „kranken“ Gehirn zu ihrer Tat getrieben?) Die These des fehlenden freien Willens wird u.a. von Wissenschaftlern wie Wolf Singer und Gerhard Roth vertreten. Gegenpositionen stammen u.a. von Jürgen Habermaas. Dieser zitiert John Searle: „Das Geistige ist ein so kostspieliger Teil unseres Lebens, dass es sich damit so anders verhielte als alles, was wir von der Evolution wissen, wenn ein Phänotyp dieser Größenordnung überhaupt keine funktionelle Rolle im Leben und für das Überleben des Organismus spielen würde.“ Die heutige Rechtssprechung geht von einer prinzipiellen Schuldfähigkeit des Menschen aus. Bei solchen Verbrechen wie dem von Josef Fritzl werden dann psychiatrische Gutachten in Auftrag gegeben. Übliches Ergebnis: Wer sich im übrigen, nicht tatbezogenen, sozialen Leben „normal“ verhält, ist schuldfähig.

Was mich in dem oben erwähnten Artikel beschäftigt hat, ist das folgende Zitat:

Für eine Studie hat Kröber mal die Seiten Hunderter Gutachten auszählen lassen: Die mit „voll schuldfähig“ endeten, fielen deutlich länger aus als solche, die den Täter für unzurechnungsfähig erklärten. „Das Freisprechen von Schuld fällt in der Regel leichter als das Zusprechen.“ In Wahrheit jedoch beinhalte der moralische Freispruch das härtere Urteil: „Wenn ich einem Menschen die Verantwortung über sich selbst abspreche, raube ich ihm seine Würde. Er ist kein Bürger mehr mit allen Rechten. Er ist nicht mehr satisfaktionsfähig; andere können über ihn bestimmen“ – und zwar auf unbestimmte Zeit.

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Der freie Wille zum Ersten, zum Zweiten, …

15. April 2008 Keine Kommentare

Je mehr ich über den freien Willen lese und darüber nachdenke, desto weniger verstehe ich die Probleme, vor denen die Neurowissenschaft zu stehen meint. Im Spiegel wird die x-te Studie zitiert: Studie nährt Zweifel an freiem Willen. der Neuigkeitswert besteht darin, dass entsprechende unbewusste Denkprozesse im Gehirn jetzt nicht mehr 500 Millisekunden, wie seinerzeit von Benjamin Libet, sondern ganze 7 Sekunden vor dem Zeitpunkt gemessen wurden, die die Versuchspersonen selbst als den Zeitpunkt ihrer Entscheidung angegeben haben:

Lange bevor wir glauben, eine bewusste Entscheidung zu fällen, sind bereits an der Entscheidung beteiligte Hirnregionen aktiv, haben sie herausgefunden. Die Forscher waren sogar in der Lage, vorauszusagen, welche Entscheidung ein Proband treffen würde – mehrere Sekunden vor dem Zeitpunkt, zu dem er sich selbst darüber bewusst war.

Im Durchschnitt berichteten die Studienteilnehmer, dass sie die Entscheidung, welche Hand sie benutzen, innerhalb einer Sekunde vor dem Drücken gefällt hätten. Durch Messungen der Aktivität im frontopolaren Cortex, einer Region im vorderen Hirnbereich, konnten die Wissenschaftler aber schon sieben Sekunden vor dieser bewussten Entscheidung vorhersagen, welche Hand die Testperson einsetzen würde.

„Die Frage nach der Willensfreiheit ist nicht endgültig beantwortet“, erklärte Haynes. Bei den Stoffwechselvorgängen handle es sich um eine unbewusste Planung einer bewussten Entscheidung. Unklar sei, ob sich der Mensch nach der Planung noch umentscheiden kann. „Ich halte einen Eingriff des freien Willens für unplausibel“, sagte Haynes.

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