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Artikel Tagged ‘Blackmore’

Freier Wille

22. August 2009 Keine Kommentare

Ich habe mich in den letzten Jahren wiederholt mit diesem Thema beschäftigt und mir in dieser Zeit eine inzwischen hoffentlich konsistente Meinung gebildet. Der folgende Beitrag entstand anlässlich der Diskussion in einem Forum und stellt eine Zusammenfassung meiner Überlegungen dar:

Die zwei größten Rätsel der Realität sind die nach der Existenz der Welt und der Natur unseres Bewusstseins. (Es gibt einige große Denker, die der Meinung sind, diese beiden Fragen seien nicht voneinander zu trennen (z.B. John Wheeler), aber das führt zu weit weg und zu tief in die Metaphysik und soll deshalb hier nicht weiter thematisiert werden.)

Das Leib-Seele-Problem ist die zentrale Frage der Philosophie des Geistes. Da heutzutage der Begriff der Seele wegen seiner religiösen Konnotation etwas aus der Mode gekommen ist, findet man häufig auch etwas andere Bezeichnungen, aber am Kern des Problem ändert das nichts: Welcher Zusammenhang besteht zwischen unserem phänomenalen Erleben (dem Erleben von Phänomenen) und den auch von Außenstehenden beobachtbaren physikalischen, chemischen und biologischen Vorgängen?
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Der dritte Replikator

21. Januar 2009 Keine Kommentare

Beim Lesen von Susan Blackmores Buch Die Macht der Meme war für mich eine Idee mehr als nahe liegend, die sie aber im Buch nicht selbst geäußert hatte:

Gene und Meme sind die zwei uns heute bekannten Replikatoren, also zwei Ausprägungen eines evolutionären Prinzips. Gibt es weitere Replikatoren? Was passiert, wenn wir Roboter geschaffen haben, die a) sich selbst replizieren können und b) über von ihnen weitergegebbare Gedanken (=Meme) verfügen? Die Meme könnten zur Erkenntnis gelangen (ohne dabei selbst intentional oder bewusst zu sein), dass die Existenz von Genen für ihre eigene Existenz dann nicht mehr notwendig ist, weil die neuen Replikationsmaschinen für sie effektiver sind (mehr Speicher, schneller, weniger anfällig).

In diesem Spiegelartikel, der eine Übersetzung aus der Internetzeitung Edge ist, äußert sie sich nun selbst zu dieser Idee. Sie schlägt für die neuen Replikatoren (die vorhandenen sind die Gene und die Meme) alternativ die Begriffe Teme (technische Meme) oder Treme (tertiäre Meme) vor. Und sie hat offenbar Angst vor den Maschinen und deren Evolution:
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Susan Blackmore: Die Macht der Meme

20. September 2008 Keine Kommentare

Von Memen hatte ich schon öfter gehört. Also von der These, Gedanken und Ideen würden in menschlichen Gehirnen und der Gesellschaft ähnlich wie Gene in allen Lebewesen von Generation zu Generation übertragen werden, sich dabei verändern, ausbreiten oder aussterben. Ich hielt es für eine reine Analogie, die, aufgrund der doch beträchtlichen Unterschiede zur biologischen Evolution, nur begrenzten Nutzen hat. Susan Blackmores Buch hat meine Vorbehalte zu einem großen Teil beseitigt.

Die Idee der Meme stammt von Richard Dawkins und wurde von ihm erstmalig 1976 in „Das egoistische Gen“ geäußert.

Er vermutet, dass sich „alles Leben“, wo auch immer es auftritt, überall im Universum „durch den unterschiedlichen Überlebenserfolg sich replizierender Einheiten entwickelt“ (1976). Das ist die Grundlage der These vom universellen Darwinismus, der Anwendung darwinistischen Denkens weit über die Grenzen biologischer Evolution hinaus.

Schließlich stellt Dawkins eine auf der Hand liegende, doch provokative Frage. Gibt es auf unserem Planeten noch irgendwelche anderen Replikatoren? Die Antwort, so behauptet er, lautet „ja“. Direkt vor unserer Nase gibt es einen weiteren Replikator, wenn auch noch unbeholfen in seiner Ursuppe der menschlichen Kultur treibt – eine Imitationseinheit.

Als Beispiel führt er „Melodien, Gedanken, Schlagwörter, Kleidermoden, die Art, Töpfe zu machen oder Bögen zu bauen“ an. Er verweist auf wissenschaftliche Ideen, die sich durchsetzen und sich rund um die Welt verbreiten, indem sie von Gehirn zu Gehirn springen. Er bezeichnet Religionen als Memgruppen mit hohem Überlebenswert, die ganze Gesellschaften mit einem Glauben an Gott oder ein Leben nach dem Tod infizieren. … Meme werden im menschlichen Gehirn (oder in Büchern oder Erfindungen) gespeichert und via Imitation weitergegeben.

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Susan Blackmore: Gespräche über Bewusstsein

11. März 2008 Keine Kommentare

Ich habe schon einige Bücher zu Themen wie Bewusstsein, Willensfreiheit, philosophische Zombies gelesen, die meisten verfasst von Wissenschaftlern, die auf diesem Gebiet arbeiten (Christof Koch, John R. Searle, Gerald Edelman, Benjamin Libet). Beim Lesen von Susan Blackmores Buch ist mir bewusst geworden, warum ich dabei so wenig Klarheit gewonnen habe. Der Text auf dem hinteren Einband bringt das Phänomen auf den Punkt:

Susan Blackmore „Glauben Sie, einen freien Willen zu haben?“
Patricia Churchland „Sicher nicht, wenn Sie damit meinen, dass meine Entscheidungen nicht verursacht sind.“
John Searle „Tja, in diesem Punkt habe ich gar keine Wahl!“
Roger Penrose „Ich weiß es nicht.“
Daniel Dennet „Ja.“

Das heißt, wenn N Menschen auf dem Gebiet der Erforschung des Bewusstseins arbeiten, dann gibt es mindestens N+1 Theorien gleichzeitig, weil jeder der Beteiligten eine andere Meinung vertritt und mindestens einer zum aktuellen Zeitpunkt gerade eine neue Theorie entwickelt, die mit seiner zuvor vertretenen inkompatibel ist.
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