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Pastafarianismus

In meinem Heimatort gibt es verschiedene Kirchen, außer natürlich den Katholiken und Protestanten, auch die Neuapostolischen und die Sieben-Tages-Adventisten. Sogar einen Königreichsaal der Zeugen Jehovas haben wir hier. So kam das Gespräch gestern Abend unweigerlich auch auf den Pastafarianismus, der Religion, der ich am ehesten zugeneigt bin.

Fliegendes Spaghetti-Monster

😉

Deutschland (bzw. Österreich) ist definitiv kein säkularer Staat, was man zum Beispiel an der folgenden Geschichte erkennen kann: Ein Pastafari hatte in Österreich einen Antrag auf einen Führerschein gestellt und auf dem geforderten Foto die Kopfbedeckung getragen, die seiner Religion entspricht – ein Nudelsieb:

Der Unternehmer und bekennende Atheist Niko Alm hatte vor drei Jahren einen dementsprechenden Antrag gestellt, der vor wenigen Tagen von der Polizei bewilligt wurde. Da Kopfbedeckungen aus religiösen Begründungen auf Lichtbildausweisen akzeptiert werden, habe er es mit seiner Zugehörigkeit zum „Pastafarianismus“ begründet, so Alm am Dienstag.

Bereits 2008 stellte Alm den Antrag auf Ausstellung eines Scheckkarten-Führerscheins. Die Idee zur ungewöhnlichen Kopfbedeckung sei ihm gekommen, als ihm eine Broschüre des früheren Verkehrsministers Hubert Gorbach in die Hand fiel. Dort habe es geheißen, niemand dürfe mit Kopfbedeckung aufs Foto – außer eben einer „konfessionellen“. Alm fotografierte sich – passend zu seiner Angehörigkeit zu den „Pastafari“ – mit einem Nudelsieb auf dem Kopf und übergab dies persönlich einem Beamten. Auch bei der Übergabe trug er ein Sieb auf dem Haupt. „Der hat nichts gesagt.“

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In Deutschland (bzw. Österreich) werden die Religionen unterschiedlich behandelt, wobei in dieser Ungleichbehandlung keinerlei Logik zu erkennen ist. Gegen Kreuze in Klassenzimmern kann man nichts machen, das Tragen eines Kopftuchs aus religiösen Gründen als Lehrerin wird hingegen verboten – und wenn man ein Nudelsieb tragen möchte, wird man zum Amtsarzt bestellt:

Alms ungewöhnlicher Antrag fiel den Behörden schließlich doch noch auf. Via Telefon sei er informiert worden, dass sein Führerscheinfoto so nicht möglich sei. Der Unternehmer verlangte daraufhin einen schriftlichen Bescheid, bekam stattdessen aber eine Vorladung zum Amtsarzt. Dieser musste schließlich feststellen, dass Alm „psychisch befähigt“ sei, ein Auto lenken.

Ich benötige eigentlich auch einen Führerschein, denn ich besitze bisher nur die (zwar immer noch gültige) DDR-Fahrerlaubnis. Aber mit Nudelsieb auf dem Kopf befürchte auch ich eine Verfolgung durch die Behörden und Diskriminierung aus religiösen Gründen. So bleibe ich wohl besser weiter ein Pastafari-Schläfer.

KategorienPolitik, Religion, Skeptizismus Tags:
  1. 16. November 2011, 10:35 | #1

    Köstlich – auch ohne Sauce!
    Auch immer wider schön: Fahrerlaubnis vs Führerschein.

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