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Paradoxa

Ein Paradoxon, das ich im Metamagicum gefunden habe:

Protagoras hatte mit Euathlos vertraglich vereinbart, ihn in Rhetorik zu unterrichten, damit er Rechtsvertreter werden konnte. Euathlos bezahlte zunächst nur die Hälfte des reichlichen Honorars, und sie einigten sich darauf, daß dessen zweiter Teil fällig würde, sobald Euathlos seinen ersten Prozeß vor Gericht gewonnen hätte. Nach geraumer Zeit indessen hatte Euathlos noch immer nicht mit seiner Tätigkeit begonnen. Protagoras, der sich Sorgen um seinen Ruf machte und zudem sein Geld haben wollte, beschloß, vor Gericht zu gehen. Dort argumentierte er folgendermaßen:

Euathlos behauptet, er brauche mir nichts zu zahlen, aber das ist absurd. Denn angenommen, er gewinnt diesen Prozeß. Da es sein allererster Auftritt vor Gericht ist, müßte er in dem Fall zahlen, weil er seinen ersten Prozeß gewonnen hat. Angenommen andererseits, er verliert den Prozeß. Dann müßte er zahlen, weil das Gerichtsurteil so lautet. Da er nicht anders kann, als den Prozeß zu gewinnen oder zu verlieren, muß er mir das Geld zahlen.

Euathlos war ein guter Schüler gewesen und konnte dem Protagoras mit gleicher Argumentations-Münze heimzahlen:

Protagoras behauptet, ich müsse ihm das Geld zahlen, aber gerade das ist absurd. Denn angenommen, er gewinnt diesen Prozeß. Da ich dann meinen ersten Prozeß nicht gewonnen habe, brauche ich ihm – so lautet unsere Vereinbarung – nichts zu zahlen. Angenommen andererseits, er verliert den Prozeß. Dann brauche ich ihm nichts zu zahlen, weil das Gerichtsurteil es so bestimmt. Da er nicht anders kann, als den Prozeß zu gewinnen oder zu verlieren, brauche ich ihm nichts zu zahlen.


Ein zweites Fast-Paradoxon ist mit den verschiedenen physikalischen Weltbildern verbunden:

Geht die Sonne am Morgen auf? In der Umgangssprache benützen wir diesen geozentrischen Satz zu 99 Prozent, und geozentrische Bilder bestimmen unser Denken. Dennoch wissen wir alle, daß die „Wahrheit“ anders ist: In Wirklichkeit dreht sich die Erde um ihre Achse, so daß die Bewegung der Sonne nur eine scheinbare ist. Vielleicht wird es den Leser überraschen zu hören, daß die allgemeine Relativitätstheorie alle Koordinatensysteme für gleich gültig erklärt – inklusive jenes, das alle Bewegung auf eine ruhende, nicht rotierende Erde bezieht. Dadurch sagt Einstein, daß Kopernikus und Galilei letzten Endes nicht mehr Recht hatten als Ptolemäus und der Papst. Für jeden von uns gibt es sogar ein physisch gültiges „egozentrisches“ Koordinatensystem, in dem ich ruhend bin und alles sich relativ zu mir bewegt!

Ich muss hier aber erstmal schlussmachen und sich den Zooladen auf mich zubewegen lassen, denn ich benötige noch Fischfutter, und die Läden schließen gleich.

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