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Ostrock

Gestern waren wir zu einem gemeinsamen Konzert der Gruppen Puhdys, Karat, City, Renft und Rockhaus. Allen diesen Gruppen ist gemeinsam, dass ihre aktivste Zeit in den 70er und 80er Jahre in der DDR lag. Die älteste dieser Bands ist Renft, die 1958 gegründet und 1975 verboten wurde. Rockhaus ist die jüngste, die erst 1978 gegründet wurde. Mit Ausnahme von Renft gibt es die anderen in geänderten Besetzungen heute noch.

Mein Verhältnis zu diesen Gruppen (und sicher das vieler anderer) war als Jugendlicher ambivalent: Die DDR-Oberen legten auf deutschsprachige und nicht allzu kritische Titel wert, sodass man eher mit seinem Kassettenrekorder am Westradio hing und sich seine Musik von dort saugte. Bei den englischsprachigen Liedern fiel die Seichtheit der Texte nicht so auf. Heute sieht das Verhältnis zu den alten Ostgruppen anders aus, die Lieder von damals sind jetzt für mich Ohrwürmer, die wehmütige Erinnerungen an die alte Zeit hervorrufen. Auch der Hintersinn vieler Texte erschließt sich erst im jahrzehntelangen Abstand.

Vielleicht das bekannteste Lied der Puhdys ist „Alt wie ein Baum“:

Das ist eine Liveaufnahme von 1999, inzwischen sind die Bandmitglieder nochmals 13 Jahre älter. Hier eine Aufnahme von einer Original-LP. Die Band gibt es seit 43 Jahren. Ihren Traum, einmal gemeinsam mit den Rolling Stones in Peking aufzutreten, konnten sie sich bisher nicht erfüllen. Von den Puhdys stammt auch die Filmmusik zu einem der schönsten DDR-Filme, Die Legende von Paul und Paula, darunter das Lied Wenn ein Mensch lebt. Mein Link führt auf ein Video von 1977.

Die zweite Gruppe gestern Abend war Karat. Im Dezember 2004 ist der Sänger Herbert Dreilich gestorben. Hier ein Live-Mitschnitt vom „Schwanenkönig“, es singt Dreilichs Sohn Claudius:

Dieses Lied ist nicht so bekannt wie Über sieben Brücken musst du gehen, das auch von Peter Maffay gecovert wurde. Im verlinkten Video singt noch Herbert Dreilich.

Das bekannteste Lied der nächsten Gruppe, City, ist zweifellos „Am Fenster“, das es in verschiedenen und unterschiedlich langen Versionen gibt. Hier habe ich zur Abwechslung ein Audiooriginal verlinkt:

Der Gitarrist ist Tony Krahl, der Violinist Georgi Gogow. Hier eine halbwegs aktuelle Liveaufnahme.

Zwischen den Auftritten der alten Rockgruppen kamen gestern Abend mehrfach die Sänger von Musix auf die Bühne, um a capella einige alte Stücke zu singen, unter anderem ein Lied von Silly, Mont Klamott. Irgendwie finde ich, dass auch Silly es wert ist, hier verlinkt zu werden:

Auch Tamara Danz ist inzwischen gestorben, und, für viele überraschend, hat die Band mit Anna Loos eine neue Sängerin gefunden, der die Schuhe von Tamara Danz nicht zu groß sind. Vielleicht auch, weil sie einen eigenen Stil der Interpretation der alten Lieder gefunden hat. Hier ein Link.

Die letzte Band, über die ich schreiben will, ist Renft. (Rockhaus lasse ich weg, das ist nicht meine Zeit und nicht mein Geschmack.) In meiner Jugendzeit habe ich von Reft nichts gewusst – sie waren schon verboten, als ich in die Pubertät kam. Das erste Mal habe ich von ihnen während meiner Armeezeit erfahren, als in der Kaserne unter der Hand eines der verbotenen Alben von Renft kreiste. Und – eine der Unbegreiflichkeiten der DDR-Zeit – Karussell in der Kaserne auftrat, die Nachfolgeband von Renft. Vielleicht das bekannteste Lied von Karussell ist Wer die Rose ehrt. Zum Abschluss das Lied „Apfeltraum“ von Renft, hier in einer aktuellen Version:

Hier noch eine Original-LP-Version.

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