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Nicologic

Vor etwa zwei Wochen bin ich auf die Seite http://www.nicologic.fr/ gestoßen, auf der „IQ-Tests“ zu finden sind und online absolviert werden können. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Test, die sich mit der Erkennung von Bilddetails und dem räumlichen Vorstellungsvermögen beschäftigen. Die Tests sind kulturfrei, insofern als sie als reine Matrizentests keine sprachlichen Aufgaben enthalten. (Eigentlich ist ja Nicologic eine französische Seite.) Eine typische Aufgabe sieht so aus:

Hier soll in der linken 3×3-Matrix das Symbol rechts unten ergänzt werden, zur Auswahl stehen 6 Vorschläge auf der rechten Seite. Man kann dann unter der Grafik für seine Lösung einen der Knöpfe „A“ bis „F“ anklicken.

Die Tests sind von unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Die leichteren sollen den Bereich zwischen 80 und 135 abdecken, die schweren gehen bis 180. Leider bekommt man den Autor der Seite nicht heraus und es fehlen auch einige erklärende Worte zu seiner Motivation und zu seinem Fachwissen auf diesem Gebiet. Natürlich können solche Tests aus verschiedenen Gründen keine IQs von 180 messen. Offizielle deutsche Tests (und in Frankreich dürfte es nicht anders sein) können nicht weiter als bis 145 messen, für mehr reichen die Probandenzahlen nicht, mit denen solche Tests kalibriert werden, und die Aussagekraft noch höherer Werte ist, vorsichtig formuliert, in der Fachwelt sehr umstritten. Amerikanische Tests gehen bis etwa 160/165, mehr ist auch dort Kaffeesatzleserei.

Aber wenn man das Ganze nicht so ernst nimmt, dann sind die Aufgabensammlungen recht unterhaltsam und man bekommt auch einige neue Aufgabentypen zu sehen. Interessant fand ich z.B. die Arrow-Tests. Eine typische Aufgabe aus einem der Arrow-Tests sieht z.B. so aus:

Hier passt einer der fünf Doppelblöcke nicht zu den anderen, diesen soll man genau wie bei der oben stehenden Aufgabe durch Drücken eines der 5 Knöpfe markieren. Dazu muss man zuvor die Bedeutung des Pfeils in der oberen Reihe verstehen.

Der Autor der Seite will die Tests grob anhand einiger Probanden mit bekannten IQs kalibriert haben. Zumindest in dem Bereich zwischen 130 und 145 könnte diese Aussage stimmen. Ich habe nämlich ein paar der Tests probeweise absolviert, hier meine Testergebnisse. Wenn ich nicht müde und schläfrig war, bin ich auf meine „normalen“ Werte gekommen. Der eine 160er Ausreißer nach oben erklärt sich dadurch, dass ich diesen Testblock offline mit meiner Frau zusammen gemütlich auf dem Sofa sitzend gemacht und die Ergebnisse erst später eingetragen habe.

An diesem Tag waren wir bis gegen elf Uhr abends zu einem Diavortrag gewesen und wollten eigentlich danach nur noch einen kleinen Absacker trinken, als der Blick meiner Frau auf die Aufgaben fiel. Danach hat sie nicht mehr locker gelassen, bis wir, es war schon fast eins, alle Lösungen durchdiskutiert hatten. Das illustriert auch sehr schön, was der IQ aussagt: Das „Sehen von Zusammenhängen“ in begrenzter Zeit. Man kann einen geringeren IQ durch mehr Zeit, Fleiß und systematisches Vorgehen in einem weiten Bereich kompensieren. Ein solcher kombinierter „Messwert“ würde sicher mehr über den wahrscheinlichen (beruflichen) Erfolg eines Menschen aussagen, denn hier würden nicht nur Veranlagung, sondern auch Durchhaltevermögen und Wissen gemessen.

Das ist so eine Aufgabe, bei der wir die Lösung nicht mehr „gesehen“, aber mit etwas mehr Zeit dann doch noch gefunden haben, weil sie uns solange keine Ruhe gelassen hat. Der blaue und weiße Streifen bewegen sich durch den Stapel und verdrängen dabei jeweils die drei andersfarbigen. Diese wiederum rotieren an ihren Plätzen. Was ich an solchen Aufgaben erstaunlich finde – dass es tatsächlich Menschen gibt, die solche Lösungen praktisch sofort oder innerhalb weniger Sekunden „sehen“. Sie leben in derselben Welt, aber diese sieht für sie ganz anders aus. Ob es sich so aber besser oder schlechter lebt – ich weiß es nicht. Und wenn man sie fragen würde, sie könnten es einem nicht vermitteln.

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