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Newcombs Paradoxon

In „Hohe Luft“ 1/2015 habe ich einen alten Bekannten wiedergefunden: Newcombs Paradoxon. In dem Artikel wird es wie folgt beschrieben:

Nehmen wir einmal an, vor Ihnen stehen zwei Kisten. In Kiste A befinden sich 1000 Euro, in Kiste B eine Million Euro oder nichts. Stellen Sie sich nun außerdem vor, es gäbe ein Wesen, das die Fähigkeit besitzt, Entscheidungen vorauszusehen. Sie haben nun zwei Möglichkeiten: Entweder Sie wählen Kiste B oder beide Kisten. Wenn das Wesen voraussieht, dass Sie Kiste B wählen werden, so wird es eine Million Euro darin deponieren. Sieht es allerdings voraus, dass Sie beide Kisten wählen, wird das Wesen nichts in Kiste B legen. Das Wesen entscheidet nach seiner eigenen Vorhersage über den Inhalt von Kiste B. Nachdem das Wesen Kiste B gefüllt oder nicht gefüllt hat, dürfen Sie wählen. Was tun Sie?

ich habe mich bereits hier damit beschäftigt. Psychologen haben die Aufgabe vielen Menschen zur Entscheidung vorgelegt, es gibt zwei verschiedene Handlungsmöglichkeiten, so wie damals in meinem Artikel beschrieben. Folglich schließt sich jeder Mensch einer der beiden folgenden Gruppen an:

  • Die erste Gruppe ist der Meinung, dass der Inhalt der Boxen zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung bereits feststeht und es folglich das Beste ist, beide zu öffnen. Das Geld der ersten Box ist sicher und man bekommt es zusätzlich zum eventuell vorhandenen der zweiten.

  • Die zweite Gruppe lässt die erste Box in Ruhe, weil sie der Meinung ist, ihre Entscheidung zum Öffnen in der Gegenwart würde die Befüllung der zweiten Box in der Vergangenheit ändern.

Das Neuartige an dem Artikel in „Hohe Luft“ ist nun, wie es die Autorin, Christina Geyer, interpretiert:

Hängt die Rationalität unserer Handlungen davon ab, woran wir glauben? Ja, meinte der Physiker William Newcomb.

Wie auch immer Sie entscheiden: Rational ist Ihre Wahl immer dann, wenn Sie Ihrer Überzeugung entsprechend handeln. Wenn Sie an die Fähigkeiten des Wesens glauben, wäre die Entscheidung für beide Kisten irrational. Umgekehrt wäre es das genauso, wenn Sie nur Kiste B wählen, obwohl Sie an den Fähigkeiten des Wesens zweifeln. Sollten Sie irren, würde das Wesen Ihre Entscheidung ohnehin vorausgesehen und Kiste B leer gelassen haben. Aber immerhin – Sie wüssten dann, dass es Wesen gibt, die in die Zukunft sehen können.

Mich stören an ihrem Text zwei Aussagen:

  1. Kann ich eine Handlung rational nennen, wenn sie von einem Glauben abhängt? Welche Belege gibt es denn dafür, dass es Wesen gibt, die wahlweise entweder in die Zukunft sehen oder alternativ dazu die Vergangenheit ändern können?

  2. Woher will ich wissen, dass, wenn ich beide Kisten geöffnet habe und eine davon leer ist, das Wesen über die entsprechenden Fähigkeiten verfügt hat? Genau das behauptet die Autorin ja in ihrem letzten Satz. Es wäre aber ebenso gut möglich, dass das Wesen entweder eine psychologisch zutreffende Annahme über mein Verhalten getroffen oder einfach nur geraten hat.

An diesem Paradoxon haben sich schon viele abgearbeitet, wie üblich bei Paradoxa beginnen die Lösungsversuche vernünftig, driften dann jedoch zum Ende skurril ab. Der oben bereits verlinkte Wikipediaartikel enthält in den Links am Ende zwei schöne Beispiele:

Link1:

Somit scheint es mir unter diesen Prämissen sowie gemäß Hubins & Ross‘ obiger Ausdifferenzierung des Newcomb-Dilemmas für alle Trotzwesen rational zu sein beide Boxen an sich zu nehmen.

Link2:

Somit ist abschließend festzustellen, daß eine rationale Lösung des Newcombs Problem darin besteht, sich den Plan zu machen nur die zweite Box zu nehmen, sich dann aber endgültig doch für beide Boxen zu entscheiden, da man dadurch rational handelt und dies einem den besten Nutzen einbringt.

Mein rationaler Lösungsvorschlag sieht so aus: Ich warte mit meiner Entscheidung so lange, bis ein Wesen (es darf auch ein Mann oder eine Frau sein) mir zwei Kisten vor die Füße stellt und mich die Kisten öffnen lässt. Denn bis jetzt steht der Beweis noch aus, ob es das Wesen und seine beiden Kisten überhaupt gibt. Wenn wir für das Wesen Russels Teekanne einsetzen, erkennen wir nämlich die eigentlich Ursache des Paradoxons: Wenn etwas nicht existiert (das Wesen hier, die Teekanne bzw. Gott für Russell), dann hat es auch keine Eigenschaften. Oder man kann welche konstruieren, die mit der (tatsächlich existierenden) Realität im Widerspruch stehen.

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