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Nach dem Universitätsmassaker

Nach dem Universitätsmassaker in den USA geht dort die immer gleiche Diskussion der Waffenbefürworter und der Waffengegner wieder los, ein für europäische Beobachter sehr unverständlicher Streit. Interessant sind eher ein paar eher an der Peripherie liegende Fragen und Beobachtungen. Zum Beispiel ist es doch interessant zu wissen, dass der Prozentsatz privater Waffen im unmittelbar an die USA grenzenden Kanada nicht wesentlich geringer ist, dort aber weit weniger derartiger Fälle bekannt geworden sind. Was machen die Kanadier (bei ziemlich ähnlicher Mentalität) anders? Bemerkenswert auch der Telepolisartikel Die Deutschen rüsten sich auf:

Natürlich rangieren die USA sowohl beim privaten Waffenbesitz als auch bei der Zahl der damit Getöteten weit vor den europäischen Ländern. In den USA sind im Jahr 2000 über 30.000 Menschen (11,3 von 100.000) mit Handfeuerwaffen (Unfälle eingeschlossen) getötet worden (das National Center for Injury Prevention and Control gibt für das Jahr 2000 28.663 Tote durch Schusswaffen und ein Verhältnis von 10,41 auf 100.000 an), in Deutschland beispielsweise 1.201 (1,5 von 100.000) oder in Frankreich 2.964 (5 von 100.000). Damit erreicht der private Waffenbesitz in diesen beiden Ländern etwa 50 Prozent des US-Niveaus. Die Deutschen scheinen jedoch weiter aufzuholen und kaufen derzeit ebenso viele Waffen pro Kopf wie die Amerikaner: pro Jahr werden in Deutschland eine Million Pistolen und Gewehre verkauft.


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Je mehr Waffen in Privathaushalten verfügbar sind, desto mehr Menschen nehmen sich das Leben. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie, die Wissenschaftler der Harvard School of Public Health durchgeführt haben.

Das Ergebnis: In den 15 Staaten mit den höchsten Waffenbesitzquoten haben demnach doppelt so viele Menschen Selbstmord begangen wie in den sechs Staaten mit der niedrigsten Waffenquote.

Die Hauptgefahr beim privaten Waffenbesitz besteht also für die Waffennarren selbst. Oder sollte man nicht besser Waffenidioten sagen? Das ist übrigens das beste Argument gegen die Waffenlobbyisten in den USA, die jetzt gern jedem Studenten eine Pistole in die Hand drücken würden – die Zahl der toten Studenten würde durch Selbstmorde stärker steigen als die Zahl der massakrierten Opfer sinken.

Aber man sollte bei allem kritischen Blick auf die Gepflogenheiten in den USA nicht vergessen, dass es wahrscheinlich in allen Ländern Dinge gibt, die Ausländern äußerst befremdlich vorkommen und am Verstand der dort Lebenden zweifeln lassen. Beispiele gefällig?

  • In Japan werden die vom Aussterben bedrohten Wale zu „wissenschaftlichen Zwecken“ gejagt – in praktisch jedem Restaurant kann man Walfleisch bestellen.
  • In Afrika werden aus Elefantenfüßen Souvenirs hergestellt.
  • In Saudi-Arabien dürfen Frauen keinen Führerschein machen.
  • In Frankreich werden lebenden Fröschen die Beine abgedreht.
  • Und nicht zu vergessen: Auf deutschen Autobahnen gibt es kein Tempolimit.

Man könnte nachrechnen, ob es bei uns im Straßenverkehr nicht mehr Opfer durch die Raserei als in den USA durch Schusswaffen gibt. Ich bin mir nicht so sicher, wer bei diesem besonderen „Fernduell“ gewinnt. Aber natürlich gibt es viele gute Gründe gegen ein Tempolimit, die sicher genauso „logisch“ wie die Argumente für den Walfang, die Elefantenjagd, das Froschessen und gegen den Frauenführerschein sind.

Kommentare

COMMENT:

Gregor Keuschnig 04/18/2007 10:52:30 AM
Tom Buhrow, der lange Jahre für die ARD in den USA war, bringt interessanterweise auch die Verbindung zwischen der Diskussion um Waffenbesitz und Tempolimit: Die Diskussion in den USA über dieses Thema ist ungefähr vergleichbar mit der deutschen Diskussion über Tempolimit auf Autobahnen. Es ist eine Art Kulturkampf…“ .

Und die anderen, von Dir genannten Beiospiele, zeigen schön wie unterschiedlich Kulturen sind.

Mich ekelt in dem Zusammenhang nur dieses Betroffenheitsgetue (bzw. das, was man davon hier mitbekommt) an.

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