Home > Alltag, Psychologie > Menschen und Maschinen

Menschen und Maschinen

Natürlich haben wir im Kollegen- und Bekanntenkreis über den Flugzeugabsturz in den französischen Bergen diskutiert. Die erste Vermutung über die Absturzursache war technisches Versagen. Die Reaktion meiner Bekannten war: „Es muss doch möglich sein, dass man den Bordcomputer ausschaltet und der Pilot das Flugzeug manuell sicher landet.“ Dann wurde gemeldet, dass wahrscheinlich der Co-Pilot den Absturz absichtlich herbeigeführt hat. Jetzt kam die gegenteilige Reaktion: „Warum sollte der Bordcomputer den Piloten die Möglichkeiten zum Eingreifen nicht entziehen dürfen? Der Computer könnte doch dann das Flugzeug sicher nach unten bringen.“

Auf meine Einwände, dass man hier jeweils das genau Entgegengesetzte fordert, wurde geantwortet: „Dann muss man eben vom Boden aus das Flugzeug übernehmen.“ Auch das ginge sicherlich, hier fiel mir aber sofort Stuxnet ein, der Computervirus, der vor einiger Zeit automatisch und von außerhalb die Kontrolle über iranische Atomanlagen übernommen hat. Man kann endlos Fälle konstruieren, die von den heutigen Vorschriften und Gepflogenheiten nicht erfasst werden und findet sicher für jeden Einzelfall eine spezielle Lösung – hinterher.

Viele Menschen fühlen sich unbehaglich, wenn sie sich einer Maschine anvertrauen müssen. Ich bin schon sehr gespannt, wie schnell sich automatisierte Autos durchsetzen werden. Die rechtlichen Hürden für ihre Genehmigung sind sehr hoch. Wer trägt die Verantwortung, wenn kein Fahrer das Steuer führt? Weil die Anforderungen des Gesetzgebers so hoch sind, werden in der Zukunft durch die Automaten weniger Unfälle passieren. Die Systeme werden rein statistisch sicherer sein, als wenn Menschen führen. Aber es werden trotzdem Unfälle passieren, nur eben andere als sie Menschen verursachen. Und dann wird man wieder dieselben Diskussionen haben: „Das wäre nicht passiert, wenn hier ein Mensch gelenkt hätte.“

An vielen Stellen haben wir die Verantwortung bereits an Maschinen abgetreten, Beispiele gibt es überall: Im Flugzeug ist es der Autopilot, der einen Großteil des Fluges selbstständig absolviert und die Piloten von Routine entlastet. Im Auto gibt es das Automatikgetriebe, den Tempomaten und das Abstandsradar. Die Maschine kennt ihren Zustand besser, als es der Mensch könnte und kann deshalb viel besser agieren. Das Licht wird automatisch eingeschaltet, das Navigationssystem leitet einen um Staus herum. Wenn das einmal nicht funktioniert, steht es in der Zeitung: „Fahrer XYZ wurde von seinem Navi in den Fluss dirigiert.“ Die Millionen Male, in denen es gut geklappt hat, kommen nicht in die Nachrichten.

Flugzeuge, Autos, Züge und andere Verkehrsmittel wären bereits heute sicherer, wenn es keine Piloten und Fahrer gäbe. Viele der Schwierigkeiten bei der Einführung des automatischen Autos beruhen ja nur darauf, dass der heutige Straßenverkehr auf den Menschen zugeschnitten ist (Verkehrszeichen, Ampeln) und die Automaten damit zurechtkommen sollen. Ein auf ihre Möglichkeiten angepasstes System (Magneten in der Straße, Funkzellen, Radar) wäre billiger, leistungsfähiger und störungsresistenter.

Trotzdem würde kaum jemand in ein Flugzeug, einen Zug oder Bus steigen, wenn erkennbar kein Mensch in der Führerkabine sitzt. Der Gedanke dahinter, dessen sich viele gar nicht bewusst sind: „Der da vorn hängt auch an seinem Leben und wird alles dafür tun, dass wir gut ankommen. Eine Maschine hängt nicht am Leben.“ Der Flugzeugabsturz und die vielen Selbstmordattentäter in den vergangenen Jahren zeigen, dass wir auch hier nur einer psychologischen Illusion erliegen.

Und was viele vergessen: Den Gegensatz zwischen Menschen und Maschinen / Computern gibt es so gar nicht, denn die Maschinen und Computer sind nichts anderes als ausgelagertes menschliches Wissen, verpackt in Geräte, die nicht ermüden, nicht abgelenkt werden, usw.

KategorienAlltag, Psychologie Tags:
  1. 28. März 2015, 01:11 | #1

    Lieber Köppnick,
    das sind in diesen Zeiten wohltuend unaufgeregte Gedanken, die dennoch nicht an Tiefgang missen lassen.
    Zum vorletzten Absatz habe ich eine Anmerkung: Bist Du mal in Nürnberg U-Bahn gefahren? Es ist tatsächlich zunächst ein mulmiges Gefühl, diese fahrerlosen Züge. Aber dem Anschein nach nur eine Frage der Gewöhnung …
    Beste Grüße
    Dave

  2. 3. April 2015, 14:14 | #2

    Danke für den Hinweis auf die Nürnberger U-Bahn. Ich wusste gar nicht, dass es dort einen führerlosen Betrieb gibt. „Führerlos“ und „Nürnberg“ passen überhaupt sehr gut zusammen, wenn du verstehst, was ich meine. 😉

  3. 6. April 2015, 12:39 | #3

    😉

  1. Bisher keine Trackbacks