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Kann man über seinen Schatten springen?

Gestern Abend habe ich in einen Spektrum-Epoche-Heft über China gelesen, woher der Ausspruch „Schmiergeld zahlen“ kommt. Im alten China wurde der Handel in einigen Städten von kriminellen Banden beherrscht. Wollte man mit seinem Karren ihr Gebiet passieren, musste man Schmiergeld zahlen. Mit diesem Geld wurde das (völlig überteuerte) Fett für die Lager bezahlt, obwohl die Achslager in den meisten Fällen überhaupt keine Schmierung nötig hatten. Diese schöne Geschichte ist mir heute anlässlich des Rücktritts von Wulff eingefallen, da wurde dann gleich das nächste Wortspiel gebraucht: Frau Merkel müsse über ihren eigenen Schatten springen, wenn sie Joachim Gauck nominiert, den sie aus parteitaktischen Gründen seinerzeit für Christian Wulff abgelehnt hatte. Pyhsikalisch ist es unmöglich, über den eigenen Schatten zu springen, denn in allen Situationen bewegt sich der Schatten schneller als man selbst. Wenn hier jemand eine Konstruktion weiß, in der es anders ist, lasse er es mich wissen.

Ein weiterer Gedanke ist mir durch den Kopf gegangen: Wozu brauchen wir eigentlich einen Bundespräsidenten? Wären nicht ein Kaiser oder König viel praktischer? Dann könnte man sich auch diese pseudodemokratische Wahl mit proporzigen Wahlleuten und dem dabei herausgeworfenen Geld sparen. Wenn ein Kaiser abdankt, dann tritt automatisch einer seiner Nachkommen den Posten an. Da in unserer heutigen Zeit immer noch eine große Sehnsucht nach Adelstiteln besteht, ist an Nachwuchs bei den Blaublütern meist kein Mangel. Hat sich die eine mit dem Auto um einen Brückenpfeiler gewickelt, der andere um seinen Verstand gesoffen oder geprügelt, stehen immer schon die nächsten Freiwilligen für die Schlagzeilen der Boulevardpresse bereit. Man bekommt einen Kaiser oder König auch nicht mit pösen, pösen Gerüchten aus dem Thronsessel vertrieben, denn dann tritt automatisch der Tatbestand der „Majestätsbeleidigung“ in Kraft und die Rübe des zu obertänigen Untertanen kommt ab. Das schafft klare Verhältnisse.

Und bis das Stadtschloss in Berlin wieder aufgebaut und sich ein teutscher Kaiser darin niedergelassen hat, tut es doch bestimmt auch eine Winkekatze als Grüßaugust am Fenster von Schloss Bellevue:

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