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Ist Pantheismus ein sinnvoller „Glaube“?

Wenn man im Pantheismus Gott als Synonym für die Natur verwendet, dann war das zu Zeiten von Spinoza oder Goethe eine sehr mutige Haltung. Spinoza ist ein Sephardim gewesen und auch Goethe war natürlich in einem christlichen Umfeld sozialisiert und lebte dort. Inzwischen sind unsere Kenntnisse aber weiter fortgeschritten.

Wenn man Natur und Gott synonym verwenden will, warum klingen dann die beiden Sätze trotzdem so unterschiedlich: „Ich erforsche die Naturgesetze“ vs. „ich erforsche die Gesetze Gottes“. Wenn jemand den zweiten Satz ausspricht, bekomme ich schon Angst um mein Leben. Er verheißt mir nichts Gutes.

Man kann der Natur zwei Eigenschaften unterstellen, die Gläubige auch Gott zugestehen: Allmacht und Allwissen. Die Natur kann alles und sie weiß auch immer, wie es weitergeht. Weil sie alles ist, was existiert. Es gibt aber zwei wesentliche Unterschiede zum Gottesbegriff:

Allgüte: Manchmal erscheint uns die Natur schön und zweckmäßig, was wir mit dem anthropischen Prinzip zusammenfassen, aber sie ist auch häufig sinnlos und grausam.

Teleologie: Alles, was wir in den Naturwissenschaften herausgefunden haben, weist darauf hin, dass die Natur keine Ziele verfolgt. Das gilt für den Gott der Gläubigen nicht, er verfolgt mit der Welt einen Plan.

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  1. 2. Januar 2019, 01:37 | #1

    Es gibt zwei Möglichkeiten:

    a. Versteht man den Pantheismus als den Glauben an einen Gott, der als „die Summe alles Seins“ definiert sei, so kann man diesen Gott schwerlich widerlegen. Denn es wäre (egal ob man nun Solipsist oder Realist ist) unsinnig, die Existenz eines Wesens zu verneinen, das qua definitionem allem entspricht, was ist. Nun kann man den Begriff „Gott“ aber dann auch ohne jeden Verlust weglassen, denn er bezeichnet keine über den Begriff „Sein“ hinausgehende Eigenschaften. So betrachtet ist der THEOPANISMUS eine „Euphemie für Atheismus“ (Arthur Schopenhauer) oder Naturalismus.

    b. Nur der PanENtheismus, der in Gott mehr sieht als nur die Summe allen Seins, kann eindeutig als Theismus ausgewiesen werden (siehe auch: Pantheismusstreit).

    Interessant hierzu ist auch der sogenannte „Pantheismusstreit“: https://de.wikipedia.org/wiki/Pantheismusstreit

  2. Köppnick
    2. Januar 2019, 14:14 | #2

    @Johannes Heinle
    Das sehe ich genauso. Wenn man dein Kriterium als Frage formuliert, muss sich der Gefragte für eine der beiden Möglichkeiten und damit für eins der beiden Lager entscheiden. Naturwissenschaftler, die sich in Diskussionen mit Gläubigen als Agnostiker oder als Pantheisten bezeichnen, wollen entweder gefällig sein oder haben ihren eigenen Standpunkt nicht bis zum Ende durchdacht.