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Griechenland

Wahrscheinlich ist es müßig, noch etwas über Griechenland schreiben zu wollen, es ist bereits alles (Kluges und Dummes) dazu gesagt worden. Aber noch nicht von jedem. Ich möchte es deshalb auch ganz kurz machen:

1. Die griechischen Schulden sind absolut seit 2011 trotz neuer Hilfspakete nicht gewachsen. Relativ sind sie leicht gestiegen, weil die Wirtschaftsleistung gesunken ist. Die Schlussfolgerung aus dieser Tatsache ist, dass sowohl die Politik in Europa gegenüber Griechenland als auch die griechische Innenpolitik nicht geeignet waren, das Schuldenproblem zu lösen. Der Einbruch 2011 war ein teilweiser Schuldenerlass für Griechenland – eine der Bedingungen, mit der öffentliche Geldgeber private Schulden aufgekauft haben.

Quelle

2. Die Schulden verteilen sich heute so:


Quelle

2010 hatte Griechenland bei Deutschland noch keine Schulden, heute sind es 80 Milliarden. Überschlägig betrachtet, sind 2/3 davon an ausländische Banken („ausländisch“ bzgl. Griechenland) geflossen, 1/3 an Griechenlands Oligarchen. Hauptprofiteure waren europäische Banken. Das griechische Volk hatte davon wenig bis nichts.

Hier findet man eine Aussage eines IWF-Vertreters:

Debt restructuring was delayed by two years. There were reasons for it, namely concerns about contagion risk (Lehman was fresh in memory), and the lack of firewalls to deal with contagion. Whether these reasons were good enough can be argued one way or the other. In real time, the risks were perceived to be too high to proceed with restructuring.

Partly as a result of this delay, an important fraction of the funds in the first program were used to pay short term creditors, and to replace private debt by official debt. The bail-out did not however only benefit foreign banks, but also Greek depositors and households, as one-third of the debt was held by Greek banks and other Greek financial institutions.

Ein Kommentar aus einem Forum:

Ich glaube, dass Griechenland nur die Spitze eines Eisbergs ist, der weit in die Tiefe geht. Griechenland ist eines der ersten Länder, bei denen es offensichtlich wird, dass es am Ende ist – am Ende ist aber im Grunde das ganze System. Das Hauptproblem ist, dass das, was die eigentlichen Probleme momentan noch aufschiebt, kaschiert, auch das ist, was letzten Endes alles kaputt machen wird: Die unkritische Expansion der Geldmenge; an sich entspräche das einer Inflation, aber das Kapital wird durch virtuelle Scheinentitäten aufgesaugt, so dass Realwerte noch nicht teurer werden; dennoch wird das Resultat ab einem gewissen Punkt sein, dass das (einzige), was Geld überhaupt einen Wert gibt dadurch verloren geht: Vertrauen. Soziale Stabilität basiert auf Vertrauen in gewisse Eckpfeiler der Gesellschaftsorganisation, und Geld als „wertstromlenkendes Medium“ ist ein wesentlicher Teil davon.

Ich ziehe daraus die folgenden Schlussfolgerungen:

  • Griechenland war bereits vor 5 Jahren Pleite, bezahlt hätten es die ausländischen Banken und das griechische Volk (über die unausweichlichen Reformen).
  • Die Pleite wurde fünf Jahre verschleppt, um die Kosten vom privaten Sektor (ausländische Banken und griechische Oligarchen) auf den europäischen Steuerzahler abzuwälzen. Natürlich hatten auch die damaligen griechischen Regierungen ein Interesse daran, den Zeitpunkt der Reformen weiter zu verschleppen.
  • In der Zwischenzeit hat sich der Zustand der griechischen Wirtschaft weiter verschlechtert und das Klima innerhalb der EU wurde vergiftet.
  • Wenn Griechenland vor fünf Jahre pleite gegangen wäre, hätte es jetzt bereits fünf Jahre Wiederaufbau hinter sich.
  • Ein Schuldenschnitt vernichtet genau die Geldmenge, der keinerlei Gegenwert entspricht, aus dem Zinsen erwirtschaftet werden könnten.

Oder zusammengefasst: Man sollte Griechenland alle Schulden erlassen, aber keinerlei neue Kredite geben. Ersteres, weil es zu den Schulden keine Werte mehr gibt. Letzteres, weil sich das Land nur von innen heraus reformieren kann.

Die Krise hat nur einen einzigen positiven Aspekt: Zu den Finanzproblemen konnte es in Europa nur kommen, weil es hier seit 60 Jahren keinen großen Krieg mehr gegeben hat. In den vergangenen Jahrhunderten waren das nämlich die Zeitpunkte, zu denen Real- und Finanzwirtschaft wieder synchronisiert worden sind.

Oder ganz simpel: Wenn Vertrauen das eigentliche Äquivalent von Geld ist, dann bemerkt man die Notwendigkeit der Vernichtung von Geld an dem nicht mehr vorhandenen Vertrauen der Beteiligten.

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