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Greogory Bassham, Eric Bronson (HG.): Der Herr der Ringe und die Philosophie I

J. R. R. Tolkien hat mit dem Herrn der Ringe Maßstäbe in der Fantasy-Literatur gesetzt. Er selbst hat immer abgestritten, dass sein Werk oder Teile davon als Allegorie auf unsere Welt verstanden werden können. Ganz stimmt das natürlich nicht. Jeder Schriftsteller schreibt seine Texte aus den Gedanken heraus, die er in seinem Kopf hat. Aber wie kommen diese Gedanken in seinen Kopf hinein? Und wie interpretieren die Leser einen Text, wenn nicht mit Hilfe ihrer Gedankenwelt, für die dasselbe gilt wie für die des Schriftstellers.

Natürlich ist es Unsinn (oder wenigstens schlechter Stil), einen Schriftsteller, der über Kindesmissbrauch, Mord, Vergewaltigung, Drogenmissbrauch, ein ausschweifendes Sexualeben, etc., schreibt, in einer Lesung nach den autobiografischen Bezügen zu fragen. Aber sich darüber Gedanken machen wird sich wohl jeder Leser. In dem Buch, dessen Titel oben angegeben ist, haben verschiedene Philosophen über Tolkiens Fantasiewelt und über die Bezüge zu unserer Welt reflektiert.

Einer der Artikel stammt von Theodore Schick: „Die Schicksalsklüfte: Tolkiens Ringe der Macht und die Bedrohung durch neue Technologien“ Ein paar Zitate daraus passen gut zu meinem letzten Text über Andreas Eschbachs Buch Herr aller Dinge:

Die Ringe der Macht, die von Sauron und den Elben geschmiedet wurden, stellen die mächtigste Form von Technologie in Mittelerde dar. Einige Tolkien-Interpreten wie etwa der Science-Fiction-Autor Isaac Asimov sehen in den Ringen geradezu ein Symbol für Technik und Industrialisierung.

Nehmen wir also Tolkien beim Wort und betrachten den Herrn der Ringe als Auseinandersetzung mit den Gefahren, die entstehen, wenn Macht in Objekte verlagert wird – eine Gefahr, die natürlich in jeglicher Technik schlummert.

Nach Meinung Eric Drexlers steht der Konstruktion von Maschinen, die wie Ribosomen arbeiten, nichts im Weg. In seiner Vision werden jedoch nicht mehr Aminosäuren verknüpft, um Proteine herzustellen, vielmehr fügen universelle Assembler jede beliebige Art von Atomen oder Molekülen zu jeder gewünschten Struktur zusammen. Da die Eigenschaften eines Objekts von der Natur und der Anordnung seiner Atome bestimmt sind, würden uns solche Universal-Assembler in die Lage versetzen, alles herzustellen, was aufgrund der Naturgesetze irgend herstellbar ist. Drexler erklärt:

„Da uns die Assembler ermöglichen, Atome in praktisch jeder denkbaren Kombination anzuordnen, können wir mit ihrer Hilfe fast alles konstruieren, das aufgrund der Naturgesetze existieren kann. Vor allem können wir mit ihrer Hilfe alles konstruieren, was wir entwerfen, was natürlich auch weitere Assembler umfasst… Mit Hilfe dieser Assembler können wir unsere Welt erneuern oder zerstören.“

Die Elben erschufen die Ringe, um ihre Welt wiederherzustellen. Dieselbe Fähigkeit verspricht uns die Nanotechnologie.

Universelle Assembler könnten Materie-Replikatoren, wie sie in der Fernsehserie Star Trek vorkommen, zur Realität werden lassen. Theoretisch könnten wir die Bauanleitungen jedes beliebigen Objekts in einen von einem Assembler gesteuerten Replikator eingeben, und wenn wir ihm die geeignete Art von Atomen zur Verfügung stellen, würde der Replikator das Objekt zusammensetzen. Hätte er ausreichend Kohlenstoffatome, könnte ein solcher Replikator beispielsweise Diamanten jeglicher Größe erzeugen. Doch er wäre nicht auf unbelebte Objekte beschränkt: Er könnte jedes denkbare Objekt erzeugen, belebt oder unbelebt, mit oder ohne Wahrnehmung. Der Einflussbereich von Gentechnologie und Robotertechnik würde also durch die Einführung von universellen Assemblern gewaltig erweitert.

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