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Ein Vater, ein Wort

Der folgende Artikel in der Geo 12/2006, S. 204, ist für die empirische Männerforschung von so herausragender Bedeutung, dass ich ihn in seiner ganzen Länge zitieren möchte:

Für die kindliche Sprachentwicklung sind Männer wichtig – weil sie weniger reden als Frauen.
Die Forschungen eines Wissenschaftlerteams der US-Universität von North Carolina haben mit einem verbreiteten Vorurteil aufgeräumt. Denn für den Erwerb der „Muttersprache“ scheinen anfangs Väter die Hauptrolle zu spielen.
An 92 Familien mit berufstätigen Männern und Frauen haben Lynne Vernon-Feagans und ihre Kollegen untersucht, wie oft ein Elternteil mit zwei- bis dreijährigen Kindern sprach und welche Satzmuster dabei benutzt wurden. Ergebnis: Obwohl die Mütter viel mehr mit den Sprösslingen redeten und wesentlich häufiger Fragen an ihr Baby richteten, orientierte sich der Nachwuchs an den Männern, deren Satzbau er imitierte. Und je größer der Wortschatz des Vaters, desto schneller schreitet die Sprachentwicklung des Kindes voran.
Die Forscherin vermutet, dass die Frauen Kleinstkinder mit zu vielen Worten überfordern. Erst wenn der Nachwuchs schon älter ist als drei Jahre, übernimmt die Mutter die Leitung: Das Sprachvermögen von Schülern zum Beispiel hängt hauptsächlich von dem ihrer Mütter ab.


Jaaa, das haben wir Männer doch schon immer gewusst. Kein vernünftiges Baby wird auf die Frage der Mammi „Annabell Luise Marie, was hast du denn, Schnucki-Butzi, Dudu, warum willst du denn nicht schlafen, was hast du denn, möchtest du was trinken, hast du die Windeln voll oder was ist mit dir los?“ ordentlich antworten können. Stattdessen ein Eindeutiges „Anna, du bist müde. Gute Nacht!“ von Pappi, und alles ist ok. Erster Satz: Analyse. Zweiter Satz: Schlussfolgerung und Handlungsanleitung in verständlicher Sprache. Das so in seiner wahren Natur erkannte und angenommene Baby wird zufrieden seine Äuglein schließen und bis zum nächsten Morgen durchschlafen, wodurch Pappi beruhigt das Ende der Sportsendung genießen kann und trotzdem seinerseits zu einer ausreichenden Menge Nachtschlaf gelangt.

Babys fragen stellen zu wollen, ist sowieso eine sehr weiblichemerkwürdige Idee. Worüber sollten sie mehr wissen als ihre Eltern? Sie kennen den Inhalt des Kühlschranks nicht, können also über das Abendbrot nichts Richtiges aussagen. Wenn überhaupt, dann werden sie hier Wünsche wie lauwarme Milch oder Möhren-Apfel-Brei äußern, Nahrungsmittel, die zur männlichenmenschlichen Ernährung zweifellos viel weniger als Pizza und Dosenbier geeignet sind. Und wegen ihres Mangels an Lesefähigkeit sind sie auch nicht in der Lage, aufgeklärt in der Frage des abendlichen Fernsehprogramms mitzuentscheiden.

Kommentare

rosenherz 04/07/2007 11:33:56 PM

Na, das sind ja partnerschaftsfreundliche Nachrichten, Nachwuchs orientiert sich an Vaters Satzbau und an Mutters Sprachvermögen. Zusammen ergibt das die rechte Mischung: Dort wo von Papa solide gebaut wurde, ist das Sprachhaus gut bewohnbar.

Köppnick 04/09/2007 11:15:20 AM

Der Wert der Studie ist vollkommen unklar. Man schaue sich bloß einige Einzelaussagen an:

  • „Der Nachwuchs orientierte sich am Satzbau der Männer.“ Wenn Männer tatsächlich einen einfacheren Satzbau verwenden, dann muss das natürlich stärker mit dem Satzbau der Kinder korrelieren, denn Kinder werden als Sprachlernende immer einen einfacheren Satzbau verwenden. – Für die These, „Orientierung an den Männern“ sagt das gar nichts aus.
  • „Je größer der Wortschatz des Mannes, …“ Hier gibt es Einflüsse, die man erst herausrechnen müsste: Es werden sich sicherlich meist ähnliche Partner zusammentun, d.h. Männer mit größerem Wortschatz werden statistisch häufiger mit Frauen mit einem größeren Wortschatz zusammensein.
  • Wie dekorreliert man denn sauber zwischen dem frühkindlichen und dem schulischen Sprachvermögen, so wie es der letzte Satz impliziert? Meiner Meinung nach geht das gar nicht.

Es gibt, was das Sprachverständnis anbelangt, auch noch völlig andere Interpretationen: Männer haben tiefere Stimmen als Frauen. Deshalb gilt auch für das Hören bei Erwachsenen, dass Männerstimmen rein akustisch besser verstanden werden können als Frauenstimmen. Außerdem zwingen die niedrigeren Frequenzen auch zu einer langsameren Aussprache (im statistischen Durchschnitt), um die Wörter ordentlich durchzumodulieren. Das führt dazu, dass je Zeiteinheit weniger Wörter gesprochen werden können und bei gleichem Informationsgehalt Sätze anders aufgebaut werden müssen. Aber aus all dem irgendwas über den Einfluss auf Kleinkinder ableiten zu wollen, halte ich für Unfug. Mehr als die Aussage, dass es für die Entwicklung von Kindern am besten ist, wenn sie in einer Umgebung mit anderen Kindern, mit Männern und Frauen aufwachsen, ist nicht drin, die auf die Kinder wirkenden Einflussfaktoren sind einfach viel zu komplex.

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