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Dinge, von denen wir nicht wissen, dass wir sie wissen

Einer meiner Lieblingsphilosophen ist bekanntlich Donald Rumsfeld. Er hat zum Beispiel in einer Pressekonferenz gesagt:

Wir wissen aus sicherer Quelle, dass Bin Laden entweder in Afghanistan ist oder in einem anderen Land oder aber tot.

Noch besser aber fand ich seinerzeit:

Es gibt Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie wissen. Es gibt Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie nicht wissen. Es gibt Dinge, von denen wir nicht wissen, dass wir sie nicht wissen.

Im 2×2-Logiktableau fehlt die Kategorie „Es gibt Dinge, von denen wir nicht wissen, dass wir sie wissen.“ und ich dachte bis vor kurzem auch, dass diese Menge leer sein muss. In der „Hohe Luft“-Ausgabe vom August wurde ich eines Besseren belehrt. Zunächst Rumsfeld Aussage im Original, eine sprachliche Perle:

There are known knowns (the things we know we know) but we also know there are known unknowns (that is to say we know there’s some things we do not know) but there are also unknown unknowns (the ones we don’t know we don’t know).

Und über diese vierte Kategorie hat mich Hohe Luft jetzt aufgeklärt:

Die vierte logisch mögliche Kategorie vergaß Rumsfeld allerdings: ‚Unbekanntes Wissen‘. Das klingt seltsam. Kann ich etwas wissen und nicht wissen, dass ich es weiß? Aber ja doch. Große Konzerne, in denen manche Abteilungen nicht mitkriegen, was die anderen treiben, kennen dieses Phänomen. Der Spruch „Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß“ ist Folklore beim Münchner Technologiekonzern.

Jeder Mensch hat unbekanntes Wissen: unbestimmte Ahnungen, Vermutungen, Unbewusstes, Verdrängtes. … Auch Donald Rumsfeld weiß Dinge, von denen er nicht weiß, dass er sie weiß. Das kommt vor. Schlecht ist, dass er nicht weiß, dass er Dinge weiß, von denen er nicht weiß, dass er sie weiß.

Unser „Bauchgefühl“ speist sich aus diesem Bereich, von dem wir nicht wissen, dass wir es wissen. Das Problem mit dem Nicht wissen ist nur, dass wir den Unterschied nicht wissen, ob wir nicht wissen, dass wir etwas wissen, oder ob wir nicht wissen, dass wir etwas nicht wissen – weil wir genau das eben nicht wissen! Das Bauchgefühl kann richtig sein, muss es aber nicht.

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