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Das Märchen von den bösen US-Wölfen und dem lieben Qaida-Geißlein

13. September 2011

In einem Diskussionsforum verfolge ich derzeit und bin (leider, Zeitverschwendung,) an einer Diskussion zu 9/11 beteiligt. Die abstruseste Idee, die dort geäußert wurde, war, dass in den Zwillingstürmen kleine Atombomben gezündet worden sind. Um mir etwas Luft zu verschaffen, entstand die folgende Geschichte.

Alle bisher geäußerten Meinungen in Kommentaren in diesem Forum sind mit K gekennzeichnet, alle Links, die man im Netz finden kann, mit L, dazu kommen Ansichten A, die ich in ein paar privaten Gesprächen von anderen gehört habe, und ein paar Fakten F gibt es auch. Da die Varianten eigentlich zueinander inkompatibel sind, bezeichne ich die folgende Geschichte als

Das Märchen von den bösen US-Wölfen und dem lieben Qaida-Geißlein

Bin war schon lange unser bester Freund. Zuerst hatte er uns geholfen, die Sowjets aus Afghanistan zu vertreiben (F), was wir ihm danach gern als ständigen Wohnsitz zur Verfügung stellten. Danach verfolgte er mit unserem Einverständnis ein paar mehr private Projekte. Zuerst versuchte er 1993 das World Trade Center in die Luft zu sprengen. Geplant war, es zu bester Geschäftszeit zum Einsturz zu bringen, was etwa 100.000 Menschen das Leben gekostet hätte. Aber Bin war nicht so erfolgreich, nur 6 Menschen starben. Dann waren seine Leute 1997 in Luxor beteiligt (68 Tote). 1998 sprengte er unsere Botschaften in Nairobi und Daressalam in die Luft (224 Tote). Auch im Jahr 2000 gelangen ihm ein paar Anschäge mit einigen Dutzend Tote (alles F).

Wir nahmen ihn ins Gebet: „Hör mal Bin, kannst du nicht mal einen richtig großen Anschlag durchführen, am besten mitten in den USA? Unsere Leute beginnen sich langsam zu wohl zu fühlen, außerdem wollen wir sie gern ein wenig mehr unterdrücken und überwachen, und einen Krieg im Ausland würden wir auch gern führen.“ (K) Um ihn auf den richtigen Gedanken zu bringen, brachten wir im Jahr 2000 einen Spielfilm heraus, in dem Flugzeuge ins World Trade Center rasen (L). Unsere Gewährsleute in Hollywood hatten ihn gedreht, er diente auch dazu, die Bevölkerung auf unsere Pläne einzustimmen. Bin zeigte sich begeistert und versprach sein Möglichstes zu tun.

Unsere eigenen Vorbereitungen hatten schon viel früher begonnen. In jedes der Gebäude um das WTC hatten wir Thermit-Ladungen in die tragenden Gebäudeteile eingebaut (K). Da das in bereits fertige Gebäude nicht so leicht geht und zu langwierig und auffällig ist, mussten wir es bereits beim Bau tun (L). Im WTC7 geschah das z.B. 1985, ganze 17 Jahre, bevor Thermit im Jahr 2002 in großem Stil kommerziell verfügbar wurde. Darauf waren wir sehr stolz. Auch die anderen Gebäude ab dieser Zeit wurden so präpariert. Wir mussten das in jedem Gebäude machen, denn es war ja im voraus nicht klar, in welchen Gebäuden massive Brände ausbrechen würden, und nur solche Gebäude durften später einstürzen, um die offizielle Behauptung (F), die Brände wären ursächlich für den Einsturz, aufrecht zu erhalten. Außerdem hatten wir die geniale Idee, Bauexperten etwa im Jahr 2000 auf die Baumängel in WTC7 hinweisen zu lassen, wo teilweise die Metallträger blank waren und keine Hitzeverkleidung mehr hatten (F).

Bei den Zwillingstürmen, die Anfang der 70er Jahre gebaut wurden, war die Wissenschaft noch nicht so weit. Hier platzierten wir kurz vor dem 11. September eine Atombombe im Fundament (K). Wir waren sehr stolz auf diese Idee, denn jedes Kind weiß, dass ein über einer explodierenden Atombombe stehendes Gebäude senkrecht nach unten fallen wird, die Glasscheiben nicht von der Druckwelle der Explosion nach außen geschleudert werden und der radioaktive Fallout viel kleiner ist als bei einem Gau in einem Atomkraftwerk.

Als wir endlich von Bin die Flugpläne seiner Attentäter erhalten hatten, wussten wir, welche Flugzeuge wir mit Fernsteuerungen (L) ausrüsten mussten. Das war äußerst wichtig, denn auch hier weiß jedes Kind, dass es viel schwieriger ist, ein Flugzeug in der Luft zu halten als zu starten oder zu landen, was unsere frisch ausgebildeten Piloten ja nicht mussten. Ein bisschen technische Unterstützung für Bins Leute konnte nicht schaden.

Mit den ersten beiden Flugzeugen klappte alles ganz prima. Sie wurden von uns in die beiden Zwillingstürme gesteuert, wonach wir nach einer angemessenen Wartezeit zum Einlullen der Beobachter die Atombomben im Fundament zündeten, wonach die Gebäude von oben nach unten Stockwerk für Stockwerk zerfielen (K). Durch die Trümmer wurde WTC7 stark beschädigt und wegen der starken Brände zündeten wir nur dort die Thermitbrennsätze, die anderen Gebäude ließen wir stehen. Großartige Simulationsrechnungen zur Wirkung der Bomben und Thermitbrandsätze hatten wir nicht durchgeführt, Experten aus Diskussionsforen im Internet hatten uns versichert, dass die Berechnungsprogramme, mit denen die Wirkung von Bränden und anderen Gebäudeschäden simuliert werden können, sowieso nicht funktionieren. Wissenschaftler und Bauingenieure, die so etwas behaupten, sind allesamt Spinner (K).

Mit der Fernsteuerung des dritten Flugzeugs gab es Probleme. Da wir wussten, dass es wahrscheinlich nur auf die Wiese vor dem Pentagon krachen würde, hatten wir rechtzeitig eine Rakete gestartet, die an seiner Stelle ins Gebäude einschlagen sollte (L). Wichtig war hier genaues Timing, denn Ohrenzeugen sollten die Explosion genau dann hören, wenn Augenzeugen das Flugzeug sehen würden. Tatsächlich ist das Flugzeug vor dem Aufprall durchgestartet und nach Area 51 weitergeflogen. Dort befindet sich noch immer das Studio, in dem die Dokumentarfilme zu den Mondlandungen gedreht wurden. Dieses Studio wurde auch genutzt, um das Hörspiel zu drehen, das die Originalgespräche mit den Passagieren aus dem vierten Flugzeug ersetzte. Später wurden die Frauen aus diesem Flugzeug dort zu UFO-Pilotinnen ausgebildet, die Männer mussten sich lange Bärte wachsen lassen. Sie sind es, die auf den Bildern aus Guantanamo zu sehen sind, als Taliban-Schauspieler.

Mit dem vierten Flugzeug hatten wir die größten Probleme. Die amerikanischen Passagiere konnten nicht davon abgehalten werden, das Cockpit des Flugzeugs zu stürmen. Da dort natürlich keine Al-Qaida-Terroristen saßen, sondern nur unsere Fernsteuerung montiert war, mussten wir das Flugzeug leider abstürzen lassen. Schade, dass das Capitol nicht zerstört werden durfte!

Mit Bins Arbeit waren wir außerordentlich zufrieden, deshalb durfte auch seine bisher in den USA festgehaltene Familie ausreisen (L). Wir nutzten dazu den nächstmöglichen unauffälligen und sicheren Tag. Und was könnte unauffälliger und sicherer sein als der 11. September, wenn nur ein paar Abfangjäger und die Air Force One in der Luft waren und die Flugsicherung durch die Beobachtung des völlig leeren Luftraums stark abgelenkt war?

Apropos Air Force One. Erst mit dieser Präsidentenmaschine offenbarten sich unsere eigenen Pläne: Wir führten einen Staatsstreich in den USA durch (K) und ersetzten auf dem Zickzackkurs durch die USA den bisherigen friedlichen Präsidenten Georg Bush durch seinen kriegerischen Klon Georg Bush.

Nachdem die Bärte der Männer in Area 51 lang genug gewachsen waren, begannen wir unseren Freundschaftsbesuch bei unserem Agenten Bin. Weil unerklärlicherweise die Aktivitäten seiner Genossen seit diesem Besuch stark abgenommen haben (F), mussten wir leider auch ihn vor einigen Wochen durch einen Klon ersetzen, der inzwischen schon mehrfach gesichtet wurde (A). Am häufigsten in Pakistan, wo er gemeinsam mit den Amerikanern (A) die Ausbildung neuer Taliban leitet, die danach in Afghanistan die Bedrohung für uns Amerikaner aufrechterhalten und uns so den willkommenen Vorwand liefern, weiter in diesem schönen Land zu bleiben.

KategorienFiktion, Logik, Politik Tags:
  1. 14. September 2011, 08:38 | #1

    Und wieder einmal sind es die Experten aus dem Internet, die zu der entscheidenden Verschärfung der Situation beigetragen haben. Es fehlt eigentlich nur noch eine angemessene Würdigung des Anteils der jüdischen Weltverschwörung.

  2. Jalella
    14. September 2011, 11:13 | #2

    Eine sehr schön geschriebene Geschichte. Und die blühende Phantasie der Kommentartoren aus dem Forum ist auch nicht schlecht. Dazu fällt mir spontan ein Ausspruch Marvins, des depressiven Roboters aus „Per Anhalter durch die Galaxis“, ein: „Das Leben ist doch schon schlimm genug; da muss man doch nicht noch was dazu erfinden.“

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