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Das gleiche Geschlecht

Dauerthema der Verhaltensforschung ist die Streitfrage nach dem Verhältnis von Genen und Umwelt. Den wohl dicksten Wälzer zu diesem Thema hat Steven Pinker mit „Das unbeschriebene Blatt“ verfasst. (Ich frage mich, wieviel Prozent der Leser es bis zur letzten Seite geschafft haben.) Seine Hauptthese ist, dass unser Verhalten viel weniger flexibel und durch Erziehung beeinflussbar ist, als man im Allgemeinen denkt. Brisant sind seine Thesen auch dadurch, dass die Lagerzuordnung – mehr Genanhänger, mehr Umweltanhänger – bis in die politische Grundhaltung durchschlägt. Traditionell sind Rechte eher den Genanhängern zuzuordnen (einmal Verbrecher, immer Verbrecher; manche sind eben fleißiger als andere; usw.), während Linke eher den Umweltaspekt betonen (bis im Extrem zur Einsperrung Umzuerziehender in Lager).

Eine Sonderform der Streitfrage findet man bei der Untersuchung des Verhältnisses von Männern und Frauen in der heutigen Gesellschaft. Man braucht sich nur das prozentuale Verhältnis von Männern und Frauen in bestimmten Berufsgruppen anzusehen und wird mit der Nase darauf gestoßen, dass sich heute die beiden Geschlechter zu unterschiedlichen Tätigkeiten und Dingen hingezogen fühlen und sich insgesamt unterschiedlich verhalten. Common sense ist aber, dass Männer und Frauen im statistischen Durchschnitt gleich intelligent sind.

Der Spiegel hat in seiner Ausgabe 6/2007 vom 5.2. einen Artikel „Das gleiche Geschlecht“ veröffentlicht, der die Ergebnisse von Verhaltenstests wiedergibt. Zielscheibe der Kritik ist Louann Brizendine, eine Neuropsychiaterin, die das Buch „Das weibliche Gehirn – warum Frauen anders sind als Männer“ geschrieben hat. Dem widersprechen die Ergebnisse anderer Wissenschaftler auf denen das Schwergewicht der Spiegelargumentation liegt.

Was nach Klärung verlangt, ist nichts anderes als die alte, große Frage Simone de Beauvoirs: „Was ist eine Frau?“ Ist sie ein biologisch geformtes, von tiefverwurzelten Verhaltensprogrammen getriebenes Geschöpf? Oder ist das Geschlecht überhaupt ein Konstrukt, das Ergebnis gesellschaftlicher Zuschreibungen? Was genau unterscheidet die Frau im Kern vom Manne?

„Lange nicht so viel, wie alle immer denken“, sagt Lutz Jäncke – und das klingt ziemlich lapidar angesichts der Tragweite dieses kleinen Halbsatzes. Denn der Neuropsychologe von der Universität Zürich hat, gemeinsam mit vielen Fachkollegen, eine – von Brizendine wie dem Laienpublikum weitgehend unbemerkte – Revolution losgetreten. Die Forscher legen unter der dicken Makulatur der Stereotype ein neues Bild frei von Mann und Frau.

Ihre Erkenntnis, inzwischen wissenschaftlich wohl belegt: Mann und Frau unterscheiden sich kaum. Dort, wo sich Andersartigkeit messen lässt, spielt sie entweder keine Rolle für den Lebensalltag oder ist unbedeutend klein.

Nicht politische Korrektheit oder feministischer Eifer treibt die neuen Gleichmacher unter den Forschern – das macht sie glaubwürdig. Denn all jene Biologen, Neuropsychologen, Anatomen, die jetzt die Gleichheit der Geschlechter ausrufen, begannen einst als hauptamtliche Fahnder nach der biologischen Differenz von Mann und Frau. Aber sie konnten den großen Unterschied nicht finden.

Ok, die Quintessenz dieser Ergebnisse wäre, alle in der heutigen Gesellschaft zu findenden Unterschiede sind kulturell bedingt, Jungs werden durch die Gesellschaft zu Männern, Mädchen zu Frauen erzogen. Da stellt sich dann allerdings die noch unbeantwortete Frage nach den Ursachen dieses Prozesses. Ist es ein Zufall, dass IngenieurInnen überwiegend Männer, LehrerInnen überwiegend weiblich sind und es mehr Hausfrauen als Hausmänner gibt, hätte es in der Geschichte auch andersherum kommen können? Meiner Meinung nach ist das ein Trugschluss. Man benötigt nur ein paar Sekunden, um auch bei identischer Kleidung und Haarschnitt Männer und Frauen voneinander zu unterscheiden, im Durchschnitt sehen sie unterschiedlich aus. Es gibt also biologische Unterschiede (von der unterschiedlichen Funktion von Mann und Frau bei der Reproduktion mal ganz abgesehen).

Durchschnittlich unterschiedliche körperliche Voraussetzungen führen zu einer unterschiedlichen Arbeitsteilung der Individuen, der eine kann durch minimale körperliche Unterschiede etwas minimal besser als der andere. Durch die spezialisierte Tätigkeit steigen seine Fähigkeiten auf seinem Spezialgebiet weiter an, der ursprünglich kleine Unterschied vergrößert sich im Laufe der Zeit. Arbeitsteilung wurde bei unseren Vorfahren vererbt, überwiegend vom Vater auf den Sohn, von der Mutter auf die Tochter. Arbeitsteilung ist zum Vorteile aller und ist einer der Gründe für den Erfolg unserer Spezies im Vergleich zu allen anderen Tierarten.

Man kann sogar ein kleines Zahlenbeispiel aufstellen: Angenommen, ein ursprünglich einprozentiger Unterschied wird in jeder Generation um ein Prozent verstärkt, dann hat man nach 100 Generationen oder 2000 Jahren bereits einen Unterschied von 170%. Der ursprüngliche Unterschied von einem Prozent zwischen zwei Individuen ist kaum messbar, der Zugewinn an Spezialisierung von einem Prozent innerhalb einer Generation ebenfalls kaum. 170% Unterschied sind überdeutlich.

Zum Problem wurde die im Laufe von Jahrtausenden gewachsene „natürliche“ Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen erst (oder spätestens?) im Kapitalismus. Der Kapitalist bezahlt nämlich diejenigen, traditionell in die männliche Domäne fallenden, Tätigkeiten besser als die typisch weiblichen. Da zudem alle Austauschverhältnisse im Kapitalismus über Geld geregelt werden, befand sich die Frau auf einmal in einer abhängigen und benachteiligten Position. Der Feminismus, beginnend mit dem Kampf um das Frauenwahlrecht Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, bis hin zu gleichen Bildungs- und Berufschancen heute hat sich eigentlich den falschen Gegner gesucht. Es sind nicht die „Männerschweine“ als solche, sondern es sind die ökonomischen Verhältnisse, unter denen sowohl Männer als auch Frauen leben müssen.

Das an dem ist, zeigt ein einfaches Gedankenexperiment: Die Gesellschaft bezahle einfach typische Frauenberufe genauso gut wie typische Männerberufe, also gleiches Gehalt für Lehrerinnen, Altenpflegerinnen und Hausfrauen wie z. B. für Ingenieure, Bauarbeiter und Werktätige in der Automobilindustrie. Da das mit dem Gehalt für Hausfrauen sicher schwierig werden würde, ist die praktikabelste Lösung das bedingungslose Grundeinkommen für alle. Das senkt sofort die Attraktivität gut bezahlter „männlicher“, aber abhängiger Tätigkeiten in der Industrie und steigert die Bereitschaft zu alternativen, eher „weiblichen“, alternativen Lebensentwürfen.

Kommentare

isabelle 03/22/2007 03:59:10 PM

sorry aber deine argumentation ist unsinn.

„Ist es ein Zufall, dass IngenieurInnen überwiegend Männer, LehrerInnen überwiegend weiblich sind und es mehr Hausfrauen als Hausmänner gibt, hätte es in der Geschichte auch andersherum kommen können?“

vielleicht haben die frauen auch nur die scheiss-jobs abbekommen weil sie koerperlich durchschnittlich unterlegen sind? das hat dann zwar schon mit STATISTISCHEN koerperlichen unterschieden zu tun aber auf keinen fall mit begabungen. da leider nur frauen schwanger sein und kinder sauegen koennen, sehe ich eher in dieser tatsache die ursache fuer die traditionelle arbeitsverteilung – das sagt doch zum beispiel aber nichst darueber aus ob maenner sich nicht genauso gut um kinder kuemmern koennen oder frauen auch gut in „unweibliche“ jobs sind. aber wenn eine frau damit aufwaechst, dass informatik was fuer maenner ist dann ist doch klar dass die mehrzahl sich eher fuer „weibliche“ jobs oder nur mutter sein entscheidet.

„Man kann sogar ein kleines Zahlenbeispiel aufstellen: Angenommen, ein ursprünglich einprozentiger Unterschied wird in jeder Generation um ein Prozent verstärkt, dann hat man nach 100 Generationen oder 2000 Jahren bereits einen Unterschied von 170%. Der ursprüngliche Unterschied von einem Prozent zwischen zwei Individuen ist kaum messbar, der Zugewinn an Spezialisierung von einem Prozent innerhalb einer Generation ebenfalls kaum. 170% Unterschied sind überdeutlich.“

wie kommst du auf diese rechnung? was ist denn fuer dich eine 1%ige veraenderung?? meinst du eine mutation oder was? da das menschliche genom allerdings 3 × 10^9 basen hat und die mutationsrate statistisch bei ca einem je 10^8 basen pro generation liegt ist mir voellig unklar wie du auf diesen einen prozent kommst. und wie kommst du darauf dass der unterschied sich von generation zu generation verstaerkt?? dazu muesste er evolutiv einen riesigen vorteil beinhalten.. deine argumentation ist also leider auch biologisch quatsch..

Köppnick 03/22/2007 08:40:13 PM

ich schlage vor, wir einigen uns darauf, dass du meinen Artikel anders verstanden hast, als ich es gemeint habe. Zu den einzelnen Punkten:

vielleicht haben die frauen auch nur die scheiss-jobs abbekommen weil sie koerperlich durchschnittlich unterlegen sind? das hat dann zwar schon mit STATISTISCHEN koerperlichen unterschieden zu tun aber auf keinen fall mit begabungen.

Ich halte Lehrer für keinen Scheißjob im Vergleich zum Ingenieur. Dass er vielleicht(?) schlechter bezahlt wird, sagt etwas über unsere Gesellschaft aus, aber nichts über die Bedeutung dieses Berufs und nichts über die individuellen Fähigkeiten der Lehrer.

da leider nur frauen schwanger sein und kinder sauegen koennen, sehe ich eher in dieser tatsache die ursache fuer die traditionelle arbeitsverteilung – das sagt doch zum beispiel aber nichst darueber aus ob maenner sich nicht genauso gut um kinder kuemmern koennen oder frauen auch gut in „unweibliche“ jobs sind.

Der erste Teil deines Absatzes widerspricht dem zweiten. Um nochmal auf meinen ersten Gedanken zurückzukommen: Nicht die Arbeitsteilung in unserer Gesellschaft ist das Problem, vollkommen egal ob sie sich an biologischen oder Unterschieden an der Begabung orientiert, sondern die unterschiedliche Bewertung, die sich an der unterschiedlichen Bezahlung zeigt. Das wiederum ist eine Eigenschaft, die sich wohl vor allem aus der kapitalistischen Produktionsweise ergibt: Tätigkeiten, die zu verkaufbaren Produkten führen, werden höher bewertet und besser bezahlt.

wie kommst du auf diese rechnung? … meinst du eine mutation oder was? … deine argumentation ist also leider auch biologisch quatsch..

Freilich wäre sie biologisch Quatsch, aber in dem kritisierten Abschnitt findest du nichts über Biologie. Der Schlüsselsatz ist:

Arbeitsteilung wurde bei unseren Vorfahren vererbt, überwiegend vom Vater auf den Sohn, von der Mutter auf die Tochter.

Nimm hier als Beispiele einen Schmied und eine Bäckerin. Wenn der Schmied über Generationen hinweg jeweils sein Fachwissen an seinen Sohn, die Bäckerin an ihre Tochter weitergibt, dann wird irgendwann der jeweilige Vorsprung an Wissen und an Fertigkeiten so groß, dass eine Umkehrung des Geschlechterverhältnisses aussichtslos ist.

Aber ist sie denn tatsächlich notwendig? – Hier nochmals die Hauptthese meines Artikels, die dir in deiner Entrüstung offensichtlich entgangen ist: Ich halte nicht die Arbeitsteilung in mehrheitlich weibliche und mehrheitlich männliche Berufe für das Problem – sondern die sich in unterschiedlicher Bezahlung äußernde unterschiedliche Wertschätzung der Berufe (bei niemals von mir bezweifelter gleicher Begabung von Männern und Frauen).

Ist das wirklich Unsinn?

isabelle 03/22/2007 11:32:28 PM

ja ist es leider.

„Nimm hier als Beispiele einen Schmied und eine Bäckerin. Wenn der Schmied über Generationen hinweg jeweils sein Fachwissen an seinen Sohn, die Bäckerin an ihre Tochter weitergibt, dann wird irgendwann der jeweilige Vorsprung an Wissen und an Fertigkeiten so groß, dass eine Umkehrung des Geschlechterverhältnisses aussichtslos ist.

was ist denn das für ein käse?? im laufe des lebens angeeignete eiegnschaften oder fähigkeiten vererben sich nicht.. das ist ein konzept von evolution (lamarck) das seit darwin absolut überholt ist. nur weil dein vater gut im handwerken ist, weil er es jahre lang geübt hat, heißt das noch lange nicht, dass du gut darin bist oder deine schwester keine chance hat es zu lernen.

im übrigens vererben sich sowieso nur die gene auf dem y-chromosom geschlechtsspezifisch fort und selbst da kann es zu crossing over – quasi zu genaustausch und weitervererbung über das x-chromosom kommen.
vl solltest du dich erst über die biologischen grundlage informieren bevor du pseudo-wissenschaftlich argumentierst.

du sagst es besteht die gleiche begabung bei männer und frauen aber trotzdem argumentierst du es gäbe berufe die frauen oder männer eher liegen.. das ist irgendwie mal gar nicht schlüssig..

Köppnick 03/23/2007 08:19:46 AM

Du unterstellst mir Dinge, die ich nicht gesagt habe. Auf den Käse mit Darwin und Lamarck gehe ich gar nicht erst ein, hatte ich doch bereits geschrieben, dass ich nicht biologisch (in diesem Fall sogar biologistisch) argumentiert habe. Im Folgenden ein paar Thesen, stimmst du einer von ihnen nicht zu, brauchen wir gar nicht weiterzumachen:

1. Männer und Frauen haben im statistischen Durchschnitt eine gleiche Begabung. Dei äußert sich u.a. im statistisch gleichen IQ. (Obwohl man da durchaus so argumentieren könnte, die Tests wären durch ihre Auswahl der Aufgaben so kalibriert, dass sich dieses wünschenswerte Ergebnis ergibt. Das ist aber _nicht_ meine Meinung.)

2. Eine gleiche Begabung von Männern und Frauen bedeutet nicht gleiche Interessen und bedeutet ebenfalls nicht gleiche Eigenschaften. Beispiele für nicht gleiche Interessen: Männer möchten in der Mehrzahl der Fälle mit einer Frau zusammenleben, Frauen mit einem Mann. Beispiele für nicht gleiche Eigenschaften: Frauen können Kinder gebären, Männer haben (im statistischen Durchschnitt, ja, ja) eine größere Körperkraft.

3. Bei der Berufswahl spielen Interessen, Eigenchaften und die individuelle Lebensgeschichte eine Rolle. (Vulgo: Vererbung und Umwelt.) Mittelt man die individuelle Lebensgeschichte statistisch heraus, lässt sich bei der Berufswahl der Einfluss der Interessen und Eigenschaften nachweisen. Da Interessen und Eigenschaften von Männern und Frauen unterschiedlich sind, muss es, statistisch gesehen, Berufe geben, in denen man mehr Männer, und welche, in denen man mehr Frauen findet. Wie oben schon gesagt (Mantra, Mantra) hat das nichts mit ungleicher Begabung von Männern und Frauen zu tun.

4. Es ist von Vorteil, wenn Menschen Berufe entsprechend ihrer Neigung wählen, weil sie dann besser sind, als wenn sie in einem anderen Beruf arbeiten. Dieser Vorteil gilt sowohl für den Einzelnen, weil er dann glücklicher ist, als auch für die Gesellschaft, weil sie von der größeren Zufriedenheit und der dann höheren Arbeitsleistung profitiert.

5. Zum Geschlechterproblem wird die geschlechtsspezifisch unterschiedliche Berufswahl erst dann, wenn die Berufe unterschiedlich hoch angesehen werden (unterschiedlich gut bezahlt), und man dann einen Bias zwischen Männern und Frauen nachweisen kann. Weil, wie oben bereits tausendmal geschrieben, sie ja durchschnittlich gleich begabt sind.

Das Folgende ist jetzt keine These mehr, sondern meine Schlussfolgerung. Hier erwarte ich also nicht unbedingt deine Zustimmung: Dieses Geschlechterproblem ist aber ursächlich kein Problem zwischen Mann und Frau (wie es die Frauenbewegung angenommen hat), sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem, das vor allem in unserer Produktionsweise wurzelt. Mit dem Beginn der kapitalistischen Produktionsweise wurden die menschlichen Tätigkeiten in Bereiche aufgeteilt, die auf der einen Seite die Erzeugungvon Produkten, auf der anderen Seite die „Reproduktion“ unserer Spezies dienen. Aufgrund der unterschiedlichen Eigenschaften und Interessen der beiden Geschlechter arbeiteten Männer überwiegend im ersten, Frauen überwiegend im zweiten Bereich. Der Natur des Kapitalismus entsprechend, waren die ersteren Tätigkeiten höher angesehen und besser bezahlt als die zweiten.

Wenn man etwas an diesem Zustand ändern will, dann sollte man nicht zuförderst an den Eigenschaften und Interessen von Männern und Frauen herumerziehen, sondern die nichtproduktiven Teile der Gesellschaft besser achten und bezahlen. Wir brauchen nicht 50% Ingenieurinnen, sondern 100% mit dem was sie tun (= selbst wollen) zufriedene Frauen.

Gregor Keuschnig 03/23/2007 08:36:49 AM

Gegen Unterstellungen, die eine gewisse Überforderung offenbaren, ist natürlich schwerlich argumentieren…

Eine These von Dir ziehe ich jedoch in Zweifel:

Mit dem Beginn der kapitalistischen Produktionsweise wurden die menschlichen Tätigkeiten in Bereiche aufgeteilt, die auf der einen Seite die Erzeugungvon Produkten, auf der anderen Seite die „Reproduktion“ unserer Spezies dienen.
Diese „Arbeitsteilung“ ist keine Erfindung des Kapitalismus, sondern sehr viel früher entstanden. Sie ist in der überwiegenden Zahl von Kulturen entstanden und lässt sich bis in die Anfänge des Menschen zurückverfolgen. Das bedeutet natürlich nicht, dass sie per se richtig ist, aber hieran kann man dem Kapitalismus dann ausnahmsweise wirklich nicht die Schuld geben.

Ich kann dieses verkniffen pseudo-feministische Gerede nicht mehr hören, was uns seit fast dreissig Jahren entgegenschlägt und alles mit aller Gewalt gleichschalten will, statt Differenz als Bereicherung oder Ergänzung zu verstehen.

Köppnick 03/23/2007 08:02:32 PM

Die Frauenbewegung der alten Bundesrepublik habe ich nicht kennengelernt, da ich, wie du ja weißt, in der DDR sozialisiert wurde. Wenn ich allerdings solche Sendungen wie die „Bräuteschule“ zum Maßstab nehme, dann war die Frauenbewegung bei euch sicher bitter nötig. Bei uns war die hunderprozentige Teilnahme der Frauen am Erwerbsleben eine Selbstverständlichkeit, dass man so etwas wie „Hausfrau“ als Lebensinhalt ansehen kann, habe ich erst mit der Wende erfahren. Natürlich bedeutet das nicht, dass es die Frauen bei uns besonders leicht hatten. Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache, dass die Frauen im Haushalt und mit den Kindern mehr als die Männer gemacht haben und deshalb eine Doppelbelastung getragen haben. Aber berufstätig waren sie eben alle.

Eine Frage würde ich gerne mal einer Frauenrechtlerin stellen, und zwar wie sie zur Wehrpflicht steht. Ob sie sich vehement entweder dafür einsetzt, dass die Wehrpflicht für Frauen eingeführt oder alternativ für Männer abgeschafft wird, irgendwie gehört das doch zur Gleichberechtigung dazu, oder? In dieser Beziehung bin ich nämlich ein gebranntes Kind. Um studieren zu können, musste ich drei Jahre bei der NVA dienen. Ich habe die Mädchen beneidet, die gleich nach der Schule studieren durften, während mich die drei vergeudeten Jahre auch psychisch sehr belastet haben. Die Mädchen hatten beim Start in den Beruf drei Lebensjahre Vorsprung.

Was meine Kapitalismusaussage betrifft, so war mir schon bewusst, dass die Arbeitsteilung bis auf die Jäger und Sammler zurückgeht. Aber in einem anderen Punkt habe ich mich wirklich geirrt: Der Zeitpunkt der Frauenbewegung fällt in etwa mit dem Beginn des Kapitalismus zusammen, also der Kampf um den Zugang zur höheren Bildung, zum Wahlrecht, etc. D.h. diese neue Produktionsweise war für die Gleichstellung der Frauen mehr Vor- als Nachteil. Wie so eine Sendung wie die Bräuteschule (von 1958) oder die aktuellen Diskussionen um Kinderbetreuung u.ä. zeigen, ist der Prozess allerdings immer noch nicht abgeschlossen.

Cleos 03/23/2007 08:22:15 PM

also ich mußte nun ehrlich und zugegebenermaßen grinsen über den genaustausch durch crossing over.es gibt gene auf dem y-chromosom die haben kein korrelat auf dem x-chromosom, denn sie sind ausschließlich für die spermienproduktion determiniert.
der mensch ist sehr intelligent angelegt und natürlich haben frauen bei der xx-kombination die besseren überlebenschancen.das verhältnis der fehlgeburten und aborte liegen bei der xy-kombination um ein sechsfaches höher als bei der xx-kombination,eben weil das y -chromosom klein ist und nicht geschützt.
crossing over funktioniert nur bei gleichen oder passenden aminosäure-sequenzen oder durch spontanmutation.
ich könnte jetzt noch mehr erzählen über die genetik, aber auch das wäre nicht wissenschaftlich.aber auch die begrifflichkeit crossing-over ist alles andere als wissenschaft.
ach und gregor: das pseudofeministisch gequakle kann ich auch nicht mehr hören.
ich habe absolutes mitleid mit euch männern.
irgendwie habt ihr was verpennt…..:-))

Gregor Keuschnig 03/26/2007 09:01:11 AM

Ja, das mit der „Gleichberechtigung“ war immer eine Sache der „Diskurshoheit“. Wenn man Wehrgerechtigkeit anmahnte und für Frauen beispielsweise eine Art „soziales Jahr“ vorschlug, landete man ganz schnell in der Nazi-Ecke. Soviel Gleichberechtigung sollte es dann doch nicht sein. Sie wäre m. E. tatsächlich dringlich, da ja Männer eine nicht unerheblich geringere Lebenserwartung haben. Volkswirtschaftlich ist es auch unsinnig, Männer, die studieren wollen, die Zeit des Armeedienstes länger vom Arbeitsprozess abzukoppeln.

In Israel gibt es derlei Einschränkungen ja nicht; Frauen werden dort auch zum Wehrdienst gezogen. Dennoch gilt die israelische Gesellschaft als eine Machogesellschaft.

Wenn man Emanzipation über die Partizipation am Erwerbsleben definiert, dann war die DDR sicherlich wesentlich weiter als die Bundesrepublik.

Der jetzige Schwenk bis weit in die konservativen Kreise der CDU hinein, eine Infrastruktur zu implementieren, die die Wahlfreiheit zwischen Berufsfortsetzung und Kinderbetreuung nicht nur theoretisch ermöglicht, verfolgt u. a. folgenden Sinn: Da Frauenarbeit immer noch geringer bezahlt wird, sind Frauen in bestimmten Positionen für Unternehmen attraktiver als Männer. Ich kann mir sonst keinen Grund für den Sinneswandel vorstellen, denn mehr Jobs werden ja definitiv in den nächsten Jahrzehnten nicht zur Verfügung stehen.

Disclaimer: Ich bin natürlich dagegegen, dass Frauen schlechter bezahlt werden als Männer – aber ich beschreibe einen Zustand. Woran dieser festzumachen ist, ist auch klar: Zur Gehaltsverhandlung gehören immer zwei.

a. 10/21/2007 05:26:03 PM

Ich habe es geschafft, Steven Pinkers Buch „Das unbeschriebene Blatt“ bis zum Ende zu lesen. Wieso vermuten Sie nur so wenige Prozent, die das schaffen? Ich habe selten ein so gut verständliches und spannendes Sachbuch gelesen.

Das Zuendelesen lohnt sich schon allein deswegen, weil sich am Schluss die Liste der sog. menschlichen Universalien, also Verhaltensweisen, die sich in jeder je dokumentierten Gesellschaft nachweisen lassen, findet (nach Donald E. Brown, 1991). Da sind auch geschlechtsspezifische Sachen dabei.

Bzgl. der Frage, wieso Männer und Frauen so verschieden (im Aussehen, Verhalten etc.) sind, obwohl Forscher laut Spiegel „den großen Unterschied“ nicht finden, kann man bei Steven Pinker und anderen einige Hinweise finden.

Wie etwa die Tatsache, dass Männer und Frauen im Durchschnitt zwar gleich intelligent sind, dass aber die männliche Intelligenz breiter gestreut ist. Das heißt, es gibt mehr männliche als weibliche Hoch- und Minderbegabte.

Wird also die Frage nach „dem großen Unterschied“ auf Basis statistischer Durchschnittswerte gestellt, ist klar, dass man beispielsweise in Sachen Intelligenz nicht fündig wird.

Bei der Betrachtung der Streuung des IQs zeigen sich aber, wie gesagt, sehr wohl Unterschiede. Die Tatsache, dass dieser Hinweis meist fehlt, wenn es um Fragen der Intelligenzunterschiede zwischen Männern und Frauen geht, könnte mit der Sorge um die politische Korrektheit zu tun haben.

In Ihrem Thread zur „IQ-Falle“ von Volkmar Weiss schreiben Sie:
„Es gibt (im statistischen Durchschnitt) eine starke Korrelation zwischen den Schulnoten und dem IQ. Am stärksten ist sie zu den Zensuren in Mathematik und Physik. Da Schulnoten in einer Gesellschaft mit freier Berufswahl auch über den späteren Werdegang mitbestimmen, gibt es ebenso eine Korrelation zwischen dem IQ und dem Beruf und daraus folgend der späteren möglichen sozialen Stellung in der Gesellschaft.“

Zählt man jetzt eins und eins zusammen, könnte man hier doch eine Teilantwort auf die Frage finden, warum mehr Männer als Frauen mathematisch-naturwissenschaftliche Spitzenforschung betreiben: Offenbar muss man eine hohe Intelligenz mitbringen, um in diesem Bereich erfolgreich zu sein. Da es weniger hochintelligente Frauen als Männer gibt, sind Frauen auch entsprechend seltener in diesen Zweigen der Wissenschaft und Forschung anzutreffen.

Ich glaube, ein ehemaliger Harvard-Präsident hat sich mal in diese Richtung geäußert und deswegen seinen Job verloren. Anscheinend ein Minenfeld, „das gleiche Geschlecht“.

Köppnick 10/21/2007 06:01:50 PM

Wir können ja ein wenig auf die Zahlen gucken: Um als Wissenschaftler arbeiten zu können, soll man einen IQ zwischen 120 und 140 haben. (Habe ich irgendwo gelesen, zumindest die Begrenzung nach oben erscheint mir merkwürdig, sind die Intelligenteren zu intelligent für die Wissenschaft?)

Schaut man sich die Verteilung größer 130 an, dann findet man dort aufgrund der tatsächlich größeren Streuung bei Männern 2/3 Männer und 1/3 Frauen. Das soll auch etwa der Mitgliederverteilung bei Mensa entsprechen.

Man hat aber im Durchschnitt beim gehobenen wissenschaftlichen Personal nicht 1/3 Frauen, z.B. bei der Anzahl der Professoren. Und dabei muss man als Professor nicht mal besonders intelligent sein. (Ich kenne jedenfalls eine Menge von ziemlich minderbegabten Exemplaren dieser besonderen Beamtenspezies.)

Das alles spricht dafür, dass es außer einer geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Affinität für verschiedene Berufe immer noch eine Benachteiligung von Frauen im Berufsleben gibt, nicht de jure, aber de facto.

Das Problem an Steven Pinkers Buch ist sein enormer Umfang. Ich würde alle Sachbücher gesetzlich verbieten lassen, die einen Umfang von mehr als 200 Seiten haben. 😉

a. 10/22/2007 00:00:11 PM

> Wir können ja ein wenig auf die Zahlen gucken: Um als Wissenschaftler arbeiten zu können, soll man einen IQ zwischen 120 und 140 haben. (Habe ich irgendwo gelesen, zumindest die Begrenzung nach oben erscheint mir merkwürdig, sind die Intelligenteren zu intelligent für die Wissenschaft?)

Interessant, das mit der Obergrenze 140. Ist man ab da aufwärts evtl. nicht mehr „teamfähig“?

> Schaut man sich die Verteilung größer 130 an, dann findet man dort aufgrund der tatsächlich größeren Streuung bei Männern 2/3 Männer und 1/3 Frauen. Das soll auch etwa der Mitgliederverteilung bei Mensa entsprechen.
Man hat aber im Durchschnitt beim gehobenen wissenschaftlichen Personal nicht 1/3 Frauen, z.B. bei der Anzahl der Professoren.

Na ja, aber auch hier zeigt die Streuung wiederum Dinge, die der Durchschnitt verbirgt: Professuren für „Frauen- und Geschlechterforschung“ sind meines Wissens fast ausschließlich in Frauenhand. Das kann jetzt zweierlei bedeuten: Entweder ist für diesen Bereich kein so hoher IQ erforderlich (böse Zungen sprechen ja auch im Falle dieser oder vergleichbarer Fachrichtungen von „Laberfächern“), oder aber diejenigen hochbegabten Frauen, die in Forschungszweigen mit weniger als 1/3 Frauenanteil sozusagen fehlen, „sammeln“ sich hier…

Letzteres wäre dann ein Indiz für die Allerweltstatsache, dass ein hoher IQ allein nicht ausschlaggebend für eine wissenschaftliche Karriere ist, sondern dass auch eine gewisse fachspezifische Neigung und Motivation vorliegen muss, was einen dann die eine oder die andere Richtung wählen lässt.

> Und dabei muss man als Professor nicht mal besonders intelligent sein. (Ich kenne jedenfalls eine Menge von ziemlich minderbegabten Exemplaren dieser besonderen Beamtenspezies.)

Ich hatte meinen Teilantwortversuch auf den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich eingeschränkt, weil da ja angeblich bereits in der Schule der engste Zusammenhang zwischen hohem IQ und guten Leistungen besteht. Es gibt auch Untersuchungen zum studentischen Durchschnitts-IQ bezogen auf bestimmte Studienfächer – hab gerade keine Belege, aber ich meine, der war bei Mathe/Natur-/Ingenieurswissenschaften am höchsten. Gibt es tatsächlich „ziemlich minderbegabte Exemplare“ unter, sagen wir, Physikprofessoren? Erstaunlich.

> Das alles spricht dafür, dass es außer einer geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Affinität für verschiedene Berufe immer noch eine Benachteiligung von Frauen im Berufsleben gibt, nicht de jure, aber de facto.

Ja, ich gehe auch davon aus, dass es mehr als einen Grund für die Unterrepräsentation von Frauen vor allem in der technisch-naturwissenschaftlich ausgerichteten Spitzenforschung gibt. Aber ein ganz wesentlicher scheint schon mal die per se begrenztere Anzahl derer zu sein, die dafür theoretisch überhaupt in Frage kämen.

Und in Sachen Benachteiligung von Frauen stellt sich die Frage, wieso wirken solche Mechanismen nur in einigen Fachrichtungen (z.B. Quantenphysik), in anderen (z.B. Frauen- und Geschlechterforschung) dagegen nicht? Oder werden im erstgenannten Bereich die Frauen, im letztgenannten die Männer benachteiligt?

> Das Problem an Steven Pinkers Buch ist sein enormer Umfang. Ich würde alle Sachbücher gesetzlich verbieten lassen, die einen Umfang von mehr als 200 Seiten haben. 😉

Ein solches Gesetz fände ich ok, nur müssten Ausnahmen zugelassen sein, z.B. für Bücher von Steven Pinker. 😉

Köppnick 10/22/2007 07:15:38 PM

Ich kenne keine Profs dieser Subspezies näher, insofern kann ich mir da kein Urteil erlauben. Aber ich weiß, welche Kriterien bei Ingenieurprofessuren angewendet werden. Wichtig ist es, gut in Netzwerken integriert zu sein, eine Hausmacht in den entscheidenden Gremien zu besitzen und kungeln zu können. Man kann das natürlich auch euphemistisch als Kooperationsfähigkeit und soziale Kompetenz bezeichnen. Auf jeden Fall wird es hier, auch was die Geschlechterfrage betrifft, selbstverstärkende Prozesse geben. Sprich, eine Frau wird es in einem Männerverein (Ingenieurwissenschaften, Physik) mindestens genauso schwer haben wie ein Mann umgekehrt in einer Frauendomäne (Sozialwissenschaften).

Wenn man eine Abiturientenquote von 50% anstrebt (einige Länder haben die wohl schon), dann haben die schlechtesten Abiturienten (bei etwas Streuung) schon einen IQ kleiner 100. Das Gros krebst bei Werten herum, die früher für Facharbeiter charakteristisch waren. (Da ist der Zeitpunkt nicht weit, zu dem an unseren Unis Nachhilfekurse im Lesen, Schreiben und Rechnen angeboten werden müssen.) Ich finde das nicht schlimm, aber es zeigt, wie weit die Diskussionen um Elite-Unis und Studiengebühren am tatsächlichen Bedarf der Mehrheit vorbeigehen.

Die überwiegende Zahl der Hochschullehrer wird in Zukunft eine solide Berufsausbildung anbieten müssen. Da ist es aus der Sicht der Studenten für einen „Normal“professor, sprich Hochschul“lehrer“ wahrscheinlich nicht mehr so wichtig, einen hohen IQ zu besitzen, als vielmehr soziale und pädagogische Kompetenzen zu zeigen. Viele Firmen kommen schon heute mit Fachhochschulabsolventen besser als mit solchen von der Uni zurecht.

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