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Chile: Valparaíso

Von Santiago haben wir einen Tagesausflug nach Valparaíso unternommen. Das ist heute fast eine Millionenstadt, hat einen der größten Häfen Chiles, eine interessante Geschichte und eine wunderschöne Altstadt.

Das erste Ziel, das wir in Valparaíso angesteuert haben, war ein ehemaliges Wohnhaus von Pablo Neruda. Der Nobelpreisträger für Literatur war auch politisch sehr aktiv und hat mehrfach für die KP Chiles kandidiert. Weil er 12 Tage nach dem Militärputsch 1973 in einem Krankenhaus gestorben ist, sind die Gerüchte um seine Ermordung durch die Junta bis heute nicht verstummt.

Auf dem Bild sieht man sein Wohnhaus in Valparaíso. Es ist heute ein Museum. Leider hatten wir nicht genügend Zeit es zu besichtigen. Pablo Neruda hat in seinen Häusern allerlei Dinge von Trödelmärkten zusammengetragen, was einige heute als „Kitsch“ bezeichnen. Wir haben im Museumsshop ein paar Postkarten gekauft, die Fotografien der Inneneinrichtung zweier Häuser zeigen. Ich fand die Ausstattung der Räume durchaus geschmackvoll.

Schlendert man durch die Altstadt, dann nimmt einen das besondere Flair schnell gefangen. Valparaíso ist berühmt für seine Grafitti und seine immer noch lebendige Kunst- und Studentenszene. Was mich als Elektroingenieur auch gefesselt hat, ist die exotische überirdische Verkabelung. Derlei faszinierend mich immer wieder, obwohl ich Vergleichbares bereits in Ecuador und Peru gesehen habe.

Das obenstehende Foto zeigt eine Straße in der Altstadt in einer Art englischem Kolonialstil mit einem wunderschönen Ausblick Richtung Meer. Den Spruch „We are not Hippies, we are Happies“ kann man in eine Suchmaschine eintippen und wird danach mit einer Unmenge von Bildern überschüttet, es ist eins der bekanntesten Fotomotive in der Altstadt.

Weltberühmt sind auch die Aufzüge, mit denen man zwischen der sehr steil an den Hängen gebauten Altstadt und den moderneren Stadtvierteln in Ufernähe wechseln kann. Einige Mitreisende hat dieser Stadtbereich an Lissabon erinnert. Ich kann das nicht beurteilen, ich war dort noch nie. Die Fahrt in einem der Aufzüge ist vergleichsweise preiswert und allemal besser, als sich bergauf die Kondition und bergab die Knie zu ruinieren.

Das Bild unterhalb ist im Hafen aufgenommen. Der Name „Rostock“ ist uns in Chile zweimal begegnet. Im Hafen von Valparaíso als Name eines Schiffes, mitten im Land als Name einer Konditorei. Es gibt in der chilenischen Schweiz eine Vielzahl von Menschen mit deutschen Vorfahren.

In Vina del Mar, einer Stadt in unmittelbarer Nachbarschaft von Valparaíso liegt das Museum Fonck. Sein Wahrzeichen ist ein echter Moai von Rapa Nui, der Osterinsel. Die Osterinsel gehört politisch zu Chile und wer es möchte, kann bei den meisten Reiseveranstaltern im Anschluss oder als Bestandteil seiner Chilereise einen Zusatztrip auf die Osterinsel buchen. Ob sich das lohnt, weiß ich nicht.

Wenn ich richtig informiert bin, dann ist der Moai vor dem Fonckmuseum der einzige echte außerhalb der Osterinsel. Meine erste „Begegnung“ mit dieser Insel hatte ich in Jared Diamonds Buch Kollaps. Dort dient das Schicksal der Insel als Analogie zu dem, was uns Menschen blüht, wenn wir weiter so mit der Erde umgehen: Die prähistorischen Bewohner der Osterinsel haben sich beim Bau der Statuen einen Wettbewerb darum geliefert, wer die prächtigsten Skulpturen baut und man hat zu diesem Zweck immer mehr Holz verbraucht und Bäume geschlagen. Am Ende war die Insel vollständig abgeholzt. Man hatte danach auch kein Baumaterial mehr, um Boote zu bauen und die ungastlich gewordene Insel zu verlassen – was einen drastischen Einbruch der Bevölkerungszahl und den Zusammenbruch der vorherigen Hochkultur zur Folge hatte.

In der Nähe des Museums findet man ein Geschäft bzw. eine Ausstellung mit den schönsten Lapislazuli-Schmuckstücken. Auf dem Bild ist der bläuliche Lapislazuli mit dem grünlichen Malachit zu einer Art Maske verarbeitet. An den Preis dieser Arbeit kann ich mich nicht mehr erinnern – wahrscheinlich weil er sowieso jenseits unserer finanziellen Möglichkeiten lag. 😉

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