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Chile: Pazifikküste

Chile liegt entlang der Pazifikküste und ist überall sehr schmal im Vergleich zu seiner Nord-Süd-Ausdehnung. Man sollte deshalb vermuten, dass das Land sehr wasserreich ist. Die Ursache, warum das nicht so ist, wurde bereits im Artikel über die Atacamawüste erwähnt – das verdunstende Wasser des Humboldtstroms, der nährstoffreiches, aber kaltes Wasser an der Küste Südamerikas vorbeiführt, regnet sich an den Küstenkordilleren ab und gelangt nicht tief ins Landesinnere.

Was mich beim Lesen von Artikeln über den Humboldtstrom verblüfft hat, ist, dass er nicht zur thermohalinen Zirkulation gerechnet wird. Damit wird ein System von Meeresströmungen bezeichnet, das sich über die gesamte Fläche der Ozeane erstreckt. Der Golfstrom zählt zum Beispiel dazu und ist die Ursache dafür, dass in Europa überhaupt so ein mildes Klima herrscht.

Auf unserer Reise haben wir den Pazifik das erste Mal in Valparaiso näher in Augenschein genommen, (dazu gibt es später noch einen eigenen Artikel). Das zweite Mal waren wir in La Serena an der Pazifikküste. Die Chilenen machen gern Urlaub am Meer, was zumindest ich nicht recht verstehen kann, denn für meinen Geschmack ist es am Strand viel zu kalt.


Tatsächlich ist der Strand auch viel weniger bevölkert, als man es z.B. auf den Kanaren findet.

Eine zweite Vorliebe, die mir etwas rätselhaft bleibt, ist der Wunsch, unmittelbar am Ufer zu wohnen. Das Bild zeigt Eigentumswohnungen, die nicht besonders hübsch erscheinen, aber sehr teuer sein sollen. Der Wunsch, der Küste nahe zu sein, wird noch unverständlicher, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass Chile geologisch sehr aktiv ist und häufig von Erdbeben erschüttert wird. Am Abend in La Serena hatten wir auf einmal das Gefühl, jemand würde an unseren Stühlen rütteln. „Das war gerade ein kleines Erdbeben“, wurde uns gesagt.

Erdbeben in Küstennähe verursachen häufig Tsunamis. Chile wurde bereits mehrfach von diesen Monsterwellen heimgesucht. Sucht man im Netz nach entsprechenden Einträgen, wird man schnell fündig: Im April letzten Jahres löste ein Erdbeben der Stärke 8,2 einen Tsunami aus: Tsunami-Warnung nach Beben vor Chile. Das Erdbeben von 2010 war mit 8,8 noch etwas stärker: Artikel in der Wikipedia. Das bislang schwerste Erdbeben weltweit war im Jahr 1960 ebenfalls in Chile, in Valdivia. Offiziell soll dieses Erdbeben eine Stärke von 9,6 gehabt haben. Insider vermuten, dass es noch stärker gewesen ist, aber die Stärke herunter korrigiert wurde, weil Versicherungsgesellschaften ab einer Stärke von 10 nicht mehr zahlen müssen.

In Chile versucht man, sich mit den geologischen Gegebenheiten zu arrangieren. Eine Maßnahme ist, dass bei einer Tsunamiwarnung Nachrichten an alle Handys gesendet werden, die in den betreffenden Gebieten eingeloggt sind. (Ein Handy muss sich ja, wenn es sich in einem bestimmten Gebiet befindet, bei dem nächstgelegenen Sendemast anmelden, damit die Telefongesellschaft weiß, wohin ein Ruf, der an den Besitzer des Handys gerichtet ist, übermittelt werden muss. So ist der Aufenthaltsort des Geräts stets auf wenige Dutzend Meter bekannt.)

Damit man weiß, was man im Falle des Empfangs einer solchen SMS tun muss, findet man praktisch an allen tsunamigefährdeten Orten Hinweisschilder, die einem zeigen, in welche Richtung man bei einem Alarm rennen sollte, um sich in Sicherheit zu bringen. Der Anblick dieser Schilder erzeugt bei einem Touristen ein etwas mulmiges Gefühl.

Bei einem Spaziergang am Strand von La Serena haben wir solche Quallen am Strand gefunden, sie waren viel weniger labberig, als ich sie von der Ostsee her kenne. Und dann haben eine Reihe von kleinen Löchern in der Brandung meine Aufmerksamkeit erregt, weil aus ihnen Wasser ausgeströmt ist und sie ganz offensichtlich von ihren Bewohnern ständig instant gehalten worden sind.

Dieser kleine Krebs lag tot am Strand, aber erst als wir interessiert zwei Chilenen zugesehen haben, die angestrengt im Sand gruben, bekamen wir Gewissheit:

Ja, diese Krebse sind die Erbauer bzw. Bewohner der Löcher im Sand!

An einem Exkursionstag sind wir von La Serena aus zu der Isla Damas (selbst recherchieren bei Google) gefahren. Es gibt mehrere Inseln, die im Humboldt-Nationalpark liegen und eine sehr reichhaltige Fauna bieten. Die folgenden Bilder zeigen, was wir gesehen haben: Delfine, Seelöwen, Pinguine, Tölpel und noch einige weitere Seevogelarten.

Die Bootsfahrt begann mit einem Highlight, das wir leider nicht auf ein Bild bannen konnten, denn der unmittelbar neben dem Boot auftauchende große Wal war binnen weniger Sekunden auch schon wieder verschwunden und ließ sich kein zweites Mal sehen. Delfine hingegen haben unser Boot in großer Zahl umkreist.

Von den Tölpeln gibt es mehrere Arten, das erste Mal sind sie mir auf den Galapagosinseln begegnet, hier ein Bericht darüber.

Ja, und dann natürlich noch Seelöwen und Pinguine in großer Zahl. 🙂

Mit dem Wetter muss man etwas Glück haben. Unsere Exkursion fand im Sonnenschein und fast bei Windstille statt, aber schon am nächsten Tag wurden wegen der stürmischen See alle Bootsfahrten abgesagt.

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