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Chile: In der Atacamawüste

Die Atacamawüste gilt als eine der trockensten Gegenden der Erde. Vier Länder haben einen Anteil an ihr: Im Norden Peru, im Nordosten Bolivien, im Osten Argentinien und im Westen und Süden Chile, siehe die nebenstehende Abbildung aus der Wikipedia. Zum Pazifik hin im Westen verhindert eine Küstenkordillere, dass sich die vom Humboldtstrom herangetragene Feuchtigkeit dort abregnen kann, im Westen wird die Atacama von den Anden begrenzt, auch diese bilden eine wirksame Dampfsperre für Wolken aus dem bolivianischen und argentinischen Tiefland. Aus der Wikipedia:

Im Jahresmittel fällt hier nur etwa ein Fünfzigstel der Regenmenge, die im Death Valley in den USA gemessen wird. Es gibt Wetterstationen in der Atacama, die in ihrer Geschichte nicht einen Tropfen Niederschlag verzeichnet haben. Es herrschen große Temperaturunterschiede zwischen Tag (30 °C) und Nacht (–15 °C).


Unsere Reiseführerin hat uns erzählt, dass es nachweisbar in einigen Gegenden der Atacama seit 70.000 Jahren nicht mehr geregnet hat. (Leider habe ich vergessen zu fragen, wie man das nachgewiesen hat. 🙁 ) Weil die Wüste so lebensfeindlich ist, wurde sie früher kaum besiedelt. Menschen findet man nur dort, wo es entweder Wasser oder Bodenschätze gibt. Interessant sind die Geschichten über den Salpeterkrieg, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts zwischen Chile auf der einen, und Peru und Bolivien auf der anderen Seite stattgefunden hat. Salpeter war früher ein begehrter Rohstoff einerseits für Düngemittel, andererseits für Sprengstoffe. Seine Bedeutung hat erst abgenommen, als der später dafür mit dem Chemienobelpreis ausgezeichnete Fritz Haber eine Möglichkeit gefunden hat, Stickstoff aus der Luft zu binden und Ammoniak herzustellen.

Im Ergebnis des Salpeterkriegs hat Bolivien seinen Zugang zum Pazifik verloren – weswegen es heute noch Spannungen mit Chile gibt. Kurioserweise unterhält Bolivien trotzdem noch eine Marine, aber wohl mehr, um auf dem Titicacasee zu shippern. Die Salpetergewinnung ist heute wirtschaftlich bedeutungslos, aber die großen Vorkommen an Kupfer, die man in der Atacama gefunden hat, spielen eine wichtige Rolle in der Wirtschaft und für den Export Chiles.

Wenn man von Santiago aus Richtung Norden in die Atacama fliegt, dann kann man aus dem Flugzeug die gewaltigen Tagebaue sehen, in denen Kupfer abgebaut wird. Der größte Tagebau der Welt befindet sich in Chile und soll 1,1 km tief sein! In dem Artikel über die (ehemalige) Stadt Chuquicamata wird kritisch über die Umweltbelastungen berichtet, die mit der Kupfergewinnung einhergehen. Die größten Probleme werden dabei durch Feinstaub und Arsen verursacht.

Wir sind nach unserem Flug letztlich in einem kleinen Ort namens „San Pedro de Atacama“ abgestiegen, das Bild zeigt die Hauptstraße im Touristenviertel. Fast wie eine Zusammenfassung unseres Reiseprogramms der folgenden zwei Tage liest sich ein Bericht im Spiegel: In der Atacama-Wüste sind Superlative Nebensache. In San Pedro ist es heiß und staubig, leben kann man hier nur, weil es Wasser gibt. Man trifft hier relativ viele Backpacker, durch die Nähe zu Bolivien werden wohl zumindest einige von ihnen der billigen Joints wegen hier sein.

Außerhalb der Ortschaft sieht die Landschaft etwa so aus, wie auf dem obigen Bild, das heißt ohne jegliche Vegetation. Allerdings wird hier ein besonders bergiger Teil der Atacama gezeigt, der weitaus größte Teil der Wüste hingegen ist topfeben und so weniger fotogen.

An kleinen Lagunen sieht man, dass das Gestein sehr salzhaltig ist, die weißen Stellen sind ausgewaschenes Salz. Andererseits ist das Salz stark mit anderen Mineralien vermengt, sodass man die frühere Salzgewinnung inzwischen eingestellt hat, es lohnt sich einfach nicht.

In den Salzlagunen gedeihen kleine Salinenkrebse, die die Hauptnahrung der Flamingos darstellen. Flamingos sind sehr viel salztoleranter als andere Tiere und haben deshalb in den Salzlagunen der Atacama kaum Nahrungskonkurrenz.

An einer anderen Stelle der Atacama kann man auf Höhen von über 4000 Metern einen Ausflug zu den Tatio-Geysiren unternehmen. Hier merkt man, dass Chile insgesamt geologisch noch sehr aktiv ist, in der Wikipedia nennt man eine Zahl von 2000 Vulkanen, von denen etwa 300 noch aktiv sein sollen. Hier eine Liste der bekannteren Vulkane in Chile.

In größeren Höhen ist die Siedetemperatur von Wasser geringer als auf Meeresniveau, hier findet man eine Luftdruckangabe von weniger als 600 hPa auf 4200m Höhe, hier die dazugehörige Siedetemperatur zwischen 80 und 90°C. Diese Temperatur (86°C laut Wikipedia am Vulkan El Tatio) erreicht das Wasser in den oben abgebildeten Geysiren, die sich folglich in unregelmäßigen Abständen mit einer Dampffontäne entladen. Am besten sieht man den Dampf, wenn es kalt ist und die Sonne niedrig steht – folglich fahren die meisten Touristen das Geysirfeld El Tatio zum Sonnenaufgang an. Dieses Geysirfeld ist das größte auf der Südhalbkugel.

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