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Chile: Grey-Gletscher

Die folgende Karte ist auch ein Nachtrag zum vorigen Tag, einer Ganztageswanderung durch den Nationalpark „Torres del Paine“ zum Aussichtspunkt „Mirador las Torres“ (auf der Karte mit „2“ gekennzeichnet). Vor dieser Wanderung hatten wir in der Hosteria las Torres übernachtet (auf der Karte: „1“). Dort hatte man recht saftige Preise mit 70 Euro für ein Bett in einem Sechsbettzimmer und 30 Euro für ein Abendbrot, dessen kulinarischer Höhepunkt aus einem halben Pfirsisch aus der Dose bestand. Die Betreiber können diese Mondpreise fordern, weil sie in diesem Teil des Nationalparks keine Konkurrenz haben, ihnen gehören in der Nachbarschaft alle Hotels, Hosterias und Zeltplätze.

Unser Unterkunft für die nächsten zwei Übernachtungen war komfortabler und preiswerter (auf der Karte mit „3“ gekennzeichnet), siehe unten. Auf der weiten Fläche um den Rio Serrano gibt es einige Hotels und kleinere Ferienunterkünfte. Von hier startete unser Ausflug zum Grey-Gletscher (auf der Karte die Nummer „4“).

Den Gletscher erreicht man am besten mit dem Schiff. Unsere Reiseleiterin hatte sich für einen Termin am frühen Morgen bemüht, da ist das Wasser ruhiger, es weht weniger Wind und die Sicht ist besser. Aber es ist zu Sonnenaufgang und in der Nähe des Gletschers noch eiskalt.

Wie man auch an der obigen Karte erkennen kann, läuft der Gletscher in zwei Zungen aus, weil sich ihm in der Mitte ein riesiger Felsen entgegenstemmt (auf der Karte habe ich dort genau die „4“ eingezeichnet).

Mit dem Schiff steuert man nacheinander die beiden Gletscherzungen an, das obere Bild zeigt die rechte, das unter die linke von ihnen.

Während wir langsam von der rechten zur linken Seite wechselten, trieb dieser riesige Eisberg an uns vorbei. Er kann erst in der vorherigen Nacht abgebrochen sein, erzählte uns die Schiffsbesatzung. Die Männer müssen es ja wissen, denn sie fahren den Gletscher jeden Tag mit neuen Touristen an.

So ein intensives Blau habe ich an einem Gletscher noch nie gesehen, nur in den Alpen ein paar kleine Stücken beim Blick tief in einige Gletscherspalten. Wie blaues Eis zustandekommt, ist in diesem Artikel sehr schön erklärt.

In Kurzform: Normalerweise werden im Eis, das sich aus verdichtetem Schnee bildet, viele kleine Luftbläschen eingeschlossen. Da diese das Licht in alle Richtungen streuen, erscheint uns das Licht wie das der Sonne, also weiß. Wenn das Eis aber sehr lange existiert und sehr stark komprimiert wird, entweicht die Luft langsam aus dem Eis. Erst dann kann man das eigentliche Verhalten von gefrorenem Wasser auf Lichteinfall sehen: Es verschluckt langwelliges rotes und grünes Licht viel stärker als kurzwelliges blaues Licht.

Jedenfalls scheint es auch für die Besatzung ein nicht alltägliches Ereignis gewesen zu sein, selbst der Kapitän kam an Deck, um sich vor dem Eisberg fotografieren zu lassen. Und mit einer kleinen Hacke wurde etwas Eis herausgepickelt, um den für alle herumgereichten Pisco damit zu kühlen.

Normalerweise trinke ich ja am frühen Morgen keinen Schnaps, aber in einem solchen Augenblick: Prost!

Beim langsamen Vorbeifahren an der Eiskante konnte man die gewaltige Höhe der einzelnen Spitzen bewundern. Unsere Reiseleiterin erzählte uns, dass einmal ein Schiff sehr nahe an der Kante war, als plötzlich ein gewaltiger Eisberg von der Kante abbrach. Während die ahnungslosen Touristen noch begeistert ihre Fotos schossen, versuchte die Besatzung in großer Aufregung das Schiff in eine Richtung zu bringen, in der die kommende Flutwelle nicht alle Menschen von Deck spülen konnte. (Hier ist eine Tabelle angegeben, wie lange man bei welcher Wassertemperatur und normaler Bekleidung im Wasser überleben kann.)

Und den ziemlich nahe am Gletscherrand liegenden Zeltplatz (auf der Karte mit „Refugio y Cp Grey“ gekennzeichnet) soll auch schon einmal die Flutwelle eines herabstürzenden Eisberges überschwemmt haben.

Auch in diese Höhle eines Eisbergs, den wir auf der Rückfahrt passiert haben, sollte man mit einem Boot nicht versuchen einzudringen, denn natürlich sind die über den Lago Grey treibenden Esiberge nicht stabil und brechen auf ihrem Weg vom Norden nach Süden langsam auseinander.

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