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Chile: Elqui-Tal und Astro-Hotel

Die nächste Etappe unserer Reise führte uns ins Elqui-Tal. Aufgrund seiner hervorragenden klimatischen Gegebenheiten ist das Tal das bedeutendste Weinanbaugebiet Chiles. Es ist aber nur so fruchtbar, weil es dort den Fluss Río Elqui gibt. Geht man ein kleines Stück einen Berg hinauf, dann schwindet sehr schnell die Vegetation und macht einer wüstenartigen Landschaft Platz, die Atacama ist nahe.

Man kann die Trauben essen, zu Wein verarbeiten oder Pisco daraus brennen. Wie bereits der Wikipediaartikel erwähnt, beanspruchen sowohl Peru als auch Chile die Rechte an dem Namen „Pisco“. Beide haben deshalb die Einfuhr von Getränken mit dem Namen „Pisco“ verboten. In beiden Staaten gibt es jeweils eine gleichnamige Ortschaft, Pisco in Peru und Pisco Elqui in Chile. Im zweiten Ort hat übrigens Gabriela Mistral, eine chilenische Nobelpreisträgerin für Literatur, den größten Teil ihrer Jugend verbracht.

Erwähnenswert ist, dass es in Chile eine Weinsorte gibt, die fast überall auf der Welt der Reblaus zum Opfer gefallen ist, den Carménère. Vorteilhaft für sein Überleben war die geografische Isolation Chiles mit der Wüste im Norden, dem Ozean im Westen, den Anden im Osten und dem unwirtlichen Patagonien im Süden. Hier ein Artikel über das Elqui-Tal und den Weinanbau dort. Am Ende unserer Reise haben wir auch eine Weinkelterei besucht, im Elqui-Tal stand aber zunächst der Besuch in einer Pisqueria auf dem Programm:

So wird der Pisco hergestellt…

… und hier reift und lagert er anschließend.

Der Pisco ist ein Schnaps, der Touristen fast täglich als Pisco Sour zum Essen gereicht wird. Dafür wird er mit Limettensaft, Zuckersirup, Eiklar und Eis zu einem Aperitif gemischt. Das schmeckt sehr gut, aber die hochwertigen Sorten Pisco sollte man doch eher pur genießen.

Auf dem Weg durch das Tal durchquert man einige Orte, die durch den Tourismus einen enormen Zulauf und Wohlstandsgewinn erfahren haben. In der letzten Zeit ist zu den „normalen“ Touristen auch eine ganz andere Klientel gestoßen – Esoteriker. Wie wir gehört haben, ist ein „Astralpunkt“ von Tibet nach Chile gewandert und zieht seine Gläubigen jetzt ins Elqui-Tal. Hier ein entsprechender Link.

Auch viele UFOs sollen in Chile beobachtet worden sein, hier eine besonders vertrauenswürdige, deutschsprachige Quelle. 😉 Ich sehe das Ganze entspannt: Die Sonnenstrahlung im Elqui-Tal ist sehr stark, der Pisco schmeckt gut und wenn man auf einer Wanderung an einem der Hippiezelte vorbeikommt, sieht man dort den einen oder anderen Joint kreisen. Das sind doch gute Voraussetzungen für das Wahrnehmen des magnetischen Zentrums der Erde und das Beobachten von Ufos!

Unsere eigene Unterkunft für zwei Tage war hingegen wissenschaftlich-seriös, das Astro-Hotel Elqui Domos. Das Besondere an diesem Hotel ist, dass man sowohl in den Kuppelzelten als auch den festen Unterkünften die Möglichkeit hat, im Bett liegend den Sternenhimmel zu beobachten. Die Sicht ist hervorragend, an 360 Nächten im Jahr bleibt es im Elqui-Tal wolkenlos. In der Nähe befinden sich deshalb auch mehrere große Observatorien. Es soll auf der Welt insgesamt fünf „Astro-Hotels“ geben, nur das Elqui Domos befindet sich auf der Südhalbkugel. Leider habe ich bis jetzt noch nicht herausgefunden, welches die vier anderen sein sollen.

Entweder Zelt oder feste Unterkunft.

Auf der Südhalbkugel kann man andere Sternbilder beobachten als im Norden. Des Nachts zog über unseren Köpfen das Kreuz des Südens hinweg, dagegen konnten wir den Polarstern natürlich nicht finden. Nur wenige Sternbilder sind von beiden Hemisphären aus zu sehen, so z.B. der Orion.

Nur ganz am Rande und weil es am Vorabend der Sonnenfinsternis gut passt: Der Polarstern stand nicht immer genau im Norden, weil die Erdachse im Laufe der Jahrtausende taumelt. Genauso ist es ein Phänomen unserer Zeit, dass der Mond und die Sonne, von der Erde aus gesehen, dieselbe Größe haben – nur jetzt kann man also „perfekte“ Sonnenfinsternisse sehen. In ein paar Jahrmillionen wird sich der Mond so weit von der Erde entfernt haben, dass er die Sonne nicht mehr ganz verdecken kann. Die Gezeiten an den Küsten unserer Ozeane sind sowohl die Ursache des Abdriftens des Mondes als auch des Verlangsamens der Erdrotation.

Am Abend haben wir einen Besuch in einem der beiden „Sternenguckertürme“ gemacht, die keine 50 Meter von unserer Unterkunft am Hang standen und zum Hotel gehören. Zunächst gab es einen etwa halbstündigen Vortrag über die Entwicklung des Universums und die Sternentwicklung. Dann folgte die Praxis: Beobachtung von Sternen der Milchstraße, von planetarischen Nebeln und benachbarten Galaxien.

Vom Elqui-Tal kann man die große und die kleine Magellansche Wolke schon mit bloßem Auge erkennen – wenn man weiß, in welche Richtung man schauen muss. Und auch den Sirius haben wir uns durch das Teleskop angeschaut. Tatsächlich kann man nur Sirius A sehen, denn Sirius ist eigentlich ein Doppelsternsystem mit Sirius A, dem hellsten Stern am Himmel, und Sirius B, seinem kleinen und viel dunkleren Begleiter.

Die anderen Teilnehmer waren wohl am stärksten beeindruckt, als ihnen klar gemacht wurde, wie groß das Universum tatsächlich ist. Ich hingegen habe wieder einmal daran gedacht, welchen gewaltigen Einfluss die Entdeckung und Entwicklung von Glas auf die menschliche Gesellschaft gehabt hat. Die beiden Teleskope in den Beobachtungstürmen haben eine Öffnung von 14 Zoll. Da das eingefangene Licht direkt proportional dieser Öffnung ist, kann man bei Zugrundelegung der Größe der menschlichen Pupille von 8 mm und einer Sichtbarkeit von 3000 Sternen mit bloßem Auge leicht berechnen, dass man mit einem 14-Zoll-Teleskop über 4 Milliarden Sterne am Himmel beobachten kann.

Ich war fasziniert davon, dass der Vortragende nur ein paar Tasten auf einer Fernbedienung drücken musste, damit sich das angeschlossene Teleskop in Richtung des nächsten Sterns dreht, den er uns zeigen wollte. Dahinter stecken riesige Sternenkataloge und ausgefeilte Computerprogramme, mit denen man für eine beliebige Position auf der Erde und eine beliebige Zeit berechnen kann, wo der betreffende Stern gerade zu sehen ist. Für mich kommt das immer wieder einem Wunder gleich.

Am Abschluss des heutigen Reisesplitters ein Bild von Elqui Domos, das ich von der Homepage des Hotels „geklaut“ habe. Es zeigt die erleuchteten Unterkünfte mit dem Sternenhimmel im Hintergrund. Wenn man dort im Bett liegt, muss man nur das Licht ausknipsen und kann dann im Liegen die grandiose Aussicht auf den Sternenhimmel genießen:

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