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Archiv für die Kategorie ‘Sprache’

Sorites-Probleme

26. Februar 2012 9 Kommentare

Vor etwa einer Woche bin ich erneut auf das Haufenparadoxon gestoßen. Ich kenne es seit über zwei Jahren, bei Sainsbury schien es mir seinerzeit eins von vielen weniger bedeutsamen Kuriosa zu sein. Vor ein paar Tagen habe ich aber diesen Artikel gefunden: Informationsimmune Unbestimmtheit. Ich weiß schon nicht mehr genau wo, vermutlich in irgendeinem anderen Blog.

In diesem Artikel wird unter anderem erklärt, warum dieses bereits 24 Jahrhunderte bekannte Problem auch heute noch die Philosophen beschäftigt. Es wird Eubulides zugeschrieben, auf der Diskussionsseite zum Haufenparadoxon findet sich ein Abschnitt, der sich wie eine Übersetzung des Originals aus dem Altgriechischen liest, obwohl es das sicher nicht ist:

„Ein Sandkorn ist doch gewiss kein Haufen?“
„Gewiss nicht!“
„Und Zwei Sandkörner sind auch kein Haufen?“
„Auf jeden Fall!“
„Und wenn ich zu einer Anzahl Sandkörner, die kein Haufen ist, ein einzelnes Sandkorn hinzugebe, kann sie dadurch ein Haufen werden? Denn Zwei ist ja auch die Hinzugabe von einem zu Einem?“
„Fürwahr, Eubulides, so scheint es!“
„Und dennoch gibt es einen Haufen, der Aus Sandkörnern und nichts als einzelnen Sandkörnern besteht, die eines zu anderen gegeben wurden!“
„Nun bin ich verblüfft, Eubulides, und sehe ein, dass Aristoteles in allem Unrecht, und du in allem Recht hast.“

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Kann man über seinen Schatten springen?

17. Februar 2012 Keine Kommentare

Gestern Abend habe ich in einen Spektrum-Epoche-Heft über China gelesen, woher der Ausspruch „Schmiergeld zahlen“ kommt. Im alten China wurde der Handel in einigen Städten von kriminellen Banden beherrscht. Wollte man mit seinem Karren ihr Gebiet passieren, musste man Schmiergeld zahlen. Mit diesem Geld wurde das (völlig überteuerte) Fett für die Lager bezahlt, obwohl die Achslager in den meisten Fällen überhaupt keine Schmierung nötig hatten. Diese schöne Geschichte ist mir heute anlässlich des Rücktritts von Wulff eingefallen, da wurde dann gleich das nächste Wortspiel gebraucht: Frau Merkel müsse über ihren eigenen Schatten springen, wenn sie Joachim Gauck nominiert, den sie aus parteitaktischen Gründen seinerzeit für Christian Wulff abgelehnt hatte. Pyhsikalisch ist es unmöglich, über den eigenen Schatten zu springen, denn in allen Situationen bewegt sich der Schatten schneller als man selbst. Wenn hier jemand eine Konstruktion weiß, in der es anders ist, lasse er es mich wissen.
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Nicht gut, aber präsi

22. Januar 2012 Keine Kommentare

Ich gutte hier mal eine schöne Anekdote:

Die Mutter beschuldigt ihren Sohn, mit dem Nachbarsjungen heillos gesoffen zu haben. Der Sohn schwört Stein und Bein, dass „er nicht mit dem Nachbarsjungen gesoffen hat“. Da verzeiht ihm die Mutter. Viel später erfährt sie, dass er mit der NachbarsTOCHTER unter anderem heillos gesoffen hat. Sie stellt ihn zur Rede. Er wiederholt seine Antwort, nicht mit dem Nachbarsjungen gesoffen zu haben. Die Mutter schäumt. Der Sohn lächelt bemüht: „Die Ausrede ist nicht gut, aber präsi!“ – „Was ist präsi, bitte?“ – „Präsentabel.“ – „Und was bedeutet präsentabel?“ – „Es ist kein Rückentritt erforderlich.“

Der sehr lesenswerte Artikel von Gunter Dueck heißt Fehler machen, Fehler haben, Fehler sein und erklärt den semantischen Unterschied zwischen den drei Varianten (machen, haben, sein) am aktuellen Beispiel eines prominenten Aussitzers.

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Eine Katze hat sieben Leben

16. Januar 2012 2 Kommentare

Es ist nicht ganz klar, woher die Behauptung stammt, dass eine Katze sieben Leben hat. Aber Ernst Peter Fischer hat mir in seinem Buch „Schrödingers Katze auf dem Mandelbrotbaum. Durch die Hintertür zur Wissenschaft“ eine schöne Beweismöglichkeit geliefert. Fischer leitet her, dass eine Katze drei Schwänze hat, mein „Beweis“ ist seinem analog:

  1. Eine Katze hat ein Leben.
  2. Keine Katze hat sechs Leben.
  3. Eine Katze plus keine Katze ist eine Katze.
  4. Ein Leben plus sechs Leben sind sieben Leben.

Also hat eine Katze sieben Leben.

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Gedankensplitter VII

2. Januar 2012 Keine Kommentare
  1. Wie soll ich wissen, was ich darunter verstehen kann?
  2. Wie soll ich verstehen, was ich darüber wissen kann?
  3. Warum geht es in den beiden ersten Fragen verbal drunter und drüber?
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Burnout und Depression

28. Dezember 2011 4 Kommentare

Als vor etwa zwei Jahren das erste Mal das Thema „Burnout“ ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist, vor allem weil sich eine Prominente, Miriam Meckel, zu Wort gemeldet hatte und einige Zeit später der Suizid von Robert Enke bekannt wurde, der an einer Depression litt, war einer der Hauptdiskussionspunkte, ob nicht „Burnout“ eine Gefälligkeitsdiagnose und ein euphemisierender Anglizismus für die schon länger anerkannte Erkrankung „Depression“ ist. Im englischsprachigen Raum existiert der Begriff „Burnout“ schon länger. In Geo Wissen Nr. 48 „Was die Seele stark macht“ gibt es auf den Seiten 56/57 dazu einen Abschnitt. Geprägt hat den Begriff Mitte der siebziger Jahre der US-amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger.

Würde man versuchen, „Burnout“ ins Deutsche zu übersetzen, erhielte man als Substantiv wahrscheinlich „Ausgebranntsein“. Mit der für unsere Sprache typischen Möglichkeit der Bildung zusammengesetzter Wörter werden hier verbunden: „Ausbrennen“ und „Sein“. Da „Sein“ im Deutschen sowohl als Substantiv als auch als Verb verwendet werden kann, hat man jetzt (mindestens) drei verschiedene Möglichkeiten der Satzbildung, in denen man, wenn man über ein gutes Sprachgefühl verfügt, eine leicht unterschiedliche Bedeutung erkennt:

  • Ich habe einen Burnout.
  • Ich leide am Ausgebranntsein.
  • Ich bin ausgebrannt.

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Abschied vom Baukastenprinzip

13. November 2011 3 Kommentare

„Syntax“ und „Semantik“ sind zwei Begriffe, die jeder kennt, der sich mit Programmierung beschäftigt. Im Allgemeinen heißt es, dass „Syntax“ die formalen Regeln einer Sprache definiert, während „Semantik“ all das beinhaltet, was man mit dieser Sprache ausdrücken kann. Hier stößt man auf die folgende Grafik:

In der Wikipedia findet man die folgenden Begriffsdefinitionen:
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Deutsche sagen viel mit wenigen Worten

3. November 2011 Keine Kommentare

Manchmal staune ich darüber, worüber andere staunen. Ein typisches Beispiel ist die folgende Kurznachricht im Spiegel Nr. 42 vom 17.10.:

Spanier reden schneller als Deutsche. Sie schaffen im Schnitt acht (statt sechs) Silben pro Sekunde. Trotzdem haben Spanier in der gleichen Zeit kaum mehr gesagt. Das haben französische Linguisten von der Universität Lyon herausgefunden, deren Studie soeben im Fachblatt „Language“ erschienen ist. Die Forscher gaben 59 Testpersonen 20 unterschiedliche Kurztexte in der jeweiligen Muttersprache zu lesen. Dabei stellte sich heraus: Spanier, Franzosen oder Japaner reden zwar schneller als Deutsche oder Chinesen; für den gleichen Inhalt müssen die Schnellsprecher jedoch einen längeren Text aufsagen. „Sprachen benötigen unterschiedlich lange, um die gleiche Geschichte zu erzählen“, sagt Studienautor Francois Pellegrino. Offenbar liegt das an einem erstaunlichen Zusammenhang: Je schneller eine Sprache gesprochen wird, desto weniger Information transportiert sie. Deutsch ist demnach besonders langsam, dafür aber unschlagbar effizient.

Ja wie sollte es denn anders sein?
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Sprache und Denken II

2. Oktober 2011 Keine Kommentare

In Ergänzung zum ersten Artikel Sprache und Denken hier noch Zitate aus und Kommentare zu zwei weiteren Artikeln, die zudem an die Rezension eines Buchs anknüpfen, in dem es um den möglichen Einfluss der Muttersprache auf das Denken ging (Guy Deutscher: Im Spiegel der Sprache). Der erste der beiden Artikel ist „Gedacht wie gesprochen“ aus „Gehirn & Geist 7-8/2011“. Außer einigen Beispielen, die ich bereits in Guy Deutschers Buch gelesen hatte, enthielt er einige neue, z.B.:

»Wenn ich die Tasse jetzt berühre und sie hinunterfällt, würde ein englischsprachiger Beobachter sagen: Sie hat die Tasse umgeschmissen. Selbst es wenn nur ein Versehen war!« Im Japanischen, erklärt die junge Forscherin von der Stanford University weiter, zähle dagegen die Absicht. Wenn jemand mutwillig eine Tasse umwerfe, komme eine andere Verbform zum Einsatz, als wenn es sich um einen Unfall gehandelt habe. »Die Tasse ist von selbst umgefallen«, würde es dann sinngemäß heißen.

Linguisten verzeichnen dies als weitere Besonderheit mancher der etwa 7000 Sprachen der Welt. Doch Boroditsky ist Kognitionswissenschaftlerin und interessiert sich dafür, was solche Unterschiede über den Geist aussagen. »Sprachliche Merkmale beeinflussen, wie sich Menschen an vergangene Ereignisse erinnern«, erklärt die Forscherin.

Was hier auffällt, ist, dass man eigentlich gar nicht sagen kann, es wäre die Sprache, die diesen Unterschied bewirkt. Genauso könnte man behaupten, es wäre die Kultur, in der die Sprecher zu Hause sind. Das eröffnet dann den Raum für die Fragen nach dem Zusammenhang zwischen Sprache und Kultur bzw. Kultur und Denken. Genau um diesen Punkt ging es im Weiteren in dem Artikel:
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Sprache und Denken

25. September 2011 3 Kommentare

Lange war ich (implizit, weil nicht darüber nachgedacht habend) der Meinung, dass man immer sprachlich denkt. Synonym dafür ist der Begriff „Innerer Monolog“, also eine Art Selbst-Gespräch. (Bei mir ist es dabei sogar häufig so, dass ich Dialoge führe, also abwechselnd bewusst oder unbewusst zwischen verschiedenen Gesprächspositionen wechsle.) Inzwischen aber ist mir klar, dass das aus vielerlei Gründen so nicht stimmen kann. Ein eindrückliches Indiz dafür ist z.B., dass es doch ziemlich absurd wäre, wenn ein Maler, der ein Bild malt, dieses in seinem Kopf zuerst gedanklich in Sätzen formuliert. Vielmehr ist es so, dass er vor seinem geistigen Auge das Bild sieht, das er später zu malen versucht. Er denkt also in Bildern. Der Artikel „Sprache und Denken“ von Gottfried Vosgerau in „Spektrum der Wissenschaft 8/2011“ beschäftigt sich genau mit diesem Verhältnis zwischen den beiden Begriffen „Sprache“ und „Denken“.

Viele werden den Eindruck haben, beim Denken so etwas wie einen inneren Monolog zu führen. Ist Denken also im Wesentlichen inneres Sprechen? Das erscheint intuitiv plausibel. Allerdings beobachten wir den inneren Monolog nur, wenn wir uns darauf konzentrieren und nichts sonst tun. Es könnte also sein, dass das innere Sprechen nur dann mit dem Denken einhergeht, wenn wir unseren Sprachapparat zu nichts anderem gebrauchen. Möglicherweise handelt es sich also lediglich um eine Begleiterscheinung des Denkens, die für es selbst nicht notwendig ist.

Das ist genau die Selbstbeobachtung, die ich auch schon gemacht habe:
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