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Archiv für die Kategorie ‘Sprache’

Der weltweit älteste Aquarienfisch ist tot

8. Februar 2017 1 Kommentar

Heute früh war ich sehr traurig, denn Spiegel Online meldete, dass in Chicago der älteste Aquarienfisch der Welt gestorben ist. Aber eigentlich ist er gar nicht selbst gestorben, sondern er wurde gestorben. Sagt man nicht? Okay, er wurde eingeschläfert. Das ist aber auch eine komische Formulierung, denn „Einschlafen“ suggeriert, dass man irgendwann wieder aufwacht.


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Elektronische vs. gedruckte Bücher

3. April 2015 Keine Kommentare

In den letzten Tagen habe ich zwei Artikel gelesen, in denen das Leseverhalten in eBooks mit dem gedruckter Bücher verglichen wird. Der eine der beiden war „Lesen unter Beobachtung“ in „Bild der Wissenschaft“ 8/2014, der zweite „Die Vorzüge des Blätterns“ in „Gehirn und Geist“ 7/2014.

In dem ersten Artikel „Lesen unter Beobachtung“ wird am Anfang festgestellt, dass die verschiedenen Studien, die beide Leseformen miteinander vergleichen, zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Neu für mich:

Einen verblüffenden Effekt fanden Forscher um Monique Janneck von der Fachhochschule Lübeck: Sie entdeckten, dass Menschen zwar auf einigen elektronischen Geräten effizienter als auf Papier lesen, diesen Vorzug aber nicht erkennen. Nach einer Woche Schmökern mit Büchern, E-Readern oder Tablet-Computern erklärte die Mehrheit der Testpersonen, am liebsten gedruckte Bücher zu lesen und Inhalte daraus auch schneller aufzunehmen. Doch damit lagen sie falsch: „Unabhängig vom persönlichen Lesetempo lasen alle Testpersonen auf dem E-Reader am schnellsten“, stellten die Forscher fest. Das gedruckte Buch bildete das Schlusslicht.

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Macht ein Baum auch dann ein Geräusch, wenn niemand zuhört?

20. April 2014 Keine Kommentare

In einem Blog, in dem ich sehr gern lese, habe ich heute den Beitrag Sind Zahlen beobachterabhängig? gefunden. Die Autorin fragt dort:

Neulich war das Thema einer geschlossenen Runde wieder einmal etwas origineller; es ging darum ob “Zahlen auch dann existieren, wenn niemand zählt”. Diese Frage mag für den ein oder anderen etwas seltsam klingen, vielleicht ist sie das auch, andererseits ist es schwierig darauf sofort eine konkrete Antwort zu finden. Handelt es sich lediglich um Modelle, die nur für den Menschen in Bezug auf die Ordnung seiner Sinneswahrnehmungen von Nutzen sind, oder abstrakte, allgemeine, ewige Entitäten, die unabhängig von einem Beobachter in einer Art “reinen Welt” existieren, ganz nach dem Bild des Idealismus, vor allem dem der Anhänger des Platonismus?

Unstrittig ist, dass Zahlen für uns Ordnungsrelationen darstellen, also Ordnung in Dinge oder Vorgänge hineinbringen, die abzählbar sind. In Experimenten konnte man auch zeigen, dass es Vorformen solcher Abstraktionen bereits im Tierreich gibt. Wenn eine Affenhorde von einem aus drei Löwen bestehenden Rudel auf einen Baum getrieben wurde und die Affen danach nur zwei Löwen sich entfernen sehen, dann gibt es für sie einen guten Grund, noch ein Weilchen länger auf dem Baum hocken zu bleiben. Affen, die zählen können, haben einen evolutionären Vorteil, nur sie können ihre Gene an ihre Nachkommen weitergeben. Das ist übrigens auch ein gutes Argument, den eigenen Nachwuchs vom Nutzen des Mathematikunterrichts zu überzeugen!

In dem bereits verlinkten Blogartikel wurde die Eingangsfrage noch etwas abstrahiert:
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Japaner entging Leben im Überfluss

2. Dezember 2013 Keine Kommentare

Einen schönen Beleg dafür, dass die Artikel in deutschen Sätzen nicht überflüssig sind, liefert der Satz „Japaner entging Leben im Überfluss“. Ich hatte diesen Satz als „Der Japaner entging einem Leben im Überfluss“ gelesen, in diesem Artikel war aber eigentlich die Nachricht „Dem Japaner entging ein Leben im Überfluss“ gemeint.

In Japan sorgt das Schicksal eines Mannes für Aufsehen, der kurz nach seiner Geburt vor 60 Jahren vertauscht wurde und dadurch statt in einer wohlhabenden Familie bei einer armen Witwe aufwuchs. „Ich hätte ein anderes Leben haben können“, sagte der Mann, dessen Identität nicht bekanntgegeben wurde, am Mittwochabend (Ortszeit) in Tokio vor zahlreichen Medienvertretern.
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Die Welt gibt es nicht?

14. Oktober 2013 2 Kommentare

Vor ein paar Wochen bin ich über ein Homonym gestolpert: „Die Hochzeit der Saurier war im Jura.“ Ich war da wohl etwas schläfrig oder unaufmerksam, jedenfalls wird das Wort „Hochzeit“ in diesem Satz anders verwendet als im Satz „Die Hochzeit von Kate und William war im April.“ Die Betonung erzeugt hier den Unterschied. Im gesprochenen Deutsch ist das ganz klar, aber im geschriebenen Deutsch muss man sich den Sinn aus dem Kontext erschließen.

Ich brauchte eine Weile, bis ich für mein Missverständnis dieses schöne Fremdwort „Homonym“ gefunden hatte. Auf der von mir verlinkten Wikipediaseite wird man auch gleich mit einer noch genaueren Klassifikation beglückt, denn präzise analysiert handelt es sich bei der „Hochzeit“ in den beiden Bedeutungen um einen Homographen, der heterophon und polysem ist. 🙂 Alles klar?

Bei der Aussage „Die Welt gibt es nicht“, meine Überschrift oben, fühlte ich mich daran erinnert. Der Titel eines Buchs von Markus Gabriel ist „Warum es die Welt nicht gibt“. Im Spiegel 27/2013 vom 1.7. findet man ein Interview mit diesem jüngsten Philosophieprofessor Deutschlands. Hier ist es nicht ein Wort, das unterschiedlich betont eine andere Bedeutung erhält, sondern ein ganzer Satz. Die gängige Betonung wäre (durch Unterstreichung gekennzeichnet): „Die Welt gibt es nicht.“ Aber in dem von Gabriel gebrauchten Zusammenhang ist wohl eher gemeint: „Die Welt gibt es nicht“.

Zunächst geht es in dem Artikel um den aktuellen Streit zwischen den Naturwissenschaften und der Philosophie um die Deutungshoheit:
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Eingepflanzte Veganer

22. Januar 2013 Keine Kommentare

Ich saß in der Mensa und aß einen Salat, der auch einige Fleischstreifen enthielt. Ein Kollege spöttelte: „Du als eingefleischter Veganer isst Schnitzel?“ „Ich bin kein Veganer“, wollte ich zuerst antworten, doch dann fiel mir etwas Besseres ein: „‚Eingefleischter Veganer‘ ist ein Oxymoron. Es muss ‚Eingepflanzter Veganer‘ heißen!“ Später erinnerte ich mich noch daran, dass mir am Wochenende ein Bekannter erzählt hatte, dass er „fast Veganer“ sei. Er äße nur Tiere, die ihrerseits ausschließlich Pflanzen fräßen. Ich bezweifelte das, denn es würde seinen Speisezettel schon sehr einschränken. Viele Tiere verschmähen einen Fleischhappen nicht, so er sich ihnen bietet. Am Ende dieses lustigen Mittags blieben nur wenige Fragen ungeklärt: Wenn man etwas einpflanzen kann, was danach eingepflanzt ist, warum wurde dann jemand Eingefleischtes nicht zuvor eingefleischt? Und: Dürfen Veganer fleischfressende Pflanzen essen?

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Eigenschaften nicht existierender Dinge

9. Dezember 2012 1 Kommentar

Bis jetzt hatte ich angenommen, dass nichtexistente Dinge keine Eigenschaften haben können, aber so einfach ist das offensichtlich nicht. Für mich war es z.B. sinnlos, mich über den Widerspruch der drei Eigenschaften „Allmacht“, „Allwissenheit“ und „Allgüte“ aufzuregen, wenn man berechtigterweise annehmen kann, dass derjenige, dem diese Eigenschaften zugeschrieben werden, nicht existiert. In „Hohe Luft“ 1/2013 habe ich jetzt aber in dem Text „Die Energie, die es nicht gibt“, einige interessante Gedanken gefunden.

Die Vorstellung, jede Rede über nicht existierende Dinge sei sinnlos, entspringt der Vorstellung, dass Sprache ihren Sinn durch eine Beziehung zur Außenwelt bekommt: zum Beispiel durch die Beziehung zwischen einem Wort und dem Gegenstand, den es bezeichnet. Oder durch die Beziehung zwischen einem Gedanke im Kopf eines Menschen und einer Tatsache in der Welt. Und für eine Beziehung ist es nun einmal unerlässlich, dass die Dinge existieren, zwischen denen sie besteht. Ich kann fragen, wie weit es noch bis Schloss Neuschwanstein ist. Aber nicht, wie weit es noch bis Schloss Hogwarts ist – der Schule für Zauberei in den Harry-Potter-Romanen.

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Gemischtes Doppel

29. Juli 2012 Keine Kommentare

Ich habe in einem Forum ein nettes kleines Sprachspiel entdeckt, das seinen Reiz offenbar auch deshalb hat, weil zu jedem Doppel zwei Bilder gepostet werden:

Bärenmarke Mährenbarke


Weitere:
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Sprache und Denken III

22. März 2012 3 Kommentare

Ein Hinweis in einem Forum lässt mich auf eines meiner Lieblingsthemen zurückkommen, das ich zuletzt hier diskutiert hatte, den Zusammenhang zwischen Sprache und Denken. In der FAZ(.net) findet sich ein Artikel, in dem ein Zusammenhang zwischen dem Sparverhalten der Deutschen und Griechen auf der einen und Besonderheiten der Grammatiken des Deutschen und des Griechischen auf der anderen Seite hergestellt wird: Warum die Griechen mit Deutsch weniger Schulden hätten.

Bereits der Teaser ist ziemlich reißerisch:

Rehabilitation für die viel gescholtenen Griechen. Laut einer Yale-Studie lässt sich ihre Schuldenmentalität mit der gesprochenen Sprache erklären. Mit Deutsch als Landessprache wäre das anders.

Und im Artikel wird diese These dann so erklärt:

Unterscheidung zwischen Gegenwart und Zukunft
Der Ausgangsgedanke, auf der die Studie basiert, ist dabei sehr einfach. Und zwar ist die Grundlage die Tatsache, dass Sprachen grundsätzlich in zwei Gruppen eingeteilt werden können. Die eine Gruppe unterscheidet dabei deutlich zwischen Gegenwart und Zukunft, während bei der anderen Gruppe der Übergang fließender ist. So kann im Deutschen auch gesagt werden, „Morgen scheint die Sonne“, im Englischen wird dagegen in der Regel klar zwischen der Gegenwart („die Sonne scheint jetzt“) und der Zukunft („Morgen wird die Sonne scheinen“) unterschieden.

Wer sprachlich weniger trennt, spart mehr
Angesichts dieser Unterschiede fragte sich Chen, ob die letztgenannte Sprachgruppe mit einer klaren Trennung zwischen Heute und Morgen unter wirtschaftlichen Aspekten nicht auch den kurzfristigen Ertrag höher gewichten als den langfristigen Ertrag. „Das war in höchstem Maße der Fall. Sprachmuster können die Denkmuster und die Handlungsmuster beeinflussen“, so Chen.

Chen ist deshalb davon überzeugt, dass Menschen mit einem mehr fließenden Gebrauch von Gegenwart und Zukunft mehr Sparen, weniger Rauchen, sportlich aktiver sind und sich allgemein aktiver auf die Zukunft vorbereiten. Wer umgekehrt agiere und etwa weniger spare, kommuniziere und denke dagegen vermutlich mit einer klaren sprachlichen Differenzierung zwischen Gegenwart und Zukunft.

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Denkfallen und Paradoxa

17. März 2012 3 Kommentare

Das folgende Rätsel hat mir ein Kollege zugemailt:

1.

Hier soll in der letzten Zeile die fehlende Zahl ergänzt werden. Als ergänzender Text war noch zu lesen:

Das folgende Rätsel können Vorschulkinder in 5-10 Minuten lösen, Informatiker in einer Stunde und Menschen mit höherem Bildungsabschluss brauchen angeblich noch länger.

Die Logik dieses Satzes ist etwas verquer. Haben Informatiker etwa keinen höheren Bildungsabschluss? Aber egal, wenn ich mich dieser Logik anschließe, dann habe ich das Niveau eines einjährigen Säuglings, denn ich brauchte etwa eine Minute, bis ich die richtige Idee hatte. Aber natürlich ist das nicht ganz fair, denn die Aufgabe erinnerte mich an eine andere, auf die ich vor zwei Jahren gestoßen war und die ich damals nicht lösen konnte:
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